Kommende Graz

Ballei Österreich

Erzbistum Salzburg, Bistum Graz (ab 1786)

Land: Herzogtum Steiermark

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I           Geschichte

Im Jahr 1233 übertrug Herzog Friedrich II. dem Deutschen Orden die Kirche St. Kunigund am Leech sowie deren bisherige Ausstattung und erweiterte den Besitz um die Dörfer Schillingsdorf, Schaftal, Neustift und Rohrbach sowie weitere Besitzungen bei Gleisdorf und Leibnitz und acht Huben in Messendorf.

Die Schenkung erfolgte auf landesfürstlichem Eigenbesitz und bildete einen geschlossenen Besitzkomplex im Osten von Graz[1]. Mit der Übertragung erhielt der Orden zugleich weitreichende Rechte. Die zugehörigen Besitzungen wurden von der niederen Gerichtsbarkeit ausgenommen und den Untertanen des Ordens wurde die Befreiungen von Maut- und Marktabgaben eingeräumt. Die 28 Huben in der Umgebung von Graz wurden aus dem Landgericht ausgegliedert und bildeten einen eigenen Rechtsbezirk[2]. 1260 trat noch die Schenkung der Kirche von Herberstein Hinzu, die der Erzbischof von Salzburg getätigt hatte[3].

Doch schon wenige Jahre später geriet die junge Niederlassung in Schwierigkeiten. Während der politischen Unsicherheit nach dem Aussterben der Babenberger musste sich der Deutsche Orden gegen Eingriffe in seinen Besitz zur Wehr setzen. Im Jahr 1255 ließ der Landrichter Gottfried von Marburg auf Klage des Ordens zahlreiche Adelige vorladen, weil sie dessen Rechte und Besitzungen beeinträchtigt hatten[4]. Trotzdem kam es zu einer starken Zerstörung der Kommende, deren Wiederaufbau 1275 begann. In diesem Zuge wurde auch das Patrozinium der Kirche geändert und ihr Neubau der Gottesmutter Maria geweiht[5].

Die Ausstattung der Kommende wirkte sich auch auf die Entwicklung ihres unmittelbaren Umfeldes aus und führte zu einer verstärkten Besiedlung des Gebietes östlich von Graz. Im Verlauf des 14. Jahrhunderts entwickelte sich die Ansiedlung am Weiher vor der Kunigundenkirche zu einem bedeutenden Vorort[6].

Auch wenn die Ordensbesitzungen später innerhalb des städtischen Gerichtsbezirkes lagen, behielt die Kommende ihre verliehene Exemtion vom Landgericht, wodurch sie nicht der Zuständigkeit des Grazer Stadtrichters unterstand. Auseinandersetzungen mit der Stadt Graz über die Verpflichtung Kommende zur Leistung städtischer Abgaben führten 1360 zu einer erneuten Bestätigung der Steuerfreiheit durch Herzog Rudolf IV. [7].

Der Kommendenkonvent zählte 1410/11 sechs Priesterbrüder und einen Ritterbruder[8].

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II         Komture

Heinrich (1298)

Otto (1306)

Georg Silberberger (1451)

Rudolf Eschinger (1455-1459)

Balthasar Perghauser (1478-1479)

Andreas Mosheimer (1497)

Melchior Rulkho (1520-1521)[9]

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[1] Fritz Popelka, Untersuchungen zur ältesten Geschichte der Stadt Graz, in: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 17 (1919), S. 164-166

[2] Fritz Popelka, Untersuchungen zur ältesten Geschichte der Stadt Graz, in: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 17 (1919), S. 198

[3] Marian Tumler, Der Deutsche Orden im Werden, Wachsen und Wirken bis 1400 mit einem Abriß der Geschichte des Ordens von 1400 bis zur neuesten Zeit, Wien 1955, S. 93

[4] Fritz Popelka, Untersuchungen zur ältesten Geschichte der Stadt Graz, in: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 17 (1919), S. 198-199

[5] Marian Tumler, Der Deutsche Orden im Werden, Wachsen und Wirken bis 1400 mit einem Abriß der Geschichte des Ordens von 1400 bis zur neuesten Zeit, Wien 1955, S. 93

[6] Fritz Popelka, Untersuchungen zur ältesten Geschichte der Stadt Graz, in: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 17 (1919), S. 191-192

[7] Fritz Popelka, Untersuchungen zur ältesten Geschichte der Stadt Graz, in: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 17 (1919), S. 214-215

[8] Marian Biskup, Visitationen im Deutschen Orden im Mittelalter. Teil I, Marburg 2002, S. 63

[9] Dieter Heckmann, Amtsträger des Deutschen Ordens in Preußen und in den Kammerballeien des Reiches, o.O. 2014