Kommende Aken
Erzbistum Magdeburg
Land: Ebt. Magdeburg
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I Geschichte
Schon im Jahr 1263 hören wir, dass Herzogin Helena von Sachsen, die Witwe Herzog Albrechts, dem Heilig-Geist-Hospital in Aken eine Kapelle stiftete[1], die seit 1270 zum Akener Nikolaistift gehörte.
Am 10. Juni 1355 übertrug Herzog Rudolf I. von Sachsen das Heilig-Geist-Hospital in Aken den Brüdern des Deutschen Ordens. Die in Aken ausgestellte Schenkungsurkunde umfasste das Hospital mit sämtlichem Zubehör, die innerhalb des Hospitalhofes gelegene Kapelle sowie die mit ihr verbundenen Opfergaben[2]. Übertragen wurde auch das Zubehör des Hospitals: ein Hof und ein Wald in und bei Tornau[3], sieben Hufen Land, deren Lage mit „in campo Gneble“ bezeichnet wird[4], und zwei Hufen Land in einem als Gnelbe bezeichneten Ort.[6] Die Übertragung erfolgte zum Seelenheil des Herzogs, seiner Vorfahren und Nachkommen sowie zu Ehren Gottes, der Jungfrau Maria und des Heiligen Geistes.
Mit der Übernahme des Hospitals verpflichteten sich die Ordensbrüder, dort dauerhaft sechs arme und kranke Menschen zu versorgen. Starb einer der Hospitalinsassen oder konnte er nach seiner Genesung die Einrichtung verlassen, musste an seiner Stelle eine andere bedürftige Person aufgenommen werden. Daneben waren weiterhin zwei Personen zu unterhalten, denen die herkömmlichen geistlichen Pfründen des Hospitals zustanden.
Im Zusammenhang mit der Übertragung verzichteten die Ordensbrüder auf ihre bisherigen Geldansprüche aus drei Fleischscharren innerhalb der Stadt Aken. Dafür erhielten sie gemeinsam mit ihrem Gesinde die Abgabenfreiheit, die zuvor bereits dem Hospital zugestanden hatte. Herzog Rudolf stellte die Ordensgemeinschaft und ihre Einrichtung außerdem unter seinen landesherrlichen Schutz.
Als Entschädigung für die Abtretung der Hospitalkapelle überließ Herzog Rudolf dem Nikolaistift die Kirche des Dorfes Kürn mit sämtlichem Zubehör[5], und am 18. Juni 1355 erklärte der Dekan des Stifts den förmlichen Verzicht auf die Hospitalkapelle und alle damit verbundenen gegenwärtigen und zukünftigen Rechte. Die geistliche Versorgung der Ordensbrüder sowie der gesunden und kranken Angehörigen des Hospitals wurde den Ordenspriestern übertragen, welche zukünftig die Sakramente spenden sollten. Die Verstorbenen des Hospitals sollten weiterhin auf dem Friedhof des Nikolaistifts bestattet werden.
Als Gegenleistung für die Übertragung der Kirche zu Kürn verpflichtete sich das Nikolaistift, jährlich vier Gedächtnisfeiern für die sächsischen Herzöge sowie deren Vorfahren und Nachkommen abzuhalten. Diese fanden am Montag nach Laetare, am Montag nach der Oktav Johannes des Täufers, am Montag nach dem Mauritiustag und am ersten Montag im Advent statt. Zu den Feierlichkeiten gehörten Vigilien, eine gesungene Totenmesse sowie weitere Totenmessen der Kanoniker und Vikare. Auch die Schüler des Stifts waren an den liturgischen Handlungen beteiligt und erhielten dafür jeweils einen Denar.
Am 9. März 1356 gestattete Erzbischof Otto von Magdeburg auf besondere Bitte Herzog Rudolfs von Sachsen dem Komtur und den Brüdern des Deutschen Ordens beim Heilig-Geist-Hospital in Aken, einen eigenen Friedhof anzulegen. Dort durften die verstorbenen Ordensbrüder und Angehörigen ihrer Hausgemeinschaft bestattet werden, sofern dadurch keine bestehenden Rechte der Pfarrkirche beeinträchtigt wurden. Die Heilig-Geist-Kapelle diente weiterhin als Begräbnisstätte. Während Komture und Ritter innerhalb der Kapelle ihre letzte Ruhestätte fanden, erfolgten die Bestattungen der übrigen Angehörigen der Kommende und des Hospitals außerhalb des Gebäudes[6].
