Kommende Brackel

Ballei Westfalen

Bistum Münster

Land: Grafschaft/Herzogtum Mark

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1. Geschichte

Die Kommende wurde erstmals im Jahre 1290 erwähnt, bestand aber wohl schon früher. 1295 lebten in der Kommende, zu der auch die Pfarrkirche von Brackel gehörte, der Komtur, zwei Ritterbrüder und ein Priesterbruder. Später waren es in der Regel nur noch der Komtur und der erwähnt. Im 14. Jahrhundert besaß die Kommende fast ihre gesamte Umgebung. Dies waren 50 bis 80 Morgen Ackerland, 18 bis 30 Morgen Wiesen, abgabepflichtige Bauernhöfe, Fischteiche und eine Kohlegrube, wozu 1562 noch die Oberaufsicht über die umfangreichen Reichswälder kam[1]. Mit hohen landesherrlichen Steuern belegt, betrug ihr Einkommen 1533 150 Gulden[2]. 1543 kehrte der Ordensritter Adolf von Bodelschwingh aus Livland zurück, wohin er sich scheinbar ohne Genehmigung des Landkomturs begeben hatte, und vorderte die ihm vom amtsendhobenen Landkomtur Heinrich von Bodelschwingh, seinem Onkel, zugesagte Kommende Brackel. Auch wenn Bodelschwingh ein Eingreiffen des Herzogs von der Mark, nun zu Brandenburg gehörig, und des Erzbischofs zu seinen Gunsten erreicht, weigerte sich der Landkomtur die Kommende zu übergeben. Es war wohl die verlorene Schlacht um Geldern und die gerade vorrherrschende kaiserliche Präsenz, die ein weiteres Intervenieren des Herzogs beendete und von Bodelschwingh damit aus dem Rennen nahm[3]. Um 1554 führte der Ordenspriester Arent Rupe, unterstützt durch den Komtur, die Reformation ein, wobei der Chorraum der Kirche dem katholischen Gottesdienst erhalten blieb[4]. Letztlich ging dem Orden aber trotz aller Bemühungen die Pfarrei Brackel verloren. Der Truchsessische Krieg setzte der Kommende derart zu, dass dem Komtur keinerlei Einkünfte zum Lebensunterhalt verblieben. Spanier und Bayern plünderten die Kommende 1582 und 1583 derart, dass sie noch 1587 mit 600 Thalern im Minus stand. Doch schon stand der Spanisch-Holländische Krieg in der Tür. 1590 durch holländische Einquartierungen in Mitleidenschaft gezogen und durch den Komtur aus seinem väterlichen Erbe wirtschaftlich unterstützt, prlünderten die Truppen der Generalstaaten am 17. Dezember 1593 das Haus vollkommen aus. Selbst die Kleider des Komturs wurden mitgenommen. Die Kommende war auf Jahrzehnte ruiniert, zumal der der Herzog nun auch in die Freiheiten des Ordens eingebrochen war und nur noch das eigene Korn in der Ordensmühle gemahlen werden dürfte. Alle übrigen mussten nun die Mühle des Herzogs nutzen und entsprechend auch dort ihre Gebühren entrichten. Während des Dreißigjährigen Krieges von verschiedenen Truppen besetzt, hatte der Komtur es schließlich verlassen und sich bei Verwandten einquartiert. Die Schäden waren so groß, dass es noch 1651 baufällig und ohne Dach war. Nunmehr unbewohnbar, betrugen die Schulden der Kommende im Jahre 1657 schließlich 2.600 Thaler. Da hier mangels Einkünften kein Komtur mehr eingesetzt werden konnte, verpachtete die Ballei die Kommende ab 1665 als Landgut für jährlich 365 Taler. Da die Pachtzahlungen durch die Bauern, unterstützt durch die Landesregierung, jedoch nicht regelmäßig entrichtet wurden, musste man wiederholt zu Zwangseintreibungen greifen. Dazu wurden durch die märkische Regierung auch noch Zwangssteuern auf die Adelsgüter erhoben, so das die Jahreseinnahmen bis 1674 auf knpp 200 Thaler sanken. Nachdem man sich zum Verkauf der Kommende durchgerungen, wozu der Hochmeister 1701 seine Erlaubnis erteilt hatte, fand sich aber kein Käufer, da die auf der Kommende liegenden Schulden und die hohe Steuerlast abschreckten[5]. 1715 wurde Ferdinand von Westrem zum Komtur ernannt. Von seiner Residenzpflicht entbunden, gelang ihm eine wirtschaftliche Stabilisierung. Auch hatte man sich mit der märkischen Regierung einigen können und die Kommende wurde zukünftig als Adelssitz betrachtet, welcher entsprechend weitgehend von den Steuern befreit war. Nachdem 1720 eine Auslösung verpfändeter Güter gelungen war, griff Komtur von Schlamersdorff erneut in die Verwaltung der Kommende ein und verursachte bald ein heilloses Durcheinander. Nachdem er dann auf das Ordenshaus sogar einen Kredit aufgenommen hatte, wurde die Kommende seiner Leitung und Nutzung entzogen und Schlamersdorf mit Deputationszahlungen aus deren Überschüssen abgefunden. Schließlich war die Kommende 1782 ohne Schulden, doch wurde sie schon am 5. Juni 1802 säkularisiert[6]. Die Kommende, bestehend aus einem Komturshaus und einem wenige Schritte davon entfernten Pfarrhaus[7], lag in einem unbefestigten Dorf, welches in einem Durchmarschgebiet zahlreicher Truppen lag[8]. Ursprünglich 80 Morgen Ackerland und 18 Morgen Wiesen bewirtschaftend[9], sank dieser Umfang bis 1668 auf 51 Morgen[10].

