Kommende Plauen

Ballei Thüringen

Bistum Naumburg

Land: Grafschaft Plauen

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I.           Geschichte

Im Jahr 1224 übertrug Vogt Heinrich der Ältere von Weida dem Deutschen Orden die Pfarrkirche St. Johannis in Plauen mit ihren Gütern und Rechten. Die Schenkung wurde von den Naumburger Bischöfen Engelhard und Dietrich II. bestätigt und bildete die Grundlage für die Niederlassung des Ordens in Plauen.

In den folgenden Jahren entstand unmittelbar neben der Johanniskirche das Deutsche Haus, das als Sitz der Plauener Kommende diente. Zur Anlage gehörten die Wohngebäude der Ordensbrüder, Wirtschaftsgebäude und eine Brauerei.

Die Kommende wurde in den folgenden Jahrzehnten durch weitere Schenkungen der Vögte von Weida, Gera und Plauen ausgebaut. Während Vogt Heinrich der Ältere von Weida 1236 der Pfarrei Plauen einen Zehnten von 140 Äckern stiftete, erweiterte Vogt Heinrich von Plauen 1244 mit Zustimmung seines Bruders, des Vogtes Heinrich von Gera, den Besitz des Deutschen Hauses erheblich. Zu den Schenkungen gehörten unter anderem Fischereirechte in der Weißen Elster, Wald bei Köttis, Grundstücke im Bereich des heutigen Neustadtplatzes sowie Anteile an einer Mühle.

In den folgenden Jahrzehnten vergrößerte sich der Besitz des Hauses kontinuierlich. Durch weitere Schenkungen, Käufe und Stiftungen gelangten Höfe, Äcker, Wiesen, Wälder, Mühlen sowie Zehnt- und Zinsrechte in den Besitz der Kommende. Zu Beginn des 14. Jahrhunderts verteilten sich ihre Besitzungen und Einkünfte auf rund 58 Dörfer und Ortschaften im Vogtland. Die wirtschaftliche Grundlage bildeten neben dem Grundbesitz vor allem Zehnten, Erbzinsen und Naturalabgaben.

Neben der Verwaltung ihrer Besitzungen erfüllte die Kommende kirchliche und soziale Aufgaben. Mittelpunkt des geistlichen Lebens war die Johanniskirche, an der die Ordenspriester den Gottesdienst versahen. Bereits 1288 werden mit einem Prior, dem Pfarrer Johannes und dem Trappier Heinrich Angehörige des Konvents genannt. Im Jahr 1319 ist außerdem erstmals ein Schulmeister nachweisbar. Dies zählt zugleich zu den frühesten Belegen für das organisierte Schulwesen in Plauen.

Am 26. Januar 1332 gründete Vogt Heinrich von Plauen das Hospital St. Elisabeth an der Elsterbrücke und übertrug es den Brüdern des Deutschen Hauses. Diese hatten dort täglich Gottesdienst zu halten und die seelsorgerische Betreuung der Kranken zu übernehmen. Mit der Übertragung des Kirchenlehens in Pöhl im folgenden Jahr erweiterten sich die kirchlichen Aufgaben der Kommende weiter[1].

Zu Beginn des 14. Jahrhunderts nahm der Besitz des Deutschen Hauses weiter zu. Im Jahr 1320 schenkte der Plauener Bürger Johann Dünnebier der Kommende zwei Höfe zur Stiftung einer Messe am Altar des Heiligen Kreuzes. Komtur Nikolaus von Freiberg bestätigte die Schenkung. Bereits im folgenden Jahr überließen Vogt Heinrich der Ältere und sein Sohn dem Deutschen Haus weitere Besitzungen sowie den Hof des ehemaligen Klosters Altenzell. Gleichzeitig erhielt die Kommende das Recht auf den Wasserlauf bis zu ihrer Mühle an der Weißen Elster.

