Kommende Schlochau

Meistertum Preußen

Bistum Pomerellen

Land: Deutscher Orden

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I           Geschichte

Als der Deutsche Orden 1309 Pommerellen in Besitz nahm, gehörte das spätere Gebiet der Komturei Schlochau im Kern zur ehemaligen Kastellanei Ziethen, die zuvor dem Palatinat Schwetz zugeordnet gewesen war. 1312 erwarb der Orden von Graf Nikolaus von Ponitz den Ort Schlochau und weitere Liegenschaften und brachte zugleich die von diesem gehaltenen Hoheitsrechte an sich. Auf dem Gebiet der alten Kastellanei Ziethen wurde anschließend eine Komturei eingerichtet, deren Grenzen weitgehend den älteren Grenzen folgten und deren Mittelpunkt Schlochau wurde. Als erster Komtur ist Ludwig von Liebenzelle nachweisbar. In einer Urkunde von 1323 erscheint er bereits als ehemaliger Komtur von Schlochau[1].

Um 1320 begann im südlichen Teil der Komturei in der Umgebung von Schlochau und Könitz die Anlage neuer Zinsdörfer. Klein-Konitz gehörte zu den ersten dieser Siedlungen; unmittelbar darauf folgten unter anderem Neukirch, Damnitz, Firchau und Lichtenhagen. Die Gründung der Stadt Könitz war vor 1323 erfolgt[2]. Im Jahr 1323 wurde Johannes von Parsow das Gut Mosnitz übertragen und für fünf Jahre von Diensten befreit[3].

Von 1323 bis 1326 waren Schlochau und Schwetz in der Person Dietrichs von Lichtenhain verbunden, der die Amtsbezeichnung „Komtur von Schwetz und Schlochau“ führte. In Schlochau bestand während dieser Zeit weiterhin ein eigener Konvent, der zu Beginn der 1330er Jahre wieder einen eigenen Komtur erhielt.

Der Komtur von Schlochau war oberster Richter seines Bezirks. Im Krieg führte er die zum Konvent gehörenden Ordensbrüder und das Landesaufgebot, im Frieden oblag ihm die Aufsicht über die militärischen Anlagen. Als Leiter der Verwaltung war er für den landesherrlichen Besitz sowie für Einnahmen und Abgaben zuständig und hatte zu festgelegten Zeiten Rechnung zu legen[4]. Ihm stand der Hauskomtur zur Seite, der den inneren Dienst im Konventshaus überwachte. Weitere Ordensbrüder beaufsichtigten Karwan, Keller, Küche, Kornboden und Marstall oder versahen die Ämter des Tor- und Fischmeisters. Für 1347 und 1348 ist ein Steinmeister, für 1378 ein Glockenmeister nachgewiesen[5].

In den 1330er Jahren wurde die Anlage von Zinsdörfern um Schlochau und Könitz abgeschlossen. Um 1340 entstand die Stadt Schlochau, die 1348 ihre Handfeste erhielt. Gleichzeitig setzte sich die Besiedlung im südwestlichen Teil der Komturei fort, wo in den 1330er und 1340er Jahren etwa ein Dutzend weiterer Dörfer entstand[6]. 1346 ist Bruder Leykot als Pfleger in Preußisch Friedland belegt[7], wo gegen Ende der 1340er Jahre eine Stadt entstand, welche 1354 ihre Handfeste erhielt. Um die Mitte des 14. Jahrhunderts bestanden im südlichen Teil der Komturei etwa zwei Dutzend neu angelegte Zinsdörfer[8].

Seit der Mitte des 14. Jahrhunderts sind in der Komturei Waldmeister belegt. Zum Waldamt gehörten die auf Neuland angelegten Dörfer und später der gesamte zinspflichtige Ordensbesitz[9]. Der Komtursitz besaß mit dem nahegelegenen Kalthof beziehungsweise Kaldau einen großen landwirtschaftlichen Eigenbetrieb, der der Versorgung des Konvents diente. Weitere Ordenshöfe bestanden in Sichts, Müskendorf und Falkenwalde. Der überwiegende Teil des landesherrlichen Besitzes wurde jedoch von den Bauern der Zinsdörfer bewirtschaftet.

Im weiteren Verlauf des 14. Jahrhunderts entstanden zusätzliche Außenposten der Schlochauer Komturei. 1379 ist in Landeck ein Pfleger nachgewiesen, für den an der Mündung der Dobrinka in die Küddow ein festes Haus bestand. 1383 befand sich neben Baldenburg ein Ordenshaus, das später von dem Ordensbruder Ulrich von Prechlau verwaltet wurde. Diese Pflegämter bildeten keine selbständigen Verwaltungseinheiten innerhalb der Komturei und die dort eingesetzten Brüder gehörten weiterhin zum Schlochauer Konvent[10].

