Kommende Schlochau
Bistum Pomerellen
Land: Deutscher Orden
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I Geschichte
Die Kommende Schlochau entstand nach dem Erwerb der Herrschaft Schlochau durch den Deutschen Orden im Jahr 1312. Verkäufer war Nikolaus von Poniec, Sohn des Wojewoden von Kalisch, der seine Rechte an Schlochau für 250 Mark Silber an den Orden übertrug. Mit dem Erwerb ging die Herrschaft über das Gebiet auf den Orden über, der unverzüglich mit dem Ausbau einer neuen Verwaltungs- und Wirtschaftseinheit begann. Mittelpunkt dieser Entwicklung wurde eine neu errichtete Burg auf einer Anhöhe östlich der älteren Siedlung. Bereits 1323 ist die Kommende urkundlich nachweisbar. Der Bau der Burg zog sich über mehrere Jahrzehnte hin und war erst in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts abgeschlossen. Die Anlage bestand aus einem quadratischen Hochschloss mit vier Flügeln sowie drei Vorburgen, die durch Mauern und Wassergräben voneinander getrennt waren. Im Hochschloss befanden sich die für den Konvent bestimmten Räume, darunter die Kapelle, der Kapitelsaal, das Dormitorium und das Refektorium, während die Vorburgen die Wirtschaftsgebäude, Speicher, Stallungen, Werkstätten und weitere für die Verwaltung der Herrschaft erforderlichen Bauten aufnahmen. Mit der Fertigstellung der Burg war zugleich das Verwaltungszentrum geschaffen, von dem aus die Entwicklung der Kommende während des gesamten 14. und der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts geleitet wurde.
In den ersten Jahrzehnten nach der Einrichtung der Kommende stand die Erschließung des Herrschaftsgebietes im Mittelpunkt. Die überlieferten Handfesten zeigen, dass in rascher Folge Dörfer gegründet oder nach Kulmer Recht neu organisiert wurden. Die Urkunden regelten regelmäßig die Zahl der verliehenen Hufen, die Dauer der Freijahre, die anschließend zu entrichtenden Geld- und Naturalabgaben sowie die Verpflichtungen der Schulzen und Dorfbewohner. Daneben wurden Rechte an Wiesen, Weiden, Wäldern, Gewässern und Fischereien festgelegt sowie die Nutzung von Mühlen und Krügen geregelt. Mehrfach wurde den Siedlern gestattet, Mühlen anzulegen oder Schankwirtschaften zu betreiben, während sich die Kommende bestimmte Hoheits- und Nutzungsrechte vorbehielt. Die Handfesten lassen erkennen, dass sowohl bisher unbesiedelte Flächen erschlossen als auch ältere Siedlungen in die neue Verwaltungsstruktur eingegliedert wurden. Die einzelnen Urkunden nennen dabei die Grenzen der verliehenen Grundstücke, benachbarte Dörfer, Gewässer oder Wälder und vermitteln dadurch ein vergleichsweise genaues Bild der fortschreitenden Erschließung des Gebietes.
Parallel zur Anlage der Dörfer entwickelte sich auch die Stadt Schlochau. Im Jahr 1348 erhielt sie das Kulmer Stadtrecht. Die Stadt wurde mit einem regelmäßigen Straßennetz und einem Marktplatz angelegt und blieb räumlich eng mit der Burg verbunden, bildete jedoch eine eigene Rechtsgemeinde. Die Burg blieb Sitz der Kommende und der herrschaftlichen Verwaltung, während die städtischen Angelegenheiten nach den Bestimmungen des Kulmer Rechts geregelt wurden. Von der Burg aus wurden die Einkünfte aus den Dörfern verwaltet, die Abgaben eingezogen und die wirtschaftlichen Einrichtungen beaufsichtigt. Die Handfesten belegen, dass sich die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt und der umliegenden Dörfer gegenseitig ergänzte. Mühlen, Krüge und Handwerksbetriebe wurden ebenso urkundlich geregelt wie Markt- und Nutzungsrechte. Zahlreiche Urkunden nennen Freijahre, nach deren Ablauf Zinsen in Geld oder Naturalien zu entrichten waren. Wiederholt erscheinen Lieferungen von Getreide, Geflügel oder anderen landwirtschaftlichen Erzeugnissen sowie Arbeitsleistungen für die Herrschaft.