Im Jahr 1322 stiftete Vogt Heinrich neben dem Chor der Johanniskirche eine Kapelle mit eigenem Altar und stattete sie mit einer jährlichen Rente aus. Nach seinem Tod gingen diese Einkünfte an das Deutsche Haus über. Weitere Schenkungen dienten der Ausstattung der Altäre und der Feier von Seelmessen. Mit der Bestätigung des gesamten Besitzes im Jahr 1328 erreichte die Kommende ihren größten mittelalterlichen Umfang. Die Besitzungen und Einkünfte verteilten sich nun auf rund 58 Dörfer und Ortschaften des Vogtlandes.

Zwischen 1357 und 1360 kam es zu einem Rechtsstreit zwischen der Kommende und Vogt Heinrich IV. von Plauen. Der Vogt verlangte vom Komtur unter anderem ein gesatteltes Pferd für seine Hochzeiten, täglich vier Brote und zwei Kannen Bier sowie Getreide aus der Brauerei des Komturhofes. Nachdem diese Forderungen zurückgewiesen worden waren, untersagte er den Bürgern Opfergaben in der Johanniskirche und ließ Vieh aus dem Komturhof forttreiben. Kaiser Karl IV. entschied den Streit am 9. Dezember 1358 auf einem Rechtstag in Breslau. Das Deutsche Haus wurde verpflichtet, die geforderten Naturalleistungen sowie das Hochzeitspferd zu stellen; zugleich blieben seine Güter und Rechte bestehen. Ein Vergleich vom 13. Juni 1360 verpflichtete den Vogt, die Kommende künftig in ihren Gütern und Rechten zu schützen. Im Gegenzug hatte das Deutsche Haus den Pfaffenscheffel und den sogenannten rauhen Zehnten zu entrichten[2].

In der Kommende, die eine reine Priesterkommende war[3], lebten 1410/11 acht Priesterbrüder[4]. Während des Hussiteneinfalls im Jahr 1430 wurde Plauen schwer verwüstet. Dabei kamen acht Brüder des Deutschen Hauses ums Leben. Beim Rückzug der Hussiten wurden außerdem Schloss und Stadt in Brand gesetzt[5], wobei auch die Kommende in Flammen aufging[6].

Im Jahr 1448 gehörten der Kommende sieben Priesterbrüder sowie zahlreiche Bedienstete an. Die Einkünfte stammten überwiegend aus Grundbesitz, Zehnten, Patronatsrechten und weiteren Abgaben. 1451 wird die Plauener Kommende als eine der wohlhabendsten Niederlassungen der Thüringer Ballei bezeichnet[7]. Zu dieser Zeit zählte der Kommendenkonvent acht Priesterbrüder und einen Diakon, wozu jedoch auch die beiden Priesterbrüder, welche als Pfarrer außerhalb lebten, gezählt wurden[8].

1470 wurde vor dem Dobnertor die St.-Wolfgangs-Kapelle gestiftet. Da der Komtur zugleich das Amt des Archidiakons des Plauener Sprengels innehatte und damit die kirchliche Aufsicht ausübte, genehmigte Komtur Georg Weitzel ihre Errichtung. Die Kapelle blieb der Kommende unterstellt.

Mit der Reformation begann auch für das Deutsche Haus in Plauen ein grundlegender Wandel. Unter Komtur Georg Gültner öffnete sich die Kommende früh den reformatorischen Bestrebungen. Gültner unterstützte den aus Zwickau stammenden Prediger Georg Raute, der seit 1524 in Plauen wirkte und die Reformation in der Stadt einführte[9].

Nachdem die Verwaltung der Kommende bereits 1526/27 der Stadt übertragen worden war[10], wurden im Rahmen der kursächsischen Kirchenvisitation von 1529 die kirchlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse des Hauses neu geordnet. Die bisher für Altäre und Messstiftungen bestimmten Einkünfte dienten nun der Besoldung der evangelischen Geistlichen und des Schulmeisters. Kirchengerät und Messgewänder, die für den evangelischen Gottesdienst nicht mehr benötigt wurden, wurden veräußert. Zugleich wurden die Einkünfte und Abgaben der Kommende nach den landesherrlichen Bestimmungen neu geregelt sowie die Verpflichtungen der zinspflichtigen Bauern festgelegt.

