Kommende Althaus
I Geschichte
Die Deutschordenskommende Althaus (heute Starogród Chełmiński bei Chełmno) gehörte zu den frühesten Niederlassungen des Deutschen Ordens im Kulmerland. Ihr Mittelpunkt war die Burg Althaus, die auf dem Gelände des älteren Kulm entstand, nachdem die Stadt Kulm im 13. Jahrhundert an ihren heutigen Standort verlegt worden war. Ein Komtur von Althaus ist erstmals 1251 urkundlich belegt. Bereits im 13. Jahrhundert entwickelte sich die Kommende zu einem Verwaltungszentrum des sie umgebenden Ordensbesitzes.
Die ältesten Befestigungen bestanden aus einer Holz-Erde-Anlage. Im Laufe des 13. Jahrhunderts entstand an ihrer Stelle eine gemauerte Burg. Archäologische Untersuchungen haben gezeigt, dass die Anlage einen unregelmäßigen, annähernd fünfeckigen Grundriss besaß. Die Wohn- und Repräsentationsräume lagen auf der zur Weichsel gerichteten Seite der Burg. Dort befanden sich auch das Refektorium und die Burgkapelle. Neuere baugeschichtliche Untersuchungen weisen darauf hin, dass die Kapelle mit qualitätvollen keramischen Schmuckelementen ausgestattet war, die um 1300 entstanden.
Besondere Bedeutung erhielt die Burgkapelle durch die Aufbewahrung von Reliquien der heiligen Barbara. Nach der Überlieferung gelangten das Haupt und eine Haarreliquie der Heiligen im Jahr 1242 nach Althaus. Die Reliquien wurden in der Burgkapelle verwahrt und entwickelten sich zu einem Ziel von Wallfahrten. Zu den überlieferten Besuchern gehören unter anderem König Wenzel II., Anna, die Gemahlin des litauischen Großfürsten Witold, sowie der burgundische Reisende Gilbert de Lannoy. Im 15. Jahrhundert befanden sich die Reliquien in einem kostbaren silbernen Reliquiar.
Neben ihrer religiösen Bedeutung erfüllte die Kommende Verwaltungs- und Wirtschaftsaufgaben. Der Komtur leitete die Verwaltung des zur Kommende gehörenden Besitzes. Aus den erhaltenen Rechnungen des Jahres 1436/1437 gehen Einnahmen und Ausgaben der Kommende hervor. Sie dokumentieren unter anderem Aufwendungen für den landwirtschaftlichen Betrieb, die Versorgung der Hausgemeinschaft, Bauunterhaltung, Personal sowie liturgische Bedürfnisse. Schriftliche Quellen belegen außerdem Weinberge im Besitz der Kommende und weisen damit Weinbau im Bereich Althaus nach.
Die überlieferten Urkunden und Briefe zeigen die Kommende zugleich als Verwaltungsmittelpunkt ihres Gebietes. Aus der Korrespondenz des 15. Jahrhunderts geht hervor, dass der Komtur regelmäßig mit dem Hochmeister in Verbindung stand und über militärische, wirtschaftliche und organisatorische Angelegenheiten berichtete. Auch Personalfragen wurden auf diesem Weg geregelt. Ein Schreiben belegt beispielsweise, dass ein langjähriger Burgkaplan nach elfjährigem Dienst entweder als Priesterbruder in den Orden aufgenommen oder mit einer Pfarrkirche ausgestattet werden sollte. Gleichzeitig wurde ein weiterer erfahrener Geistlicher als Nachfolger vorgeschlagen. Die Quelle zeigt, dass an der Kommende neben Ordensgeistlichen auch weltliche Kapläne dauerhaft liturgische Aufgaben wahrnahmen.
Ein Einblick in das innere Leben der Kommende ergibt sich aus der Visitation des Jahres 1442. Zu diesem Zeitpunkt bestand der Konvent nur noch aus einem Priesterbruder. Im Chordienst wurde er von zwei Kaplänen und zwei Scholaren unterstützt. Während Frühmesse, Hochamt und Vesper gesungen wurden, sprach man die übrigen Horen; den nächtlichen Chordienst verrichtete der Priesterbruder allein. Die Visitatoren stellten zugleich fest, dass kein Hauskapitel mehr gehalten wurde und die Angehörigen der Kommende über eine unzureichende Verpflegung klagten.
