Kommende Möttling
Patriarchat Aquileja, ab 1751 Ebt. Görz, ab 1788 Bt. Laibach
Land: Herzogtum Krain
.
I Geschichte
Im Jahr 1268 wurde dem Deutschen Orden die Pfarre Tschernembl mit ihren Filialkirchen in Möttling, Vinica, Semič und Podzemelj inkorporiert. Verwaltung und Besitz dieses Komplexes lagen zunächst bei der Kommende Laibach; vor Ort führte der dem Deutschen Orden angehörende Pfarrer von Tschernembl die Verwaltung. Zu Beginn des 14. Jahrhunderts wurde der Sitz der Ordensniederlassung in der Bela krajina von Tschernembl nach Rosalnice bei Möttling verlegt, aus der sich im weiteren Verlauf des 14. Jahrhunderts die selbständige Kommende Möttling entwickelte. Spätestens seit 1378 bestand Möttling als selbständig geleitete Kommende, deren Komtur nicht mehr von der Laibacher Kommende eingesetzt wurde[1]. In diesem Jahr ist mit Michael zugleich erstmals ein Komtur von Möttling namentlich belegt[2]. Tschernembl blieb demgegenüber in einer untergeordneten Stellung und weiterhin unter der Aufsicht Laibachs[3].
Zu Beginn des 15. Jahrhunderts war die Kommende unmittelbar von den osmanischen Vorstößen betroffen. Am 8. September 1411 berichteten die Komture der österreichischen Ballei über die wirtschaftliche Lage ihrer Häuser. Das Haus Möttling und die Pfarre Tschernembl waren zu diesem Zeitpunkt so schwer verwüstet, dass der Möttlinger Komtur finanzielle Unterstützung von der Ballei verlangte; ohne diese Hilfe könne er sich dort nicht halten. Die Nachricht steht in einer Aufstellung, die die Zinseinnahmen, Schulden und Leistungsfähigkeit der einzelnen Ordenshäuser erfasste, und belegt damit sowohl die militärische Gefährdung als auch deren unmittelbare Wirkung auf die wirtschaftliche Existenz der Kommende[4].
Trotz solcher Schäden gehörte die erste Hälfte des 15. Jahrhunderts insgesamt noch zu einer wirtschaftlich leistungsfähigen Phase des Deutschen Ordens in Krain. Der Orden konnte Geld verleihen, und seine Herrschaft in der Bela krajina erreichte bis zum Ende des Mittelalters ungefähr den Umfang seines Besitzkomplexes um Laibach. Für Möttling lässt sich zugleich ein kleiner, aber regulärer Konvent nachweisen. Um 1451 lebten dort drei Ritterbrüder und zwei Priesterbrüder[5].
Die zunehmende Bedrohung der Bela krajina führte auch zu einer Veränderung des Kommendensitzes. Noch vor 1469 wurde der Sitz der Kommende von Rosalnice in die befestigte Stadt Möttling verlegt[6]. Dort wurde das Ordenshaus Bestandteil der befestigten Stadtanlage. Der später überlieferte Kommendenkomplex besaß einen L-förmigen Grundriss; seine äußere Ecke war durch einen Wehrturm verstärkt und mit der östlichen Stadtmauer verbunden. Der Gebäudekomplex der Kommende war damit zugleich Verwaltungssitz und Teil der städtischen Befestigung[7].
Parallel dazu wurde der Grundbesitz weiter ausgebaut. Ein konkreter Erwerb ist für 1467 belegt: Wilhelm Semenič übertrug dem Deutschen Orden Besitz vor Möttling, darunter einen Hof, Äcker, Gärten und Wirtschaftsgebäude. Mit der Übertragung war die Stiftung einer ewigen Messe verbunden. Der Vorgang verbindet damit Grundbesitzerwerb, Stiftung und kirchliche Verpflichtung[8]. Der Grundbesitz des Ordens in der Bela krajina bestand aus Höfen und bäuerlichen Stellen, landwirtschaftlichen Nutzflächen sowie weiteren grundherrlichen Rechten und bildete die wirtschaftliche Grundlage der Kommende[9].
In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts und verstärkt im 16. Jahrhundert verschlechterte sich die wirtschaftliche Lage. Die Kosten für die Landesverteidigung und die wiederholten osmanischen Verwüstungen belasteten insbesondere die beiden Ordenshäuser der Bela krajina. Noch 1546 war ihr Besitzumfang zusammen demjenigen der Laibacher Kommende ungefähr vergleichbar, ihre gemeinsamen Einkünfte erreichten jedoch weniger als die Hälfte der Einkünfte Laibachs[10]. Die Größe des Besitzes und seine tatsächliche Ertragsfähigkeit hatten sich damit deutlich auseinanderentwickelt.
