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Kommende Ramersdorf

 

Geschichte

Komture

Bilder

 

Deutschmeister / Ballei Aldenbiesen

Erzbistum Köln

Land: Herrschaft Löwenburg, dann Herzogtum Berg

 

I. Geschichte

Das genaue Gründungsdatum der Kommende liegt im Dunkel. Doch handelt es sich bei ihr um eine Gründung des 1246 verstorbenen Grafen Heinrich III. von Sayn und seiner Frau Mechthild. Die Gründung ist wohl im dritten Jahrzehnt des 13. Jahrhunderts anzusiedeln, da zwischen 1220 und 1230 die Kommendenkapelle errichtet wurde. Mit dem Ordensbruder Werner finden wir dann 1254 auch den ersten Komtur der Kommende1, dem der Abt von Siegburg am 18. Oktober 1254 die Güter zu Birgel und Muffendorf übereignet2. 1270 kommt es zu einem offenen Streit mit Johann von Löwenburg, der schließlich 1271 durch den Erzbischof Engelbert I. von Köln geschlichtet wird und Johann von Löwenburg zum Schutz aller auf seinem Gebiet befindlichen Leute der Kommende verpflichtet. Aber schon 1273 brach der Streit aufs neue auf und musste verhandelt werden3. Im letzten Viertel des 13. Jahrhunderts wurden die Gewölbe der Kommendenkapelle ausgemalt, wie auch die Wände des Chors4, in welchem sich auch ein Chorgestühl befand5, und des Langhauses der Kapelle um 1330 mit Malereien verziert wurden6. Die Besitzungen der Kommende lagen vor allem im Gebiet des Vorgebirges und des Bonner Raumes. Hierzu kamen noch Güter in Flandern und Brabant7, die jedoch 1296 an die Ballei Koblenz verkauft wurden8, Gebäude in Siegburg und Bonn9, wie auch Zinsen, Renten und eine Zollbefreiung10. Die Kommende, in der 1301 ein Ritterbruder als Komtur, zwei Priesterbrüder und ein weiterer Laienbruder lebte11, gelangte wohl 1324 in den Besitz des Deutschmeisters12 und umfasste auch 1329 nur einen Konvent von fünf Ordensbrüdern. Hierbei ist jedoch nicht ohne Interesse, dass bereits 1324 ein von ihr abhängiger Konvent in Heimerzheim bestand13, dessen Haus aber bereits in den 1350er Jahren verkauft wurde14. In den 1360er Jahren gelangte das Haus vollkommen in die Abhängigkeit des Deutschmeisters, der nun auch direkt in die geschäftlichen Angelegenheiten der Kommende eingriff15. Hierzu hat er wohl für eine kurze Zeit auch den Konvent der Kommende verschwinden lassen, welche er in dieser Zeit durch einen Ordenspriester verwalten ließ16. Die Wirtschaftsführung der Kommende wurde tief greifend verändert. So wurde am 20. Juli 1362 nicht nur das in Erbpacht genommene Gut Ollheim an die Abtei Siegburg zurückgegeben, sondern auch eigene Weingärten und Waldstück in Erbpacht gegeben17. Offensichtlich sollte hiermit eine Eigenbewirtschaftung von Gütern endgültig abgeschafft werden. Auch wurden am 13. September 1362 der Kommende Koblenz die Weingärten und Weinzinse, wie auch der Zins eines Hauses in Bonn, für 1.000 Kölnische Mark verkauft. Lediglich vier Morgen Land und verschiedene Zinse blieben der Kommende in diesem Gebiet erhalten18. Finanzielle Engpässe zwangen den Deutschmeister am 22. Juni 1366 auch zur Verpfändung des Gutes Hersel, welches den wertvollsten Besitz der Kommende darstellte19. Nachdem der Deutschmeister auf dem Generalkapitel vom 13. Februar 1371 die Kommende der Ballei Aldenbiesen übertragen hatte20, führte die anhaltende Finanzschwäche zu einer weiteren Abnahme des Besitzes. So wurde 1419 der Hof Ramersdorf durch den Landkomtur verpfändet, der ihn aber bereits 1424 zurück erwarb. Lebte 1410/11 noch ein Ordensbruder in der Kommende21, so war sie ab 1419 unbesetzt und wurde erst in den 1450er Jahren durch einen Priesterbruder als Komtur bezogen. Dann herrscht wieder Schweigen und die Geschäfte der Kommende werden erneut durch den Landkomtur getätigt. Erst ab 1539 wurde das Haus wieder regelmäßig mit einem