Ballei Apulien

Erzbistum Acerenza

Land: Königreich Neapel

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I           Geschichte

Die Kommende ist spätestens im August 1236 nachweisbar, denn zu diesem Zeitpunkt bestand dort eine der heiligen Maria geweihte Domus des Deutschen Ordens. Als ihr Präzeptor erscheint Bruder Corrado. Bereits zu Beginn hatte die Niederlassung auf eigene Kosten Einrichtungen auf kaiserlichem Demanialbesitz in Matina, an einem als vigone Bussantsie bezeichneten Ort, angelegt. Dazu gehörten mapalia, ein Garten und caulae; Garten und Einfriedungen waren durch einen Graben umgeben, und für ihre Anlage waren erhebliche Aufwendungen erfolgt. Als die Brüder Ginosa vor dem 8. August 1236 auf kaiserlichen Befehl verlassen mussten, verkauften sie diese Einrichtungen an Gallinico, den Abt von Santa Parasceve in Ginosa. Als Kaufpreis werden drei Viertel einer Unze sizilischer Goldtarì genannt[1]. Damit ist für 1236 in Ginosa die Kommende Santa Maria dei Teutonici unter Präzeptor Corrado belegt.

Im Jahr 1270 kam das zuvor benediktinische Kloster Santa Parasceve in Ginosa an den Deutschen Orden. Die Übertragung wurde durch Lorenzo, Erzbischof von Acerenza, vorgenommen[2]. Für denselben Vorgang ist auch die Datierung auf Mai 1270 sowie die Bezeichnung des übertragenen Benediktinerklosters als Santa Maria in Ginosa überliefert[3]. Die Übertragung von 1270 begründete nicht den ersten nachweisbaren Aufenthalt des Deutschen Ordens in Ginosa, da dort bereits 1236 eine Domus Santa Maria dei Teutonici belegt ist[4]. Ob diese ältere Domus jedoch im Zeitpunkt der Übertragung von Santa Parasceve noch bestand oder zwischenzeitlich wiedererrichtet worden war, lässt sich aus den hier zugrunde gelegten Belegen nicht feststellen.

Die Übertragung wurde Gegenstand eines päpstlichen Bestätigungsverfahrens. Mit Schreiben vom 29. November 1272 beauftragte Gregor X. Marino, den damaligen Erzbischof von Capua, die von Erzbischof Lorenzo vorgenommene Übertragung nach Prüfung des Sachverhalts in päpstlicher Vollmacht zu bestätigen[5]. Am 19. April 1273 wurde in Barletta auf Antrag von Bruder Enrico eine öffentliche notarielle Ausfertigung hergestellt, in die das päpstliche Schreiben aufgenommen wurde. Enrico wird dabei als Präzeptor des Deutschen Ordens in Apulien bezeichnet. Die Ausfertigung erfolgte auf Anordnung des Richters Filippo von Barletta; als öffentlicher Notar erscheint Guglielmo da Corneto[6].

Santa Parasceve wird in diesem Zusammenhang als ehemaliges Benediktinerkloster bezeichnet. Dort war kein Mönch, Konverse oder Oblate mehr verblieben. Das Kloster wurde dem Meister und den Brüdern des Ordens mit seinen Rechten und Pertinenzen übertragen. Zugleich blieb eine jährliche Leistung von fünfzehn Goldtarì bestehen, die am Fest des heiligen Canio zu entrichten war[7].

Für den 15. November 1276 ist die Deutschordensniederlassung erneut bezeugt. An diesem Tag starb Erzbischof Lorenzo in Ginosa in einem monasterium theotonicorum[8].

Am 8. November 1289 erscheint die Domus von Ginosa erneut. Guido de Amendolea, Komtur des Deutschen Ordens in Apulien, handelte in einem Dokument ausdrücklich im eigenen Interesse und im Interesse der Domus Genusii[9].

Für 1310 erscheint die Niederlassung als Domus Theotonicorum de Genusio in der Diözese Acerenza.

Eine besonders ausführliche Nachricht liegt für den 4. November 1314 vor. Damals war Bruder Giovanni Bianco, in der lateinischen Form Iohannes Blancus, Präzeptor der ’sacra domus Sanctae Mariae Theotonicorum in Genusio‘. Die Niederlassung wird im selben Zusammenhang auch als ’sacra domus hospitalis Theotonicorum‘ beziehungsweise als ’sacra domus hospitalis Sanctae Mariae Theotonicorum‘ bezeichnet.

