Kommende Gemert
Bistum Lüttich; Bistum s’Hertogenbosch (ab 1559); Bistum Lüttich (ab 1645)
Land: Hzt. Geldern, Deutscher Orden
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I Geschichte
Die Entstehung der Kommende geht auf den Ritter Rutger von Gemert zurück, der zwischen 1198 und 1220 in den Deutschen Orden eintrat und seinen Anteil am Familienbesitz in Gemert in den Orden einbrachte. Dieser Besitz bildete die Grundlage der späteren Kommende. Sein Name erscheint im ältesten Totenregister des Deutschen Ordens unter dem 9. August[1] und das Todesjahr lag zwischen 1210 und 1220. Sein ererbter Grundbesitz umfasste mindestens den größten Teil des heutigen Handel. Dort befand sich auch die ursprüngliche Niederlassung der Kommende, vermutlich auf einem größeren Hof mit zugehörigen Ländereien. Im ältesten Totenregister werden vor 1345 fünf weitere Angehörige der Familie Van Gemert als Mitglieder des Deutschen Ordens genannt. Durch Schenkungen und Rodungen erweiterte die Kommende ihren anfänglichen Grundbesitz[2].
Am 16. Juni 1249 erscheint das Haus erstmals in einer Urkunde. Bei der Übertragung von Gütern der ehemaligen Kaiserin Maria von Brabant an die Abtei Binderen wird Arnold als Provisor des Hauses genannt. Im November 1265 erhielt der Präzeptor Johannes von der Herzogin von Brabant den Auftrag, gemeinsam mit zwei weiteren Rittern die Rechte der Abtei Averbode an unbeweglichen Gütern in Sterksel zu untersuchen[3].
1270 wurde in Gemert eine Heilig-Kreuz-Kapelle geweiht und eine Urkunde bezeichnet Gemert als Besitz Diederiks von Gemert, den dieser mit dem Komtur und den Brüdern des Deutschen Hauses teilte. Am 25. März 1271 bestätigte Herzog Johann I. von Brabant, dass dem Orden in Gemert keine eigene Gerichtsbarkeit zustand. Die Herrschaftsrechte lagen beim Deutschen Orden und bei Diederik von Gemert, jeweils für ihren eigenen Anteil. Der Herzog bot beiden Parteien seinen Schutz an, was die Aufteilung Gemerts in zwei Herrschaftsbezirke aufzeigt[4]. Am 9. April 1293 wurde ein Streit zwischen der Kommende und Philipp von Gemert durch einen Schiedsspruch beigelegt, wobei Philipp unter anderem zu Sühnewallfahrten verpflichtet wurde[5].
Die Kommende erweiterte ihren Besitz während des 13. und frühen 14. Jahrhunderts durch Schenkungen und die Erschließung weiterer Ländereien. Ihr Grundbesitz beschränkte sich schließlich nicht mehr auf Handel, sondern verteilte sich über verschiedene Teile Gemerts. 1326 wurden die Grenzen zwischen dem Gerichtsbezirk des Deutschen Ordens und demjenigen Diederiks von Gemert im sogenannten Paelbrief festgelegt. Die Gemerter Peel blieb gemeinschaftliches Gebiet beider Herrschaftsträger und vor 1332 bestanden bereits zwei getrennte Schöffengerichte[6].
Nachdem die Kommende zwischen 1332 und 1334 Fischereirechte und einen Teil der Zehnten von Milheeze erworben hatte, kam es zu Beginn der 1360er-Jahre zwischen der Kommende und Diederik IV. von Gemert sowie dessen Anhängern zu bewaffneten Auseinandersetzungen. Auf beiden Seiten wurden Gefangene gemacht. Die Kommende wurde gebrandschatzt, gewaltsam geöffnet und geplündert. Die geraubten Güter wurden zum Hooghuis Diederiks gebracht und der Herzog von Brabant wurde als Schiedsrichter eingeschaltet. Der Schiedsspruch vom 5. Dezember 1363 verpflichtete Diederik und mehrere seiner Gefolgsleute zu einer Sühnewallfahrt nach Santiago de Compostela und zur Zahlung von Geldbußen. Zur Begleichung seiner Verpflichtungen gegenüber der Kommende verkaufte Diederik seine Windmühle und seine Wassermühle an den Komtur. Der Herzog verlangte für seine Vermittlung weitere 500 Goldschilde. Zu Pfingsten 1364 trug Diederik seinen Herrschaftsanteil einschließlich der Gerichtsbarkeit und des mit Zugbrücken und Gräben versehenen Hooghuis dem Herzog von Brabant zu Lehen auf. Nach erneuten Verhandlungen erhielt Diederik am 6. Juni 1366 die Anweisung, die Lehnshuldigung gegenüber dem Komtur von Gemert statt gegenüber dem Herzog von Brabant zu leisten. Zwischen dem 18. und 21. Juni wurden die entsprechenden Rechtsgeschäfte in Gemert dann durchgeführt[7].
