Landkommende Altshausen

Ballei Elsass-Burgund

Bistum Konstanz

Land: Deutscher Orden

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I           Geschichte

Am 6. Januar 1264 übergaben Heinrich von Biegenburg und seine Söhne das Eigentum an Burg Altshausen und seinen Besitzungen sowie das Patronat der Pfarrkirche und die Pfründe in Altshausen an den Deutschen Orden. Spätestens 1267 wurde die Kommende von Biegenburg nach Altshausen verlegt. Der Umzug war bis 1268 abgeschlossen. 1389 erhielt die Kommende die Hohe Gerichtsbarkeit[1].

1414 war die Kommende mit einem Reinerlös von 14.183 fl die reichste Kommende der Ballei[2]. Bereits 1413 ließ der Landkomtur die Altshauser Kirche von Grund auf neu errichten, und es entstand eine dreischiffige gotische Pfeilerbasilika[3]. Seit dem 15. Jahrhundert diente Burg Altshausen dem Landkomtur als Residenz[4].

Der genaue Zeitpunkt der Verlegung des Balleisitzes von Beuggen nach Altshausen lässt sich nicht sicher bestimmen, doch ist eine Entscheidung bereits um 1390 denkbar[5].

1443 brannte das Dorf Altshausen fast völlig nieder[6], und auch die Burg wurde fast vollständig zerstört. Man begann nun mit einem Neubau der Kommende, die seit 1444 endgültig die Landkommende der Ballei Elsass-Burgund war[7].

Zum engeren Herrschaftsgebiet gehörten Altshausen mit den Weilern Ragenreute und Reute, je zwei Höfen in Hirschegg, Hangen und Baltshaus sowie einzelnen Höfen in Häusern, Hundsrücken und Zwirtenberg. Hinzu kamen Ebersbach mit Ried, Eichstegen, Fleischwangen, Hochberg mit Luditsweiler, Kreenried mit Käfersulgen, Mendelbeuren und Pfrungen.

Bei Altshausen lagen die Maierei Altshausen und die drei großen Gutshöfe Arnetsreute, Lichtenfeld und Tiergarten. Außerhalb des Kerngebiets besaß die Kommende unter anderem die Herrschaften Hohenfels, Ellhofen, Achberg und Arnegg sowie das Gut Illerrieden.

Weitere Besitzungen befanden sich in Ravensburg, Sipplingen und Immenstaad. Hinzu kamen Weinberge in Hinterhausen und Wallhausen sowie die Rindbergalp und die Hirschgundalp bei Sibratsgfäll im Bregenzerwald, auf denen Viehhaltung und Sennerei betrieben wurden[8].

Der Grundbesitz war überwiegend in Hofstellen gegliedert, denen jeweils bestimmte Äcker, Wiesen und Nutzungsrechte zugeordnet waren. Die Bauern bewirtschafteten diese Einheiten als Lehengüter der Kommende und entrichteten dafür regelmäßige Geld- und Naturalabgaben.

Die Kommende beteiligte sich an der baulichen Unterhaltung der Lehenhöfe, indem sie insbesondere das benötigte Bauholz aus ihren Wäldern zur Verfügung stellte. Grundstücke, Abgaben und Rechte wurden in Lagerbüchern beziehungsweise Urbaren verzeichnet; die ältesten erhaltenen Altshauser Urbare und Lehenurkunden stammen jedoch erst aus dem 17. Jahrhundert[9].

Die Güter wurden gewöhnlich geschlossen an einen Nachfolger weitergegeben. Das Anerbenrecht verhinderte die fortgesetzte Teilung der Höfe, führte aber dazu, dass nur ein Erbe das Lehengut erhielt und die übrigen Familienangehörigen mit vergleichsweise geringen Anteilen abgefunden wurden.

Innerhalb der bäuerlichen Bevölkerung bestanden deutliche Vermögensunterschiede. Den größeren Lehenbauern standen Seldner gegenüber, die lediglich ein kleines Haus und wenige Grundstücke besaßen und ihren Lebensunterhalt zusätzlich als Taglöhner oder Handwerker verdienen mussten[10].

Die wichtigen Grundsatzentscheidungen der Kommende wurden durch den Landkomtur getroffen, während das alltägliche Regierungsgeschäft bei den Beamten lag.

