Ballei Frankreich

Kommenden

→ Arles     → Beauvoir     → Montpellier     → Orbec      S. Michel’Eremitage     → Vaudeville

I           Geschichte

Die Ballei Frankreich entstand im ersten Drittel des 13. Jahrhunderts aus den Besitzungen des Deutschen Ordens im Königreich Frankreich. Der Zeitpunkt ihrer Errichtung als eigenständige Verwaltungseinheit ist nicht überliefert. Bereits 1225 ist jedoch ein Landkomtur bezeugt, dem die Ordensgüter in der Champagne unterstanden. Er unterstand unmittelbar dem Hochmeister und nicht dem Deutschmeister, wodurch die Ballei innerhalb der Verwaltungsorganisation des Ordens eine besondere Stellung einnahm. Mittelpunkt der Ballei war Beauvoir, das in der französischen Überlieferung als Hauptort des Deutschen Ordens in Frankreich bezeichnet wird. Zu der Ballei gehörten die Kommenden Beauvoir, Orbec, Saint-Michel de l’Hermitage und Vaudeville. Ihre Besitzungen lagen in verschiedenen Teilen des Königreichs und bildeten kein zusammenhängendes Territorium. Die Niederlassungen des Ordens in Arles und Montpellier entwickelten sich unabhängig von der Ballei Frankreich und gehörten nicht zu ihrer Verwaltungsorganisation. Während des gesamten 13. Jahrhunderts blieb der Umfang der Ballei im Wesentlichen unverändert; eine Ausweitung ihres Besitzes oder die Einrichtung weiterer Kommenden lässt sich aus den überlieferten Quellen nicht nachweisen. Die Verwaltung konzentrierte sich auf die bestehenden Besitzkomplexe, deren Leitung vom Landkomtur aus wahrgenommen wurde.

Seit 1295 beziehungsweise 1296 wurde die Ballei Frankreich mit der Ballei Lothringen verbunden und fortan überwiegend durch deren Landkomtur verwaltet. Karl von Trier, der zuvor Komtur von Beauvoir gewesen war und anschließend das Amt des Landkomturs von Lothringen übernahm, vereinigte beide Verwaltungsbereiche in seiner Person und führte in einer französischsprachigen Urkunde die Amtsbezeichnung „grant commandeur de France et de Bourgoigne“. Trotz der gemeinsamen Verwaltung blieb die Ballei Frankreich als eigener Verwaltungsbezirk des Ordens bestehen. Dies zeigt sich unter anderem daran, dass sie in einer Visitationsvollmacht des Hochmeisters Ulrich von Jungingen aus dem Jahr 1409 unter der Bezeichnung „Gallia“ beziehungsweise „Galliam“ ausdrücklich unter den zu visitierenden Ordensgebieten aufgeführt wird.

Auch im 14. und 15. Jahrhundert blieb die Ballei bestehen, verfügte jedoch nur noch über eine geringe Zahl von Ordensangehörigen. Um 1400 lebten in den Kommenden Beauvoir und Orbec zusammen vier Priesterbrüder. Für das Jahr 1451 sind noch jeweils ein Priesterbruder in Beauvoir und Orbec nachweisbar. Weitere Veränderungen der Verwaltungsorganisation oder eine erneute Selbständigkeit der Ballei lassen sich aus den Quellen nicht belegen. Im Jahr 1501 wurden die verbliebenen Besitzungen der Ballei an die Zisterzienserabtei Clairvaux verkauft.

.

II         Landkomture

Johannes de Ressia / Jean de Ressia (1225 erwähnt) – urkundet als „preceptor domus hospitalis Teutonicorum Sancte Marie in regno Francie“

Jean de Biause / Johannes de Biause (1234 erwähnt)

Karl von Trier / Charles Beffart de Trèves (1295/1296–1311 erwähnt) – 1291 Komtur von Beauvoir, 1295 Landkomtur von Frankreich, Lothringen und Burgund; Burgund nur bis 1296. 1296 erscheint er französisch als „frere Charles, grant commandeur de France et de Bourgoigne, des mesons de Biauvoir, de Neuvi et de l’Ermitage“.

.

– Quellen und Literatur –

Arbois de Jubainville, Henri d’: L’Ordre teutonique en France, in: Bibliothèque de l’École des Chartes, Bd. 32, Paris 1871

Biskup, Visitationen im Deutschen Orden im Mittelalter. Teil II, Marburg 2004

Houben, Hubert: L’Ordine Teutonico nel Mediterraneo. Atti del Convegno internazionale di studio, Torre Alemanna (Cerignola), Mesagne, Lecce, 16–18 ottobre 2003, Galatina 2004

Krämer, Thomas: Der Deutsche Orden in Frankreich. Ein Beitrag zur Ordensgeschichte im Königreich Frankreich und im Midi, in: Houben, Hubert (Hg.): L’Ordine Teutonico nel Mediterraneo. Atti del Convegno internazionale di studio, Torre Alemanna (Cerignola), Mesagne, Lecce, 16–18 ottobre 2003, Galatina 2004

Lalore, Charles: Cartulaire de l’abbaye de Basse-Fontaine et Chartes de la commanderie de Beauvoir de l’Ordre Teutonique (= Collection des principaux cartulaires du diocèse de Troyes, Bd. 3, Paris/Troyes 1878

Militzer, Klaus; Biskup, Marian: Die Balleien des Deutschen Ordens in Mitteleuropa, Marburg 2025.

Sarnowsky, Jürgen: Der Deutsche Orden, München 2007.