Die wirtschaftliche Grundlage der Kommende beruhte auf den regelmäßigen Einkünften aus ihrem Grundbesitz. Die Handfesten nennen Geldzinsen ebenso wie Abgaben in Roggen, Hafer, Weizen oder Geflügel. Hinzu kamen Erträge aus Mühlen, Krügen, Fischereien und weiteren Nutzungsrechten. Mehrfach erscheinen Abgaben für die Nutzung der Wälder, darunter der sogenannte Waldhafer, sowie Geldleistungen, welche ältere Naturalabgaben ablösten. Die Urkunden regeln außerdem den Bau und die Unterhaltung von Wassermühlen. Mehreren Dorfschulzen wurde das Recht verliehen, Mühlen zu errichten und gegen festgelegte Abgaben zu betreiben. Zugleich wurde bestimmt, welche Ortschaften die jeweilige Mühle zu benutzen hatten. Dadurch entstand im Laufe des 14. Jahrhunderts ein dichtes Netz wirtschaftlicher Einrichtungen, das eng mit der fortschreitenden Besiedlung des Herrschaftsgebietes verbunden war. Bis zum Beginn des 15. Jahrhunderts umfasste der Verwaltungsbezirk der Kommende etwa 130 Siedlungseinheiten unterschiedlicher Größe und Rechtsstellung, darunter Städte, Dörfer, Mühlen, Krüge und weitere Wirtschaftsbetriebe.
Mit dem Ausbau der Siedlungen entwickelte sich zugleich die kirchliche Organisation des Gebietes. Die überlieferten Handfesten enthalten wiederholt Bestimmungen über die Ausstattung von Pfarrkirchen und Pfarrstellen mit Landbesitz sowie über einzelne Abgaben zugunsten der Kirchen. Im Verlauf des 14. Jahrhunderts entstand dadurch innerhalb des Gebietes der Kommende ein Netz von Pfarrgemeinden, dessen Entwicklung eng mit den Dorfgründungen verbunden war. Die kirchliche Versorgung der Bevölkerung erfolgte damit parallel zum Ausbau der herrschaftlichen Verwaltung und der wirtschaftlichen Erschließung des Landes. Archäologische Untersuchungen und die Baugeschichte der Burg zeigen zugleich, dass an der Anlage während des gesamten 14. Jahrhunderts gearbeitet wurde. Einzelne Bauabschnitte lassen erkennen, dass zunächst die wesentlichen Verteidigungsanlagen und Wohngebäude errichtet wurden, bevor die Wirtschaftsbereiche der Vorburgen ihre endgültige Gestalt erhielten. Die Burg bildete damit den dauerhaften Mittelpunkt der Kommende und vereinte Verwaltung, Konvent und Wirtschaft in einer einzigen Anlage.
Zu Beginn des 15. Jahrhunderts wurde die Entwicklung der Kommende durch den Krieg zwischen dem Deutschen Orden und dem Königreich Polen-Litauen unterbrochen. Nach der Niederlage des Ordens in der Schlacht bei Tannenberg blieb Schlochau zunächst im Besitz des Ordens. Die Burg wurde in den folgenden Jahren wiederholt zum Ausgangspunkt militärischer Unternehmungen und war mehrfach von feindlichen Truppen bedroht, konnte jedoch zunächst gehalten werden. Die wirtschaftlichen Folgen der kriegerischen Ereignisse wirkten sich auf den gesamten Kommendenbezirk aus. Mehrere Ortschaften wurden verwüstet oder vorübergehend verlassen, Erträge gingen zurück und die Wiederherstellung der landwirtschaftlichen Nutzung erforderte in verschiedenen Teilen der Herrschaft längere Zeit. Dennoch blieb die Verwaltung der Kommende bestehen und setzte die Erhebung der Abgaben sowie die Bewirtschaftung der Eigenwirtschaft fort.
Einen Einblick in die Verhältnisse der Kommende während der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts vermitteln die erhaltenen Inventare und Amtsübergaben. Für die Jahre 1432 und 1435 sind Verzeichnisse überliefert, die beim Wechsel des Amtsträgers aufgenommen wurden. Besonders ausführlich ist das Inventar von 1446, das die Burg, die Wirtschaftsgebäude und die Einkünfte der Kommende erfasst. Es nennt die vorhandenen Vorräte an Getreide, Mehl, Malz und anderen Lebensmitteln ebenso wie den Bestand an Pferden, Zugtieren und Vieh. Daneben werden Waffen, Harnische, Armbrüste, Geschütze und Munition aufgeführt, ferner Geräte für Landwirtschaft und Handwerk sowie Gegenstände des täglichen Bedarfs in Küche, Keller, Backhaus und Brauhaus. Ebenso verzeichnet das Inventar die Einkünfte aus den einzelnen Dörfern, Mühlen, Krügen und sonstigen Wirtschaftseinrichtungen sowie die von den Untertanen geschuldeten Geld-, Natural- und Arbeitsleistungen. Dadurch lässt sich die Wirtschaftsführung der Kommende unmittelbar vor ihrem Ende in ungewöhnlicher Genauigkeit nachvollziehen. Die Inventare zeigen zugleich, dass trotz der Belastungen der vorausgegangenen Jahrzehnte die Verwaltungsorganisation der Kommende weiterhin funktionierte und sämtliche Einnahmen und Vorräte systematisch erfasst wurden.