Der Kommendenbezirk bildete einen eigenen Rechtsraum. Über Torwarte, Kutscher, Hofhandwerker und andere Schlossbedienstete übte ein Hofammann die niedere Gerichtsbarkeit aus. Diese Personen unterstanden nicht ohne Weiteres dem Gericht der bürgerlichen Gemeinde Altshausen.

Die territoriale Verwaltung leitete der Obervogt. Er hielt in Altshausen regelmäßige Verhandlungstage ab, entschied sowohl Verwaltungs- als auch Gerichtsangelegenheiten und wurde dabei von einem Amtsschreiber unterstützt, der den Verlauf und die Entscheidungen protokollierte.

Ein Registrator betreute das herrschaftliche Archiv. Neben geschriebenen Ordnungen und Verträgen blieb das Gewohnheitsrecht bedeutsam; fehlte eine ausdrückliche Vorschrift, orientierten sich die Beamten bei ihren Entscheidungen an vergleichbaren älteren Fällen[11].

Nach dem Dreißigjährigen Krieg wurde die Verwaltung stärker formalisiert. Seit 1664 behandelten die Beamten nicht mehr nur einzelne Angelegenheiten, sondern hielten förmliche Sitzungen ab, auf deren Tagesordnung mehrere Verwaltungs- und Gerichtsfälle standen[12].

Unterhalb der zentralen Verwaltung wirkten die Ammänner und Dorfpfleger der einzelnen Gemeinden. Der Altshauser Ammann nahm als Vertreter des Hauptortes eine herausgehobene Stellung ein und führte den Titel Gerichtsammann[13].

Für bestimmte Kontrollaufgaben bestanden besondere Gemeindeämter. Feuerschauer untersuchten regelmäßig die Häuser, während Brot-, Fleisch-, Tuch-, Leder- und Pferdeschauer die Qualität von Lebensmitteln, Gewerbeerzeugnissen und Tieren überprüften.

Wein- und Bieranschneider überwachten das Öffnen und Ausschenken der Fässer. Diese Kontrolle diente zugleich der Erfassung des herrschaftlichen Umgelds; unerlaubter Ausschank außerhalb der zugelassenen Wirtschaften entzog der Kommende Einnahmen und wurde deshalb verfolgt[14].

Feldschützen beaufsichtigten Äcker und Fluren. Nachtwächter kontrollierten fremde Personen, achteten auf Feuer und meldeten nächtliche Ruhestörungen; unmittelbar nach dem Dreißigjährigen Krieg wurde dieser Dienst teilweise noch abwechselnd von den Bürgern versehen[15].

In der Kommende selbst lebten 1410/11 vier Ritter- und drei Priesterbrüder[16].

Neben der kleinen Ordensgemeinschaft bestand ein erheblich größerer weltlicher Personalverband. Zum Schlossbetrieb gehörten Torwarte, Kutscher, Bäcker, Metzger, Schmiede, Schlosser und weitere Handwerker; viele Waren des täglichen Bedarfs wurden unmittelbar im Schlossbezirk erzeugt oder verarbeitet[17].

Fest angestellte Beamte und Hofbedienstete standen in der sozialen Rangordnung über der Mehrzahl der bürgerlichen Einwohner. Höhere Hofdiener waren teilweise von bestimmten kommunalen Steuern und Abgaben befreit, wogegen die Gemeinde Altshausen wiederholt protestierte.

Neben den fest angestellten Hofhandwerkern beschäftigte die Kommende zeitweise wandernde Spezialisten. Sie hielten sich nur so lange in Altshausen auf, wie ihre Arbeit erforderlich war, zogen anschließend zu anderen Auftraggebern weiter und konnten im folgenden Jahr wieder an den Altshauser Hof zurückkehren.

Die Residenzfunktion veränderte die Bevölkerungsstruktur des Hauptortes. Während die übrigen Gemeinden vorwiegend von Landwirtschaft und dörflichem Kleingewerbe geprägt waren, lebten in Altshausen zusätzlich Beamte, Geistliche, Hofbedienstete, spezialisierte Handwerker, Wirte und zahlreiche vom Schlossbetrieb abhängige Arbeitskräfte[18].

Die großen Gutshöfe Arnetsreute, Lichtenfeld und Tiergarten wurden von Pächtern bewirtschaftet, die als Beständer oder Maier bezeichnet wurden. Die Bauern der umliegenden Gemeinden mussten dort bestimmte Frondienste leisten und den Anweisungen des jeweiligen Hofmeisters folgen.