In einer Urkunde vom 19. November 1356 erscheint Heinrich ausdrücklich als Priester in Aken („Hinricus, sacerdos in Aken“). Er wird neben weiteren Ordensbrüdern als Beteiligter an einer Urkunde genannt[7].
Eine weitere Vergrößerung des Kommendebesitzes erfolgte am 11. Dezember 1357. An diesem Tag übertrug Herzog Rudolf II. von Sachsen in Wittenberg dem Deutschordenshaus beziehungsweise Hospital zu Aken ein als Jerchowe bezeichnetes Gehölz. In der Urkunde wurde ausdrücklich auf die unzureichende Holzversorgung der Ordensbrüder hingewiesen. Die Übertragung erstreckte sich auf das gesamte Gehölz einschließlich des zugehörigen Grund und Bodens, sämtlicher Bäume und Sträucher, der Weide- und Grasflächen sowie aller gegenwärtigen und zukünftigen Nutzungen. Der Herzog verzichtete auf seine bisherigen und künftigen Besitzansprüche, behielt sich jedoch das landesherrliche Schutz- und Herrschaftsrecht vor. Für die Überlassung des Gehölzes hatten ihm die Ordensbrüder eine in der Urkunde als freiwillig bezeichnete Zuwendung von 40 Mark Silber brandenburgischer Münze geleistet[8].
Im Jahr 1433 erscheint Donat Zehn als Komtur zu Aken. Sein Name findet sich unter den Unterzeichnern einer Urkunde, mit der die Kommende Bergen einen jährlichen Zins von dreieinhalb rheinischen Gulden an Clara Wulf, Äbtissin des Magdeburger Lorenzklosters, verkaufte.
Im Jahr 1451 wurde der Akener Ordenshof im Rahmen einer Visitation auf seinen baulichen und personellen Zustand untersucht. Die Visitatoren Georg von Egloffstein und Jost Kropp ließen den Verwalter der Akener Niederlassung zu sich nach Buro kommen. Ihrem Bericht zufolge war der Hof in Aken zeitweilig unbewirtschaftet gewesen und anschließend auf Veranlassung des Statthalters der Ballei Sachsen wieder aufgebaut worden. In Aken befand sich zu dieser Zeit lediglich ein Laienbruder, dessen Name im Visitationsbericht nicht festgehalten wurde.
Im Jahr 1504 bestätigte Erzbischof Ernst von Magdeburg einen Vertrag über einen Wiederkauf zwischen dem Rat der Stadt Aken und dem Komtur der Niederlassung. Gegenstand des Vertrages waren die Feldmark Blumenau und das Zieglerholz. Ein früherer Vertrag über die Veräußerung dieses Besitzes an die Stadt war bereits von Erzbischof Johann von Magdeburg gebilligt worden. Als Vertreter des Deutschen Ordens unterzeichnete Albrecht von Isenborg.
Im folgenden Jahr berichtete Landkomtur Konrad von Uttenrode dem Deutschmeister Hartmann von Stockheim über die wirtschaftlichen und rechtlichen Verhältnisse des Akener Ordenshofes. Der Amtmann von Calbe verlangte wiederholt Dienstleistungen von dem Hof, obwohl die Niederlassung von entsprechenden landesherrlichen Verpflichtungen befreit war. Der Ordenshof verfügte damals über keinen eigenen Komtur, sondern wurde von einem Hofmeister verwaltet. Dieser musste sich wegen der Forderungen des Amtmanns wiederholt nach Halle begeben. Der Hof wurde in dem Schreiben als gering bezeichnet.
Im Jahr 1507 erscheint Heinrich Kalitsch als Komtur von Aken. Er gehörte zu den Ordensbrüdern, die an der Versammlung anlässlich der Ablösung Konrads von Uttenrode vom Amt des Landkomturs der Ballei Sachsen teilnahmen.
Im Jahr 1526 fand eine Visitation der Akener Kommende statt. Das Ordenshaus war sieben oder acht Jahre lang an einen Bauern verpachtet gewesen. Als Komtur wird Balthasar Wildenheim genannt. Das Haus war zu diesem Zeitpunkt verlassen und befand sich in einem stark baufälligen Zustand. Vier Angehörige der Akener Niederlassung waren in die Ordenshäuser Buro und Bergen gegangen. Für Aken wird nur noch eine Person erwähnt, bei der es sich um einen Priester handelte.
