Kommende Mitau

Meistertum Livland

Bistum Kurland

Land: Deutscher Orden

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I           Geschichte

Die Geschichte der Kommende Mitau beginnt mit dem Plan, an der Lielupe einen befestigten Stützpunkt des Deutschen Ordens zu errichten. Bereits im Jahr 1242 erlaubte der päpstliche Legat Wilhelm von Modena den Bau einer Burg an der Lielupe. Verwirklicht wurde dieses Vorhaben jedoch erst im Jahr 1265, als unter dem livländischen Ordensmeister Konrad von Mandern auf der Landzunge zwischen Lielupe und Driksa die Burg Mitau errichtet wurde. Eine Bulle Papst Clemens‘ IV. vom 25. Mai 1266 setzt die Existenz der Burg bereits voraus.

In den mittelalterlichen Quellen erscheint Mitau unter verschiedenen Schreibweisen, darunter Mitowe, Myitowe, Mithovia, Mitthovia und Mithowe. Die Burg entstand an einem älteren semgallischen Siedlungs- und Handelsplatz. Ihre Lage zwischen Lielupe und Driksa bot Anschluss an den Wasserweg nach Riga und an die Landverbindungen durch Semgallen. Im Schutz der Burg entwickelte sich am linken Ufer der Lielupe eine Siedlung, aus der später die Stadt Mitau hervorging.

Die Kommende ist erstmals am 7. Oktober 1272 eindeutig urkundlich nachweisbar. In einer Teilungsurkunde erscheint Johannes als „commendator de Mitowe“ und ist damit der erste namentlich bekannte Komtur von Mitau. Bereits diese Urkunde verdeutlicht die Aufgaben der Kommende. Sie enthält Bestimmungen über landwirtschaftlich genutzte Flächen, Erbgüter, brachliegende Besitzungen, Zinsleistungen, Jagdrechte sowie weitere Nutzungsrechte im semgallischen Verwaltungsgebiet. Die Kommende war damit Mittelpunkt der Verwaltung und Bewirtschaftung der ihr unterstehenden Besitzungen.

Während des 14. Jahrhunderts wurde die Burg baulich erweitert. Zwischen 1328 und 1340 entstanden zusätzliche steinerne Gebäude innerhalb der Burganlage. Zugleich war Mitau wiederholt Ziel litauischer Angriffe. Im Jahr 1345 wurde die Burg während eines Feldzuges des litauischen Großfürsten Algirdas eingenommen und teilweise zerstört. Weitere Verwüstungen folgten 1361 sowie 1376 während eines Feldzuges unter Kęstutis. Trotz dieser Angriffe erscheint die Kommende auch in den folgenden Jahrzehnten weiterhin in den Quellen.

Im 15. Jahrhundert wird die Kommende regelmäßig in Urkunden und Verwaltungsquellen genannt. Zeitweise war mit ihr auch die Verwaltung der Vogtei Bauske verbunden, die gegen Ende des 15. Jahrhunderts als eigenständige Verwaltungseinheit hervortrat. Die Burg blieb Mittelpunkt der Verwaltung des ihr zugeordneten Gebietes.

Die wirtschaftliche Grundlage der Kommende bildete die Verwaltung ihrer Besitzungen und der damit verbundenen Rechte. Hierzu gehörten landwirtschaftlich genutzte Flächen, Wälder sowie die Vergabe und Bestätigung von Besitz- und Nutzungsrechten. Die überlieferten Urkunden zeigen die Kommende beziehungsweise ihre Nachfolgeverwaltung als zuständige Stelle für die Regelung von Grundbesitz, Lehen und Waldnutzung.

Am 24. Februar 1560 bestätigte Ordensmeister Gotthard Kettler die Übertragung mehrerer Güter im Gebiet Mitau, die zuvor durch den livländischen Landmarschall Jasper von Münster verliehen worden waren. Wenige Wochen später, am 5. April 1560, bestätigte und erweiterte Kettler Christian Schröder und dessen Erben ein älteres Holzungsrecht im Gebiet Mitau. Die Urkunde gestattete das Schlagen von Brennholz und bestimmte zugleich, dass der nutzbare Waldbestand erhalten bleiben sollte. Das Recht beruhte auf einer früheren Verleihung durch den Landmarschall Christoph von Neuhof, genannt von der Ley.

Gegen Ende des 15. Jahrhunderts wurde die eigenständige Kommende Mitau mit dem Amt des livländischen Landmarschalls verbunden. Bereits 1492 diente die Burg Mitau als Residenz des Landmarschalls und blieb damit weiterhin Mittelpunkt der Verwaltung des ihr unterstellten Gebietes.

Für das Jahr 1522 ist bei der Siedlung Mitau eine Kirche belegt.

Mit der Auflösung des livländischen Ordensstaates endete auch die Geschichte der Kommende Mitau. Am 28. November 1561 unterwarf sich Gotthard Kettler in Wilna König Sigismund II. August von Polen und Litauen. Am 5. März 1562 legte er in Riga sein Amt als letzter livländischer Ordensmeister nieder. Mit der Säkularisation des Ordensstaates gingen Burg und Gebiet Mitau auf das neu entstandene Herzogtum Kurland und Semgallen über. Die Burg wurde anschließend herzogliche Residenz. Damit endete die Geschichte der Kommende Mitau.

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II         Komture

Johannes (1272)

Johann Lesch (1305-1312)

Johann von Löwenberg (1323)

Burchard von Dreileben (1340-?)

Wilhelm von Sonnenberg (1347)

Hildebrand von Lenthe (1349)

Dietrich von Weilburg (1385-1393)

Cisse von dem Rutenberg (1413-1420)

Dietrich Kra (1420-1422)

Frank von Varssem (1422-1426)

Heinrich Schleier (1436-1439)

Mathias von Boningen (1439)

Hermann von Sevinghausen (1451)

Otto von Hoekulum (1472)

Wessel von Strünkede (1483-1489)

Gerlach von Hövel (1492-1495)

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– Quellen und Literatur –

Bunge, Friedrich Georg von (Hrsg.): Liv-, Esth- und Curländisches Urkundenbuch nebst Regesten. Bd. 1 ff. Reval, Riga, Moskau 1853 ff.

Herder-Institut (Hrsg.): Kurländische Güterurkunden. Digitale Edition der Urkunden zur Geschichte der Güter und Herrschaften Kurlands. Marburg.

Jelgavas valstspilsētas pašvaldība: Jelgavas vēsture [Geschichte der Stadt Jelgava]. Jelgava.

Jelgavas pils: Pils vēsture [Geschichte des Schlosses Jelgava]. Jelgava.

Latvijas Nacionālais vēstures muzejs: Materialien zur Geschichte Semgallens und der Burg Mitau.

Livländische Reimchronik. In: Meyer, Leo (Hrsg.): Livländische Reimchronik. Paderborn 1876.

Schlau, Karl-Otto: Zur Gründungs- und Verfassungsgeschichte der Stadt Mitau (Jelgava) in Kurland (1265–1795). Marburg.

Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz (Hrsg.): Ordensbriefarchiv des Deutschen Ordens. Regesten und Urkunden zur Kommende Mitau.

Universität Hamburg (Hrsg.): Digitales Urkundenbuch des Deutschen Ordens. Hamburg.