Kommende Gurfa

Ballei Sizilien

Bistum Agrigent

Land: Königreich Sizilien

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I           Geschichte

Die Kommende ist am 30. September 1291 erstmals mit einem als Präzeptor von Gurfa bezeichneten Amtsträger sicher nachweisbar. An diesem Tag verkaufte Francesco de Asmundo aus Castronovo für sechs Goldunzen die Hälfte eines Weinbergs mit seinen Pertinenzen in der Contrada Machalugini im Gebiet von Castronovo an die Kirche Santa Trinità des Deutschen Ordens in Palermo. Für den Orden handelte Tommaso, der in der Urkunde ausdrücklich als precettore della Gurfa bezeichnet wird. Damit ist 1291 sowohl Gurfa als ein von einem eigenen Präzeptor betreuter Besitzkomplex als auch der Name des frühesten bislang sicher nachgewiesenen Präzeptors von Gurfa belegt[1].

Am 15. Juli 1300 erscheint Guglielmo de Iulers als Präzeptor von Gurfa. Filippo de Cuchinato aus Castronovo schenkte dem Deutschen Orden durch ihn die Hälfte eines Hauses, das er gemeinsam mit den Erben seines Bruders Riccardo im rabato von Castronovo besaß. Als Grund der Schenkung werden empfangene Dienste sowie das Seelenheil des Schenkers und seiner Eltern angegeben[2].

Am 4. April 1301 nahm Guglielmo de Iulers als Präzeptor von Gurfa zwei weitere Schenkungen entgegen. Barbara, die Witwe des Giovanni Lombardo aus Castronovo, übertrug dem Deutschen Orden ein zweigeschossiges Haus mit Pertinenzen im rabato von Castronovo und behielt sich dessen Besitz für ihre Lebenszeit vor. Am selben Tag schenkte Maria de Regio, ebenfalls Witwe und Einwohnerin Castronovos, dem Orden ein Haus mit Pertinenzen im rabato von Castronovo in der contrata domorum canonici. Auch in dieser Urkunde wird Guglielmo de Iulers ausdrücklich als Präzeptor von Gurfa bezeichnet[3].

Die urkundlich belegte Erwerbstätigkeit unter Guglielmo de Iulers setzte sich 1302 fort. Am 8. April 1302 schenkten Charufa und ihr Sohn Tommaso dem Deutschen Orden eine unbebaute Landparzelle in der contrata fontis casalis de Melle sowie ein dort gelegenes casalino mit den jeweiligen Pertinenzen. Als Vertreter des Ordens nahm Guglielmo de Iulers die Schenkung in seiner Eigenschaft als Präzeptor von Gurfa entgegen[4]. Am 11. Dezember 1302 übertrugen Guarino de Richuonasculo und seine Ehefrau Sabastia dem Orden ein Haus mit einem Zimmer sowie ein angrenzendes kleines Haus im rabato von Castronovo. Die Schenker behielten sich den lebenslangen Nießbrauch vor; auch hier handelte Guglielmo de Iulers als Präzeptor von Gurfa[5].

Im Jahr 1303 ist ein Wechsel im Amt des Präzeptors festzustellen. Am 20. März 1303 erscheint Guglielmo Longus, der in den Quellen auch unter verschiedenen Namensformen wie de Lincenich begegnet, als Präzeptor von Gurfa. Simone de Raboano und seine Ehefrau Azuparda schenkten dem Deutschen Orden durch ihn ein zweigeschossiges Haus in der Contrada Sant’Angelo in Castronovo sowie ihre beweglichen Güter. Azuparda behielt sich den lebenslangen Besitz des Hauses vor. Für den Fall, dass sie ihren Ehemann überleben sollte, verpflichtete sich der Orden außerdem zu ihrer Versorgung[6].

Besonders aussagekräftig für die Bezeichnung und wirtschaftliche Funktion des Besitzes sind zwei Urkunden vom 29. Juni 1303. In der ersten wird Guglielmo de Lincenich ausdrücklich als precettore della masseria Gurfe bezeichnet. Grazia, Ehefrau des Notars Ventura de Panormo und Einwohnerin Castronovos, schenkte dem Deutschen Orden ein Viertel eines Weinbergs mit Pertinenzen in der contrata Plantarum, das sie ungeteilt gemeinsam mit ihrem Ehemann besaß. Der Fruchtgenuss dieses Anteils blieb auf Lebenszeit ihrem Freigelassenen Filippo vorbehalten.