Für arbeitsintensive Tätigkeiten stellte die Kommende zusätzlich Lohnarbeiter ein. Im Jahr 1699 wurden 34 Drescher vereidigt, die das Getreide der Maierei Altshausen, der drei großen Gutshöfe und der herrschaftlichen Güter in Hundsrücken ausdroschen.

Eine wichtige wirtschaftliche Grundlage bildeten die Wälder. Sie lieferten Bau- und Brennholz sowie Rohstoffe für Handwerker und dienten zugleich der herrschaftlichen Jagd.

Die Kommende ließ selbst kleinere Forst- und Jagdverstöße untersuchen. Unerlaubtes Fällen von Holz, Abschlagen von Ästen oder Aufstellen von Fallen wurde verfolgt, weil die Duldung solcher Handlungen die herrschaftlichen Eigentums- und Hoheitsrechte langfristig gefährden konnte[19].

Auch die Mühlen standen unter intensiver Aufsicht. Schäden an den Mühlenanlagen führten wiederholt zu Konflikten, weil die Müller vom Zustand der Gebäude und Wasseranlagen abhängig waren, während sich Herrschaft und Betreiber über Reparatur- und Unterhaltungspflichten auseinandersetzten[20].

Die Kommende unterhielt außerdem eine Ziegelei. Die 1668 erhobene Forderung, Strohdächer durch Ziegeldächer zu ersetzen, sollte sowohl die Brandgefahr vermindern als auch der herrschaftlichen Ziegelei zusätzliche Aufträge verschaffen.

Die Umstellung scheiterte teilweise am Widerstand ärmerer Einwohner. Viele ältere Dachstühle waren nicht stark genug, um das Gewicht der Ziegel zu tragen, und ihre Besitzer konnten sich den erforderlichen Neubau nicht leisten[21].

1525 wurde Altshausen während des Bauernkriegs von den Bauern eingenommen.

Der Altshauser Landkomtur von Ehingen, der von 1537 bis 1540 amtierte, stand reformatorischen Vorstellungen vergleichsweise offen gegenüber, und 1539/40 hielt sich der Humanist Jakob Ziegler bei ihm in Altshausen auf[22].

1544, wie auch 1589, wurde die Kommende umgebaut und vergrößert[23].

In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts wurden in Altshausen eine Schule und ein Priesterseminar gegründet. Beide Gründungen waren Elemente der schließlich erfolgreichen Gegenreformation in Altshausen[24].

Seit dem Ende der 1620er Jahre litt die Kommende unter Inflation, Truppendurchzügen, Einquartierungen und Kontributionsforderungen. Das Altshauser Spital geriet bereits zu Beginn der 1630er Jahre in finanzielle Schwierigkeiten und musste bei der wirtschaftlich besser ausgestatteten Leprosenpflege Kredite aufnehmen.

Auch die Gemeinden verschuldeten sich zur Finanzierung der Kriegslasten. Kredite wurden bei wohlhabenden Einwohnern, Geistlichen und teilweise aus den Pflegschaftsvermögen von Waisen aufgenommen; damit konnten Soldzahlungen, Verpflegung und andere Forderungen einquartierter Truppen bestritten werden.

Am 31. August 1632 überfielen ungefähr 2.000 schwedische Soldaten Altshausen. Auf 30 Wagen führten sie Wein, Getreide und andere Lebensmittel fort[25].

Für 1632 ist außerdem eine Plünderung der Herrschaft Altshausen durch Herzog Bernhard von Weimar mit einem auf 1.800 Gulden veranschlagten Schaden sowie eine Plünderung durch württembergische Truppen mit einem Schaden von ungefähr 8.000 Gulden überliefert[26].

Aus Furcht vor weiteren schwedischen Angriffen flohen Ordensritter und Beamte zeitweise nach Konstanz, womit ein Teil der örtlichen Herrschafts- und Verwaltungsfunktionen vorübergehend zum Erliegen kam[27].

1635 besetzte Gustav Horn, Graf Björneborg, Altshausen und ließ 800 Scheffel Frucht fortschaffen. 1638 folgte eine kurbayerische Einquartierung. Ebersbach, Hochberg, Pfrungen, Fleischwangen und Luditsweiler wurden so schwer zerstört, dass die Bauern dort nicht mehr in ihren Häusern wohnen konnten.

