Kommende Agrigent
Bistum Agrigento
Land: Königreich Sizilien
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I Geschichte
Der Deutsche Orden ist in Agrigent erstmals im Juli 1215 nachweisbar. Damals tauschte der Kanoniker Goffredo mit Zustimmung seiner Familie Häuser bei der Kirche San Giovanni mit dem Orden. Auf dessen Seite handelten Teodorico, Präzeptor der Ordenshäuser in Sizilien, sowie die Brüder Guerla, Attavianus und Pietro. Goffredo erhielt dafür ein zuvor von Attavianus dem Orden geschenktes Haus mit Zubehör sowie zum Wertausgleich 70 Tarì von Mabalda, Gräfin von Agrigent[1].
Eine festere institutionelle Grundlage erhielt die Niederlassung 1235, als Bischof Ursone von Agrigent Bruder Enrico di Taranto, dem preceptor domorum Siciliae hospitalis Theutonicorum Hierusalem, die Kirche San Giovanni Battista und ein Hospital zuwies, das später als Santa Maria dei Teutonici bezeichnet wurde[2].
In der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts lässt sich ein wachsender Grund- und Immobilienbesitz der Niederlassung erkennen. Er entstand durch Schenkungen, Erwerbungen und Vergleiche. 1266 übertrug Maberlia, Tochter des verstorbenen Orlando Malettus, dem Orden unter anderem eine Mühle am Fluss von Castronovo, ein Centimulum und weitere Güter, behielt sich daran jedoch den lebenslangen Nießbrauch vor. Im folgenden Jahr wurde ein Streit des sizilianischen Generalpräzeptors Terrinus de Pafnihovin mit Adamo de Calcia um Häuser sowie einen Weinberg mit Garten in Agrigent durch einen Vergleich beigelegt[3]. 1274 vergab der Generalpräzeptor Florencius ein Haus innerhalb der Stadtmauern gegen einen jährlichen Zins[4].
Seit den 1280er Jahren treten eigene Amtsträger der Agrigentiner Niederlassung deutlicher hervor. Giovanni de Gerlando wird 1285 als Präzeptor und Ökonom der Güter von Santa Maria dei Teutonici beziehungsweise San Giovanni bezeichnet[5]. In dieser Funktion vergab er 1287 einen Casalino außerhalb der Porta Balnei[6]. Im folgenden Jahr nahm er die Schenkung Giovanni de Milites und seiner Frau Riccarda an, die sich selbst sowie ein Haus und einen Weinberg der Kirche übertrugen, sich aber lebenslange Nutzungsrechte vorbehielten[7].
Auch um 1300 setzte sich diese Form des Besitzaufbaus fort. 1299 schenkte Simona, Witwe des Notars Giovanni Sennensis, der Santa Trinità dei Teutonici von Palermo einen Weinberg; die Schenkung wurde durch Fulçus, Präzeptor von San Giovanni in Agrigent, entgegengenommen. Dabei werden zugleich Confratelli der Agrigentiner Kirche genannt[8]. Im folgenden Jahr übertrug Riccarda, inzwischen Witwe Giovanni de Milites und soror conversa von San Giovanni, dem Orden weitere bewegliche und unbewegliche Güter[9]. Unter Giovanni de Gangi erwarb die Kirche 1303 einen weiteren Casalino innerhalb der Stadtmauern[10]. Zwei Jahre später erhielt San Giovanni unter Präzeptor Girolamo zwei Häuser und einen Weinberg als Schenkung[11]. Girolamo, der kurz darauf als Girolamo de Novo Castro erscheint, nahm im selben Jahr weitere Rechte an ererbten Gütern entgegen[12].
Auch testamentarische Zuwendungen spielten eine Rolle. Vor August 1309 bestimmte der Richter Guglielmo, dass nach dem Tod seiner Frau Pagana mehrere Häuser und Läden in Agrigent an Santa Trinità dei Teutonici fallen sollten. Die Abschrift des Testaments wurde auf Antrag Rainaldo Marinets angefertigt, der als Prokurator von San Giovanni im Namen des Generalpräzeptors Guglielmo de Lincemich handelte[13]. 1314 schenkte Enrico Russus nach einer Teilung des Familienvermögens sich selbst und umfangreichen Besitz, darunter Häuser, eine Taverne, Weinberge, Tiere, Diener und Fässer, dem Hospital San Giovanni[14]. Im folgenden Jahr erscheint er als Confrater des Deutschen Ordens und übertrug der Ordenskirche weitere Güter und Einkünfte[15].
Die wirtschaftliche Lage der Niederlassung war jedoch nicht durchgehend günstig. 1332 beschäftigte König Friedrich III. eine Schuld der Kirche San Giovanni dei Teutonici, die auf von Serena de Aspello hinterlassenen Gütern lastete und vom Syndikus der Kirche nicht beglichen werden konnte. Noch im selben Jahr wurden der Baiulus und die Richter von Agrigent auf Antrag des Syndikus in derselben Angelegenheit tätig[16]. 1344 ließ König Ludwig von Sizilien auf Antrag Giovanni de Colonias, Syndikus des Deutschen Ordens in Sizilien und Präzeptor von San Giovanni in Agrigent, Untersuchungen über dem Orden entzogene Güter einleiten[17].