2. Komture[11]

Johann von Heiden (1500-1521)

Adam von Heiden (1527)

Dietrich von Heiden (1533-1536)

Bernhard de Bever (1544-1554)

Jost Stael (vor 1565-1566)

Johann up dem Berge (1566-1588/89)

Johann von Hanxleden (1591-1600)

Melchior von Loe (1601-1609)

Johann Dietrich von Heiden (1625-1628/29)

Henrich von Ittersum (1629-1636/37)

Eberhard von Dellwig (1638-1658)

Johann Winold von Westrem (1662-1663)

Franz Wilhelm von Fürstenberg (1664-1671)

Johann Hunold von Plettenberg (1671-1675)

Rab Henrich von Westrem (1675-1677)

Johann Hunold von Plettenberg (1677-1679)

Ferdinand Alexander von Wrede (1679-1685)

Georg Levin von Nagel (1692-1694)

Rosier Gottfried von Dellwig (1695-1704)

Ferdinand Mauritz von Korff (1705-1712)

Ferdinand Gaudenz von Westrem (1713-1716)

Johann Heidenreich von Ketteler (1716-1718)

Franz Wilhelm von Schade (1718-1724)

Ferdinand Johann von Holdinghausen (1724-1726)

Hermann Wennemar von Horde (1727/28)

Franz Xaver von Roll (1729-1732)

Gottgab Matthias von Geldern (1732-1736)

Ferdinand Moritz von Mengersen (1737-1746)

Moritz Wilhelm von Mengersen (1747-1761)

Karl von Schlamersdorff (1764-1798)

Johann Philipp Wilhelm von Wydenbruck (1800-1809)

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[1] Sascha Schug, Der Deutsche Orden in Westfalen: von der Reformation bis zur Säkularisation, o. O. 2016, S. 81-83

[2] Hans Jürgen Dorn, Die Deutschordensballei Westfalen, Marburg 1978, S. 26-27

[3] Hans Jürgen Dorn, Die Deutschordensballei Westfalen, Marburg 1978, S. 27-29

[4] Sascha Schug, Der Deutsche Orden in Westfalen: von der Reformation bis zur Säkularisation, o. O. 2016, S. 84-85

[5] Hans Jürgen Dorn, Die Deutschordensballei Westfalen, Marburg 1978, S. 29-32

[6] Hans Jürgen Dorn, Die Deutschordensballei Westfalen, Marburg 1978, S. 29-35

[7] Hans Jürgen Dorn, Die Deutschordensballei Westfalen, Marburg 1978, S. 26

[8] Hans Jürgen Dorn, Die Deutschordensballei Westfalen, Marburg 1978, S. 29

[9] Hans Jürgen Dorn, Die Deutschordensballei Westfalen, Marburg 1978, S. 27

[10] Hans Jürgen Dorn, Die Deutschordensballei Westfalen, Marburg 1978, S. 31

[11] Hans Jürgen Dorn Die Deutschordensballei Westfalen, Marburg 1978, S. 222