Kommende Tuchel

Meistertum Preußen

Bistum Pomerellen

Land: Deutscher Orden

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I           Geschichte

Die Kommende Tuchel entstand in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts im Zuge der Neuordnung Pommerellens durch den Deutschen Orden als selbstständiger Verwaltungs-, Wirtschafts- und Konventssitz. Ein Komtur ist erstmals 1330 urkundlich belegt. Mit der Einrichtung der Kommende wurde ein eigener Verwaltungsbezirk geschaffen, der bis 1466 Bestand hatte und den südwestlichen Teil Pommerellens umfasste. Mittelpunkt dieses Herrschaftsgebietes war die in Tuchel errichtete Ordensburg, von der aus Besitz, Wirtschaft und Verwaltung geleitet wurden.

Der Ausbau der Kommende vollzog sich in den folgenden Jahrzehnten parallel zur Erschließung ihres Herrschaftsgebietes. Auf dem Gelände eines älteren Herrensitzes der Familie Święca entstand seit den 1330er Jahren eine steinerne Burg, die spätestens um die Mitte des 14. Jahrhunderts weitgehend vollendet war. Nach den Ergebnissen der Bauforschung bestand sie aus einer Hochburg mit mindestens einer, wahrscheinlich jedoch zwei Vorburgen, einem Dansker und einem ausgedehnten Mühlenteich. Die Hochburg beherbergte die Wohn- und Gemeinschaftsräume des Konvents sowie die Burgkapelle, während sich auf den Vorburgen Speicher, Stallungen, Werkstätten und weitere Wirtschaftsgebäude befanden. Archäologische Untersuchungen brachten neben Bauresten Keramik des 14. Jahrhunderts sowie zahlreiche Lederabfälle zutage, die auf handwerkliche Tätigkeiten innerhalb der Burganlage schließen lassen.

Mit dem Ausbau der Burg entwickelte sich zugleich ein weitläufiger Komtureibezirk, der nach heutigem Forschungsstand nahezu 2.000 km² umfasste. Er gliederte sich in den Tucheler Kernbezirk und den Zaborski-Schlüssel, die durch die Wälder der Tucheler Heide voneinander getrennt waren. Zahlreiche Dörfer, Mühlen, Krüge (Schank- und Gasthäuser mit geregeltem Ausschankrecht), Wälder und Gewässer bildeten die wirtschaftliche Grundlage der Kommende. Die überlieferten Handfesten zeigen, dass die Besiedlung und Erschließung dieses Gebietes planmäßig erfolgte. Sie regelten Dorfgründungen, Hufeneinteilungen, die Rechte der Schultheißen sowie die Abgaben der Siedler und schufen damit die rechtlichen und wirtschaftlichen Grundlagen des Herrschaftsgebietes.

Die Wirtschaft der Kommende beruhte auf dem Zusammenwirken von Eigenwirtschaft und grundherrlichen Einkünften. Einen besonders detaillierten Einblick vermitteln die überlieferten Handfesten sowie die Zins- und Hufenregister. Sie verzeichnen bewirtschaftete und wüst gefallene Hufen, Geld- und Naturalabgaben, Getreidevorräte sowie die Erträge aus Mühlen, Krügen und weiteren Wirtschaftseinrichtungen. Zugleich dokumentieren sie die Veränderungen innerhalb des Herrschaftsgebietes während des 15. Jahrhunderts.

Das Mühlenwesen war ein wesentlicher Bestandteil der Wirtschaftsorganisation. Die Wassermühlen entstanden im Zusammenhang mit der planmäßigen Erschließung des Landes; mehreren Dörfern war ihre Nutzung verbindlich vorgeschrieben. Bereits 1344 ist eine Mühle bei Lubnia urkundlich nachweisbar. Ebenso gehörten zahlreiche Krüge zum Besitz der Kommende. Sie dienten der Versorgung der Bevölkerung und der Reisenden und waren zugleich zinspflichtige Wirtschaftsbetriebe, deren Erträge der Kommende zuflossen. In größeren Orten bestanden mehrere Krüge und Verkaufsstellen, was ihre Bedeutung für den regionalen Verkehr und Handel erkennen lässt.

Die ausgedehnten Wälder und Gewässer des Komtureibezirks ergänzten die landwirtschaftliche Nutzung. Waldwirtschaft und Fischerei gehörten ebenso zur Eigenwirtschaft wie die Bewirtschaftung der Dörfer und Mühlen. Gemeinsam bildeten sie die wirtschaftliche Grundlage der Kommende und ermöglichten die Versorgung des Konvents sowie die Verwaltung des Herrschaftsgebietes.