Giovanni de Colonia erscheint auch 1353 als Administrator beziehungsweise Prokurator der Agrigentiner casa. In einem Rechtsstreit um ein Haus trat daneben Giovanni de Busindali ausdrücklich als Präzeptor der Deutschordensniederlassung von Agrigent auf. Unter Helmericus de Cibo erwarb die Kirche 1356 vier Häuser in der Umgebung von San Giovanni. Eine spätere Abschrift des zugehörigen Verfahrens nennt denselben Präzeptor unter der Namensform Helmericus de Dyapas; das Personenregister führt beide Formen unter einem Eintrag[18]. 1368 wird derselbe Amtsträger als Almericus de Ypac und Präzeptor von San Giovanni Battista genannt. Zu diesem Zeitpunkt war die Kirche wegen rückständiger päpstlicher Zehnten mit einem Interdikt belegt gewesen. Bei dessen Aufhebung wurden ausdrücklich die Dienste des Präzeptors und die Armut der Agrigentiner Kirche hervorgehoben[19].
Nach dem Tod Andrea Chiaromontes 1392 erscheinen die Kirche San Giovanni Battista und das Hospital Santa Maria dei Teutonici unter den konfiszierten Besitzungen der Familie Chiaromonte[20]. Ungeachtet dessen wird Agrigent in der Darstellung der sizilianischen Ordensorganisation um 1400 ausdrücklich als eine der acht Kommenden der Ballei Sizilien geführt[21].
Zu Beginn des 15. Jahrhunderts ist vor allem die Verwaltung des vorhandenen Immobilienbesitzes greifbar. Giovanni de Sefima beziehungsweise de Xefima handelte dabei als Prokurator des sizilianischen Großpräzeptors Federico de Kirperch sowie als Ökonom von San Giovanni Battista. 1405 vergab er Häuser in der Contrata San Gerlando für 29 Jahre gegen einen jährlichen Zins[22]. Im folgenden Jahr folgten ein Haus mit casalino in der Contrata Fontarum und ein Weinberg in der Contrata San Lorenzo. Auch 1407 ist er bei der Vergabe von Ordensbesitz in Agrigent nachweisbar[23]. Für 1408/09 ist die langfristige Vergabe eines Hauses in der Contrata Santa Cecilia belegt. Im Mai 1409 vergab er schließlich eine Taverne an der Porta Mazara ebenfalls für 29 Jahre gegen jährlichen Zins[24].
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[1] Elisabetta Lo Cascio, Il Tabulario della Magione di Palermo (1116–1643). Repertorio, Roma 2011, S. 34
[2] Donatella Mangione, Separarsi dall’antico. Agrigentum Kerkent Girgenti, in: Annali della Scuola Normale Superiore di Pisa. Classe di Lettere e Filosofia, Serie 5, Bd. 15/2, Supplemento, 2023, S. 113
[3] Elisabetta Lo Cascio, Il Tabulario della Magione di Palermo (1116–1643). Repertorio, Roma 2011, S. 89-92
[4] Elisabetta Lo Cascio, Il Tabulario della Magione di Palermo (1116–1643). Repertorio, Roma 2011, S. 100
[5] Elisabetta Lo Cascio, Il Tabulario della Magione di Palermo (1116–1643). Repertorio, Roma 2011, S. 117-118
[6] Elisabetta Lo Cascio, Il Tabulario della Magione di Palermo (1116–1643). Repertorio, Roma 2011, S. 124
[7] Elisabetta Lo Cascio, Il Tabulario della Magione di Palermo (1116–1643). Repertorio, Roma 2011, S. 127
[8] Elisabetta Lo Cascio, Il Tabulario della Magione di Palermo (1116–1643). Repertorio, Roma 2011, S. 192
[9] Elisabetta Lo Cascio, Il Tabulario della Magione di Palermo (1116–1643). Repertorio, Roma 2011, S. 195
[10] Elisabetta Lo Cascio, Il Tabulario della Magione di Palermo (1116–1643). Repertorio, Roma 2011, S. 225
[11] Elisabetta Lo Cascio, Il Tabulario della Magione di Palermo (1116–1643). Repertorio, Roma 2011, S. 245-246
[12] Elisabetta Lo Cascio, Il Tabulario della Magione di Palermo (1116–1643). Repertorio, Roma 2011, S. 248
[13] Elisabetta Lo Cascio, Il Tabulario della Magione di Palermo (1116–1643). Repertorio, Roma 2011, S. 273
[14] Elisabetta Lo Cascio, Il Tabulario della Magione di Palermo (1116–1643). Repertorio, Roma 2011, S. 304
[15] Elisabetta Lo Cascio, Il Tabulario della Magione di Palermo (1116–1643). Repertorio, Roma 2011, S. 307
[16] Elisabetta Lo Cascio, Il Tabulario della Magione di Palermo (1116–1643). Repertorio, Roma 2011, S. 325-326
[17] Elisabetta Lo Cascio, Il Tabulario della Magione di Palermo (1116–1643). Repertorio, Roma 2011, S. 337-338
[18] Elisabetta Lo Cascio, Il Tabulario della Magione di Palermo (1116–1643). Repertorio, Roma 2011, S. 348-350
[19] Elisabetta Lo Cascio, Il Tabulario della Magione di Palermo (1116–1643). Repertorio, Roma 2011, S. 355
[20] Donatella Mangione, Separarsi dall’antico. Agrigentum Kerkent Girgenti, in: Annali della Scuola Normale Superiore di Pisa. Classe di Lettere e Filosofia, Serie 5, Bd. 15/2, Supplemento, 2023, S. 113
[21] Kristjan Toomaspoeg, The Teutonic Order in Italy, 1190–1525: Building Bridges in the Medieval World, Abingdon: Routledge 2024, S. 38
[22] Elisabetta Lo Cascio, Il Tabulario della Magione di Palermo (1116–1643). Repertorio, Roma 2011, S. 386
[23] Elisabetta Lo Cascio, Il Tabulario della Magione di Palermo (1116–1643). Repertorio, Roma 2011, S. 390-391
[24] Elisabetta Lo Cascio, Il Tabulario della Magione di Palermo (1116–1643). Repertorio, Roma 2011, S. 393
