Kommende Schoonhoven

Ballei Utrecht

(Erz-) Bistum Utrecht

Land: Grafschaft Holland, Republik d. Vereinigten Niederlande (ab 1581)

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I           Geschichte

Die Kommende Schoonhoven wurde um 1390 gegründet. Ihren Ursprung hatte sie in einer Schenkung des Guy de Châtillon, Grafen von Blois und Herrn von Schoonhoven, der dem Deutschen Orden die Pfarrei der St.-Bartholomäus-Kirche mit den dazugehörigen Rechten, Einkünften und Besitzungen übertrug. Die Übertragung des Patronatsrechts ist für das Jahr 1395 belegt. Mit der Pfarrei gingen auch die Heilig-Kreuz-Kapelle sowie die Schwesternhäuser St. Agnes und St. Elisabeth mit den zugehörigen Rechten auf die Kommende über. Die Niederlassung entstand damit aus der Übernahme einer bereits bestehenden Pfarrei und ihres wirtschaftlichen und kirchlichen Besitzes.

Der Komtur war zugleich Pfarrer der St.-Bartholomäus-Kirche. Erster Ordenspfarrer war Gerard van Vliederhoven, der aus Schoonhoven oder dessen Umgebung stammte. Während seiner Tätigkeit entstand das Cordiale de quattuor novissimis, eine Betrachtung über Tod, Gericht, Hölle und Himmel, die sich im Spätmittelalter weit über die Niederlande hinaus verbreitete und zu den meistgelesenen geistlichen Werken ihrer Zeit gehörte. Bereits vor der Gründung der Kommende lassen sich mehrere Priesterbrüder des Deutschen Ordens aus Schoonhoven nachweisen.

Das Kommendenhaus lag an der Westseite der Koestraat gegenüber der Bartholomäuskirche. Das Grundstück erstreckte sich bis zur Havenstraat und war nach Westen durch einen Graben begrenzt. Hier befanden sich die Wohnräume der Brüder sowie die Verwaltung der zur Kommende gehörenden Rechte und Besitzungen. Die wirtschaftliche Grundlage bildeten die Einkünfte der Pfarrei, darunter Renten, Pachten, Zehnten und weitere Erträge aus den übertragenen Gütern. Für das Jahr 1446 ist ein Pachtbuch der Kommende überliefert, das die Verwaltung ihres Grundbesitzes bezeugt.

Die Gemeinschaft blieb während ihres gesamten Bestehens klein. Nach 1425 gehörten ihr gewöhnlich zwei Ordensbrüder an. Der Komtur versah zugleich das Pfarramt der Bartholomäuskirche und leitete die Verwaltung der Kommende. Für das Jahr 1451 ist ausnahmsweise ein Konvent aus einem Ritterbruder und zwei Priesterbrüdern belegt. Die geringe Zahl der Ordensangehörigen blieb jedoch über die gesamte Geschichte der Kommende kennzeichnend.

Zur Kommende gehörte auch die Heilig-Kreuz-Kapelle, die bereits 1389 bezeugt ist. Sie blieb nach der Übertragung der Pfarrei mit der Kommende verbunden. Im Jahr 1518 wurde sie auf Anordnung Kaiser Karls V. abgebrochen und an anderer Stelle innerhalb der Stadt neu errichtet. Auch die Bartholomäuskirche wurde während der Zeit der Kommende mehrfach erweitert. Im frühen 16. Jahrhundert erhielt sie ihre Gestalt als dreischiffige Hallenkirche; um 1560 entstand eine hölzerne Chorschranke.

Aus der Mitte des 16. Jahrhunderts sind mehrere Einzelheiten über das Leben der Kommende überliefert. Im Jahr 1556 kam es zu Schwierigkeiten mit dem Kaplan Frans Worms; an seine Stelle sollte Marcus treten, der zuvor in Leiden tätig gewesen war. Ende 1563 oder Anfang 1564 wurde Pieter Jansz. Uijtenbogaert Komtur von Schoonhoven. Er blieb zugleich Pfarrer der Bartholomäuskirche und wandte sich nach 1566 der Reformation zu. Im Jahr 1572 wurde er erster protestantischer Prediger Schoonhovens und schied wenig später aus der Kommende aus. Aus den letzten Jahren der Niederlassung ist außerdem überliefert, dass Johan Adriaansz van der Goude mit der Ordnung der wirtschaftlichen Verhältnisse der Kommende betraut wurde und sich dabei mit den Schulden seines Vorgängers sowie mit weiterhin beanspruchten Einkünften auseinandersetzen musste.

Die politischen und kirchlichen Veränderungen der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts führten zum Ende der Kommende. Mit der Einführung der Reformation verlor der Deutsche Orden seine Stellung an der Bartholomäuskirche. Die Kommende bestand noch bis 1578; im Jahr 1587 wurde sie von den Generalstaaten säkularisiert.

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II         Komture

Gerard van Vliederhoven (1395/1396–1402; erster Ordenspfarrer/Komtur)

Willem Ingen Nuweland / Willem Uutgheennuwelande (1443–1446 im Konflikt um die Kommende belegt; Stellung umstritten)

Nicolaes van Rensborch / Reynsborch (1443–1444 belegt; Komtur und Rektor/Pfarrer)

Jacob Simonsz (1455 belegt)

Andries Gerijtsz uten Hage (1458 und 1461 belegt; Komtur und Pfarrer)

Jan Frans Brouchuysen / Jan Fransz. Brouchuysen (zwischen 1439 und 1544 als Rentenempfänger nachweisbar; ausdrücklich Priester, Komtur des Deutschen Ordens in Schoonhoven und Pfarrer von Valkenburg)

Pieter Jansz. Uijtenbogaert / Petrus Johannesz. Wtenbogaert (Ende 1563/Anfang 1564 zum Komtur ernannt; 1572 erster reformierter Predikant Schoonhovens)

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– Quellen und Belege –

Demel, Bernhard / Mol, Johannes A.: Die Ballei Utrecht des Deutschen Ordens. In: Bernhard Demel, 800 Jahre Deutscher Orden. Ausstellung des Germanischen Nationalmuseums Nürnberg, Gütersloh 1990.

Demel, Bernhard: Unbekannte Aspekte der Geschichte des Deutschen Ordens, Wien 2006.

Mol Johannes A.: De Friese huizen van de Duitse Orde. Nes, Steenkerk en Schoten en hun plaats in het middeleeuwse Friese kloosterlandschap., Leeuwarden 1991.

Stapel, Rombert: „Onder dese ridderen zijn oec papen“. De priesterbroeders in de balije Utrecht van de Duitse Orde (1350–1600). In: Jaarboek voor Middeleeuwse Geschiedenis 11 , 2009

Groningen, C.L. van: Untersuchungen zur mittelalterlichen Baugeschichte Schoonhovens und der Bartholomäuskirche.

https://rdo.nl/commanderijen/ (31.10.2018)

www.ridderlijkeduitscheorde.nl/ (11.06.2009)