Im Jahr 1533 erwähnte Landkomtur Burkhard von Pappenheim in einem Schreiben an Kardinal Albrecht, Erzbischof von Magdeburg, seine Haushalter beziehungsweise Hauskomture zu Bergen und Aken.
Im Jahr 1538 berichtete Burkhard von Pappenheim dem Hochmeister Walther von Cronberg über die Rechtsverhältnisse der Kommende. Die Komture waren zu den Landtagen des Erzstifts Magdeburg geladen worden, jedoch nicht erschienen. Auch die vom Erzbischof geforderten Steuern waren nicht entrichtet worden. Die Inhaber der Ordenshäuser Bergen und Aken standen nicht unter einem besonderen erzbischöflichen Schutz und hatten hierfür auch keine Leistungen erbracht.
Eine besondere Verpflichtung bestand dagegen für das Akener Ordenshaus hinsichtlich der sogenannten Wildfuhren. Das im Amt Calbe gefangene Wild musste zum jeweiligen Hoflager des Erzbischofs beziehungsweise seiner Räte transportiert werden. Die Kommende verweigerte diese Transporte mehrfach. Bei einer Gelegenheit blieb das Wild acht Tage liegen, bevor der Komtur nach wiederholten Aufforderungen schließlich dessen Beförderung nach Calbe veranlasste.
Während seiner Amtszeit kam es wiederholt zu Auseinandersetzungen zwischen der Kommende, dem Rat der Stadt Aken und dem Hauptmann des Amtes Calbe. Im Jahr 1567 vertrat Johann Philipp Kleemann den Komtur gegenüber dem Akener Stadtrat. Er forderte eine Stellungnahme zu sieben strittigen Punkten, die bis zum angekündigten Besuch des Landkomturs Heinrich Gamm vorgelegt werden sollte.
Nach dem Tod Hans von Lattorffs im Jahr 1571 erhielt Matthias Peccatell den Ordenshof Aken zunächst als Hauskomtur.[28] 1577 vertrat Matthias Peccatell gemeinsam mit Otto von Blanckenburg, dem Komtur zu Langeln, den Landkomtur Johann von Lossow auf dem in Neckarsulm abgehaltenen Generalkapitel des Deutschen Ordens.
Die Auseinandersetzungen zwischen der Kommende und der Stadt Aken dauerten auch unter Peccatell an. Im Jahr 1581 kam es schließlich zu einem Vergleich zwischen der Stadt und dem Komtur, der sechs strittige Punkte behandelte.
Bei der Visitation von 1591 war Matthias Peccatell weiterhin Komtur zu Aken. Das Visitationsprotokoll berichtet, dass er mit einer inzwischen verstorbenen Frau zwei Kinder gezeugt hatte und bis dahin keine weitere Frau zu sich genommen hatte. An der Visitation selbst nahm Peccatell nicht teil.
Im Jahr 1595 erscheint Matthias Peccatell erneut urkundlich als Komtur zu Aken. Er unterzeichnete und besiegelte in Buro eine Urkunde gemeinsam mit dem Landkomtur sowie mehreren weiteren Komturen. In seiner Unterschrift bezeichnete er sich als „Mattias Pekatell cummenthur zu Aken“.
Um 1600 war Joachim von Hopfkorb Komtur zu Aken und zugleich Hauptmann zu Wolmirstedt. Im Jahr 1611 ließ er einen Chor in der Akener Marienkirche errichten, an dem sein Name und sein Wappen angebracht waren.
Im Jahr 1643 starb Joachim Ernst von Thümen. In einem Schreiben an Herzog August, den Administrator des Erzstifts Magdeburg, berichtete der Landkomtur über den Tod des Akener Komturs und den Zustand der Niederlassung. Der Ordenshof war infolge der langjährigen Kriegsbelastungen wirtschaftlich vollständig ruiniert. Die verbliebenen Mittel reichten nicht einmal mehr aus, um dem verstorbenen Komtur eine standesgemäße Bestattung auszurichten. Der Landkomtur bat deshalb darum, aus den herzoglichen Forsten das benötigte Holz zur Deckung der unumgänglichen Begräbniskosten zur Verfügung zu stellen. Zur Begründung berief er sich auf ein althergebrachtes Recht der Kommende.
