Kommende Bergen
Erzbistum Magdeburg
Land: Fürsterzbistum Magdeburg, Herzogtum Magdeburg (ab 1648)
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I Geschichte
Am 3. Mai 1272 verkauften Walther, Burchard und Albert von Barby Bergen bei Rodensleben mit Wiesen, Weiden, Vogtei und den zugehörigen Rechten an den Deutschen Orden. Ausgenommen blieben lediglich der Zehnt und das Zehntrecht. Noch am selben Tag verpflichteten sie sich, dafür zu sorgen, dass ihre noch minderjährigen Erben den Verkauf nach Erreichen der Volljährigkeit anerkennen würden[1]. In diesem Jahr wurde die Kommende eingerichtet, deren Kirche im Jahr 1277 die Ablässe verschiedener Bischöfe erhielt[2].
Die Besitzrechte des Ordens waren zunächst Gegenstand mehrerer Auseinandersetzungen. So wurde am 6. Oktober 1281 ein Vergleich mit dem Stift Stendal geschlossen, das auf seine Ansprüche an Bergen verzichtete[3]. Am 18. Juni 1285 genehmigte Markgraf Konrad von Brandenburg die Abtretung des Dorfes und der Kirche in Bergen an den Deutschen Orden[4]. Nachdem 1285 erstmals ein Komtur erwähnt wurde[5], sind für 1288 auch Güter außerhalb Bergens belegt[6].
Am 23. Februar 1310 erhielt die Kommende von Heinrich und Friedrich von Alvensleben das Patronat der Pfarrkirche zu Groß-Rodensleben[7], und am 19. Oktober 1313 kamen Zehnthebungen zu Bergen hinzu, die von diesen erworben worden waren.
Am 13. April 1315 verkauften Heinrich, Friedrich, Gebhard und Gunter von Alvensleben der Kommende die bei Groß-Rodensleben gelegene Dorfstätte Klinte. In der Urkunde werden zwölf große Hufen, zwei Hufen in Groß-Rodensleben und ein jährlicher Ertrag von sieben Mark genannt; der Kaufpreis betrug 140 Mark Stendaler Silber[8]. Am 28. März 1317 erhielt die Kommende das Eigentum an der wüsten Dorfstätte Klinte mit zehn Hufen ihrer Feldmark sowie an zwei Hufen in Groß-Rodensleben. Zu Klinte gehörten Äcker, bebautes und unbebautes Land, Wege, Wiesen, Weiden, Wasserläufe und weitere zugehörige Rechte[9]. Am 21. März 1318 kamen durch eine Schenkung Markgraf Woldemars weitere eineinhalb Hufen Land in Groß-Rodensleben hinzu[10].
Der Kommendenbau war ein burgartiges Gehöft mit Stallungen und Brauerei. Unweit davon lagen dazugehörige Fischteiche und eine Wassermühle. Die Einnahmen der Kommende stammten vor allem aus der Landwirtschaft, doch befand sie sich seit dem 14. Jahrhundert im wirtschaftlichen Niedergang[11].
Im Jahr 1451 bestand der Kommendenkonvent aus dem Pfarrer und zwei Laienbrüdern[12]. Nachdem die Kommende 1533 zwischenzeitlich verpfändet worden war[13], gab es hier immer noch einen Pfarrer, doch war die Pfarrstelle 1563 unbesetzt[14].
Im letzten Drittel des 16. Jahrhunderts wurde die Kommendenanlage unter Komtur Hans von Lossow baulich verändert[15]. Nachdem 1570 ein neues Wohnhaus für den Komtur errichtet worden war[16], wurden auch weitere Teile der Anlage erneuert.
Ein Turmbau der Anlage besaß über einem massiven Unterbau zwei Fachwerkgeschosse und war mit Haube und Laterne bekrönt. Eine Bauinschrift an seiner Ostseite datierte die Arbeiten auf 1586 und nannte Hans von Lossow. Am Giebel des anschließenden Stalls befand sich eine Kartusche mit der Jahreszahl 1601 und dem Namen Hans Lossow.
Als der Komtur Balthasar von Eimbeck 1632 in Bergen verstarb, nahm Fürst Ludwig von Anhalt, damals schwedischer Statthalter in Magdeburg, Bergen als ehemaliges Lehen des Erzstifts in Besitz. Der Landkomtur Arnd von Sandow erhob dagegen Einspruch. In diesem Zusammenhang wurde 1632 ein ausführliches Inventar der Kommendenanlage aufgenommen.