1639 lag eine Pappenheimische Kompanie in Altshausen. 1641 bezogen bayerische Truppen Winterquartier, 1643 erfolgte erneut eine Einquartierung kurbayerischer Truppen[28].

Im März 1646 belagerten schwedische Truppen das Schloss und setzten es in Brand. Die Ordensbrüder flohen, und bei der Zerstörung gingen wahrscheinlich auch ältere Urbare und andere Teile des Kommendenarchivs verloren.

Am 1. Dezember 1646 verlangten mehrere Hundert schwedische Dragoner Quartier in Altshausen. Nach der Weigerung, die entsprechenden Befehle vorzuweisen, kam es zu einem mehrstündigen Gefecht, bei dem Einwohner getötet und mehrere Gebäude in Brand gesetzt wurden.

Wenig später drangen französische Truppen in Ort und Schloss ein. Sie plünderten Altshausen, verwüsteten die Residenzräume und nahmen sowohl örtliche Schutzsoldaten als auch ihnen entgegengeschickte Unterhändler gefangen.

Die Bevölkerungsverluste waren außerordentlich hoch. Eine Generalvisitation verzeichnete nach dem Krieg nur noch ungefähr 400 Kommunikanten gegenüber etwa 1.500 vor dem Krieg, und von den drei an St. Michael tätigen Priestern war lediglich noch der Pfarrverweser geblieben.

Im September 1651 galten noch 41 Häuser als abgebrannt oder verlassen. Besonders schwer war Pfrungen betroffen, wo 18 Hofstellen zerstört worden waren.

Die Gemeinden mussten ihre während des Krieges aufgenommenen Kredite noch jahrzehntelang bedienen. Selbst elementare Anschaffungen wurden fremdfinanziert: Die Gemeinde Altshausen nahm nach Kriegsende einen Kredit von 24 Gulden auf, um zwei Zuchtstiere erwerben zu können.

Der Wiederaufbau umfasste nicht nur das Schloss, sondern auch Höfe, kommunale Einrichtungen und die wirtschaftliche Organisation der Herrschaft. Verlassene Hofstellen mussten wiederbesetzt, zerstörte Gebäude errichtet und verlorene Rechts- und Besitzaufzeichnungen rekonstruiert werden[29].

Die Kommende verfügte trotz der Kriegsschäden weiterhin über Mittel für kleinere Erwerbungen. 1676 kaufte sie für 115 Gulden den Hof Haid von der Stadt Saulgau; 1692 folgten zwei Höfe in Hundsrücken[30].

Die Neuaufnahme von Einwohnern wurde streng kontrolliert. Amtleute mussten Herkunft, Vermögen und Familienstand von Fremden prüfen und Geburtsurkunden sowie Nachweise über deren Entlassung aus fremder Leibherrschaft verlangen.

Ohne Zustimmung der Herrschaft durften die Gemeinden keine Fremden aufnehmen. Dahinter standen sowohl das Interesse an neuen Arbeitskräften als auch die Furcht, mittellose Familien könnten dauerhaft der örtlichen Armenfürsorge zur Last fallen.

Die Herrschaft griff zugleich stärker in Bau- und Sicherheitsfragen ein. Nach einem Brand in Altshausen im Jahr 1696, bei dem Löschpflichtige ausgeblieben waren und Geräte gefehlt hatten, wurde gemeinsam mit Gerichtsammann und Dorfpflegern eine neue Feuerordnung aufgestellt[31].

Die Kriegslasten endeten nicht mit dem Westfälischen Frieden. Bis zum Ende des Spanischen Erbfolgekriegs 1714/15 wurde die Kommende erneut durch Truppendurchzüge, Einquartierungen und außerordentliche Beiträge belastet[32].

Der kirchliche Betrieb der Kommende umfasste mehrere Geistliche, Hofkapläne, Mesner, einen Organisten, Sänger und weitere Bedienstete der Schlosskirche. Vor dem Dreißigjährigen Krieg wirkten drei Priester an St. Michael; nach den Kriegsverlusten mussten Kapuziner aus Saulgau an Sonn- und Feiertagen bei der Feier der Gottesdienste aushelfen[33].