Komtur besetzt22. Nachdem 1566 noch ein Hof des Klosters Kündighoven erworben werden konnte, beschloss das Balleikapitel von 1603 einen endgültigen Übergang der Güter Hersel, Buschdorf, Widdig und Grau-Rheindorf an die Landkommende, was zu einer wesentlichen Besitzminderung führte. Schon während der truchsessischen Wirren hatte die Kommende unter den Kriegszuständen zu leiden. So drangen am 9. Dezember 1586 zehn Freibeuter in die Kommende ein und nahmen den Komtur gefangen, der jedoch durch Bauern aus Kündighoven befreit werden konnte23. An Allerheiligen 1631 besetzen, im Verlauf des Dreißigjährigen Krieges, die Truppen der Schweden die Kommende. Sie vernichten den Wein und die Möbel der Kommende und nehmen alle übrigen Besitztümer mit, auch Stallknecht und Kommendenkaplan werden entführt. Auch alle zur Kommende gehörigen Güter werden geplündert und fast gänzlich ruiniert. Da die Gefahr aber nicht abnahm, empfahl das Balleikapitel dem Komtur 1634, dass er sich nach Bonn zurückzuziehen solle. Dort sei es sicherer und die verbliebenen Güter könnten auch von Bonn aus besser verwaltet werden. Ein Jahr später (1635) wird für die Kommende dann ein Kellner bestellt. Die wirtschaftlich Schwäche der Kommende führte zwischen 1653 und 1661 zu einer erneuten Vakanz der Kommende, deren Besitzungen in dieser Zeit durch den Pfarrer von Küdinghoven, Cornelius Rütten, verwaltet wurde24. Da die Kriege in der Umgebung kein Ende nahmen und zudem eine Nachlässigkeit in der Erhebung der Pachterträge herrschte, welche teils 30 Jahre nicht mehr eingeholt worden waren, befand sich die Kommende und ihre Güter 1729 wieder in einem katastrophalen Zustand. Bis 1732 ist dem neuen Verwalter der Kommende die Einholung großer Rückstände gelungen25. Schon 1715 hatte das Balleikapitel einen Neubau der Kommende beschlossen, der dann aber tatsächlich erst 1728 begann. Doch die Auseinandersetzung zwischen dem Hochmeister und dem Balleikapitel, welches ein kleines Kommendengebäude wünschte, brachten direkt wieder neue Stockungen. Mit 1.600 Reichstalern, so das Kapitel, könne die Kommende kein großes Gebäude errichten. 1735 wurde dann schließlich doch weiter gebaut und bereits im kommenden Jahr waren weite Teile fertiggestellt26. 1740 ließ der Komtur auch die Kommendenkapelle renovieren27, welche alljährlich am Georgstag das Ziel von Prozessionen aus Küdinghoven und Oberkassel war28. Fürsprecher all dieser Bemühungen war vor allem der Hochmeister und Kölner Kurfürst-Erzbischof Clemens August von Bayern, während das Balleikapitel die Kommende bis zur Einspielung der entstandenen Kosten unbesetzt gelassen hätte29. Im Verlauf des Siebenjährigen Krieges, drangen am 28. Juli 1758, morgens um 7.00 Uhr, preußische Husaren in die Kommende ein und verschleppten den Rentmeister und den Pfarrer von Küdinghoven als Geiseln nach Düsseldorf. Zur Freilassung forderten sie 2.000 Reichstaler, 600 Rationen und 103 Louisd’or Exekutionsgelder. Da die Zahlungen für die Kommende jedoch zu hoch waren, so handelte man die Zahlungen schließlich auf 500 Reichstaler und 250 Rationen herunter. Doch waren dies noch nicht alle Zahlungen, denn die Güter der Kommende hatten bis Juni 1759 weitere 450 Reichstaler und Stroh aufzubringen gehabt. Nachdem sich die Wirtschaft der Kommende wieder verbessert hatte30, verlor die Kommende 1794, in den Folgen der Französischen Revolution, ihre linksrheinischen Güter und damit ihre Lebensfähigkeit. Was ihr blieb belief sich auf zwei Morgen Ackerland, dreieinhalb Morgen Weingarten, vier Morgen Wiesen und drei Kühe. Faktisch konnte die Kommende damit nicht mehr vergeben werden, so dass die Einrichtung einer Sommerresidenz für den Landkomtur angeregt wurde31. 1802 wurde sie dann endgültig säkularisiert.