Nach dem Schmalkaldischen Krieg verlangte Kaiser Karl V. am 14. Mai 1548 die Rückgabe der eingezogenen Ordensgüter, was der sächsische Kurfürst jedoch ablehnte, da die Einkünfte inzwischen für die Besoldung der Geistlichen, der Lehrer und weiterer kirchlicher Einrichtungen verwendet würden und die Besitzungen damit in landesherrlicher Verwaltung  verblieben[11].

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II.   Komture

Hermann (1260, 1261)

Heinrich von Mylau (1264-1267) [12]

Heinrich von Reuss (1267)

Johannes (1270)

Heinrich (1274-1276)

Hermann (1281-1292)

Albert von Stolberg (1294)

Dietrich (1294)

Heinrich von Kurbitz (1298-1313)

Heinrich von Sommern (1314)

Heinrich von Kurbitz (erw. 1318)

Nikolaus von Freiberg (1329-1334)

Peter von Eger (1335)

Friedel von Eger (1341-1352)

Peter von Feilitzsch (1369)

Friedrich Lisberger (1370)

Paul von Kauschwitz (1379)

Nikolaus Lobichauer (1416-1417)

Gottfried Molsdorf (1430)

Johann Lang (1444)

Johannes Reiche (1455-1465)

Georg Weitzel (1470)

Andreas Hubner (1488-1504)

Augustin Tuchel (1506-1515)

Georg Eulner (1521) [13]

Georg Gültner (1524-?)

III.       Prior[14]

Hermann (1260, 1261)

Heinrich von Mylau (1264-1268)

Siegfried (1278-1281)

Johannes (1288-1292)

Berthold (1293)

Franko (erw. 1297)

Dietrich Cerer (erw. 1294, 1306)

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[1] Julius Vogel, Geschichte des Deutschen Ordenshauses zu Plauen i. V., in: Mitteilungen des Altertumsvereins zu Plauen i. V., 7. Jahresheft (1888/89), Plauen 1889, S. 35–44

[2] Julius Vogel, Geschichte des Deutschen Ordenshauses zu Plauen i. V., in: Mitteilungen des Altertumsvereins zu Plauen i. V., 7. Jahresheft (1888/89), Plauen 1889, S. 35-45

[3] Bernhard Sommerlad, Der Deutsche Orden in Thüringen, Halle 1931, S. 89

[4] Marian Biskup, Irena Janosz-Biskupowa, Visitationen im Deutschen Orden im Mittelalter 1236-1449, Marburg 2002, S. 66

[5] Julius Vogel, Geschichte des Deutschen Ordenshauses zu Plauen i. V., in: Mitteilungen des Altertumsvereins zu Plauen i. V., 7. Jahresheft (1888/89), Plauen 1889, S. 46

[6] Deutschordens-Ballei Thüringen, Bad Mergentheim 1992, S. 16

[7] Julius Vogel, Geschichte des Deutschen Ordenshauses zu Plauen i. V., in: Mitteilungen des Altertumsvereins zu Plauen i. V., 7. Jahresheft (1888/89), Plauen 1889, S. 46-47

[8] Marian Biskup, Visitationen im Deutschen Orden im Mittelalter. Teil II, Marburg 2004, S. 121

[9] Julius Vogel, Geschichte des Deutschen Ordenshauses zu Plauen i. V., in: Mitteilungen des Altertumsvereins zu Plauen i. V., 7. Jahresheft (1888/89), Plauen 1889, S. 47-50

[10] Deutschordens-Ballei Thüringen, Bad Mergentheim 1992, S. 16

[11] Julius Vogel, Geschichte des Deutschen Ordenshauses zu Plauen i. V., in: Mitteilungen des Altertumsvereins zu Plauen i. V., 7. Jahresheft (1888/89), Plauen 1889, S. 50-56

[12] Dieter Wojzecki, Studien zur Personengeschichte des Deutschen Ordens im 13. Jahrhundert, Wiesbaden 1971, S. 74

[13] Bernhard Sommerlad, Der Deutsche Orden in Thüringen, Halle 1931, S. 225

[14] Dieter Wojzecki, Studien zur Personengeschichte des Deutschen Ordens im 13. Jahrhundert, Wiesbaden 1971, S. 74