Der Zugang zur Kommende führte über einen Schlagbaum, eine Brücke, eine damals neue Zugbrücke und ein Flügeltor mit eisernem Rechen am Pforthaus vorbei in den inneren Hof. Das von Hans von Lossow errichtete „neue Gebäude“ enthielt mehrere Wohn- und Repräsentationsräume. Im unteren Saal hingen vier gemalte Tafeln mit Darstellungen der Familien Lossow und Bryzken. Eine große Stube besaß eine umlaufende Bank, drei Tische, darunter einen Marmortisch, sechs Fenster, Wandtäfelung, einen hängenden Leuchter und einen Lehnstuhl. Weitere Räume bestanden aus einer Schlafstube, einer kleinen Stube mit Kammer, einem Rollboden, einer Saatkammer und einer dunklen Kammer sowie unter dem Dach aus einer Federkammer, einer Seigerkammer und einer Hopfenkammer.
Beim Uhrwerk befanden sich zwei mittlere und eine kleine Glocke; eine weitere kleine Glocke hing außen am Turm.
Neben dem Pforthaus befand sich die Schreiberei. Auf deren Boden standen zwei als „Jungfern“ bezeichnete Vorrichtungen, in die Gefangene eingeschlossen werden konnten. Außerdem werden dort ein Harnisch und ein eisernes Gitter genannt. Eine Rüstkammer gehörte ebenfalls zu diesem Bereich.
Zum Wirtschaftsbetrieb der Kommende gehörte ein Brauhaus. Im Garten beim Wirtschaftshof befanden sich vier neue Rinnen, durch die Wasser von Hand zum Brauhaus geführt wurde. Ein weiteres Gebäude enthielt einen Saal, eine getäfelte Herrenstube, ein Schreibstübchen sowie jeweils eine Kammer für den Komtur und den Landkomtur.
Auch die Ausstattung der Kirche wurde 1632 erfasst. Genannt werden Gestühl für den Komtur und den Schreiber, ein Altar, Kommunikantenbänke, eine Kanzel, ein hölzerner Taufstein und ein Beichtstuhl. Weiter werden ältere Altarausstattung, eine Samtkasel, Frauengestühl, ein Kruzifix und zwei gemalte Tafeln aufgeführt.
Außerhalb des Grabens lagen ein umzäunter Küchengarten, 16 Wohnhäuser, der eingefriedete Kirchhof und eine Mühle mit zwei Mahlgängen. Die Bemühungen des Deutschen Ordens um die Rückgewinnung der Kommende blieben bis zum Abzug der Schweden im Jahr 1635 erfolglos[17].
Eine Glocke der Kapelle trägt den Namen des Gießers Friedrich Helmhold und die Jahreszahl 1661[18]. Der Altaraufsatz trägt die Jahreszahl 1689. Sein Mittelteil enthält eine spätgotische Kreuzigungsgruppe aus geschnitzten Figuren, die Predella zeigt das Abendmahl und der obere Aufbau die Taufe Jesu. Die Kanzel zeigte Darstellungen der Evangelisten. Außerdem befanden sich in der Kapelle Wandbilder mit der Anbetung des Kindes, dem Seesturm und einem segnenden Christus.
Zur Ausstattung der Kapelle gehörten auch zwei ältere Steinskulpturen, eine Muttergottes und ein thronender Christus. Sie werden in die zweite Hälfte des 12. Jahrhunderts datiert. Die Christusfigur wird mit einem aufgeschlagenen Buch beziehungsweise vor einem Lesepult beschrieben.
Die Kapelle misst etwa 6,85 × 11,20 Meter. An ihrer Südseite befanden sich kleine, wohl noch romanische Rundbogenfenster sowie zwei Flachbogenfenster. An der Nordseite gab es ein Flachbogenfenster und ein Rechteckfenster mit der Jahreszahl 1573. Die Tür war rundbogig; der Innenraum besaß eine flache Decke.
Im Jahr 1809 wurde die Kommende durch die westphälische Regierung aufgehoben und anschließend an Jakobsohn verkauft[19].