Das 16. Jahrhundert brachte weitere militärische Belastungen. Für 1522 ist ein osmanischer Einfall ausdrücklich im Raum der Kommende Möttling überliefert. Im folgenden Jahr wurde die österreichische Ballei mit einer Türkensteuer belastet[11]. Diese Belastungen trafen in Möttling auf eine Wirtschaft, deren Einnahmen wesentlich aus Grundbesitz, Renten und Abgaben bestanden und die von der Sicherheit und Ertragsfähigkeit der bäuerlichen Besitzungen abhängig war[12].
Die Kommende blieb zugleich in die politische Ordnung des Landes eingebunden. 1543 wurden die Komture von Möttling, Tschernembl und Komenda unter den Prälaten des Landes geführt. 1577 erscheinen diese drei Kommenden erneut zusammen mit dem Landkomtur von Laibach. 1590 wurde bei den Landständen dagegen nur noch der Landkomtur erwartet, der die Deutschordenskommenden gemeinsam vertrat[13]. Damit blieb Möttling als lokales Verwaltungs- und Besitzorgan bestehen, während seine Vertretung auf Landesebene zunehmend über den Landkomtur konzentriert wurde.
Aus dem 17. Jahrhundert sind sowohl personelle als auch bauliche Veränderungen greifbar. 1640 ist Georg Leonhard von Staudach als Komtur von Möttling belegt[14]. Aus derselben Zeit stammt ein bis heute dokumentierter Portalbereich der Kommende mit der Jahreszahl 1642. Dieses Portal führte vom Kommendenhof in Richtung des Abhangs und war in die ehemalige östliche Stadtmauer einbezogen. Es gehörte damit zu jener baulichen Verbindung von Ordenshaus und Befestigung, die den Standort innerhalb Möttlings kennzeichnete.
Im frühen 18. Jahrhundert wurde der Kommendenkomplex weiter verändert. Ein barockes Portal, das den inneren Hof von der Marktseite abschloss, trug die Jahreszahl 1726[15]. Die Kommende bildete mit der benachbarten kirchlichen Anlage einen baulich zusammenhängenden Bereich, blieb innerhalb dieses Komplexes jedoch als Verwaltungs- und Wirtschaftssitz der Ordensherrschaft erkennbar. 1776 wurde das Kommendengebäude erneut instand gesetzt beziehungsweise erneuert[16]. Die bauliche Entwicklung des 17. und 18. Jahrhunderts zeigt damit keinen Neubeginn an anderer Stelle, sondern den fortgesetzten Ausbau des innerhalb der Stadtbefestigung gelegenen Kommendensitzes.
Dass Möttling im 18. Jahrhundert weiterhin eine eigenständig geführte Grundherrschaft war, lässt sich unmittelbar an ihren Wirtschaftsakten erkennen. Im Theresianischen Kataster sind für die Kommende Möttling Auszüge aus ihrem Urbar für 1754, für 1754/55 und für 1756/57 überliefert. Sie werden als Urbare der „komenda nemškega viteškega reda Metlika“ geführt[17]. Der Besitz der Kommende war über zahlreiche Ortschaften verteilt, und ihre Untertanen lebten in 25 Dörfern. Neben den bäuerlichen Untertanengütern verfügte die Herrschaft über eigene Dominikalfelder, auf denen unter anderem Getreide und Mais angebaut wurden. Auf den Feldern der Kommende wurden aus einem Metzen Maissaat etwa 40 bis 50 Metzen geerntet[18]. Für den Umfang des älteren Ordensbesitzes werden 124½ Huben unter unmittelbarer Verwaltung der Kommende Möttling genannt, während weitere 64 Huben des Ordenskomplexes von Tschernembl aus verwaltet wurden[19]. Die Grundherrschaft bestand damit aus eigenem Herrenland und umfangreichem bäuerlichem Besitz.
Nach den napoleonischen Umwälzungen ist Möttling im 19. Jahrhundert wieder als Deutschordensherrschaft greifbar. Für 1841 ist ein eigener Verwalter der Deutschordensherrschaft Möttling belegt. Die wirtschaftliche Verwaltung erfolgte damit zu diesem Zeitpunkt über eine eigene örtliche Verwaltungsorganisation.