Am 21. Juni 1366 erwarb der Komtur Gerard van Audenhoven den verbliebenen Herrschaftsanteil Diederiks. Der Kauf umfasste die hohe und niedere Gerichtsbarkeit, die dazugehörigen Herrschaftsrechte, Fischereirechte sowie gemeinschaftliche Nutzungsrechte und Gemeindegüter. Der Kaufpreis betrug 3.050 Pfund und 1.230 alte Schilde. Diederik erhielt Esdonk und das Hooghuis mit der dazugehörigen Fischerei von der Kommende zu Lehen. Seitdem befand sich die gesamte Herrschaft Gemert im Besitz des Deutschen Ordens[8].
In der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts ging die landesherrliche Stellung in Gemert zunehmend auf den Landkomtur von Aldenbiesen über und der Komtur nahm die Aufgaben eines Statthalters des Landesherrn wahr. Die Gemerter Peel wurde 1385 von Uden und Boekel aus bereits als Peel von Biesen bezeichnet[9].
Im ausgehenden 14. Jahrhundert entstand ein weiterer Konflikt um das Grundstück Duvelskamp, auf dem das neue Ordensschloss errichtet werden sollte. Angehörige der Familie Van Gemert erhoben Ansprüche auf dieses Gelände. Eine Urkunde des Landkomturs Reinier van Husen vom 12. Oktober 1391 behandelte den Streit. Die Auseinandersetzung führte erneut zu bewaffneten Übergriffen. Auch Besitzungen der Kommende außerhalb Gemerts wurden beraubt und in Brand gesetzt. Während der Herzog von Brabant Besitz der Familie Van Gemert innerhalb Brabants beschlagnahmte, ging die Kommende gegen deren Güter in Gemert vor. 1394 verzichteten die Familie zugunsten des Landkomturs auf sämtliche Ansprüche an Duvelskamp.
Gegen Ende des 14. Jahrhunderts wurde mit der Verwirklichung der Schlossbaupläne begonnen. Das neue Ordensschloss entstand im Zentrum Gemerts in geringer Entfernung zum Hooghuis der Familie Van Gemert.
Im Frühjahr 1396 bestätigte Herzogin Johanna von Brabant gegenüber ihren Amtsträgern in ’s-Hertogenbosch die Befreiung der Güter und Untertanen des Deutschen Ordens von brabantischen Steuer- und Abgabenforderungen. Die Bestätigung bezog sich auf die Privilegien des Ordens, die durch päpstliche und kaiserliche Urkunden verbrieft waren. Auch die Einwohner Gemerts sollten nicht zur Zahlung der betreffenden Abgaben herangezogen werden.
1408 nahmen benachbarte Gemeinden unter Beteiligung Helmonds Teile der Gemerter Peel in Anspruch und ließen das Gebiet durch einen Landmesser aus ’s-Hertogenbosch vermessen. Doch wurde 1411, auf Anordnung Herzog Antons von Brabant, die ältere Grenzmarkierungen wiederhergestellt[10].
Unter Landkomtur Iwan van Cortenbach wurde das Gemerter Ordensschloss im frühen 15. Jahrhundert erweitert. Zudem erwarb er für die Kommende ein Zufluchtshaus in ’s-Hertogenbosch sowie weitere Zehnt- und Patronatsrechte, darunter solche in Nistelrode[11].
In der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts entwickelte sich Gemert zur reichsten Kommende der Ballei. Das Schloss beherbergte einen Konvent, den Pfarrer von Gemert und für den Landkomtur wurde ständig eine eigene Wohnung bereitgehalten.
Ab 1425 wurden für den Unterhalt des Konvents in einem größeren Umkreis zusätzliche Zehnt- und Patronatsrechte von Kirchen, Pfarreien und Rektoraten erworben, gestiftet oder in die Verwaltung der Kommende übernommen. Zu den ersten genannten Erwerbungen gehörten Nistelrode und Haren bei Megen.