Die Altshauser Schule bildete Schüler auch für den Kirchengesang aus. Hofkapläne leiteten den Chor, während Ordenspriester Unterricht im Instrumentalspiel erhielten.

Im 18. Jahrhundert besuchten Priesteramtskandidaten in Altshausen eine seminarartige Ausbildung. Noch gegen Ende des Jahrhunderts mussten die Teilnehmer nachweisen, dass sie „in arte musica wohlfundieret“ waren; Kenntnisse im Gesang sowie auf Streich- und Blasinstrumenten dienten zugleich dem Personalbedarf der Schlosskirche[34].

Die Gründung eines Priesterseminars in Altshausen wird bereits in die zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts gesetzt und mit der Gegenreformation in Verbindung gebracht[35].

Bereits 1602 wurde ein Altshauser Zinkenist zur weiteren Ausbildung nach Weingarten geschickt. Die Widmung von Motetten Jacob Reiners an den Altshauser Hof im Jahr 1603 setzt eine örtliche Besetzung voraus, die solche Werke aufführen konnte.

Seit dem 17. Jahrhundert beschäftigte der Hof fest angestellte Trompeter. Ein Noteninventar von 1709 verzeichnete ungefähr 75 Messen, Motetten, Psalmen, Requien und Instrumentalwerke, darunter Kompositionen von Steingaden, Baudrexel, Plawenn, Molitor und Ambrosius Reiner.

Bei der Grundsteinlegung zum barocken Schlossbau im Jahr 1729 erklangen während der Messe eine instrumentale Sonate und anschließend eine Motette. Musik war damit Bestandteil der öffentlichen Inszenierung des Bauvorhabens.

Seit 1737 lassen sich in Altshausen Musik- und Theateraufführungen nachweisen. Die Akten erwähnen ein Opernhaus und eine bescheidene Theaterausstattung; ob die Sammlung französischer Opernmusik unmittelbar für Altshauser Aufführungen oder teilweise als private Sammlung angeschafft worden war, bleibt ungeklärt.

Um 1768 wurde die französische Oper Le Maréchal Ferrand aufgeführt; weitere Opernaufführungen fanden 1771 und 1773 statt.

Zwischen 1758 und 1774 wurde der Musikbetrieb erheblich erweitert und ein eigenes Hoforchester aufgebaut. Neben den bereits vorhandenen Trompetern wurden weitere Instrumentalisten angestellt; seit 1759 bestand die Stelle eines Musikdirektors, seit 1774 die eines Musikinstruktors.

Die Hofkapelle umfasste schließlich 16 Personen.

Das 1774 aufgestellte Noteninventar verzeichnete 138 Messen, ungefähr 300 Offertorien, 15 Vespern, 43 Litaneien, 25 Miserere und zehn Antiphonen. Daneben sind in den Rechnungen Sinfonien und Kammermusik von Haydn, Dittersdorf, Holzbogen, Kraus, Schmidbauer, Fils und Vanhal belegt.

Nach 1774 wurde der aufwendige Musikbetrieb reduziert. Er verschwand jedoch nicht: 1782 spielten noch fünf Musiker bei einem Faschingsball, 1803 bestand eine sogenannte Türkische Musik, und 1804 wurde Thomas Friedmann zur Ausbildung im Oboenspiel nach Wolfegg geschickt[36].

Nach dem Ende des Spanischen Erbfolgekriegs begann eine längere wirtschaftliche Erholungsphase. Günstigere landwirtschaftliche Erträge ermöglichten der Herrschaft neue Bauvorhaben und verschafften zugleich Handwerkern, Künstlern und Schlossbediensteten zusätzliche Beschäftigung.

1729 wurde der Grundstein für eine groß angelegte barocke Umgestaltung der Residenz gelegt. Der Entwurf Johann Caspar Bagnatos nahm vorhandene Bauteile auf, sah aber eine wesentlich größere, streng symmetrische Gesamtanlage vor.

Der vollständige Plan überstieg die finanziellen Möglichkeiten. Nur Teile des Schlosses wurden neu errichtet; insbesondere ein vollständiger Neubau der Kirche und des Hochschlosses unterblieb, während die älteren Schlossräume weiterhin benötigt und genutzt wurden.

Die Schlosskirche wurde zwischen 1748 und 1753 barock umgestaltet. Der Umbau verband die religiösen Funktionen der Kommende mit den Anforderungen eines repräsentativen Hof-, Musik- und Zeremonialbetriebs[37].

