Kommende Rheden

Meistertum Preußen

Bistum Kulm

Land: Deutscher Orden

.

I           Geschichte

Die Kommende Rheden (Radzyń Chełmiński) lag im Kulmerland. Der Ort ist 1224 als Razyn bezeugt; weitere mittelalterliche Namensformen sind unter anderem Rezin, Redino, Radino, Reddin, Redin, Reddyno, Reden und 1466 Rędzyn alias Reden. 1231 ging der dortige Hof an den Orden über; 1234 ist eine Burg genannt.

Die erste Anlage war eine Holz-Erde-Befestigung. Sie stand bei einer bereits zuvor genannten Siedlung und wurde in den Kämpfen des 13. Jahrhunderts mehrfach betroffen. Um 1244 wurde die Burg bei einem Angriff der Prußen und Świętopełks von Pommerellen zerstört. Um 1277 wurde der Ort erneut zweimal zerstört und eingenommen.

Spätestens 1251/52 war Rheden als Kommende organisiert. Für 1285 sind Burg und Stadt gemeinsam belegt. In diesem Jahr wurden Rechte und Einkünfte geordnet: Die Stadt erhielt 92 Hufen, gemeinschaftliche Weideflächen, Rechte in Mazanki sowie Fischereirechte an mehreren Seen. Gerichtseinnahmen und Einkünfte aus Fleischbänken, Brotbänken, Ständen und Kramläden wurden zwischen Stadt beziehungsweise Schulzen und Ordensseite aufgeteilt; die Mühle ging an den Orden.

Ebenfalls 1285 wurden die Burgkapelle zum Heiligen Kreuz und die Kirche St. Georg mit ihren Mansjonaren ausgestattet. Dazu gehörten Einkünfte, acht Hufen, ein Garten, Waldnutzungsrechte und Fischereirechte. St. Georg war mit einem Hospital beziehungsweise einer Fürsorgeeinrichtung verbunden; die spätere Kapelle lag außerhalb der Stadtmauern in der Nähe hölzerner oder fachwerkartiger Hospitalgebäude.

Der Ausbau der steinernen Kommendenburg gehört in das späte 13. beziehungsweise frühe 14. Jahrhundert. Die Hauptbauphase des Konventshauses wird in die Zeit um 1320 bis 1350 gesetzt; äußere Mauern und Vorburgbefestigungen folgten in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts. 1329 ist Rheden als Versammlungsort in castro Redino bezeugt.

Das Konventshaus war annähernd quadratisch und bestand aus vier Flügeln um einen Innenhof. Im Südflügel lag die Kapelle. Zur Vorburg gehörten Wirtschaftsgebäude, darunter Wagenhaus, Stall, Brauhaus, Speicher, Badestube und Schmiede; außerdem wird dort eine Infirmerie genannt. Damit umfasste die Kommende neben dem Konventsbereich auch die für Versorgung, Lagerung, Handwerk und Pflege notwendigen Räume.

Zum Konvent selbst sind besonders für das 15. Jahrhundert Nachrichten erhalten. Zwischen 1442 und 1446 gehörten ihm zehn Ritterbrüder und zwei Priesterbrüder an. Die Visitation von 1442 nennt außerdem einen Kaplan und zwei Scholaren. Frühmesse, Hochamt und Vesper wurden gesungen; die übrigen Horen des Stundengebetes wurden gesprochen. Das nach der Komplet vorgesehene Schweigen wurde nicht mehr gehalten.

In der folgenden Zeit entfielen weitere Elemente des gemeinschaftlichen Lebens. Der Nachtchor wurde zunächst von den Priesterbrüdern nicht mehr gehalten; auch die Ritterbrüder verrichteten ihn nicht mehr. Hinzu kamen der Wegfall der Tischlesung und das fast vollständige Unterlassen der Ordenskleidung. Die Visitationsnachrichten zeigen damit, dass in Rheden in der Mitte des 15. Jahrhunderts weiterhin Messe und Stundengebet gepflegt wurden, zugleich aber Teile der gemeinschaftlichen Ordnung nicht mehr bestanden.

1410 wurde Rheden nach der Schlacht bei Grunwald/Tannenberg eingenommen und befand sich 1410/11 in polnischer Hand. Für die Jahre 1410 bis 1414 werden Schäden in Höhe von 2478 Mark beziehungsweise 4000 Mark genannt. 1411 kam Rheden wieder zurück.

In der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts bestanden weiterhin Burginventare; sie sind für 1422, 1434, 1438 und 1449 genannt. 1438 wird eine Windmühle bei der Stadt erwähnt. 1444 kam es an der Burg zu Schäden am Dach und am Kreuzgang.