1434 wurde die Auseinandersetzung um die Grenzen und Nutzungsrechte der Gemerter Peel in Brüssel erneut behandelt. Die Kommende musste das beanspruchte Gebiet käuflich erwerben, nachdem ein entsprechender Eigentumsnachweis nicht erbracht worden war. Die Kosten wurden den Einwohnern Gemerts auferlegt. Für die Nutzung der Peel bestand außerdem eine jährlich zu Ostern in ’s-Hertogenbosch zu entrichtende Zahlung von 360 Gulden, die bis zum Ende der Ordensherrschaft fortbestand.
1437 wurde Gemert mit päpstlicher und bischöflicher Zustimmung von Bakel-Deurne getrennt und zu einer selbstständigen Pfarrei erhoben. Zugleich gelangten die Patronatsrechte über Gemert, Bakel und Deurne an die Kommende, die diese Rechte von der Abtei Echternach zu Lehen hielt. Neben dem Schloss begann der Bau einer neuen Pfarrkirche und ihr zuerst fertiggestellter Priesterchor diente dem Kommendenkonvent als Kapelle.
Nachdem die Marienkapelle von Handel 1459 zu einem selbstständigen Rektorat erhoben worden war, gelangte 1462 das Kirchen- und Pfarrpatronat von Geldrop hinzu. Unter Komtur Arnt van der Dussen wurde außerdem der Chordienst in der Gemerter Pfarrkirche gestiftet. Später wurden auch kirchliche Rechte in Vorstenbosch, Heesch und Brouwhuis erworben. Die Betreuung und der Unterhalt der mit der Kommende verbundenen Kirchen und Kapellen wurden vom Schlosskonvent aus organisiert, wofür der Komtur gegenüber dem Landkomtur die Verantwortung trug.
In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts fanden öffentliche Gerichtsverhandlungen auch auf der Brücke über dem Schlossgraben statt, der vom Markt zum Tor der Vorburg führte. Der Landkomtur ernannte als Vertreter den Schultheißen und die Mitglieder des örtlichen Schöffengerichts.
Während des späten 15. und frühen 16. Jahrhunderts wurden die Neutralität und die bestehenden Privilegien Gemerts wiederholt gegenüber den an den regionalen Kriegen beteiligten Herrschaftsträgern geltend gemacht. Der Besitz der Kommende sowie ihre Steuer- und Zollbefreiungen waren Gegenstand entsprechender Schutz- und Privilegienbestätigungen.
Um 1540 wurde unter Landkomtur Winand van Breijel eine Verordnung erlassen, die Einwohnern Gemerts untersagte, ihre gerichtlichen Angelegenheiten ohne Weiteres vor auswärtige Gerichte zu bringen oder entsprechende auswärtige Ladungen einzuholen. Als Sanktion war der Ausschluss von der Nutzung der gemeinschaftlichen Gründe vorgesehen. In dieser Zeit wird außerdem ein eigenes Notariat in Gemert genannt.
Um 1548 und in den anschließenden Jahren wurden am Schloss umfangreiche Bauarbeiten vorgenommen. Die Vorburg wurde erneuert und ein neues Tor errichtet. Wenig später entstand der Donjon.
Während des Achtzigjährigen Krieges erhielt die Kommende mehrere militärische Schutzgarantien. 1586 stellte Alessandro Farnese, Herzog von Parma und spanischer Statthalter, einen Schutzbrief für den Deutschen Orden und ausdrücklich für die Kommende und die Einwohner Gemerts aus. Die Garantie sollte sie vor militärischer Gewalt und Übergriffen schützen.
1587 gründete Landkomtur Heinrich von Reuschenberg in Gemert eine Lateinschule. Die Stiftung umfasste zwölf jährlich zu vergebende Studienstipendien. Zur Finanzierung wurden Einkünfte der Kommende aus verschiedenen brabantischen Orten herangezogen, darunter Bakel, Milheeze und Deurne. König Philipp II. von Spanien genehmigte die Verwendung dieser Einkünfte für den Schulbetrieb.
1596 wurde die militärische Schutzgarantie für Gemert durch Erzherzog Albrecht bestätigt. Am 3. Dezember 1598 stellte auch Prinz Moritz von Oranien einen Schutzbrief aus, der sich unter anderem auf militärische Übergriffe sowie Steuer- und Abgabenforderungen bezog[12].