Seit Beginn des 15. Jahrhunderts wurde die Entwicklung der Kommende zunehmend durch die Auseinandersetzungen zwischen dem Deutschen Orden und dem Königreich Polen bestimmt. Während des Krieges von 1409–1411 wurden Burg und Stadt nach der Niederlage des Ordens bei Tannenberg zeitweise von polnischen Truppen besetzt, gelangten jedoch noch im selben Jahr wieder in den Besitz des Ordens. Die wirtschaftlichen Folgen der wiederkehrenden Kriege spiegeln sich in den späteren Zinsregistern wider, in denen neben bewirtschafteten auch wüst gefallene Hufen verzeichnet sind.

Im Dreizehnjährigen Krieg geriet die Kommende erneut in den Mittelpunkt der Auseinandersetzungen. Im Jahr 1454 gingen Burg und Kommende an den Preußischen Bund über, der sich unter den Schutz des polnischen Königs gestellt hatte; eine dauerhafte Rückgewinnung durch den Orden gelang nicht. Mit dem Zweiten Frieden von Thorn fiel die Komturei 1466 an die polnische Krone. Damit endete die Geschichte der Kommende Tuchel als geistliches, wirtschaftliches und herrschaftliches Zentrum des Deutschen Ordens.

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II         Komture

Dietrich von Lichtenhain (1330–13. Februar 1343)
Konrad Vullekop (1344–27. Oktober 1346)
Friedrich von Spier/Speyer (1347–1348)
Konrad Vullekop (28. September 1348–21. Oktober 1353)
Peter von der Thymau (1349–1352; überschneidend belegt)
Albrecht von Leesten (17. November 1354–25. November 1356)
Siegfried von Gerlachsheim (21. Dezember 1356–23. Juni 1370)
Baldewin von Frankenhofen (erwähnt 7. November 1374)
Heinrich von Bollendorf/Bullendorf (27. Oktober 1376–23. Juni 1383)
Rüdiger der Jüngere von Elner (23. Juni 1383–† 7. Januar 1396)
Konrad von Eltz (7. Januar 1396–13. Januar 1397)
Johann von Streifen (13. Januar 1397–22. Februar 1404)
Heinrich von Schwelborn (22. Februar 1404–† 15. Juli 1410)
Simon Langschenkel (1410–vor 29. September 1411)
Paul Rulemann von Dadenberg (vor 29. September 1411–21. Mai 1413)
Paul von Rusdorf (21. Mai 1413–März 1414)
Michael von Nesse (11. Juli 1415–5. Februar 1417)
Friedrich von Wilsdorf (1417–Oktober 1420)
Ulrich Zenger (Oktober 1420–23. Mai 1421)
Johann von Menden (1421–19. November 1422)
Jobst/Jost von Hohenkirchen (1423–† 13. September 1431)
Johann von Stockheim (2. Oktober 1431–6. November 1438)
Johann von Gohr (erwähnt 6. November 1438)
Leonhard von Parsberg (11. April 1441–2. Juli 1441)
Heinrich von Rabenstein (3. Juli 1441–4. Oktober 1450)
Georg von Kottenheim (10. Juni 1453–1466; als Komtur noch bis 15. Februar 1467 nachweisbar)

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– Quellen und Literatur –

Frydrychowicz, Romuald: Geschichte der Stadt, der Komthurei und Starostei Tuchel., Berlin 1879.

Grzegorz, Maksymilian: Słownik historyczno-geograficzny komturstwa tucholskiego w średniowieczu., Toruń 2010.

Heckmann, Dieter: Amtsträger des Deutschen Ordens in Preußen und in den Kammerballeien des Reiches bis 1525., Toruń 2020.

Jähnig, Bernhart: Der Deutsche Orden und seine Territorialherrschaft in Preußen. Ausgewählte Aufsätze., Marburg 2001.

Kubicki, Rafał: „Karczmy wiejskie na terenie komturstwa tucholskiego“. In: Zeszyty Chojnickie 31 (2015).

Panske, Paul: Urkunden der Komturei Tuchel. Handfesten und Zinsbuch. Quellen und Darstellungen zur Geschichte Westpreußens, Bd. 6., Danzig 1911.

Panske, Paul: „Urkundenstudien zur Geschichte der Komtureien Schlochau und Tuchel“. In: Altpreußische Forschungen 11 (1934).

Torbus, Tomasz: Die Konventsburgen im Deutschordensland Preußen., München 1998.