Kommende Nardo

Ballei Apulien

Erzbistum Otranto, Bistum Nardo (ab 1413)

Land: Königreich Neapel

.

I           Geschichte

Besitzungen des Deutschen Ordens im Gebiet von Nardò werden erstmals im Jahre1230 erwähnt. Auch eine apostolische Verfügung von 1272 nennt den Ordensbesitz im Gebiet der Stadt. Zu ihr gehörte seit der Mitte des 13. Jahrhunderts Santa Maria de Balneo an der Küste von Nardò mit umfangreiche landwirtschaftlich genutzte Flächen, auf denen Wein, Öl, Zitrusfrüchte, Wachs und Honig erzeugt wurden.

Santa Maria de Balneo erscheint 1310 unter den sechs Abteien von Nardò, die den päpstlichen Zehnten entrichteten. Weitere Einkünfte des Hauses sind für 1325, 1373 und 1376 verzeichnet. Seit 1352 war Santa Maria de Balneo von den Abgaben ‚pro communibus servitiis‘ befreit und diente der Unterhaltung des Hauses und seiner kleinen Gemeinschaft.

Am 8. Januar 1378 erscheint Nicolaus, Sohn des Magister Jacobus, als Bruder des Deutschen Ordens „von Nardò“ und war als Testamentsvollstrecker der Dyambra Sambiasi tätig. Im Jahr 1384 besetzten Truppen des Grafen von Lecce, Pietro d’Enghien, die Stadt Nardò. Bei ihren Übergriffen eigneten sie sich auch Besitzungen von Santa Maria de Balneo an.

Um 1400 gehörten der Kommende die Kirchen Santa Caterina degli Alemanni im Stadtviertel Sant’Angelo und San Nicola de Alamagnis[1]. Mit einer eigene Kapelle ausgestattet, lebte hier 1410/11[2], 1435 und 1440 lediglich ein Priesterbruder[3].

Während dieser Zeit wurde die Zugehörigkeit von Santa Maria de Balneo zum Ordensbesitz durch den Bischof bestritten. Papst Eugen IV. bestätigte jedoch Santa Maria de Balneo als Besitz des Deutschen Ordens, ordnete es aber der Kommende San Leonardo di Siponto zu.

Am 20. Juni 1444 wurde festgehalten, dass die Brüder Santa Maria de Balneo seit alters besessen hätten und Bischof Stefano die Kirche gegen den Willen Eugens IV. besetzt halte. Als am 1. Juli 1444 sich die Vertreter des Ordens auf Veranlassung des Ordensprokurators Johannes Helfenbeck nach Santa Maria de Balneo begaben und die Kirche wieder in Besitz nehmen wollten, verhinderten angehörige des Klerus von Nardò dieses und erklärten, sie würden die Kirche im Auftrag des Bischofs verteidigen. Entsprechend konnte der Orden trotz der päpstlichen Bestätigung zeitweise nicht über die Kirche und deren Besitz verfügen konnte.

In der Visitation von 1451 erscheint Nardò nicht mehr unter den besetzten Häusern  und im Jahr 1467 erklärte Giovanni de Francoforte, der als Einnehmer von San Leonardo tätig war, dass keine Ordensbrüder oder Rektoren mehr vorhanden seien, welche die Besitzungen in der Terra d’Otranto verwalten könnten. Ein beträchtlicher Teil der Güter lag deshalb unbewirtschaftet beziehungsweise ohne ordensinterne Verwaltung.

Eine Aufstellung vom 28. August 1477 erwähnt weiterhin die Besitzungen in der Stadt und ihrem Gebiet[4].

.

[1] Marcello Gaballo, „L’abbazia di S. Maria de Balneo: da dimora dei Cavalieri Teutonici a masseria“, in: Marcello Gaballo/Giovanni De Cupertinis (Hrsg.), Nardò nostra. Studi in memoria di don Salvatore Leonardo, Biblioteca di cultura pugliese 128, Galatina 2000, S. 11–28

[2] Marian Biskup, Visitationen im Deutschen Orden im Mittelalter. Teil I, Marburg 2002, S. 64

[3] Kurt Forstreuter, Der Deutsche Orden am Mittelmeer, Bad Godesberg 1967, S. 213

[4] Marcello Gaballo, „L’abbazia di S. Maria de Balneo: da dimora dei Cavalieri Teutonici a masseria“, in: Marcello Gaballo/Giovanni De Cupertinis (Hrsg.), Nardò nostra. Studi in memoria di don Salvatore Leonardo, Biblioteca di cultura pugliese 128, Galatina 2000, S. 11–28