Kommende Polizzi
Bistum Agrigento
Land: Königreich Sizilien
.
I Geschichte
Die Deutschordenskommende in Polizzi entstand zu Beginn des 14. Jahrhunderts aus dem Vermögen Rinaldos di Giovanni Lombardo[1]. Rinaldo stand zu dieser Zeit bereits in enger Verbindung mit dem Deutschen Orden und wird am 26. März 1308 ausdrücklich als confratello bezeichnet. An diesem Tag erhielt er von Giovanni de Presbitero Pagano, dessen Ehefrau Iusiana und deren Tochter Scarlata einen Weinberg in der contrata Plantarum sowie Rechte an einem Haus und an einer dort vorhandenen steinernen Kelter[2].
Schon im folgenden Jahr bestand im Gebiet von Polizzi ein vom Deutschen Orden errichtetes Oratorium. Wegen dieses Oratoriums kam es zu einem Konflikt mit dem Bischof von Cefalù. Am 7. Juli 1309 beauftragte Papst Clemens V. den Erzbischof von Palermo, den Abt von San Giovanni degli Eremiti und den Kantor der Kirche von Palermo mit der Behandlung des Falls. Der Bischof von Cefalù hatte den Einwohnern von Polizzi und anderen Besuchern des Oratoriums mit Exkommunikation gedroht[3].
In den folgenden Jahren wuchs der Besitz der Niederlassung weiter. Am 24. Mai 1313 schenkte Rinaldo di Giovanni Lombardo der Santa Trinità von Polizzi, die durch den Priester Rainaldo de Giracio vertreten wurde, einen Weinberg in der Contrata Mantonire. Wenige Monate später, am 16. Dezember 1313, wurde Buccardus de Argentina, Syndikus der Santa Trinità von Palermo und Prokurator der Casa di Polizzi, in den Besitz des Weinbergs Fontana di Musa eingesetzt. Zu diesem Besitz gehörten Wasserrechte, unbebautes Land mit einer Kapazität von vier salme, drei Häuser, zwei Keltern, von denen eine aus Holz und eine aus Stein bestand, sowie mehrere Quellen.
Zum Vermögen der Niederlassung gehörten außerdem Geldforderungen. Am 20. Juni 1314 wurde Buccardus de Argentena als Syndikus, Ökonom und Generalprokurator der Santa Trinità von Palermo in Polizzi aufgrund einer Entscheidung der örtlichen Gerichtsbarkeit in den Besitz eines Hauses des Simone de Verticulo eingesetzt. Die zugrunde liegende Forderung belief sich auf zwei Goldunzen, sechzehn Tarì und sechzehn Grani zuzüglich der entstandenen Kosten. Eine weitere Forderung ist für den Zeitraum zwischen dem 1. September 1313 und dem 31. August 1314 belegt. Matteo erkannte gegenüber frater Buccardus eine Geldschuld aus dem Erwerb von Tuchen an, die der inzwischen verstorbene Rinaldo di Giovanni Lombardo verkauft hatte, und verpflichtete sich zur Zahlung innerhalb der festgesetzten Frist[4].
Am 14. Dezember 1316 erscheint Giovanni de Domo als Präzeptor des Deutschen Ordens in Polizzi und fungierte hier zudem als Prokurator, Syndikus, Ökonom und Verwalter der Geschäfte des Großpräzeptors. An diesem Tag erhielt er aufgrund einer Forderung zwei Weinfässer mit einem Fassungsvermögen von jeweils acht Salme, ein mit Essig gefülltes Fass sowie ein Haus mit Geschäftslokal in der ‚capitania Sancti Brancaci‘. In dem Gebäude befand sich die Taverne des Guglielmo de Iunta. Der Anspruch stand im Zusammenhang mit einer Forderung von sechs Goldunzen und weiteren Kosten aus einer Bürgschaft für eine Schuld von 24 Goldunzen gegenüber dem verstorbenen Rinaldo di Giovanni Lombardo.
Noch am selben Tag wurde Giovanni de Domo aufgrund einer weiteren Forderung in den Besitz einer Bottega des Leonardo de Lazaro in der Capitania Sancte Marie Maioris eingesetzt. Auch diese Forderung stand im Zusammenhang mit einer Bürgschaft für eine Schuld von 24 Goldunzen gegenüber Rinaldo di Giovanni Lombardo. Am 14. Dezember 1316 wurden die zuvor in Besitz genommenen Gegenstände und Immobilien an Guglielmo de Iunta beziehungsweise Leonardo de Lazaro zurückgegeben[5].
Im Jahr 1367 wurde die örtliche Verwaltung verändert. Ulrich von Schmalenstein setzte den bisherigen Verwalter, einen Weltpriester, ab. Anschließend wurden auch Angehörige der jüdischen Gemeinde von Polizzi in die Verwaltung der Ordensgüter einbezogen.
1460/61 sind vierzehn Gruppen jüdischer Familien als Mieter von Immobilien des Ordens belegt. Die gemieteten Gebäude lagen unter anderem in den Vierteln Santa Maria Maggiore, San Nicola, Santa Maria Maddalena, San Biagio und San Pancrazio. Zu den Mietobjekten gehörten auch Botteghe, in denen landwirtschaftliche Erzeugnisse aus Besitzungen des Ordens verkauft wurden. Unter den Mietern befanden sich Angehörige der Familie Taguil sowie die Erben des Gayn Judeus[6].
Die Zugehörigkeit der sizilischen Besitzungen zum Deutschen Orden endete 1492. Am 2. Mai dieses Jahres übertrug Papst Innozenz VIII. Rodrigo Borgia die Magione von Palermo mit ihren Gütern und Einkünften. Nach Borgias Wahl zum Papst als Alexander VI. wurde das Benefiz Kardinal Federico di Sanseverino übertragen[7].
.
[1] Kristjan Toomaspoeg, „’Ordine Teutonico in Sicilia. Una minoranza fra le altre, in: Quellen und Forschungen aus italienischen Archiven und Bibliotheken 85, 2005, S. 113-114
[2] Elisabetta Lo Cascio, Il Tabulario della Magione di Palermo (1116–1643). Repertorio, Pubblicazioni degli Archivi di Stato, Fonti XLVIII, Rom 2011, S. 267
[3] Elisabetta Lo Cascio, Il Tabulario della Magione di Palermo (1116–1643). Repertorio, Pubblicazioni degli Archivi di Stato, Fonti XLVIII, Rom 2011, S. 272
[4] Elisabetta Lo Cascio, Il Tabulario della Magione di Palermo (1116–1643). Repertorio, Pubblicazioni degli Archivi di Stato, Fonti XLVIII, Rom 2011, S. 301-304
[5] Elisabetta Lo Cascio, Il Tabulario della Magione di Palermo (1116–1643). Repertorio, Pubblicazioni degli Archivi di Stato, Fonti XLVIII, Rom 2011, S. 309-310
[6] Kristjan Toomaspoeg, „L’Ordine Teutonico in Sicilia. Una minoranza fra le altre“, in: Quellen und Forschungen aus italienischen Archiven und Bibliotheken 85, 2005, S. 115-120
[7] Elisabetta Lo Cascio, Il Tabulario della Magione di Palermo (1116–1643). Repertorio, Pubblicazioni degli Archivi di Stato, Fonti XLVIII, Rom 2011, S. 9-10
