Kommende Beauvoir

Ballei Frankreich / Ballei Lothringen

Bistum Troyes

Land: Frankreich

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I           Geschichte

Die Niederlassung Beauvoir entstand im Gebiet von Chaumesnil im Bistum Troyes. Die ältesten erhaltenen Nachrichten über ihren Besitz reichen in das Jahr 1219 zurück. In diesem Jahr schenkte André de Montbard dem Deutschen Orden eine jährliche Rente. 1224 überließ Graf Gautier IV. von Brienne dem Orden die Grangie Bugney bei Brienne-la-Vieille. 1231 folgte eine weitere Schenkung desselben Grafen, die das Hôtel-Dieu von Brienne sowie 300 Arpent Rodungsland im Wald von Chaumesnil umfasste. Auf diesem Rodungsland entwickelte sich die Niederlassung Beauvoir. Bereits im 13. Jahrhundert vergrößerte sich ihr Grundbesitz durch weitere Schenkungen und Erwerbungen.

Die erste sichere urkundliche Erwähnung der Niederlassung stammt aus dem August 1269. Sie erscheint dort als Hospitalis sancte Marie Theutonicorum de Bellovidere. Im folgenden Jahr, im Mai 1270, bestätigte Graf Hugues I. von Brienne den Brüdern den Betrieb einer bei ihrem Haus errichteten Windmühle und befreite sie von den damit verbundenen Bannrechten. Damit ist neben der Niederlassung selbst auch eine ihrer Wirtschaftsanlagen urkundlich nachweisbar.

In den folgenden Jahrzehnten wuchs der Besitz der Niederlassung durch weitere Schenkungen, Käufe und Tauschgeschäfte. Dazu gehörten Ackerland, Wiesen, Rodungsflächen, Zehntrechte, Renten und weitere Nutzungsrechte in Chaumesnil und den umliegenden Orten. 1263 erhielt die Niederlassung von Guillaume von Petit-Mesnil vier Fauchées Wiese. 1299 veräußerte sie einen Anteil am Zehnten von Chaumesnil. Am 24. August 1309 schenkte Jean Sarrazin von Chaumesnil der Niederlassung seinen Gagnage in Chaumesnil sowie zwei Familien von Hörigen. Die erhaltenen Urkunden belegen darüber hinaus zahlreiche weitere Rechtsgeschäfte über Grundstücke, Renten und Nutzungsrechte, durch welche der Besitz fortlaufend verwaltet und verändert wurde.

Beauvoir war zugleich Verwaltungsort für weitere französische Besitzungen des Deutschen Ordens. Von hier aus wurden unter anderem die Rechte des Ordens an der Pfarrei Vaudeville wahrgenommen. 1282 präsentierte der Komtur den Pfarrer von Vaudeville. Die Urkunden der Niederlassung dokumentieren darüber hinaus enge Beziehungen zu den weiteren französischen Besitzungen des Ordens, insbesondere zu Orbec, Vaudeville, Saint-Michel-de-l’Hermitage und Neuvy-en-Beauce.

Im 14. Jahrhundert wurde die Niederlassung Beauvoir mit Orbec vereinigt. Für das Jahr 1390 ist belegt, dass die Zahl der Ordensbrüder nicht mehr ausreichte, um den Gottesdienst in der Kirche ordnungsgemäß zu versehen. Zugleich wird der bauliche Zustand der Kirche als verfallen bezeichnet. 1451 lebte nur ein Priesterbruder in der Kommende.

Am 23. April 1501 veräußerte der Deutsche Orden die Niederlassung Beauvoir mit ihren Besitzungen und den übrigen französischen Ordensgütern für 1.100 rheinische Florin an die Zisterzienserabtei Clairvaux. Mit diesem Verkauf endete die Geschichte Beauvoirs als Niederlassung des Deutschen Ordens. Das Archiv der Niederlassung gelangte ebenfalls an Clairvaux und wurde nach der Französischen Revolution in die Archives départementales de l’Aube überführt. Dort ist es heute als Bestand 3 H 3500–3614 überliefert und umfasst Urkunden aus den Jahren 1219 bis 1530.

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II         Komture

Guillaume / Wilhelm von Mörsberg-Dorsweiler (1282 erwähnt; möglicherweise identisch mit Guillaume de Tongres)

Karl von Trier / Charles Beffart de Trèves (1291 als Komtur von Beauvoir erwähnt; 1301–1311 in der französischen Überlieferung als Komtur geführt)

Gérard de Luxembourg (ohne genaues Datum; Priester)

Louis (ohne genaues Datum; Priester)

Girard (ohne genaues Datum; Priester)

Jacques / Jean de Mayence (1369–1387 für Orbec/Villiers belegt; 1384 im Zusammenhang mit Beauvoir genannt)

Jean de Brandebourg (1394 erwähnt)

Arnoul de Seille / Arnoul de Selle / Arnoul de Saille (1395–1407 erwähnt)

Gérard de Beccange (1413 für Orbec erwähnt; Beauvoir-Zugehörigkeit nicht sicher als eigener Titel belegt)

Jean de Francfort (1438–1442 erwähnt)

Jean de Cologne, genannt Jean de Gemont / Guemont (1451/1452–1481 erwähnt)

Henri de Eltflet / Eltfelt (1488 erwähnt; Komtur von Beauvoir und Orbec)

Nicolas, genannt Sampfer / de Sommevoire (1491 erwähnt; letzter Komtur im Zusammenhang mit der Veräußerung der französischen Besitzungen)

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– Quellen und Literatur –

Arnold, Udo: Die Deutschordenskommenden in Frankreich, in: ders. (Hrsg.): Die geistlichen Ritterorden in Europa, Marburg 1997.

Forstreuter, Kurt: Der Deutsche Orden am Mittelmeer, Bonn 1967.

d’Arbois de Jubainville, Henry: L’Ordre Teutonique en France, in: Bibliothèque de l’École des chartes, Bd. 32, Paris 1871

Krämer, Thomas: L’ordre teutonique dans le Midi. Malchance ou aucune chance ?, in: Les ordres religieux militaires dans le Midi (XIIe–XIVe siècle), Cahiers de Fanjeaux, Bd. 41, Toulouse 2006.

Baudin, Arnaud: Inventaire sigillographique du chartrier de la commanderie teutonique de Beauvoir (Archives départementales de l’Aube, sous-série 3 H 3500–3614). Troyes 2014.

Lalore, Charles (Hrsg.): Cartulaire de l’abbaye de Basse-Fontaine – Chartes de la commanderie de Beauvoir de l’ordre Teutonique (Collection des principaux cartulaires du diocèse de Troyes, 3). Paris, Troyes 1878.

Militzer, Klaus: Von Akkon zur Marienburg. Verfassung, Verwaltung und Sozialstruktur des Deutschen Ordens 1190–1309, Marburg 1999.

Militzer, Klaus: Die Geschichte des Deutschen Ordens, Stuttgart 2005.