Kommende Bergen

Ballei Sachsen

Erzbistum Magdeburg

Land: Fürsterzbistum Magdeburg, Herzogtum Magdeburg (ab 1648)

1. Geschichte

Im Jahr 1272 verkauften die Grafen von Barby das Dorf Bergen an den Deutschen Orden. Der Orden richtete dort eine Kommende ein. Die erste urkundliche Erwähnung eines Komturs stammt aus dem Jahr 1285. Bereits 1288 sind weitere Besitzungen belegt, die außerhalb des Dorfes lagen und zur Kommende gehörten. Die Niederlassung entwickelte sich damit nicht allein auf Grundlage des Dorfes Bergen, sondern verfügte schon früh über verstreuten Grundbesitz.

Zum Besitz der Kommende gehörten das Dorf Bergen und die Vogtei über den Ort. Darüber hinaus besaß sie die Pfarrei Klein-Rodensleben. Im Jahr 1310 kam die Pfarrei Groß-Rodensleben hinzu. Die mit diesen Pfarreien verbundenen Einkünfte bildeten einen festen Bestandteil der wirtschaftlichen Grundlage des Hauses. Damit stützte sich die Kommende nicht ausschließlich auf die Erträge ihrer Felder, sondern zugleich auf Einnahmen aus kirchlichen Rechten und Besitzungen.

Der Wirtschaftshof der Kommende war als befestigte, burgartige Anlage angelegt. Zu ihm gehörten Stallungen, eine Brauerei, Fischteiche und eine Wassermühle. Die Landwirtschaft bildete die wichtigste Grundlage des Hauses. Die Felder und Güter der Kommende wurden unmittelbar bewirtschaftet und lieferten die wesentlichen Erträge. Daneben besaß die Fischwirtschaft Bedeutung. Die zur Kommende gehörenden Fischteiche ergänzten die Versorgung des Hauses und lieferten zusätzliche Einkünfte. Die Wassermühle stellte einen weiteren Wirtschaftsfaktor dar. Hinzu kamen die Erträge aus den Pfarreien Klein-Rodensleben und Groß-Rodensleben. Die Überlieferung zeigt damit, dass die Kommende ihre Einnahmen aus mehreren Bereichen bezog: aus Landwirtschaft, Fischwirtschaft, Mühlenbetrieb und kirchlichen Einkünften.

Die Größe des Besitzes lässt sich anhand der bislang ausgewerteten Quellen nicht exakt bestimmen. Weder die Gesamtfläche noch die Zahl der Hufen oder die Höhe der jährlichen Einnahmen sind sicher überliefert. Die vorhandenen Nachrichten über Dorf, Vogtei, auswärtige Besitzungen, Pfarreien, Mühle, Fischteiche, Brauerei und zahlreiche Wirtschaftsgebäude zeigen jedoch, dass die Kommende über eine vergleichsweise breite wirtschaftliche Grundlage verfügte.

Trotz dieser Besitzungen befand sich das Haus seit dem 14. Jahrhundert in wirtschaftlichem Niedergang. Die Quellen belegen diese Entwicklung, nennen jedoch keine eindeutige Ursache. Gleichzeitig veränderte sich die Siedlungsstruktur des Gebietes grundlegend. Das Dorf Bergen fiel nach 1370 wüst. Während die eigentliche Dorfsiedlung verschwand, bestand die Kommende weiter. Der Wirtschaftshof blieb erhalten und bildete fortan den Mittelpunkt des Gebietes. Die Geschichte Bergens wurde damit nach dem Wüstfallen des Dorfes wesentlich durch die Kommende bestimmt.

Über die Größe der Hausgemeinschaft sind nur einzelne Nachrichten erhalten geblieben. Im Jahr 1451 bestand sie aus dem Pfarrer der Kommende und zwei Laienbrüdern. Für das Jahr 1507 sind vier Ordensbrüder belegt, darunter zwei Priesterbrüder. Im selben Jahr hielt die Ballei Sachsen ihr Balleikapitel in Bergen ab. Die Kommende war damit Tagungsort der Versammlung der Ordensvertreter der Ballei. Für das Jahr 1574 nennen die Quellen einen Ritterbruder und neunzehn Gesindepersonen. Diese Angaben zeigen, dass die eigentliche Ordensgemeinschaft klein blieb, während die Bewirtschaftung des umfangreichen Besitzes durch Gesinde und Arbeitskräfte getragen wurde.

Im Jahr 1533 wurde die Kommende zeitweise verpfändet. Die Verpfändung belegt, dass die wirtschaftlichen Schwierigkeiten des Hauses auch in der frühen Neuzeit fortbestanden. Dennoch blieb die Kommende im Besitz des Deutschen Ordens und erlebte in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts eine umfassende Erneuerung.

