Kommende Ragnit
Bistum Samland
Land: Deutscher Orden
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I Geschichte
Die Kommende Ragnit entstand 1289 an der Memel. An diesem Ort hatte zuvor eine schalauische Burg bestanden, die 1275 erobert worden war. Die neue Ordensburg wurde zunächst Landeshut genannt; der ältere Name Ragnit setzte sich jedoch wieder durch. Zugleich wurde der 1288 in Labiau eingerichtete Konvent mit seinem Komtur nach Ragnit verlegt. Damit wurde Ragnit Sitz einer Kommende. Ihr unterstanden neben Ragnit auch Labiau und Tilsit.
Die Kommende lag im Schalauerland, am südlichen Hochufer der Memel. Ihr Verwaltungsraum reichte im 14. Jahrhundert von der Kurischen Nehrung und dem südlichen Memeldelta über Ragnit weit nach Osten beiderseits der Memel. Zur Kommende gehörten mehrere Burgen und Befestigungen im Memelraum, darunter Ragnit, Tilsit, Labiau, Splitter und zeitweise weitere Anlagen.
Im 14. Jahrhundert war Ragnit mehrfach von Zerstörungen betroffen. Die ältere Holz-Erde-Burg wurde 1355, 1356 und 1365 zerstört und jeweils wiederhergestellt. Die Kommende blieb dennoch bestehen. Sie war Sitz des Konvents, Aufenthaltsort einer Burgbesatzung und Verwaltungsstelle für die ihr zugeordneten Befestigungen und Siedlungsbereiche.
Seit 1397 wurde der ältere Burgsitz durch eine steinerne Kommendenburg ersetzt. Der Neubau war 1403 noch nicht vollständig abgeschlossen; zu diesem Zeitpunkt war der Konvent bereits aus der alten Befestigung in die neue Anlage übergegangen. Der vierflügelige Bau war damals im äußeren Umriss geschlossen, doch waren nur Teile bewohnbar. Nutzbar waren das Westglied und wohl Teile des Südflügels mit Kirche und Refektorium. Die vollständige Ausführung und Dachdeckung erfolgte 1406 oder 1407. Die Vorburg wurde erst 1408 weitergebaut; zwei Briefe nennen für den 27. Juni und den 3. August 1408 Arbeiten an Gräben für die Fundamente von Mauern und Turm der Vorburg.
Der Neubau enthielt die für den Konvent erforderlichen Räume, welche sich jedoch auf unter 60 qm befanden. Belegt sind Kirche beziehungsweise Kapelle, Refektorium, Torbereich, Küche, Keller, Gewölbe, Mauern, Türen, Fenster und die Vorburg. Die Quellen zeigen, dass während des Baues an Innenwänden, Gewölben, Tür- und Fensteröffnungen Veränderungen vorgenommen wurden. Die Raumaufteilung wurde also während des Baufortschritts konkretisiert und angepasst.
Die Bauarbeiten waren umfangreich organisiert. Für Ragnit sind Arbeiten an Ringmauern, Innenmauern, Gräben, Fundamenten, Gewölben, Küche und Vorburg belegt. In den Jahren 1402 und 1403 wurden Keller und Innenräume einzelner Flügel ausgeführt; im September oder Oktober 1402 war der Torbereich im Erdgeschoss des Westflügels fertig. Im Juli 1403 wurden Pfeiler für die Gewölbe der Küche hergestellt. Am 1. Dezember 1403 wurde ein Vertrag über Arbeiten an Gewölben, Mauern, Putz, Fenstern und weiteren Bauteilen geschlossen.
Für den Bau der Burg sind zahlreiche Arbeitskräfte belegt. Litauische Angaben nennen Meister aus Balga, Kulm und Marienburg, etwa dreißig verschiedene handwerkliche Tätigkeiten, rund 1200 Arbeiter aus Sambia sowie Hilfsarbeiten durch Bewohner der Umgebung. Prussische Freie bewachten die Baustelle und Baumaterialien; Ziegel wurden vor Ort hergestellt.