Eine zweite Urkunde desselben Tages betrifft ebenfalls die Übertragung eines Viertels eines Weinbergs in der contrata Plantarum an den Orden. Auch dort trägt Guglielmo de Lincenich den Titel precettore della masseria Gurfe. Die zeitgenössische Bezeichnung masseria Gurfe weist auf den landwirtschaftlich geprägten Charakter des mit Gurfa verbundenen Besitzkomplexes hin.

Bereits am 30. Juni 1303 wird derselbe Amtsträger wieder als precettore della Gurfa bezeichnet. Nicola, Sohn des Notars Ventura und Einwohner Castronovos, schenkte dem Deutschen Orden durch ihn die ungeteilte Hälfte eines Weinbergs in der contrata Plantarum sowie die ungeteilte Hälfte eines ebenerdigen Gebäudes mit seinen Pertinenzen im rabato von Castronovo. Die Bezeichnungen precettore della Gurfa und precettore della masseria Gurfe sind somit für denselben Amtsträger in unmittelbar aufeinanderfolgenden Urkunden belegt[7].

Am 6. November 1303 erscheint mit Iacobus de Verdili ein weiterer Präzeptor von Gurfa. Giovanna, Witwe des Nicola Carpinterius aus Castronovo, schenkte dem Deutschen Orden durch ihn ein Haus im rabato von Castronovo sowie einen Weinberg in der contrata Criptarum im Gebiet von Castronovo[8].

Der nächste bislang sicher belegte Zustand der Verwaltung Gurfas stammt vom 20. März 1334. Zu diesem Zeitpunkt wird Gurfa nicht mehr mit einem ausschließlich für diesen Besitz genannten Präzeptor verbunden. Iacobus de Dirmistehyn erscheint vielmehr als Präzeptor des Deutschen Ordens in den Gebieten von Polizzi und Gurfa. Damit ist für 1334 eine gemeinsame Verwaltung beider Besitzkomplexe durch einen einzigen Präzeptor unmittelbar belegt[9].

Für 1372 ist Gurfa in veränderter Form überliefert. Der Besitz wird nun als feudum Gurfae bezeichnet und von der Ordensleitung für fünf Jahre an den messinesischen Adeligen Bartolomeo Spatafora vergeben. Als jährliche Leistung waren zwanzig Unzen vereinbart. Ein eigener Präzeptor von Gurfa erscheint zu diesem Zeitpunkt nicht mehr[10].

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[1] Elisabetta Lo Cascio, Il Tabulario della Magione di Palermo (1116–1643). Repertorio, Pubblicazioni degli Archivi di Stato, Fonti XLVIII, Rom 2011, S. 152–153

[2] Elisabetta Lo Cascio, Il Tabulario della Magione di Palermo (1116–1643). Repertorio, Pubblicazioni degli Archivi di Stato, Fonti XLVIII, Rom 2011, S. 196

[3] Elisabetta Lo Cascio, Il Tabulario della Magione di Palermo (1116–1643). Repertorio, Pubblicazioni degli Archivi di Stato, Fonti XLVIII, Rom 2011, S. 203

[4] Elisabetta Lo Cascio, Il Tabulario della Magione di Palermo (1116–1643). Repertorio, Pubblicazioni degli Archivi di Stato, Fonti XLVIII, Rom 2011, S. 208

[5] Elisabetta Lo Cascio, Il Tabulario della Magione di Palermo (1116–1643). Repertorio, Pubblicazioni degli Archivi di Stato, Fonti XLVIII, Rom 2011, S. 211

[6] Elisabetta Lo Cascio, Il Tabulario della Magione di Palermo (1116–1643). Repertorio, Pubblicazioni degli Archivi di Stato, Fonti XLVIII, Rom 2011, S. 214-215

[7] Elisabetta Lo Cascio, Il Tabulario della Magione di Palermo (1116–1643). Repertorio, Pubblicazioni degli Archivi di Stato, Fonti XLVIII, Rom 2011, S. 219-221

[8] Elisabetta Lo Cascio, Il Tabulario della Magione di Palermo (1116–1643). Repertorio, Pubblicazioni degli Archivi di Stato, Fonti XLVIII, Rom 2011, S. 225

[9] Elisabetta Lo Cascio, Il Tabulario della Magione di Palermo (1116–1643). Repertorio, Pubblicazioni degli Archivi di Stato, Fonti XLVIII, Rom 2011, S. 328

[10] Valeria Brunazzi, Monica Chiovaro, Stefano Vassallo, Le Grotte della Gurfa: evidenza monumentale, storia degli studi e interpretazione, in: Notiziario Archeologico della Soprintendenza di Palermo, 20, Palermo 2017, S. 7