Im Jahr 1570 wurde ein neues Wohnhaus für den Komtur errichtet. In derselben Zeit wurde Bergen Sitz des Landkomturs der Ballei Sachsen. Die Kommende gewann dadurch eine zusätzliche Funktion als Verwaltungszentrum. Die überlieferten Baumaßnahmen zeigen, dass die Anlage in diesen Jahrzehnten grundlegend umgestaltet wurde. Zwischen 1573 und 1576 erfolgte ein Umbau der Kapelle. Im Jahr 1576 entstanden die Emporen. Eine Wappentafel trägt die Jahreszahl 1579. Eine Bauinschrift am Komturhaus nennt das Jahr 1586. Diese Daten belegen eine über mindestens anderthalb Jahrzehnte andauernde Bautätigkeit. Die Anlage wurde nicht nur instand gesetzt, sondern umfassend ausgebaut und neu gestaltet.

Nach den überlieferten Beschreibungen bestand die Kommende in ihrer ausgebauten Form aus einer geschlossenen Renaissanceanlage. Zu ihr gehörten die Kapelle, das Komturhaus, ein Glockenturm, ein Küsterhaus, Wirtschaftsgebäude, Stallungen, ein Taubenturm und eine Zugbrücke. Die Anlage war von einer Mauer umgeben. Die heute nicht mehr vorhandene Zugbrücke unterstreicht den befestigten Charakter des Wirtschaftshofes. Die Wirtschaftsgebäude dienten der Unterbringung von Vieh, Vorräten und Geräten sowie der Verarbeitung der landwirtschaftlichen Erzeugnisse.

Der älteste erhaltene Teil der Kommende ist die Gutskapelle. Sie stammt aus spätromanischer beziehungsweise frühgotischer Zeit. Das Bauwerk besteht aus einem Kirchenschiff mit eingezogenem Chor. An den Mauern haben sich sowohl Rundbogen- als auch Spitzbogenfenster erhalten. Die Kapelle besitzt keinen eigenen Turm. Im Inneren befinden sich mehrere Ausstattungsstücke unterschiedlicher Zeitstellung. Zu den ältesten Objekten gehören zwei kleine Steinfiguren aus der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts. Der Altaraufsatz trägt die Jahreszahl 1689. Die Kanzel stammt aus dem 18. Jahrhundert.

In der Kapelle befinden sich außerdem mehrere Grabdenkmäler. Überliefert sind vier Rittergrabsteine. Zwei von ihnen entstanden 1595 und 1597. Besonders bekannt ist der Erinnerungsstein für Hans von Lossow, der 1605 in Bergen starb. Obwohl seine Bestattung im Magdeburger Dom erfolgte, erhielt er auch in Bergen ein eigenes Denkmal. Ein weiterer Grabstein erinnert an Henning von Bryzken, der 1611 starb und als Nachfolger Hans von Lossows genannt wird.

Während des Dreißigjährigen Krieges geriet die Kommende zeitweise unter schwedische Kontrolle. Nach dem Ende des Krieges fiel sie wieder an den Deutschen Orden zurück. Die Quellen berichten von Schäden an der Anlage und von anschließenden Wiederherstellungs- und Renovierungsarbeiten, die veranlasst wurden, um die Gebäude erneut nutzbar zu machen.

Die Umgebung der Kommende war ursprünglich von flachen Seen und Niedermooren geprägt. Im 18. Jahrhundert wurden diese Flächen entwässert. Die Quellen berichten jedoch, dass der hohe Salzgehalt der Böden die landwirtschaftliche Nutzung erschwerte. Da die Landwirtschaft die wichtigste Einnahmequelle der Kommende bildete, berührten solche Veränderungen unmittelbar die wirtschaftliche Grundlage des Hauses.

Im Jahr 1809 hob König Jérôme Bonaparte die Kommende auf und säkularisierte ihren Besitz.

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2. Komture

Dietrich Kloppenstein (erw. 1352)

Johan Volkefeld (erw. 1419)

Johann Mackerei (erw. 1433)

Adam von Halle (erw. 1511)

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– Quellen und Literatur –

Biskup, Marian: Visitationen im Deutschen Orden im Mittelalter. Teil II, Marburg 2004

Deutschordensballei Sachsen, Bad Mergentheim 2000

www.ernstfherbst.de/do/lo/vo/050911_bergen_kommendetag.htm (21.07.2013)

http://ernstherbst.online.de/hist/urk/1574_ba-sa_visitation.htm (17.07.2010)

www.kommende-bergen.info/  (18.08.2020)