1454 wurde Rheden im Krieg des Preußischen Bundes eingenommen. Zwei Jahre später wurde nach der Einnahme von Stadt und Vorburg versucht, auch den Hauptteil der Burg zurückzugewinnen; der Angriff brach nach einem Mauereinsturz zusammen. Mit dem Zweiten Frieden von Thorn, im Jahr 1466, endete die Geschichte der Kommende.

.

II         Komture

Hartwig (1. Oktober 1251 – 30. April 1252)

Hartung (1264/1269 – 5. August 1279)

Heinrich von Vatterode (26. Juli 1283 – 11. April 1286)

Hartung (24. August 1288 – 26. Juni 1299)

Peter (14. Oktober 1304 – 16. März 1306 / 6. Januar 1312)

Hermann (6. Januar 1312 – 15. August 1321)

Bernholt / Bernhart (12. März 1328 – 1. Juni 1328)

Dietrich von Spier / Speyer (18. Mai 1332)

Heinrich von Bovenden (20. Juni 1338)

Hartmann / Hartung (16. März 1339 – 20. September 1340)

Schweder von Pellant (10. September 1351)

Petzolt von Korwitz (11. März 1363 – 17. Februar 1370)

Johann Rübsamen (1370 – 7. Juli 1377)

Heinrich Gans von Weberstedt (7. Juli 1377 – 2. Oktober 1382)

Gotbold von Korwitz (21. Oktober 1382 – † 29. Juli 1383)

Engelhard Rabe von Wildstein (29. Juli 1383 – 1387)

Werner von Tettingen (1387 – 2. Mai 1390)

Heinrich Harder (2. Mai 1390 – 29. Juni 1391)

Rudolf Graf von Kyburg (29. Juni 1391 – 6. November 1402)

Wilhelm Folkolt (6. November 1402 – 2. Februar 1404)

Heinrich von Schwelborn (10. Februar 1404)

Johann von der Dollen (1407 – 6. Mai 1409)

Nikolaus von Melin (8. Mai 1409 – † 15. Juli 1410)

Georg von Wirsberg (März 1411 – 27. Juni 1411)

Heinrich Holt (27. Juni 1411 – 28. Oktober 1411)

Konrad Sefeler (10. Oktober 1411 – 13. November 1412)

Otto von Walsbach (1412 – 12. Dezember 1415)

Andreas von Seckendorf (8. Dezember 1415 – März 1416)

Friedrich Graf von Zollern, zugleich Komtur von Engelsburg (März 1416 – † Mai/Juni 1416)

Wolfram von Saunsheim (1416 – 1. Juli 1421)

Nikolaus von Bergau (1421 – 2. November 1422)

Nikolaus von Görlitz (vor 25. September 1432)

Johann von Pommersheim (vor 11. Dezember 1433 – 20. Februar 1434)

Ludwig von Landsee (20. Februar 1434 – 7. April 1434)

Georg von Eglingen (7. April 1434 – 26. Januar 1436)

Heinrich Marschalk (26. Januar 1436 – nach 17. April 1438)

Johann von Erlebach (1437 – 6. November 1438)

Johann Graf von Gleichen (6. November 1438 – 3. Juli 1441)

Friedrich von Nickeritz (1446? – 1449)

Dietrich von Werdenau (1449 – 1454)

.

– Quellen und Literatur –

Biskup, Marian / Janosz-Biskupowa, Irina: Visitationen im Deutschen Orden im Mittelalter 1236–1449, Marburg 2002.

Wasik, Bogusz: Zamek w Radzyniu Chełmińskim. Technika i etapy budowy siedziby krzyżackich komturów i konwentu, in: Ochrona Zabytków 1, 2015.

Bogusz Wasik: Budownictwo zamkowe na ziemi chełmińskiej od XIII do XV wieku, Toruń 2016.

Torbus, Tomasz: Zamki konwentualne państwa krzyżackiego w Prusach, Gdańsk 2014.

Torbus, Tomasz: Zamki konwentualne państwa krzyżackiego w Prusach. Część II: Katalog, Gdańsk 2023.

Voigt, Johannes: Namen-Codex der deutschen Ordens-Beamten, Hochmeister, Landmeister, Großgebietiger, Komture, Vögte, Pfleger, Hochmeister-Kompane, Kreuzfahrer und Söldner-Hauptleute in Preußen, Königsberg 1843.

Heckmann, Dieter: Amtsträger des Deutschen Ordens in Preußen und in den Kammerballeien des Reiches. Oberste Gebietiger, Komture, Hauskomture, Kumpane, Vögte, Pfleger, Großschäffer, Werder 2014

Bujack, Georg: Die Ruine Rheden, in: Neue Preußische Provinzial-Blätter, 1866.

Froelich, Xaver: Burg Rheden, in: Altpreußische Monatsschrift, 1884.