Zur Kommende gehörte eine Siedlung im Umfeld der Burg. Seit dem späten 14. Jahrhundert bestand bei der Burg ein Handelsplatz; auch samaitische Kaufleute kamen dorthin. Für das 15. Jahrhundert werden im Hackelwerk bei der Burg 92 Schalauer genannt. Das Hackelwerk war damit ein besiedelter Bereich im unmittelbaren Umfeld der Kommende.
Die Wirtschaftsführung der Kommende beruhte auf Abgaben, Versorgungsgütern, Transporten und der Nutzung des Memelraumes. Zur Unterhaltung Ragnits und der übrigen Burgen im Schalauerland diente das im Ordensland erhobene Schalwenkorn. Für 1403 oder 1404 ist Schalwenkorn belegt, das nach Ragnit gebracht werden sollte; 1412 wird ausdrücklich erwähnt, dass mit diesem Korn Ragnit nach alter Gewohnheit unterhalten wurde.
Die Quellen nennen für den Raum der Kommende Getreide, Gerste, Hafer, Roggen, Mehl und Brot. Außerdem sind Vieh, Kühe, Pferde, Arbeits- und Reitpferde, Fischerei sowie Kleidung für Dienstleute, Handwerker, Schalauer, deren Frauen und Kinder belegt. Damit erscheinen Wirtschaft und Versorgung der Kommende nicht nur als Eigenwirtschaft der Burg, sondern auch als Versorgung eines größeren, von Ragnit aus organisierten Personen- und Siedlungsverbandes.
Frauen gehörten nicht zum Konvent der Kommende. Für das Umfeld Ragnits sind Frauen jedoch belegt: In den Quellen erscheinen Frauen und Kinder der Schalauer, die Kleidung erhielten. Für das Hackelwerk und die zugeordneten Siedlungen ist daher mit Familien zu rechnen. Für die Zahl von Knechten, Mägden oder dauerhaftem Dienstpersonal innerhalb der Burg liegen keine vollständigen Ragniter Listen vor. Belegt sind jedoch Dienstleute, Handwerker, Bauarbeiter und weiteres Personal im Zusammenhang mit Bau, Versorgung und Verwaltung.
Die Kommende war zugleich mit den schalauischen Gruppen im Umfeld Ragnits verbunden. Nach 1365/1369 lebten Schalauer bei Ragnit, Neuhaus und Splitter; seit 1408 sind auch Schalauer bei Tilsit belegt. Diese Gruppen standen in Beziehung zur Kommende, erhielten Unterstützung und wurden für Aufgaben im Memelraum herangezogen. Für sie sind Ackerbau, Viehhaltung, Weidewirtschaft und Fischerei belegt.
Während des Krieges von 1409 bis 1411 wurde das Gebiet der Kommende beschädigt. Die Quellen nennen Schäden in Hackelwerken und bei den Siedlungsgruppen im Raum Ragnit, Tilsit, Neuhaus und Splitter. Danach sind Neuhaus und Splitter nicht mehr dauerhaft als solche schalauischen Gruppen fassbar; spätere Nachrichten betreffen vor allem Ragnit und Tilsit.
Neben der Burg bestand eine Lischke beziehungsweise Marktsiedlung. 1409 wurde versucht, diese Siedlung zur Stadt auszubauen. Das Vorhaben wurde nicht dauerhaft umgesetzt. Ragnit blieb im 15. Jahrhundert eine kleine Siedlung bei der Burg; genannt werden ein Hackelwerk und eine Wassermühle an der aufgestauten Raganytė.
Die Kommende bestand bis 1525. Mit der Säkularisierung der Ordensherrschaft in Preußen wurde sie aufgehoben. Die Burg wurde danach Verwaltungssitz des herzoglich-preußischen Amtes Ragnit.