Nachdem 1607 das Torgebäude an der Schlossallee errichtet wurde[13], wurden 1613nin Gemert zwei Jahrmärkte eingerichtet. In den folgenden Jahren kam es zu Auseinandersetzungen um die bisherigen Zollfreiheiten und die Befreiung von auswärtigen Abgabenforderungen. 1627 protestierte Gemert gegen die Heranziehung zu brabantischen Kontributionen. Der um eine Stellungnahme gebetene Rat von Brabant bestätigte die Befreiung Gemerts von der brabantischen Landeshoheit.
Nach der Einnahme von ’s-Hertogenbosch durch die Truppen Friedrich Heinrichs im September 1629 entstand ein Streit darüber, ob Gemert zum nun von der Republik beanspruchten Gebiet gehörte. Nach der Einnahme Maastrichts 1632 wurden außerdem Ansprüche im Zusammenhang mit der übergeordneten Ordensverwaltung erhoben, die auch die Rechtsstellung der Kommende Gemert betrafen.
1641 ersuchte Gemert die Generalstaaten um einen dauerhaften Schutzbrief gegen Übergriffe hessischer Truppen. Der Antrag wurde abgelehnt. Am 23. August 1643 erschien eine hessische Truppenabteilung aus der Garnison Kalkar in Gemert und verlangte eine größere Geldsumme als Entschädigung für Kriegshandlungen des Landkomturs Godfried Huyn van Geleen. Nachdem die Forderung nicht erfüllt worden war, beschlagnahmten die Soldaten Kühe, Pferde und weitere bewegliche Güter. Außerdem verschleppten sie 33 männliche Einwohner als Geiseln. In den folgenden zehn Jahren zahlte Gemert eine hohe Kriegskontribution, um weitere Übergriffe zu verhindern.
In den 1640er-Jahren kam es zu einem innerordentlichen Konflikt über die Verwaltung der Kommende. Der amtierende Komtur Caspar Ulrich van Hoensbroek hielt sich über längere Zeit außerhalb Gemerts auf, geriet in Auseinandersetzungen mit der örtlichen Verwaltung und verweigerte wiederholt seine Unterordnung unter den Landkomtur und das Kapitel von Alden Biesen. Im Herbst 1647 erschien Landkomtur Godfried Huyn van Geleen zusammen mit vier weiteren Komturen zur Visitation in Gemert. Van Hoensbroek war abwesend. Am 9. Dezember 1647 wurde ihm die Verwaltung der Kommende entzogen. Die Komture von Vught und Ramersdorf wurden zu vorläufigen Verwaltern bestellt. Zugleich wurde ein neuer Schultheiß ernannt, fünf der sieben Schöffen wurden ausgewechselt und der Rentmeister wurde verhaftet.
Van Hoensbroek wandte sich daraufhin an die Generalstaaten in Den Haag und bat um seine Wiedereinsetzung mit militärischer Unterstützung. Am 13. Februar 1648 stellten die Generalstaaten ihn, die Einwohner Gemerts und den gesamten Besitz der Kommende unter ihren besonderen Schutz. Am 22. Februar wurde Van Hoensbroek mithilfe einer ungefähr 500 Mann starken Truppe aus der Garnison Grave wieder in den Besitz der Kommende eingesetzt. Die vorläufig bestellten Verwalter mussten das Schloss verlassen.
Die Besetzung Gemerts durch Truppen der Republik hatte unmittelbare Folgen für die Gebäude und Einrichtungen der Kommende. Im Schloss wurde eine staatliche Garnison untergebracht. Die katholische Nutzung der Pfarrkirche wurde beendet; Altäre, Bilder und weitere kirchliche Ausstattungsgegenstände wurden entfernt und für eine spätere Versteigerung vorgesehen. Der Pfarrer, der Küster und der Prior des Dominikanerklosters wurden festgenommen und nach ’s-Hertogenbosch gebracht. Die Lateinschule, die Kirche von Handel und das Dominikanerkloster wurden geschlossen. Das Dorfarchiv wurde beschlagnahmt und fortgebracht. Auch der Gemerter Schultheiß wurde verhaftet und in der Gevangenpoort in Den Haag inhaftiert.
Anschließend entwickelte sich ein langwieriger Rechtsstreit zwischen dem Deutschen Orden und den Generalstaaten über die Landeshoheit, die Gerichtsbarkeit, die bisherigen Privilegien und die Verfügungsgewalt über den Besitz der Kommende. Das Verfahren wurde unter anderem vor dem Hohen Rat von Holland und Zeeland und dem Großen Rat von Mechelen geführt. Die Gerichte gelangten zu unterschiedlichen Entscheidungen. Beide Parteien legten umfangreiche Sammlungen historischer Urkunden und Abschriften vor. Während des Streits wurde Gemert auch von lothringischen Truppen gebrandschatzt und geplündert[14].