In der Mitte des 15. Jahrhunderts wurde die Kommende von den Ereignissen des Dreizehnjährigen Krieges erfasst. Die erhaltene Korrespondenz der Komture behandelt unter anderem die Verteidigung der Burg sowie die militärische Lage des Gebietes. Für den Beginn des Jahres 1454 ist ein Schreiben überliefert, das die drohende Belagerung der Häuser Althaus und Schwetz zum Gegenstand hat. Während dieser Zeit wurden die Reliquien der heiligen Barbara aus Sicherheitsgründen zunächst nach Graudenz und anschließend nach Marienburg gebracht. Später gelangten sie nach Płock.
Mit dem Ende des Dreizehnjährigen Krieges verlor die Kommende ihre bisherige Funktion. Nach dem Zweiten Frieden von Thorn im Jahr 1466 kam Althaus unter die Herrschaft der polnischen Krone. Die Burg wurde den Bischöfen von Kulm übergeben und diente fortan nicht mehr als Sitz einer Deutschordenskommende.
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II Komture
Eberhard (erwähnt 1244)
Johann (erwähnt 1. Oktober 1251)
Volprecht (4. August 1253 – 16. Februar 1254)
Konrad (erwähnt Februar 1270)
Sindold (erwähnt 5. September 1274)
Johann von Bydow (erwähnt 17. November 1278)
Arnold Kropf (17. Dezember 1282 – 26. Juli 1283)
Hermann von Bornstedt (31. Mai 1285 – 25. Oktober 1285)
Eberhard (1294 – 20. Februar 1295)
Heinrich (erwähnt 25. Januar 1306)
Dietrich von Lichtenhain (erwähnt 4. Oktober 1310)
Heinrich Goldechen (erwähnt 25. August 1320)
Beringer von Mellingen (2. Februar 1326 – 24. August 1330)
Jesko von Böhmen (28. Februar 1330 – 24. Juli 1330)
Rüdiger (erwähnt 13. Juni 1337)
Hans von Reichenbach (1353 – 16. April 1355)
Giselbrecht von Dudelsheim (erwähnt 21. Oktober 1357)
Ulrich Fricke (1358 – 22. Dezember 1359)
Ludolf Rabe von Pappenheim (5. November 1363 – 1364)
Reinhard vom Rade (1364 – 1379)
Thomas/Mase von Merheim (25. Juli 1378 – 18. Januar 1382)
Johann von Beffart (18. Januar 1382 – 17. Mai 1383)
Walrabe von Scharfenberg (17. Mai 1383 – 15. Juli 1384)
Winrich von Ryndorf (15. Juli 1384 – 6. August 1387)
Wilhelm der Ältere von Helfenstein (8. August 1387 – 10. April 1391)
Johann von Reddern/Redern (10. April 1391 – 25. Oktober 1391)
Johann von Lichtenstein (25. Oktober 1391 – 17. Dezember 1393)
Erwin von Kruftele (17. Dezember 1393 – 15. November 1398)
Nikolaus von Melin (15. November 1398 – 29. September 1409)
Eberhard von Nippenburg (29. September 1409 – † 15. Juli 1410)
Friedrich Schott (November 1410 – 1411)
Wolf von Enningen (1411 – 1412)
Gerlach Hose von Brandenburg (1412 – 26. Juli 1417)
Engelbert/Engelhart Leissen/Krevet/Krebs (Oktober 1419 – September 1422)
Heinrich Postar (27. September 1422 – 30. Oktober 1425)
Johann von Broel (1425 – 1430)
Erasmus Fischborn (1430 – 1432)
Johann von Broel/Broll (1432 – † Juni 1434)
Heinrich Roweder/Rohwedel (22. Juni 1434 – Oktober 1436)
Konrad von Erlichshausen (6. September 1436 – Februar 1440)
Wilhelm von Helfenstein (Februar 1440 – 23. April 1441)
Johann von Beenhausen (23. April 1441 – 1443)
Dietrich von Werdenau (1443 – 11. Oktober 1444)
Johann Erlebach (erwähnt 16. Oktober 1449)
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– Quellen und Literatur –
Biskup, Marian: Visitationen im Deutschen Orden im Mittelalter. Teil I, Marburg 2002.
Heckmann, Dieter: Amtsträger des Deutschen Ordens in Preußen und in den hochmeisterlichen Kammerballeien des Reiches bis 1525, Torun 2020.
Joachim, Erich (Hrsg.): Das Marienburger Tresslerbuch der Jahre 1399–1409, Königsberg 1896.
Voigt, Johannes: Namen-Codex der deutschen Ordens-Beamten, Hochmeister, Landmeister, Großgebietiger, Komthure, Vögte, Pfleger, Hochmeister-Kompane, Kreuzfahrer und Söldner-Hauptleute in Preussen., Königsberg 1843.