Im Jahr 1376 begann die Besetzung der Dörfer Förstenau und Siegers[11]. 1382 wurde neben dem dortigen Ordenshaus die Stadt Baldenburg gegründet. In den 1380er Jahren setzte die Besiedlung von Hammerstein ein, welches 1395 eine Verschreibung erhielt[12]. Um 1400 wurde das dortige Ordenshaus in größerem Umfang ausgebaut[13].

Die Besitz- und Rechtsverhältnisse in der Komturei wurden schrittweise auf kulmisches Recht umgestellt. 1414 galt dieses Recht in mehr als siebzig Dienstgütern. Zu diesem Zeitpunkt bestanden in Pollnitz noch siebzehn kleinere Freigüter nach älterem pommerschem Recht; auch dort wurde im selben Jahr ein deutschrechtliches Zinsdorf eingerichtet[14].

Um 1400 wurden auf Anordnung Hochmeister Konrads von Jungingen die rechtsgültigen Urkunden über Besitzungen und Gerechtsame der Komturei gesammelt und dabei ein Handfestenbuch angelegt[15]. Die Übergabeprotokolle des Großen Ämterbuchs und die Aufstellungen des Großen Zinsbuchs von 1437 enthalten weitere Angaben über Größe und wirtschaftliche Verhältnisse der einzelnen Orte der Komturei[16].

Die Burg Schlochau besaß einen etwa 45 Meter hohen, dreizehngeschossigen Bergfried. Der Zugang lag im fünften Geschoss und führte über eine Fallbrücke. Im dreizehnten Geschoss befand sich ein gemauerter Wehrgang mit sechzehn segmentbogigen Öffnungen. Die Verbindung der Geschosse erfolgte über eine innerhalb der Mauer angelegte Treppe[17].

1409 wurden die Komtureien Schlochau und Schwetz von polnischen Plünderungszügen getroffen. Im folgenden Jahr kam es auch zu Einfällen aus Pommern; unter den betroffenen Orten befand sich Baldenburg, das zusammen mit seinem Stadtdorf niedergebrannt wurde. Die folgenden Jahrzehnte waren wiederholt von militärischen Auseinandersetzungen betroffen. 1433 belagerten hussitische Truppen Könitz sechs Wochen lang, ohne die Stadt einzunehmen, und verwüsteten anschließend Teile des offenen Landes. Gleichzeitig wurde insbesondere der nordwestliche Teil der Komturei von pommerschen Truppen heimgesucht.

Nach dem Frieden von Brest von 1435 begann die Wiederbesetzung verwüsteter Hofstellen. Bei einer Bestandsaufnahme von 1437 waren in den landesherrlichen Dörfern insgesamt noch 622½ Hufen besetzt. In Jenznick lagen 48 von 57 Hufen wüst, in Lichtenhagen 41 von 50, in Heinrichswalde 70 von 102 und in Falkenwalde 42 von 49; in Breitenfelde und Rosenfelde waren sämtliche Hofstellen verlassen. Bis 1437 waren innerhalb von zwei Jahren 352½ Hufen wieder in Kultur genommen worden. In drei zuvor vollständig zerstörten Dörfern hatten neu angesetzte Bauern insgesamt 33 Hufen übernommen; in Steinborn waren 21 Hufen neu besetzt worden.

Eine Generalvisitation von 1437 erfasste die Ausstattung der Schlosskapelle von Schlochau. Verzeichnet wurden Ornate, Messgewänder, Kirchengeräte und die Büchersammlung des Konvents. Neben Mess-, Gesang- und Kollektenbüchern befanden sich dort dreizehn deutschsprachige Bücher, darunter eine römische Chronik und ein Buch über das Leben Dorotheas.

1440 schlossen sich Landritter und Städte zum Preußischen Bund zusammen. Die Städte der Komturei Schlochau hielten sich zunächst von diesem Bündnis fern; noch 1446 berichtete der Schlochauer Komtur darüber an den Hochmeister.

Im Februar 1454 bot der Preußische Bund König Kasimir von Polen die Oberherrschaft über Preußen an. Im selben Monat gelangte die Burg Schlochau in gegnerischen Besitz. Der Komtur von Schlochau zog sich daraufhin nach Könitz zurück. Nachdem dem Orden die meisten seiner Stellungen in Pommerellen verloren gegangen waren, blieb Könitz sein dortiger wichtigster Stützpunkt. Im April 1454 begannen polnische und bündische Truppen mit der Belagerung von Könitz. Am 18. September 1454 traf das aus der Neumark heranrückende Ordensheer vor der Stadt auf das polnische Heer. Die Konitzer Besatzung griff unter Führung eines Reuß von Plauen in die Kämpfe ein; das polnische Heer wurde geschlagen.