Am 14. Juni 1662 wurde nach mehr als vierzehnjähriger Besetzung das Souveränitätsabkommen zwischen dem Deutschen Orden und der Republik der Sieben Vereinigten Provinzen unterzeichnet und besiegelt. Aufseiten der Republik unterzeichneten der Ratspensionär Johan de Witt, der Generalschatzmeister Hieronymus van Beverningh und sieben Deputierte der Generalstaaten. Für den Deutschen Orden unterzeichneten der Jurist Everaerdt van Aller und der Gemerter Komtur Ambrosius van Virmundt als Vertreter des Landkomturs Emond van Bocholtz. Die Republik erkannte die Landeshoheit des Deutschen Ordens über Gemert an und verzichtete auf ihre Ansprüche auf Oberhoheit und Souveränität[15].
Das Abkommen sah die Rückgabe der Pfarrkirche und der Lateinschule vor. Zugleich musste die freie Ausübung des reformierten Gottesdienstes gewährleistet werden. Der katholische Komtur erhielt das Recht, den reformierten Prediger zu ernennen. Die Errichtung neuer Klöster in Gemert wurde untersagt. Der Deutsche Orden verpflichtete sich außerdem zur Zahlung von 40.000 Gulden Prozesskosten, die vollständig Gemert auferlegt wurden. Die Kommende war fortan Eigentümerin sowohl einer katholischen als auch einer protestantischen Kirche.
Nach der Rückgabe der Lateinschule wurde der Unterricht wieder aufgenommen. Die Einrichtung zog Schüler aus einem größeren Gebiet an und innerhalb von zehn bis fünfzehn Jahren stieg ihre Schülerzahl auf mehr als 100. Zahlreiche der Absolventen setzten ihre Ausbildung an der Universität Löwen fort. 1728 gründeten ehemalige Schüler der Gemerter Lateinschule an der Universität Löwen eine eigene Studentenvereinigung, die Congregatio Municipii Gemertanii[16].
1685 schloss Gemert mit Den Haag ein Abkommen über die gegenseitige Auslieferung von Straftätern[17].
Im späten 17. und frühen 18. Jahrhundert entwickelte sich Handel weiter als katholischer Marienwallfahrtsort. In den benachbarten Gebieten der Republik war der katholische Gottesdienst untersagt beziehungsweise später teilweise nur in Scheunenkirchen geduldet. Die zu Gemert gehörende Marienkapelle blieb dagegen für den katholischen Gottesdienst geöffnet[18].
Im 18. Jahrhundert wurde die laufende Verwaltung der Kommende wiederholt Rentmeistern übertragen[19]. Zugleich entwickelte sich das örtliche Textilgewerbe weiter. Die Gemerter Weberei erreichte im Laufe des Jahrhunderts einen Umfang, der mit den Webereistandorten Helmond und Tilburg zu verglichen war[20].
Nachdem zwischen 1735 und 1760 am Ordensschloss umfangreiche Restaurierungs- und Umbauarbeiten stattgefunden hatten[21], zerstörte 1780 ein Brand in Gemert ungefähr 60 Häuser und bei einem weiteren Großbrand im Jahr 1785 ungefähr 150 Häuser[22].
In der letzten Phase der Ordensherrschaft wurden die laufenden Geschäfte der Kommende vom Rentmeister J. Borret und nach dessen Tod von seiner Witwe M. P. Borret geführt[23]. Als im September 1794 dann die französischen Truppen in Gemert einmarschierten, endete die souveräne Herrschaft des Ordens[24].
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II Komture[25]
Johann von Myrlar (13. Jhd.)