Zwischen 1757 und 1764 entstand im herrschaftlichen Hofgarten eine Orangerie. Zu ihr gehörten ein Hauptgebäude beziehungsweise Pavillon und zwei Glas- oder Treibhäuser[38].

Die Kommende blieb bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts eine funktionierende Herrschaft mit Kanzlei, Gericht, Wirtschaftshöfen, Schlossbetrieb, Kirchenmusik und Gartenverwaltung. Noch kurz vor ihrem Ende wurden Musiker ausgebildet und die Orangerie mit ihrem spezialisierten Personal betrieben[39].

1805 wurde unter Landkomtur von Forstmeister eine neue Ordensschule errichtet. Auch unterstützte er bedürftige Altshauser Familien finanziell, damit deren Kinder Musikunterricht erhalten konnten. Von ihm stammte außerdem eine Schulordnung zur Organisation der Schulen in den Kommenden Altshausen und Mainau sowie den übrigen zugehörigen Herrschaften und Ämtern[40].

Im Jahr 1806 endete die Herrschaft des Deutschen Ordens über die Kommende Altshausen[41].

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II         Komture

Siegfried von Mindelburg (ca. 1360)

Johann von Rotenstein (1371)

Heinrich von Schletten (1386-1398)

?

Heinrich von Schletten (1400-1411)

Burkard von Schellenberg (1443-1457)

Rudolf von Rechberg (1446-1457)

?

Rudolf von Rechberg (1461-1476)

Hermann von Luternau (1477-1481)

Wolfgang von Klingenberg (1481-1517)

Rudolf von Frieding (1517)

?

Rudolf von Frieding (1522-1537)

Philipp von Ehingen (1537-1540)

Hans Werner von Reischach (1540-1549)

Sigmund von Hornstein (1549-1577)

Hugo Dietrich von Hohenlandenberg (1578-1600)

Christoph Thumb von Neuburg (1601-1626)

Johann von Stadion (1627)

Johann Jakob von Stein (1629-1649)

Heinrich Schenk von Castell (1649-1651)

Johann Werner Hundbiss von Waltrams (1652-1658)

Philipp Albrecht von Berndorf (1658-1666)

Johann Hartmann von Roggenbach (1666-1683)

Johann Friedrich von Baden (1684-1688)

Franz Benedikt von Baden (1688-1707)

Melchior Heinrich von Grandmont (1708-1709, Statthalter)

Franz Marquard von Falkenstein (1709-1717)

Johann Franz von Reinach (1718-1730)

Franz Ignaz von Reinach (1730-1735)

Philipp Anton von Froberg (1735, Statthalter)

Philipp Anton von Froberg (1736-1757)

Christian Moritz von Königsegg-Rothenfels (1758-1774)

Beat Konrad Reutner von Weil (1774-1803)

Franz Heinrich von Reinach (1793-1806)

[1] Walter Ebner: Kommende Altshausen (heute Diözese Rottenburg-Stuttgart), in: Pascal Paul Schneller: 800 Jahre Deutscher Orden an Ober-, Hochrhein und in der Schweiz, Freiburg im Breisgau 2021, S. 88-90

[2] Karl Otto Müller: Beschreibung (Status) der Kommenden der Deutschordensballei Elsaß-Schwaben-Burgund im Jahre 1393, Stuttgart 1958, S. XXI

[3] Walter Ebner: Kommende Altshausen (heute Diözese Rottenburg-Stuttgart), in: Pascal Paul Schneller: 800 Jahre Deutscher Orden an Ober-, Hochrhein und in der Schweiz, Freiburg im Breisgau 2021, S. 91-92

[4] Eberhard Fritz: Herrschaft und Untertanen in der Deutschordenskommende Altshausen. Alltag im Zeitalter der Kriege und Krisen (1618–1715), in: Ulm und Oberschwaben 60 (2017), S. 276–278

[5] Walter Ebner: Kommende Altshausen (heute Diözese Rottenburg-Stuttgart), in: Pascal Paul Schneller: 800 Jahre Deutscher Orden an Ober-, Hochrhein und in der Schweiz, Freiburg im Breisgau 2021, S. 91

