Kommende Jungenbiesen
Erzbistum Köln
Land: Reichsstadt Köln
I. Geschichte
Die Kommende Jungenbiesen entstand im ausgehenden 16. Jahrhundert im Zusammenhang mit den Bildungsmaßnahmen des Landkomturs Heinrich von Reuschenberg. Bereits 1572 stiftete er an der Laurentianer-Burse der Universität Köln zwölf Studienplätze sowie ein Schulgebäude. Die Stipendien waren für drei Adelige, drei wohlhabende Bürgerliche und sechs junge Männer aus ärmeren Verhältnissen bestimmt. Zur Unterbringung und Versorgung der in Köln studierenden Angehörigen des Deutschen Ordens gründete er wenig später die Kommende Jungenbiesen.
Die Kommende entstand in der Kölner Vorstadt Oversburg an der Severinstraße. Zu diesem Zweck erwarb Reuschenberg 1573 das Haus „Zum Bierbaum“ sowie 1581 den benachbarten Bonner Hof und weitere Grundstücke. Im Sommer 1582 begannen die Umbauarbeiten. Das Haus „Zum Bierbaum“ wurde in den folgenden Jahren für seine neue Aufgabe umgestaltet und 1584 als Sitz der Kommende eingerichtet. Mit Zustimmung des Kölner Rates durfte zudem die Bonner Gasse, auch „Im Sack“ genannt, überbaut werden. Dadurch entstand ein zusammenhängendes Gelände von 420,75 Quadratruten. Für das neu errichtete Oratorium erhielt die Kommende 1593 die Erlaubnis zur Feier von Messen und Gottesdiensten. Die formale Errichtung erfolgte nach einer Übereinkunft mit der Stadt Köln vom 23. September 1592 und dem Beschluss des Kapitels vom 22. Mai 1593. Die Bestätigung durch den Hochmeister des Deutschen Ordens erfolgte am 27. Juni 1601.
Die Anlage bestand aus drei miteinander verbundenen zweigeschossigen Wohngebäuden, die einen etwa 18 Meter langen und 13 Meter breiten Innenhof umschlossen. Hinzu kamen Wirtschaftsgebäude und ein großer Garten westlich der Wohngebäude. Die Gebäude besaßen schiefergedeckte Satteldächer mit Gauben. Das Hauptgebäude an der Severinstraße war 31,5 Meter lang und 6,6 Meter tief. Das rückwärtige, dem Garten zugewandte Gebäude war unterkellert, etwa 27 Meter lang und enthielt im Erdgeschoss einen großen Saal, der zu den zentralen Räumen der Anlage gehörte. Der nahezu quadratische Mittelbau maß 13,25 mal 14,5 Meter und besaß auf jeder Etage jeweils einen großen Raum sowie zwei Treppenflure.
Westlich der Gebäude erstreckte sich ein etwa 100 Meter langer und 40 Meter breiter Garten, der nach niederländischen Vorbildern gestaltet war. Am Ende des Gartens, zur Spitzengasse hin, befand sich ursprünglich die Zufahrt zur Kommende. Im 18. Jahrhundert wurde die Anlage umfassend modernisiert. Es wurden neue Fenster eingebrochen, Mauern verputzt und Fußböden erneuert. Um 1730 entstand zusätzlich eine neue steinerne Pforte an der Severinstraße. Außerdem erhielt die Kommende eine Heizungsanlage. Im Garten wurde ein steinernes Sommerhaus errichtet.
Eine besondere Verbindung bestand zur Burg Blatzheim. Heinrich von Reuschenberg kaufte die Burg am 26. Februar 1594 und ließ sie bis 1602 neu errichten. Nach Abschluss der Bauarbeiten übertrug er die Burg an die Kommende Jungenbiesen. Sie diente anschließend zeitweise als Aufenthaltsort der Komture, insbesondere während der Sommermonate.
Die Kommende verfügte über eigene Einkünfte. Zu den nachweisbaren Einnahmequellen gehörten Renten, deren Verwaltung durch einen überlieferten Rentenextrakt aus dem Jahr 1597 belegt ist.
Das durch den Erwerb mehrerer Grundstücke und die Überbauung der Bonner Gasse geschaffene Areal umfasste insgesamt 420,75 Quadratruten und bildete eine geschlossene Anlage aus Wohn-, Wirtschafts- und Gartenflächen innerhalb der Vorstadt Oversburg.
Im Zuge der Säkularisation wurde die Kommende 1802 aufgehoben. Zwei Jahre später bestimmte ein Dekret Napoleons die Gebäude zur Dienstwohnung des Direktors des Geniekorps. Nach dem Ende der französischen Herrschaft wurden Teile der Anlage als Militärmagazin genutzt. Später gingen die Gebäude an die Schulverwaltung über und dienten als Dienstwohnung des Direktors des Friedrich-Wilhelm-Gymnasiums. 1883 wurde das Vorderhaus abgebrochen, 1885 folgte die Niederlegung der übrigen Gebäude. Noch im selben Jahr entstand auf dem Grundstück ein Neubau mit der Anschrift Severinstraße 251. Damit endete die Geschichte der Kommende Jungenbiesen nach nahezu drei Jahrhunderten ihres Bestehens.
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II. Komture
Dietrich von Landsberg (1604-1629)
Heinrich von Kolf von Vettelhoven (1631-1633)
Wilhelm von Metternich (1638-1648)
Edmond Godfried von Bocholtz (1649-1658)
Johann Franz von Lutzenrode (1658-1676)
Bernard von Oestrum zu Moersbergen (1679-1684)
Wilhelm Dietrich von Kolf von Vettelhoven (1684-1691)
Rutger Kaspar von Schöller zu Schöller (1691-1693)
Vakanz
Heinrich Theobald von Goldstein (1698-1719)
Vakanz
Johann Josef van der Noot (1729-1736)
Johann Kaspar von Hillesheim zu Ahrental (1736-1744)
Nikolaus Bernard de Borchgrave (1749-1757)
Raymund Casimir von Lamsberg (1757-1770)
Lothar Franz von Horneck von Weinheim (1769-1778)
Franz Nikolaus von Kolf von Vettelhoven (1778-1784)
Heinrich Adam von Eyb zu Neudettelsau (1785-1792)
Vakan
Johann Franz von Schaesberg (1794-1809)
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– Quellen und Literatur –
Clemen, Paul: Die kirchlichen Kunstdenkmäler der Stadt Köln. Bd. 2, Düsseldorf 1980
Demel, Bernhard: Kapitularische regelung wegen der neuen Kommende Jungenbiesen in Köln, in: Ritter und Priester. Acht Jahrhunderte Deutscher Orden in Nordwesteuropa., Aldenbiesen 1992
Hartmann, H.: Der Deutsche Orden 1600-1809., in: Ritter und Priester. Acht Jahrhunderte Deutscher Orden in Nordwesteuropa., Aldenbiesen 1992
Hegel, Eduard: Geschichte des Erzbistums Köln. Bd. 4, Köln 1979
Leden van de Duitse Orde in de Balije Biesen, Bilzen 1994
http://www.kommandeursburg.de/ (24.06.2009)