Arnold (1249)
Henricus (1261)
Johannes (1266)
Alard van Horst (1270-1293)
Johann von Voeren (1332-1334)
Arnold von Hamal (n. 1355)
Heinrich von Havert (1363)
Gerhard von Aldenhoven (1366)
Robert von Vernenborch (1370-1386)
Vranck von Hulsberg (1389)
Johann Clotte (1403-1407)
Diederik von Betgenhusen (1408-1414)
Niclaas van der Dussen (1438-1444)
Johann Bruyninx van Brustem (1445)
Niclaas van der Dusse (1449-1461)
Arnold van der Dussen (1462-1482)
Maximilian von Eynatten (1483-1504)
Vakanz
Heinrich von Eynatten (1515-1544)
Winand von Moelenbach gen. Breyll (1544-1554)
Vakanz
Winand von Eynatten (1558-1570)
Godart von Ahr (1571-1598)
Heinrich Wilhelm von Holtrop (1598-1630)
Vakanz
Kaspar Ulrich von Hoensbroek (1634-1655)
Vakanz
Ambrosius von Virmundt zu Neersen (1658-1684)
Hendrik von Wassenaar zu Warmont (1684-1690)
Bertram Wessel von Loe zu Wissen (1691-1712)
Vakanz
Bertram Anton von Wachtendonk (1716-1720)
Vakanz
Johann Josef van der Noot (1744-1763)
Vakanz
Nicolaas Bernard de Borchgrave (1770-1777)
Clemens August von Plettenberg (1778-1796)
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[1] Ad Otten, Commandeurs van Gemert, in: Gemerts Heem, Nr. 1, Gemert 1991, S. 17
[2] Jan Timmers/Ad Otten, Vorstendom Gemert, in: Gemerts Heem, Nr. 2, Gemert 2020, S. 5
[3] Ad Otten, Commandeurs van Gemert, in: Gemerts Heem, Nr. 1, Gemert 1991, S. 17
[4] Jan Timmers/Ad Otten, Vorstendom Gemert, in: Gemerts Heem, Nr. 2, Gemert 2020, S. 4
[5] Ad Otten, Commandeurs van Gemert, in: Gemerts Heem, Nr. 1, Gemert 1991, S. 19
[6] Jan Timmers/Ad Otten, Vorstendom Gemert, in: Gemerts Heem, Nr. 2, Gemert 2020, S. 5
[7] Jan Timmers/Ad Otten, Vorstendom Gemert, in: Gemerts Heem, Nr. 2, Gemert 2020, S. 8
[8] Jan Timmers/Ad Otten, Vorstendom Gemert, in: Gemerts Heem, Nr. 2, Gemert 2020, S. 10
[9] Jan Timmers/Ad Otten, Vorstendom Gemert, in: Gemerts Heem, Nr. 2, Gemert 2020, S. 5
[10] Jan Timmers/Ad Otten, Vorstendom Gemert, in: Gemerts Heem, Nr. 2, Gemert 2020, S. 11-12
[11] Ad Otten, Commandeurs van Gemert, in: Gemerts Heem, Nr. 1, Gemert 1991, S. 22
[12] Jan Timmers/Ad Otten, Vorstendom Gemert, in: Gemerts Heem, Nr. 2, Gemert 2020, S. 12-16
[13] Ad Otten, Commandeurs van Gemert, in: Gemerts Heem, Nr. 1, Gemert 1991, S. 26
[14] Jan Timmers/Ad Otten, Vorstendom Gemert, in: Gemerts Heem, Nr. 2, Gemert 2020, S. 17-21
[15] Jan Timmers/Ad Otten, Vorstendom Gemert, in: Gemerts Heem, Nr. 2, Gemert 2020, S. 2
[16] Jan Timmers/Ad Otten, Vorstendom Gemert, in: Gemerts Heem, Nr. 2, Gemert 2020, S. 22-23
[17] Jan Timmers/Ad Otten, Vorstendom Gemert, in: Gemerts Heem, Nr. 2, Gemert 2020, S. 24
[18] Ad Otten, Commandeurs van Gemert, in: Gemerts Heem, Nr. 1, Gemert 1991, S. 24
[19] Ad Otten, Commandeurs van Gemert, in: Gemerts Heem, Nr. 1, Gemert 1991, S. 28
[20] Jan Timmers/Ad Otten, Vorstendom Gemert, in: Gemerts Heem, Nr. 2, Gemert 2020, S. 24
[21] Ad Otten, Commandeurs van Gemert, in: Gemerts Heem, Nr. 1, Gemert 1991, S. 28
[22] Jan Timmers/Ad Otten, Vorstendom Gemert, in: Gemerts Heem, Nr. 2, Gemert 2020, S. 24
[23] Ad Otten, Commandeurs van Gemert, in: Gemerts Heem, Nr. 1, Gemert 1991, S. 29
[24] Jan Timmers/Ad Otten, Vorstendom Gemert, in: Gemerts Heem, Nr. 2, Gemert 2020, S. 23
[25] Leden van de Duitse Orde in de Balije Biesen, Bilzen 1994, S. 171-172