[6] Burgen und Schlösser des Deutschen Ordens, Bad Mergentheim 1997, S. 6

[7] Kommende des Deutschen Ordens: Mainau, Waldenburg, Schloss Beuggen, Liste der Kommenden des Deutschen Ordens, Kommende Ramersdorf, Books LLC 2010, S. 140

 

 

[8] Eberhard Fritz: Herrschaft und Untertanen in der Deutschordenskommende Altshausen. Alltag im Zeitalter der Kriege und Krisen (1618–1715), in: Ulm und Oberschwaben 60 (2017), S. 278

[9] Eberhard Fritz: Herrschaft und Untertanen in der Deutschordenskommende Altshausen. Alltag im Zeitalter der Kriege und Krisen (1618–1715), in: Ulm und Oberschwaben 60 (2017), S. 282-283

[10] Eberhard Fritz: Herrschaft und Untertanen in der Deutschordenskommende Altshausen. Alltag im Zeitalter der Kriege und Krisen (1618–1715), in: Ulm und Oberschwaben 60 (2017), S. 316-317

[11] Eberhard Fritz: Herrschaft und Untertanen in der Deutschordenskommende Altshausen. Alltag im Zeitalter der Kriege und Krisen (1618–1715), in: Ulm und Oberschwaben 60 (2017), S. 280-282

[12] Eberhard Fritz: Herrschaft und Untertanen in der Deutschordenskommende Altshausen. Alltag im Zeitalter der Kriege und Krisen (1618–1715), in: Ulm und Oberschwaben 60 (2017), S. 305

[13] Eberhard Fritz: Herrschaft und Untertanen in der Deutschordenskommende Altshausen. Alltag im Zeitalter der Kriege und Krisen (1618–1715), in: Ulm und Oberschwaben 60 (2017), S. 282

[14] Eberhard Fritz: Herrschaft und Untertanen in der Deutschordenskommende Altshausen. Alltag im Zeitalter der Kriege und Krisen (1618–1715), in: Ulm und Oberschwaben 60 (2017), S. 328-333

[15] Eberhard Fritz: Herrschaft und Untertanen in der Deutschordenskommende Altshausen. Alltag im Zeitalter der Kriege und Krisen (1618–1715), in: Ulm und Oberschwaben 60 (2017), S. 315-316

[16] Marian Biskup: Visitationen im Deutschen Orden im Mittelalter. Teil I: 1236–1449, Marburg 2002, S. 64

[17] Eberhard Fritz: Herrschaft und Untertanen in der Deutschordenskommende Altshausen. Alltag im Zeitalter der Kriege und Krisen (1618–1715), in: Ulm und Oberschwaben 60 (2017), S. 281-282

[18] Eberhard Fritz: Herrschaft und Untertanen in der Deutschordenskommende Altshausen. Alltag im Zeitalter der Kriege und Krisen (1618–1715), in: Ulm und Oberschwaben 60 (2017), S. 316-317

[19] Eberhard Fritz: Herrschaft und Untertanen in der Deutschordenskommende Altshausen. Alltag im Zeitalter der Kriege und Krisen (1618–1715), in: Ulm und Oberschwaben 60 (2017), S. 305-306

[20] Eberhard Fritz: Herrschaft und Untertanen in der Deutschordenskommende Altshausen. Alltag im Zeitalter der Kriege und Krisen (1618–1715), in: Ulm und Oberschwaben 60 (2017), S. 330-331

[21] Eberhard Fritz: Herrschaft und Untertanen in der Deutschordenskommende Altshausen. Alltag im Zeitalter der Kriege und Krisen (1618–1715), in: Ulm und Oberschwaben 60 (2017), S. 314-315

[22] Walter Ebner: Kommende Altshausen (heute Diözese Rottenburg-Stuttgart), in: Pascal Paul Schneller: 800 Jahre Deutscher Orden an Ober-, Hochrhein und in der Schweiz, Freiburg im Breisgau 2021, S. 90-93

[23] Kommende des Deutschen Ordens: Mainau, Waldenburg, Schloss Beuggen, Liste der Kommenden des Deutschen Ordens, Kommende Ramersdorf, Books LLC 2010, S. 140

[24] Walter Ebner: Kommende Altshausen (heute Diözese Rottenburg-Stuttgart), in: Pascal Paul Schneller: 800 Jahre Deutscher Orden an Ober-, Hochrhein und in der Schweiz, Freiburg im Breisgau 2021, S. 93

