Kommende Amuda
Erzbistum Mamistra
Land: Königreich Kleinarmenien
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I Geschichte
Die Kommende des Deutschen Ordens in Amouda entstand zu Beginn des 13. Jahrhunderts im Armenischen Königreich Kilikien. Die bereits bestehende Burg lag am Nordrand der kilikischen Ebene an einem wichtigen Verkehrsweg zwischen Sis, Anazarbos und den Pässen des Amanusgebirges. Für das Jahr 1198 ist ein Baron Simon als Besitzer der Burg belegt, bevor sie später an die armenische Krone gelangte.
Bereits Anfang des Jahres 1212 hielt sich der Hochmeister Hermann von Salza am Hof König Leons I. von Armenien auf. Der Teilnehmer dieser Reise, Wilbrand von Oldenburg, bezeichnete Amouda in seinem Reisebericht bereits als Besitz des Deutschen Ordens. Dies spricht dafür, dass die Burg dem Orden schon vor der Ausstellung der eigentlichen Schenkungsurkunde überlassen worden war oder sich zumindest bereits in seiner tatsächlichen Nutzung befand.
Die rechtliche Grundlage der Kommende bildete die Schenkungsurkunde König Leons I. vom April 1212. Mit ihr übertrug der König dem Deutschen Orden die Burg Amouda mit sämtlichem Zubehör dauerhaft als Eigentum. Zur Schenkung gehörten nicht nur die Befestigung selbst, sondern auch die zugehörigen Ländereien, Dörfer (casalia), deren Einkünfte sowie alle damit verbundenen Rechte. Die Urkunde bezeichnet Amouda ausdrücklich als eine bedeutende Burg und übertrug dem Orden die Herrschaft mit ihren Grenzen und ihrem gesamten Zubehör. Gleichzeitig gewährte Leon I. den Ordensbrüdern weitreichende wirtschaftliche Privilegien. Sie wurden von verschiedenen Zöllen und Abgaben befreit und erhielten das Recht, im gesamten armenischen Königreich Waren für den Eigenbedarf frei zu erwerben und ungehindert zu transportieren.
Amouda entwickelte sich damit zum Mittelpunkt einer kleinen Territorialherrschaft des Deutschen Ordens. Die Burg war Verwaltungszentrum der zugehörigen Dörfer und Ländereien, deren Erträge die wirtschaftliche Grundlage der Kommende bildeten. Das fruchtbare Umland ermöglichte regelmäßige landwirtschaftliche Erträge, während die günstige Lage zugleich die Sicherung wichtiger Verkehrs- und Handelswege zwischen der kilikischen Ebene und den nördlich gelegenen Gebirgspässen erlaubte. Von der Burg bestand Sichtverbindung zu mehreren weiteren Festungen der Umgebung, wodurch sie in das Verteidigungssystem des armenischen Königreiches eingebunden war. Wilbrand von Oldenburg hebt zudem den Fischreichtum des nahe gelegenen Flusses Pyramus (heute Ceyhan) hervor, der die Versorgung der Niederlassung begünstigte.
Nach der Übernahme ließ der Deutsche Orden die vorhandene armenische Burg umfassend ausbauen. Baugeschichtliche Untersuchungen unterscheiden mehrere Bauphasen, von denen die bedeutendste auf die Zeit des Ordens entfällt. Charakteristisch ist insbesondere der mächtige rechteckige, viergeschossige Donjon, der den Zugang zur Burg beherrschte und sich deutlich von der älteren armenischen Bautradition unterschied. Auch Teile der Ringmauer, das Tor, ein Saalbau sowie die Burgkapelle werden den Umbauten des Deutschen Ordens zugeschrieben. Im Untergeschoss des Donjons befanden sich Zisternen, welche die Wasserversorgung während einer Belagerung sicherstellten.
Im Jahr 1225 erscheint Amouda im Zusammenhang mit den innerarmenischen Thronstreitigkeiten. Bohemund IV. von Antiochia begab sich zur Burg, weil ihm mitgeteilt worden war, sein Sohn Philipp befinde sich dort. Tatsächlich war Philipp bereits zuvor in Sis gestorben. Die Quellen zeigen damit, dass Amouda zu dieser Zeit auch als politisch bedeutender Ort innerhalb des armenischen Königreiches wahrgenommen wurde.
Die militärische Lage Kilikiens verschlechterte sich in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts erheblich. Im Jahr 1266 griffen mamlukische Truppen unter einem Heerführer Sultan Baibars die Burg Amouda an. Zeitgenössischen Berichten zufolge hatten sich etwa 2.200 Menschen aus der Umgebung in die Festung geflüchtet. Nach der Einnahme der Burg wurden die Männer getötet, während Frauen und Kinder in die Gefangenschaft geführt wurden.
Nach der Eroberung von 1266 erscheint Amouda nicht mehr als Kommende des Deutschen Ordens. Der genaue Zeitpunkt, zu dem auch die letzten Rechtsansprüche oder Besitzrechte des Ordens erloschen, lässt sich anhand der erhaltenen Quellen nicht mehr auf ein bestimmtes Ereignis oder eine einzelne Urkunde zurückführen. Spätestens 1319, als die Ballei Armenien nicht mehr in den Ordensquellen erscheint, ist auch das Ende der Kommende Amouda gekommen.
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– Quellen und Literatur –
Runciman, Steven: Geschichte der Kreuzzüge, München 2001.
Tumler, Marian: Der Deutsche Orden im Werden, Wachsen und Wirken bis 1400, Wien 1955.
Strehlke, Ernst (Hg.): Tabulae Ordinis Theutonici ex tabularii regii Berolinensis codice potissimum., Berlin 1869.