Giovanni Bianco verfügte als Präzeptor über Immobilienbesitz der Niederlassung außerhalb Ginosas. In Matera besaß die Domus Güter, die zuvor von Simeone de Arturio und dessen Ehefrau Churastadoya übertragen worden waren. Diese Besitzungen wurden 1314 als für die Domus nicht hinreichend ertragreich bezeichnet und sollten deshalb gegen andere Güter getauscht werden. An dem Geschäft war Angelo di Ginosa als Rechtsvertreter des Präzeptors beteiligt. Außerdem erscheint Sisto di Matera als Priester und Kaplan der Domus[10].

Als Gegenleistung für die in Matera gelegenen Güter erhielt die Niederlassung Besitz in Ginosa sowie eine Geldzahlung. Genannt werden mehrere cripte beziehungsweise domus und weitere ländliche Bauten im Gebiet von Ginosa sowie zehn Unzen Gold, ausgezahlt in silbernen Carlini zu sechzig Carlini je Unze[11]. Zu den in Ginosa übertragenen Objekten gehörten mehrere einzeln abgegrenzte Grotten und Häuser; in den Grenzbeschreibungen erscheint auch Besitz der Kirche Santa Maria dei Teutonici selbst. Damit sind für 1314 sowohl Besitz der Kommende in Matera als auch Immobilien der Niederlassung in Ginosa belegt.

Am 27. April 1325 ist Federico de Spira als Generalprokurator des Deutschen Ordens und zugleich als preceptor domus Genusii belegt[12]. Zudem wird die Kommende in einer Darstellung der süditalienischen Niederlassungen des Deutschen Ordens ausdrücklich zu den commende e ospedali gerechnet[1] und als commenda permanente bezeichnet, während Melfi als commenda provvisoria bezeichnet wird

[1] Guido Iorio, Il Giglio e la Spada. Istituzioni e strutture militari nel meridione angioino, 2007, S. 296

[13]. In einer systematischen Übersicht erscheint Ginosa als commenda permanente, während Melfi dort als commenda provvisoria bezeichnet wird[14].

Die Kommende wird noch am 2. August 1401 erwähnt. Der Priester Sabino aus Castellaneta hatte sich nach einem Streit mit seinem Bischof nach Ginosa begeben und dort bei den Deutschordensbrüdern gelebt. Nach seinem Tod nahmen die Brüder seine in Castellaneta gelegenen Güter in Besitz, woraus ein Streit um diese Güter entstand. In diesem Zusammenhang werden die in Ginosa lebenden Deutschordensbrüder als Alamanni bezeichnet[15].

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[1] Giambattista Sassi, Ginosa normanno-sveva. Archeologia e storia, Ginosa 2004, S. 97

[2] Giambattista Sassi, Ginosa normanno-sveva. Archeologia e storia, Ginosa 2004, S. 34

[3] Klemens Wieser, Gli inizi dell’Ordine Teutonico in Puglia, Archivio Storico Pugliese 26, 1973, S. 484

[4] Giambattista Sassi, Ginosa normanno-sveva. Archeologia e storia, Ginosa 2004, S. 34

[5] Giambattista Sassi, Ginosa normanno-sveva. Archeologia e storia, Ginosa 2004, S. 102

[6] Giambattista Sassi, Ginosa normanno-sveva. Archeologia e storia, Ginosa 2004, S. 98

[7] Giambattista Sassi, Ginosa normanno-sveva. Archeologia e storia, Ginosa 2004, S. 102

[8] Giambattista Sassi, Ginosa normanno-sveva. Archeologia e storia, Ginosa 2004, S. 47

[9] Giambattista Sassi, Ginosa normanno-sveva. Archeologia e storia, Ginosa 2004, S. 50

[10] Giambattista Sassi, Ginosa normanno-sveva. Archeologia e storia, Ginosa 2004, S. 47-48

[11] Franco Dell’Aquila, Le grotte di Ginosa e di Matera in un documento del 1314, Civiltà Ipogea. Rivista Speleologica, 2006, S. 5

[12] Giambattista Sassi, Ginosa normanno-sveva. Archeologia e storia, Ginosa 2004, S. 48-50

[13] Guido Iorio, Il Giglio e la Spada. Istituzioni e strutture militari nel meridione angioino, 2007, S. 296

[14] Guido Iorio, Il Giglio e la Spada. Istituzioni e strutture militari nel meridione angioino, 2007, S. 298

[15] Giambattista Sassi, Ginosa normanno-sveva. Archeologia e storia, Ginosa 2004, S. 50