 

II. Komture32

Werner (1251)

Simon de Gandavio (1264-1270)

Bertold (1282)

Gerard von Runkel (1285-1291)

Gerard von Westerberg (1291-1296)

Robbo von Drachenfels (1304)

Everard (1328)

Walram von Tomberg (1338-1341)

Simon van der Tempel (1352-1359)

Hendrik van Leeuwen (vor 1371)

Diederik van Gemert (1444)

Arnold von Reeck (1450)

Franz von Reuschenberg (1533-1539)

Johann von Goer (1539-1547)

1572-1580 Vakanz

Edmond von Reuschenberg (1580-1591)

Johann von Reuschenberg (1591-1610)

Johann von Eynatten (1610)

Johann Raitz von Frentz (1610-1612)

Hendrik von Kolf von Vettelhoven (1612-1631)

Wilhelm von Metternich (1631-1638)

Edmond Godfried von Bocholtz (1638-1649)

1649-1661 Vakanz

Ferdinand von Rolshausen zu Butgenbach (1661-1663)

1663-1669 Vakanz

Bertram Wessel von Loe zu Wissen (1669-1671)

Wilhelm Dietrich von Kolf von Vettelhofen (1672-1677)

Rutger Kaspar von Schöller zu Schöller (1677-1682)

Friedrich von Renesse (1682-1683)

1683-1685 Vakanz

Heinrich Theobald von Goldstein (1685-1690)

Heinrich Schenck von Nideggen (1691-1697)

Johann Wilhelm von Kesselstadt (1697)

Bertram Anton von Wachtendonk (1699-1707)

Johann Hermann Spies von Büllesheim (1707-1715)

1715-1719 Vakanz

Johann Josef van der Noot (1719-1721)

Johann Kaspar von Hillesheim zu Ahrental (1721-1729)

1729-1738 Vakanz

Franz Theodoer von Rump zu Crange (1751-1753)

1753-1755 Vakanz

Lothar Franz von Horneck zu Weinheim (1755-1757)

Ferdinand Josef von Haecke (1757-1758)

1758-1761 Vakanz

Karl Ernst von Voit zu Salzburg (1761-1762)

Franz Johann von Reischach (1762-1767)

Franz Nikolaus von Kolf zu Vettelhoven (1767-1770)

Theodor Franz de Croix d’Heuchin (1770-1771)

Heinrich Johann von Droste zu Hülshoff (1771-1776)

Josef Franz von Schaesberg (1776-1778)

Heinrich August Marschall von Ostheim (1778-1784)

Friedrich Wilhelm von Bentinck (1784-1794)

Wilhelm Eugen de Wal (1794-1809)

 

1 Heinrich Neu, Die Deutschordenskommende Ramersdorf, Bonn 1961, S. 15-18
2 Heinrich Neu, Die Deutschordenskommende Ramersdorf, Bonn 1961, S. 23
3 Heinrich Neu, Die Deutschordenskommende Ramersdorf, Bonn 1961, S. 40
4 Heinrich Neu, Das Rheinland und der Deutsche Orden., in: Studien zum Deutschtum im Osten. Heft 5., Köln 1969, S. 18
5 Heinrich Neu, Die Deutschordenskommende Ramersdorf, Bonn 1961, S. 83
6 Heinrich Neu, Das Rheinland und der Deutsche Orden., in: Studien zum Deutschtum im Osten. Heft 5., Köln 1969, S. 18
7 Heinrich Neu, Die Deutschordenskommende Ramersdorf, Bonn 1961, S. 25
8 Heinrich Neu, Die Deutschordenskommende Ramersdorf, Bonn 1961, S. 41
9 Heinrich Neu, Die Deutschordenskommende Ramersdorf, Bonn 1961, S. 29-30
10 Heinrich Neu, Die Deutschordenskommende Ramersdorf, Bonn 1961, S. 38
11 Heinrich Neu, Die Deutschordenskommende Ramersdorf, Bonn 1961, S. 22
12 Heinrich Neu, Die Deutschordenskommende Ramersdorf, Bonn 1961, S. 43
13 Heinrich Neu, Die Deutschordenskommende Ramersdorf, Bonn 1961, S. 22
14 Heinrich Neu, Die Deutschordenskommende Ramersdorf, Bonn 1961, S. 44
15 Heinrich Neu, Die Deutschordenskommende Ramersdorf, Bonn 1961, S. 42
16 Heinrich Neu, Die Deutschordenskommende Ramersdorf, Bonn 1961, S. 21
17 Heinrich Neu, Die Deutschordenskommende Ramersdorf, Bonn 1961, S. 44
18 Heinrich Neu, Die Deutschordenskommende Ramersdorf, Bonn 1961, S. 30
19 Heinrich Neu, Die Deutschordenskommende Ramersdorf, Bonn 1961, S. 44
20 Klaus Militzer, Die Entstehung der Deutschordensballeien im Deutschen Reich, Bad Godesberg 1970, S. 161-162
21 Marian Biskup, Visitationen im Deutschen Orden im Mittelalter. Teil I, Marburg 2002, S. 65
22 Heinrich Neu, Die Deutschordenskommende Ramersdorf, Bonn 1961, S. 50-51
23 Heinrich Neu, Die Deutschordenskommende Ramersdorf, Bonn 1961, S. 54
24 Heinrich Neu, Die Deutschordenskommende Ramersdorf, Bonn 1961, S. 56-58
25 Heinrich Neu, Die Deutschordenskommende Ramersdorf, Bonn 1961, S. 62-63
26 Heinrich Neu, Die Deutschordenskommende Ramersdorf, Bonn 1961, S. 76-79
27 Heinrich Neu, Die Deutschordenskommende Ramersdorf, Bonn 1961, S. 64
28 Heinrich Neu, Die Deutschordenskommende Ramersdorf, Bonn 1961, S. 81
29 Heinrich Neu, Die Deutschordenskommende Ramersdorf, Bonn 1961, S. 79
30 Heinrich Neu, Die Deutschordenskommende Ramersdorf, Bonn 1961, S. 66-67
31 Heinrich Neu, Die Deutschordenskommende Ramersdorf, Bonn 1961, S. 71-73
32 Leden van de Duitse Orde in de Balije Biesen, Bilzen 1994, S. 174-176

 

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