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II Komture
Wernicke (1288 Sept. 30)
Bertold von Bruhaven (1289 Ende April–Mai)
Erneko († um 1290 Mai 12)
Konrad der Ältere Stange (1291 Mai 1 – um 1292 Juli 25 / vor 1293 April 18)
Ludwig von Liebenzell (um 1294 – 1300 Sept. 22)
Volrad von Lödla (1302 Sept. 2 – 1309 Febr. 28)
Werner von Orseln (1312 April 28 – 1313)
Volrad von Lödla (1314 Aug. – 1315 Jan. 22)
Friedrich von Liebenzell (1317 – 1318 Sept. 30)
Dietrich Burggraf von Altenburg (1323 Okt. 31 – 1325)
Albrecht von Ore (1325 Nov. 15 – 1327 Nov. 29)
Heinrich Dusemer (1329 März 23)
Krafto von Ottenbach (1331 April 25 – 1332 Mai 18)
Merfrid (1333 Aug. 31)
Dietrich von Schenkenberg (1338 März 8)
Ortulf (1339 Nov. 19)
Siegfried von Dahenfeld (1342 Juni 19 – 1344 Juni 2)
Ortulf von Trier (1346 Sept. 21 – 1346 Okt. 13)
Wilhelm von Burne (1350 April 7)
Henning Schindekop (1350 Mai 26 – 1352)
Kuno der Mittlere von Hattstein (1356 – 1359 Juni 30)
Gerhard von Ampleben (1360 Juni 9)
Heinrich von Schöningen (1362 – 1364)
Burkhart von Mansfeld (1365 – 1370 Febr.)
Gottfried von Linden (1371 Nov. 28–29)
Gerhard von Lens (1372 Sept. 29 – †1374 Aug.)
Kuno der Jüngere von Hattstein (1374 Aug. – 1379 Mai)
Werner von Ubisheim (1379 – 1379 Dez. 4)
Wigand von Beldersheim / Baldersheim (1380 – 1384 Mai)
Johann von Rumpenheim (1384 – 1392 Nov. 19)
Kuno von Lichtenstein (1392 Nov. 19 – 1396 Mai 1)
Marquart von Sulzbach (1396 Mai 1 – 1402 Mai 14)
Graf Friedrich von Zollern (1402 Mai 14 – 1407 Sept. 1)
Eberhard der Ältere von Wallenfels (1407 Sept. 1 – 1410 März 7)
Helferich von Drahe (1410 – 1412 Nov. 25)
Konrad Sefeler (1412 Nov. 25 – 1414 Jan. 18)
Leopold von Reitenbach (1414 – 1416 Nov. 25)
Lukas von Lichtenstein (1416 – 1419 Jan. 20)
Johann von Schaumberg (1419 – 1425 Okt. 4)
Konrad von Erlichshausen (1425 Sept. 24 – 1432 Nov. 19)
Johann von Schaumberg (1432 Nov. 19 – 1441 April 19)
Bruno von Hirzberg (1441 April 19 – 1443 Juli 3)
Gerlach Mertz (1444 Juli 3 – 1447 Juni 15)
Erhard Persfelder (1447 Juni 15 – 1452 Okt. 18)
Helferich von Selbold (1453 Sept. 16 – 1454 Febr. 3)
Hans von der Narbe (1456 Febr. – 1483 Mai 6)
Christoph von Aufseß (1486 Sept. 21 – 1486 März 19)
Konrad Nothaft (1486 Sept. 21 – 1490 März 24)
Hans Scherffchen (1490 Juli 12 – 1495 Aug. 10)
Heinrich von Altmannshofen (1495 Nov. 20 – 1499 Sept. 12)
Hans Scherfchen (1501 Juli 18)
Nikolaus von Plug (1501 Nov. 26 – † vor 1511 April 29)
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– Quellen und Literatur –
Heckmann, Dieter: Amtsträger des Deutschen Ordens in Preußen und in den hochmeisterlichen Kammerballeien des Reiches bis 1525, Torun 2020
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