Die Mitte des 19. Jahrhunderts brachte mit der Aufhebung der feudalen Grunduntertänigkeit einen grundlegenden Wandel der ökonomischen Voraussetzungen. Die älteren grundherrlichen Rechte über Untertanen, Dienste und Gerichtsbarkeit verloren ihre bisherige Bedeutung. Die Kommende selbst und ihr Grundeigentum bestanden jedoch weiter. Der Nachweis eines eigenen Kommendenverwalters im Jahr 1841 fällt bereits in die letzte Phase der alten Grundherrschaft und zeigt zugleich die entwickelte Verwaltungsstruktur, mit der der Besitz geführt wurde[20]. Die Kommende wandelte sich damit von einer mittelalterlich-frühneuzeitlichen Grundherrschaft mit Herrschaftsrechten zunehmend zu einer Besitz- und Vermögenseinheit des Ordens.
Noch im ausgehenden 19. Jahrhundert wurde Möttling ausdrücklich als Deutschordenskommende bezeichnet. 1897 erscheint in einer amtlichen Veröffentlichung die Bezeichnung „D.-R.-O. Commenden Mottling und Tschernembl“ [21].
.
[1] Andrej Nared, Začetki kranjskega prelatskega stanu, Ljubljana 2009, S. 24
[2] Dušan Kos, Bela krajina v poznem srednjem veku, Ljubljana 1987, S. 420
[3] Andrej Nared, Začetki kranjskega prelatskega stanu, Ljubljana 2009, S. 24
[4] Eveline Brugger, Regesten zur Geschichte der Juden in Österreich im Mittelalter, Bd. 5: 1405–1418, Innsbruck/Wien/Bozen 2022, S. 120
[5] Friedrich Benninghoven, Zur Zahl und Standortverteilung der Brüder des Deutschen Ordens in den Balleien um 1400, Lüneburg 1988, S. 13
[6] Andrej Nared, Začetki kranjskega prelatskega stanu, Ljubljana 2009, S. 24–25
[7] Tomaž Golob, Konservatorski načrt za namen prenove zgodovinskega jedra Metlike, Ljubljana 2017, S. 53
[8] Janez Weiss, Zgodbe z meje imperija. Grad Vinica in Semeniči, začetki in prvi posestniki v luči novih arhivskih virov, Ljubljana 2016, S. 173
[9] Dušan Kos, Bela krajina v poznem srednjem veku, in: Zgodovinski časopis 41/2 (1987), S. 245
[10] Andrej Nared, Začetki kranjskega prelatskega stanu, Ljubljana 2009, S. 24–25
[11] Bernhard Demel, Wechselseitige Beziehungen zwischen den Diözesen Passau und Wien und dem Deutschen Orden seit 1190, in: Jahrbuch für Landeskunde von Niederösterreich 62 (1996), S. 243
[12] Dušan Kos, Bela krajina v poznem srednjem veku, in: Zgodovinski časopis 41/2 (1987), S. 245
[13] Andrej Nared, Začetki kranjskega prelatskega stanu, Ljubljana 2009, S. 25
[14] Werner Wilhelm Rizzi, Die Inschriften des Bundeslandes Kärnten, Teil 2, Wien 2013, S. 449
[15] Tomaž Golob, Konservatorski načrt za namen prenove zgodovinskega jedra Metlike, Ljubljana 2017, S. 53
[16] Tomaž Golob, Konservatorski načrt za namen prenove zgodovinskega jedra Metlike, Ljubljana 2017, S. 12
[17] Lilijana Žnidaršič Golec, Vodnik po urbarjih Arhiva Republike Slovenije, 5. zvezek: Popis na novo evidentiranih urbarjev in urbarjem sorodnih dokumentov, Ljubljana 2021, S. 135
[18] Marjan Britovšek, Uvajanje novih kultur na Kranjskem v drugi polovici 18. in v prvi polovici 19. stoletja, Ljubljana 1958/1959, S. 129
[19] Dušan Kos, Bela krajina v poznem srednjem veku, in: Zgodovinski časopis 41/2 (1987), S. 245
[20] Blaženka First, Posnetek Kranja na steklu – uvod v vedutno fotografijo na Slovenskem, in: Arhivi 42/1 (2019), S. 159
[21] Laibacher Zeitung, Laibach 1897, Ausgabe vom 25. Januar 1897, S. 164