Während der 1440er Jahre verschärfte sich die politische Lage erneut. Mit dem Beginn des Dreizehnjährigen Krieges wurde auch die Kommende Schlochau in die kriegerischen Auseinandersetzungen einbezogen. Im Jahr 1454 gelangte Burg und Stadt zunächst in die Hand der Gegner des Ordens. In den folgenden Jahren wechselte die Herrschaft mehrfach, wobei die militärischen Operationen erneut erhebliche Auswirkungen auf den Kommendenbezirk hatten. Die fortgesetzten Kämpfe erschwerten die Bewirtschaftung der Dörfer und die Einziehung der Abgaben. Mehrere Besitzungen wurden verwüstet oder zeitweise nicht mehr genutzt. Mit dem Zweiten Frieden von Thorn endete die Herrschaft des Ordens über Schlochau endgültig. Das Gebiet fiel an die polnische Krone, die Burg wurde Sitz eines königlichen Starosten, und die Kommende hörte auf zu bestehen.
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II Komture
Ludwig von Liebenzell (Ende 1321 – vor 16. Januar 1323)
Dietrich von Lichtenhain (16. Januar 1323 – 9. Oktober 1326; zugleich Komtur von Schwetz)
Günther von Snoze (8. Februar 1332 – 1334)
Johann von Barkenfelde (Juni 1336 – 29. Juni 1338; erneut 1342–1343; erneut 14. Mai 1346 – 11. Januar 1350)
Heinrich Ernesti von Mehlsack (erwähnt 21. Oktober 1344)
Ludolf von Hake (17. März 1350 – 30. Dezember 1353)
Heinrich von Thaba / Thabach (15. November 1354 – 20. Mai 1370)
Heinrich von Grobitz / Growitz (22. Februar 1372 – 10. Juli 1377)
Konrad von Wallenrode (1377 – 28. November 1382)
Friedrich Kule von Scharfenstein (28. November 1382 – 16. Oktober 1383)
Johann von Schönfeld (16. Oktober 1383 – 10. Mai 1392)
Wilhelm Folkholt (10. Mai 1392 – 28. Oktober 1402)
Gamrath von Pinzenau (28. Oktober 1402 – 11. April 1410)
Arnold von Baden (April 1410 – † 15. Juli 1410)
Jobst von Hohenkirchen (erwähnt 27. Oktober 1411)
Johann Speth / Spate / Spote (11. November 1411 – 9. Januar 1413)
Wilhelm von Steinheim (erwähnt 1413)
Jobst von Hohenkirchen (2. Juli 1415 – 18. Oktober 1420)
Lupold von Reitenbach (18. Oktober 1420 – 8. Februar 1422)
Johann von Pommersheim (7. November 1425 – 13. Juli 1431)
Nikolaus von Nickeritz (13. Juli 1431 – 28. Dezember 1432)
Bernhard von Schönburg / Schönenburg (28. Dezember 1432 – 20. April 1435)
Heinrich von Rabenstein (20. April 1435 – 27. August 1437)
Gottfried von Geilenkirchen (27. August 1437 – 11. November 1438)
Wilrich von Greifenstein (11. November 1438 – 1440)
Johann von Stockheim (11. April 1441 – 1444)
Hermann Hug vom Heiligenberge (1. Juni 1445 – 9. Dezember 1446)
Johann Rabe, der Jüngere (1450 – † vor 14. September 1454)
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– Quellen und Literatur –
Heckmann, Dieter: Amtsträger des Deutschen Ordens in Preußen und in den hochmeisterlichen Kammerballeien des Reiches bis 1525., Torun 2020
Kubicki, Rafał: „Die Siedlungstätigkeit des Deutschen Ordens in der Komturei Schlochau bis 1410“. In: Der Deutsche Orden als Bauherr. Auf- und Ausbau der Infrastrukturen., Ilmtal-Weinstraße 2025.
Panske, Paul: Handfesten der Komturei Schlochau nebst einigen verwandten Urkunden, Quellen und Darstellungen zur Geschichte Westpreußens 10, Danzig 1921.
Voigt, Johannes (Hrsg.): Codex diplomaticus Prussicus. Urkunden-Sammlung zur ältern Geschichte Preussens aus dem Königlichen Geheimen Archiv zu Königsberg nebst Regesten. 6 Bände., Königsberg 1836–1861.
Philippi, Rudolf: Preußisches Urkundenbuch. Bd. I,1, Königsberg 1882.
Seraphim, August: Preußisches Urkundenbuch. Bd. I,2, Königsberg 1909.
Woelky, Carl Peter: Urkundenbuch des Bisthums Culm. Bd. 1, Danzig 1885.
Woelky, Carl Peter: Urkundenbuch des Bisthums Culm. Bd. 2, Danzig 1887.
Strehlke, Ernst: Scriptores rerum Prussicarum. Die Geschichtsquellen der preußischen Vorzeit bis zum Untergange der Ordensherrschaft. 5 Bände, Leipzig 1861–1874.