Im Jahr 1652 ist Melchior von Spitznase als Komtur zu Aken nachgewiesen. Er starb 1665 und wurde in der Akener Marienkirche beigesetzt. Nach seinem Tod wurde der Komturhof verpachtet.
Seit 1703 wurden Verhandlungen über die Veräußerung der Kommende mit der Kammer des zum Königreich Preußen gehörenden Herzogtums Magdeburg geführt. Am 18. März 1718 wurde der Kaufvertrag abgeschlossen. Die Übergabe des Ordenshauses erfolgte am Johannistag, dem 24. Juni 1718, vorbehaltlich der noch einzuholenden königlichen Zustimmung.
Die Kommende Aken wurde gemeinsam mit der Kommende Dommitzsch veräußert. Der für beide Besitzungen vereinbarte Gesamtkaufpreis betrug 24.000 Reichstaler. Ein Schreiben des Hochmeisters Franz Ludwig von Ehrenbreitstein vom 29. Januar 1722 behandelte die Bestätigung der entsprechenden Beschlüsse des Balleikapitels von 1721. Die ehemalige Kommende ging damit in den preußischen Fiskalbesitz über.
Die einst im Komturhof befindliche und dem heiligen Andreas geweihte Kapelle hatte einen eigenen Altaristen und einen Küster besessen. Nach der Säkularisierung der geistlichen Einrichtungen wurde sie als Pferdestall genutzt. Die Heilig-Geist-Kapelle auf dem Kirchhof von St. Nikolai, in der auch Ordensritter bestattet worden waren, wurde 1750 abgebrochen. Die Andreaskapelle war 1885 ebenfalls nicht mehr vorhanden. Im Jahr 1848 verblieb der ehemalige Komturhof nach der Aufteilung der Domäne bei der Stadt Aken[9].
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II Komture
Donat Zehn (erw. 1433)[10]
Laurentz Berlyn (erw. 1419)
Heinrich Kalitsch (erw. 1507)
Balthasar Wildenheim (erw. 1519, 1526)
Hans Henning ( ? -1540)
Hans von Lattorff (1540-1571)[11]
Ernst von Lattorff (1571)[12]
Matthias Peccatell (erw. 1573, 1581, 1595)[13]
… von Hewen (erw. 1595)
Joachim von Hopfkorb (1600-1611)
Joachim Ernst von Thümen (1611-1643)
Melchior von Spitznase (1652-1665)[14]
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[1] http://ernstfherbst.de/do/sa/ak/ak-inh.htm (01.10.2026)
[2] Ernst Behr, Zur Geschichte der Deutschordenskommende Aken, in: Geschichtsblätter für Stadt und Land Magdeburg, Bd. 31, Magdeburg 1896, S. 223-224
[3] http://ernstfherbst.de/do/sa/ak/ak-inh.htm (01.10.2026)
[4] Ernst Behr, Zur Geschichte der Deutschordenskommende Aken, in: Geschichtsblätter für Stadt und Land Magdeburg, Bd. 31, Magdeburg 1896, S. 222-224
[5] Ernst Behr, Zur Geschichte der Deutschordenskommende Aken, in: Geschichtsblätter für Stadt und Land Magdeburg, Bd. 31, Magdeburg 1896, S. 222-227
[6] Ernst Behr, Zur Geschichte der Deutschordenskommende Aken, in: Geschichtsblätter für Stadt und Land Magdeburg, Bd. 31, Magdeburg 1896, S. 222-227
[7] http://ernstfherbst.de/do/sa/ak/ak-inh.htm (01.10.2026)
[8] Ernst Behr, Zur Geschichte der Deutschordenskommende Aken, in: Geschichtsblätter für Stadt und Land Magdeburg, Bd. 31, Magdeburg 1896, S. 227-228
[9] http://ernstfherbst.de/do/sa/ak/ak-inh.htm (01.10.2026)
[10] http://www.ernstfherbst.de/do/lo/vo/050911_bergen_kommendetag.htm (21.07.2013)
[11] http://www.ernstfherbst.de/do/lo/vo/050911_bergen_kommendetag.htm (21.07.2013)
[12] http://ernstfherbst.de/do/sa/ak/ak-inh.htm (24.10.2018)
[13] http://ernstherbst.online.de/hist/urk/1573_0706_ba_sa_hdm.pdf (17. Juli 2010)
[14] http://www.ernstfherbst.de/do/lo/vo/050911_bergen_kommendetag.htm (21.07.2013)
