Kommende Nardo

Ballei Apulien

Erzbistum Otranto, Bistum Nardo (ab 1413)

Land: Königreich Neapel

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I           Geschichte

Im Jahr 1230 gehörten Besitzungen in den „tenimenti e pertinenze di Nardò in terra d’Otranto“ zum Besitzkomplex des Deutschordenshospitals von Belvedere[1]. Für das Jahr 1267 ist Santa Maria de Balneo im Zusammenhang mit Benefizien belegt, die Kardinal Rodolfo Albanese als päpstlicher Legat verteilte[2]. 1272 bestanden weitere Besitzungen des Deutschen Ordens im Gebiet von Nardò.

1310 gehörte Santa Maria de Balneo zu den sechs Abteien von Nardò, die päpstliche Zehnten entrichteten. 1352 von den ‚pro communibus servitiis‘ befreit, ist für diese Zeit zugleich eine kleine Gemeinschaft von Ordensbrüdern belegt, die in Santa Maria de Balneo lebte.

Am 8. Januar 1378 ist mit „frate Nicolao magistri Iacobi ordinis Sancte Mariae Theotonicorum de Nerito“ ein Angehöriger des Deutschen Ordens in Nardò belegt und fungierte als Testamentsvollstrecker der Dyambra Sambiasi. Als 1384 die Truppen Pietro d’Enghiens Nardo besetzten, waren auch die Güter von Santa Maria de Balneo davon  betroffen[3].

In einer zwischen 1396 und etwa 1410 zu datierenden Liste ist für Nardò eine Kapelle mit einem Priesterbruder des Deutschen Ordens verzeichnet; der zeitgenössische Eintrag lautet „Nordoy capella unus presbiter“ [4]. Um 1400 gehörten sowohl Nardò als auch Santa Maria al Bagno zu den bedeutenderen Häusern der Ballei Apulien[5].

Neben Santa Maria de Balneo bestanden in Nardò zwei weitere mit dem Deutschen Orden verbundene Kirchen. S. Caterina degli Alemanni lag im pittagio S. Angelo und S. Nicola de Alamagnis beziehungsweise de Alemanni im pittagio S. Paolo. Nach S. Nicola war zudem ein vicinio benannt. Für die Jahre 1435 bis 1440 sind in Nardò weiterhin eine Kapelle und ein Priester des Ordens belegt.

Für 1440 ist der Streit um Santa Maria de Balneo zwischen dem Deutschen Orden und dem Bischof von Nardò, Stefano Agricola de Pendinellis, belegt. Der Orden ließ seine Ansprüche durch Johannes Helfenbeck von Nürnberg vertreten. Am 13. April 1440 wurde in Barletta ein Dokument zu diesem Streit ausgestellt und im weiteren Verlauf wurde San Leonardo di Siponto der Besitz von Santa Maria de Balneo bestätigt.

Am 20. Juni 1444 erklärten Vertreter des Deutschen Ordens in Manfredonia, Santa Maria de Balneo seit alters her besessen zu haben, und warfen dem Bischof von Nardò vor, die Kirche an sich gebracht zu haben. Am 1. Juli 1444 erschien Johannes Helfenbeck selbst bei Santa Maria de Balneo. Er trat dort als „frater Johannes Helsebech, procurator in Siciliae regno“ auf und versuchte, die Kirche im Namen des Deutschen Ordens wieder in Besitz zu nehmen. Dich ein Vertreter des Klerus von Nardò widersetzte sich diesem Vorgehen und der Streit setzte sich bis in den Dezember fort, wo weitere Vorgänge für den 4. und 7. Dezember 1444 belegt sind[6].

Um 1451 ist für Nardò kein Ordensbruder mehr eingetragen[7]. Spätestens 1467 war die personelle Präsenz des Deutschen Ordens in der Terra d’Otranto beendet: Es gab dort keine Brüder oder Rektoren mehr, die die Güter des Ordens verwalten konnten. Ein erheblicher Teil dieser Güter war zu diesem Zeitpunkt bereits verlassen. 1477 wurden Besitzungen des Ordens in Nardò noch in einem Verzeichnis aufgeführt. 1487 wurden dort vier Gartenparzellen durch den Vertreter des Kommendatars von San Leonardo für 29 Jahre gegen einen jährlichen Zins vergeben. Die Ballei Apulien gelangte anschließend in die Hand von Kardinalkommendataren; Versuche des Deutschen Ordens, sie zurückzugewinnen, blieben bis 1530 erfolglos[8].

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[1] Klemens Wieser, Gli inizi dell’Ordine Teutonico in Puglia, in: Archivio Storico Pugliese 26, Bari 1973, S. 485

[2] Marcello Gaballo, L’abbazia di S. Maria de Balneo: da dimora dei Cavalieri Teutonici a masseria, in: Marcello Gaballo/Giovanni De Cupertinis (Hg.), Nardò Nostra. Studi in memoria di don Salvatore Leonardo, Galatina 2000, S. 11–28. (auf der Website Fondazione Terra d’Otranto veröffentlichte Onlinefassung, Teil I)

[3] Marcello Gaballo, L’abbazia di S. Maria de Balneo: da dimora dei Cavalieri Teutonici a masseria, Galatina 2000, S. 11–28. Verwendete Onlinefassung, Teil I.

[4] Friedrich Benninghoven, Zur Zahl und Standortverteilung der Brüder des Deutschen Ordens in den Balleien um 1400, in: Preußenland 26, Marburg 1988, S. 2–6

[5] Kristjan Toomaspoeg, The Teutonic Order in Italy, 1190–1525: Building Bridges in the Medieval World, Abingdon 2024, S. 42

[6] Marcello Gaballo, L’abbazia di S. Maria de Balneo: da dimora dei Cavalieri Teutonici a masseria, Galatina 2000, S. 11–28. Verwendete Onlinefassung, Teil II.

[7] Friedrich Benninghoven, Zur Zahl und Standortverteilung der Brüder des Deutschen Ordens in den Balleien um 1400, in: Preußenland 26, Marburg 1988, S. 13

[8] Marcello Gaballo, L’abbazia di S. Maria de Balneo: da dimora dei Cavalieri Teutonici a masseria, Galatina 2000, S. 11–28. Verwendete Onlinefassung, Teil II.