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[1] Adolph Friedrich Riedel, Codex diplomaticus Brandenburgensis. Sammlung der Urkunden, Chroniken und sonstigen Quellenschriften für die Geschichte der Mark Brandenburg und ihrer Regenten, Hauptteil 2: Urkunden-Sammlung zur Geschichte der auswärtigen Verhältnisse der Mark Brandenburg und ihrer Regenten, Bd. 1, Berlin 1843, S. 114–116
[2] Heinrich Bergner, Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Kreises Wanzleben, herausgegeben von der Historischen Kommission für die Provinz Sachsen und das Herzogtum Anhalt, Halle a. d. S. 1912, S. 27
[3] Adolph Friedrich Riedel, Codex diplomaticus Brandenburgensis. Sammlung der Urkunden, Chroniken und sonstigen Quellenschriften für die Geschichte der Mark Brandenburg und ihrer Regenten, Hauptteil 2: Urkunden-Sammlung zur Geschichte der auswärtigen Verhältnisse der Mark Brandenburg und ihrer Regenten, Bd. 1, Berlin 1843, S. 151–152
[4] Adolph Friedrich Riedel, Codex diplomaticus Brandenburgensis. Sammlung der Urkunden, Chroniken und sonstigen Quellenschriften für die Geschichte der Mark Brandenburg und ihrer Regenten, Hauptteil 2: Urkunden-Sammlung zur Geschichte der auswärtigen Verhältnisse der Mark Brandenburg und ihrer Regenten, Bd. 1, Berlin 1843, S. 182
[5] Hans G. Böhm, Die Deutschordensballei Sachsen, Bad Mergentheim 2000, S. 13
[6] Hans G. Böhm, Die Deutschordensballei Sachsen, Bad Mergentheim 2000, S. 12
[7] Adolph Friedrich Riedel, Codex diplomaticus Brandenburgensis. Sammlung der Urkunden, Chroniken und sonstigen Quellenschriften für die Geschichte der Mark Brandenburg und ihrer Regenten, Hauptteil 2: Urkunden-Sammlung zur Geschichte der auswärtigen Verhältnisse der Mark Brandenburg und ihrer Regenten, Bd. 1, Berlin 1843, S. 288
[8] Adolph Friedrich Riedel, Codex diplomaticus Brandenburgensis. Sammlung der Urkunden, Chroniken und sonstigen Quellenschriften für die Geschichte der Mark Brandenburg und ihrer Regenten, Hauptteil 2: Urkunden-Sammlung zur Geschichte der auswärtigen Verhältnisse der Mark Brandenburg und ihrer Regenten, Bd. 1, Berlin 1843, S. 53-54
[9] Adolph Friedrich Riedel, Codex diplomaticus Brandenburgensis. Sammlung der Urkunden, Chroniken und sonstigen Quellenschriften für die Geschichte der Mark Brandenburg und ihrer Regenten, Hauptteil 2: Urkunden-Sammlung zur Geschichte der auswärtigen Verhältnisse der Mark Brandenburg und ihrer Regenten, Bd. 1, Berlin 1843, S. 400
[10] Adolph Friedrich Riedel, Codex diplomaticus Brandenburgensis. Sammlung der Urkunden, Chroniken und sonstigen Quellenschriften für die Geschichte der Mark Brandenburg und ihrer Regenten, Hauptteil 2: Urkunden-Sammlung zur Geschichte der auswärtigen Verhältnisse der Mark Brandenburg und ihrer Regenten, Bd. 1, Berlin 1843, S. 420
[11] Hans G. Böhm, Die Deutschordensballei Sachsen, Bad Mergentheim 2000, S. 13
[12] Marian Biskup, Visitationen im Deutschen Orden im Mittelalter, Teil II: 1450–1519 , Marburg 2004, S. 120
[13] Hans G. Böhm, Die Deutschordensballei Sachsen, Bad Mergentheim 2000, S. 14
[14] Heinrich Bergner, Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Kreises Wanzleben, herausgegeben von der Historischen Kommission für die Provinz Sachsen und das Herzogtum Anhalt, Halle a. d. S. 1912, S. 27
[15] Heinrich Bergner, Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Kreises Wanzleben, herausgegeben von der Historischen Kommission für die Provinz Sachsen und das Herzogtum Anhalt, Halle a. d. S. 1912, S. 29-30
[16] Hans G. Böhm, Die Deutschordensballei Sachsen, Bad Mergentheim 2000, S. 14
[17] Heinrich Bergner, Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Kreises Wanzleben, herausgegeben von der Historischen Kommission für die Provinz Sachsen und das Herzogtum Anhalt, Halle a. d. S. 1912, S. 28-29
[18] Heinrich Bergner, Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Kreises Wanzleben, herausgegeben von der Historischen Kommission für die Provinz Sachsen und das Herzogtum Anhalt, Halle a. d. S. 1912, S. 33
[19] Heinrich Bergner, Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Kreises Wanzleben, herausgegeben von der Historischen Kommission für die Provinz Sachsen und das Herzogtum Anhalt, Halle a. d. S. 1912, S. 27-31