Könitz blieb während der folgenden Jahre in der Hand des Ordens und stand zeitweise in enger Verbindung mit Friedland und Hammerstein. Eine 1461 von König Kasimir geführte Belagerung wurde nach vierzehn Tagen abgebrochen. Im dreizehnten Jahr des Krieges wurde Könitz erneut belagert. Nach einer etwa zweimonatigen Belagerung und einem Brand zog die Ordensbesatzung unter Kaspar von Nostitz ab. Mit dem Fall von Könitz verlor der Orden seinen letzten Stützpunkt in Pommerellen. In dem kurz darauf in Thorn geschlossenen Friedensvertrag gingen Pommerellen und das Schlochauer Land an die polnische Krone über[18].

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II         Komture[19]

Dietrich von Lichtenhain (1323-1326)

Günther von Snoze (1332-1334)

Johann von Barkenfeld (1336-1338)

Heinrich Ernst (? – 1344)

Johann von Barkenfeld (1346-1350)

Ludolf von Hake (1350-1354)

Heinrich von Thabach (1355-1370)

Heinrich von Grobitz (1372-1377)

Konrad von Wallenrode (1377-1382)

Friedrich Kühl von Scharfenstein (1382-1383)

Johann von Schönfeld (1383-1392)

Wilhelm von Folkolt (1392-1402)

Gamrath von Pnzenau (1402-1410)

Arnold von Baden (1410)

Jost von Hohenkirchen (1410-1411)

Johann von Späth (1411-1413)

Wilhelm von Steinheim (1413-1415)

Jost von Hohenkirchen (1415-1420)

Leopold von Reitenbach (1420-1422)

Johann von Pommersheim (1425-1431)

Nicolaus con Riederitz (1431-1433)

Bernhard von Schönburg (1433-1435)

Heinrich von Rabenstein (1435-1437)

Gottfried von Geylenkirch (1437-1438)

Wilrich von Greifenstein (1438-1440)

Johann von Stockheim (1441-1444)

Hermann Hug vom Heiligenberge (1445-1446)

Johann Rabe (1450-1454)

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[1] Karl Kasiske, Ordenskomturei Schlochau, Leipzig, 1937, S. 10-12

[2] Karl Kasiske, Ordenskomturei Schlochau, Leipzig, 1937, S. 21

[3] Karl Kasiske, Ordenskomturei Schlochau, Leipzig, 1937, S. 26

[4] Karl Kasiske, Ordenskomturei Schlochau, Leipzig, 1937, S. 12-13

[5] Karl Kasiske, Ordenskomturei Schlochau, Leipzig, 1937, S. 16

[6] Karl Kasiske, Ordenskomturei Schlochau, Leipzig, 1937, S. 24

[7] Karl Kasiske, Ordenskomturei Schlochau, Leipzig, 1937, S. 18

[8] Karl Kasiske, Ordenskomturei Schlochau, Leipzig, 1937, S. 25

[9] Karl Kasiske, Ordenskomturei Schlochau, Leipzig, 1937, S. 16

[10] Karl Kasiske, Ordenskomturei Schlochau, Leipzig, 1937, S. 18-19

[11] Karl Kasiske, Ordenskomturei Schlochau, Leipzig, 1937, S. 22

[12] Karl Kasiske, Ordenskomturei Schlochau, Leipzig, 1937, S. 28-29

[13] Karl Kasiske, Ordenskomturei Schlochau, Leipzig, 1937, S. 18

[14] Karl Kasiske, Ordenskomturei Schlochau, Leipzig, 1937, S. 30

[15] Karl Kasiske, Ordenskomturei Schlochau, Leipzig, 1937, S. 14

[16] Karl Kasiske, Ordenskomturei Schlochau, Leipzig, 1937, S. 16

[17] Tomasz Torbus, Die Konventsburgen im Deutschordensland Preußen, München, 1998, S. 183

[18] Karl Kasiske, Ordenskomturei Schlochau, Leipzig, 1937, S. 45-50

[19] Johannes Voigt, Namen-Codex der deutschen Ordens-Beamten, Hochmeister, Landmeister, Großgebietiger, Komture, Vögte, Pfleger, Hochmeister-Kompane, Kreuzfahrer und Söldner-Hauptleute in Preußen., Königsberg 1843, S. 50-51