[25] Walter Ebner: Kommende Altshausen (heute Diözese Rottenburg-Stuttgart), in: Pascal Paul Schneller: 800 Jahre Deutscher Orden an Ober-, Hochrhein und in der Schweiz, Freiburg im Breisgau 2021, S. 288-291

[26] Walter Ebner: Kommende Altshausen (heute Diözese Rottenburg-Stuttgart), in: Pascal Paul Schneller: 800 Jahre Deutscher Orden an Ober-, Hochrhein und in der Schweiz, Freiburg im Breisgau 2021, S. 94

[27] Walter Ebner: Kommende Altshausen (heute Diözese Rottenburg-Stuttgart), in: Pascal Paul Schneller: 800 Jahre Deutscher Orden an Ober-, Hochrhein und in der Schweiz, Freiburg im Breisgau 2021, S. 290-291

[28] Walter Ebner: Kommende Altshausen (heute Diözese Rottenburg-Stuttgart), in: Pascal Paul Schneller: 800 Jahre Deutscher Orden an Ober-, Hochrhein und in der Schweiz, Freiburg im Breisgau 2021, S. 94

[29] Walter Ebner: Kommende Altshausen (heute Diözese Rottenburg-Stuttgart), in: Pascal Paul Schneller: 800 Jahre Deutscher Orden an Ober-, Hochrhein und in der Schweiz, Freiburg im Breisgau 2021, S. 296-300

[30] Walter Ebner: Kommende Altshausen (heute Diözese Rottenburg-Stuttgart), in: Pascal Paul Schneller: 800 Jahre Deutscher Orden an Ober-, Hochrhein und in der Schweiz, Freiburg im Breisgau 2021, S. 278

[31] Walter Ebner: Kommende Altshausen (heute Diözese Rottenburg-Stuttgart), in: Pascal Paul Schneller: 800 Jahre Deutscher Orden an Ober-, Hochrhein und in der Schweiz, Freiburg im Breisgau 2021, S. 314-316

[32] Walter Ebner: Kommende Altshausen (heute Diözese Rottenburg-Stuttgart), in: Pascal Paul Schneller: 800 Jahre Deutscher Orden an Ober-, Hochrhein und in der Schweiz, Freiburg im Breisgau 2021, S. 304-305

[33] Walter Ebner: Kommende Altshausen (heute Diözese Rottenburg-Stuttgart), in: Pascal Paul Schneller: 800 Jahre Deutscher Orden an Ober-, Hochrhein und in der Schweiz, Freiburg im Breisgau 2021, S. 298

[34] Berthold Büchele: „O Musica, du edle Kunst – Musik in oberschwäbischen Schlössern“, in: Ulm und Oberschwaben 59 (2015), S. 217-218

[35] Walter Ebner: Kommende Altshausen (heute Diözese Rottenburg-Stuttgart), in: Pascal Paul Schneller: 800 Jahre Deutscher Orden an Ober-, Hochrhein und in der Schweiz, Freiburg im Breisgau 2021, S. 93

[36] Berthold Büchele: „O Musica, du edle Kunst – Musik in oberschwäbischen Schlössern“, in: Ulm und Oberschwaben 59 (2015), S. 217-220

[37] Eberhard Fritz: Herrschaft und Untertanen in der Deutschordenskommende Altshausen. Alltag im Zeitalter der Kriege und Krisen (1618–1715), in: Ulm und Oberschwaben 60 (2017), S. 337-338

[38] Eberhard Fritz: Auf den Spuren der barocken Orangerie im Schlossgarten Altshausen, in: Zitrusblätter 29 (2025), S. 3–4

[39] Berthold Büchele: „O Musica, du edle Kunst – Musik in oberschwäbischen Schlössern“, in: Ulm und Oberschwaben 59 (2015), S. 220

[40] Walter Ebner: Kommende Altshausen (heute Diözese Rottenburg-Stuttgart), in: Pascal Paul Schneller: 800 Jahre Deutscher Orden an Ober-, Hochrhein und in der Schweiz, Freiburg im Breisgau 2021, S. 95

[41] Eberhard Fritz: Herrschaft und Untertanen in der Deutschordenskommende Altshausen. Alltag im Zeitalter der Kriege und Krisen (1618–1715), in: Ulm und Oberschwaben 60 (2017), S. 338