Kommende Orbec

Ballei Frankreich / Ballei Lothringen

Bistum Lisieux

Land: Grafschaft Nevers

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I           Geschichte

Die Besitzungen des Deutschen Ordens im Nivernais lassen sich bis 1219 zurückverfolgen. In diesem Jahr überließ Eudes de Châtillon dem Orden eine jährliche Rente von zwanzig Livres aus seinen Gütern in Pignolles und Tannay. Diese Besitzungen wurden erweitert und erhielten Orbec als Hauptort[1].

Am 9. März 1251 ist die Kommende selbst urkundlich belegt. Der Priester Reginaldus, Sohn des verstorbenen Robert de Mares, verkaufte dem Meister und den Brüdern des Hauses Orbec für zehn Livres Nivernais sämtliche Rechte, die ihm in der Pfarrei Nolay zustanden. Die Urkunde nennt ausdrücklich Ländereien, Wiesen, Zinsen, Menschen, Zehnten und Wälder sowie weitere Rechte und Güter[2].

Am 20. Februar 1259 erklärte der Schuhmacher Julianus de Primeriaco vor dem Offizial von Nevers, dass er sich wegen des benötigten Schutzes für seine Person und seine Güter freiwillig der „garde et dominio“ des Deutschen Hauses Orbec unterstellt hatte. Dafür schuldete er dem Haus jährlich fünf Solidi der im Nivernais umlaufenden Währung als servicium seu questa. Die Zahlung war jedes Jahr in Orbec am Fest der heiligen Remigius und Germanus zu leisten. Julianus verpflichtete sich zugleich zur Erfüllung dieser Leistung unter der Möglichkeit kirchlicher Zwangsmittel[3].

Am 23. September 1290 erklärte Stephanus, genannt Dedart, aus Orbec, dass bereits seine Vorfahren Leute des Meisters und der Brüder des Deutschen Hospitals gewesen seien. Die Urkunde bezeichnet sie als homines taillabiles et explectabiles alto et basso et de manu mortua. Stephanus erklärte, dass auch er selbst in diesem Rechtsverhältnis zum Haus Orbec stand[4].

Am 31. Mai 1296 verkauften Perreaus li Quequerenz aus Pignolles und seine Frau Ysabeau dite la Rousse dem Komtur und den Brüdern des Hauses Orbec einen jährlichen Zins von einem Bichet Gerste nach dem Maß von Clamecy. Der Zins lag auf einem Grundstück oberhalb der Quelle von Pignolles; als Kaufpreis wurden 24 Sous forts gezahlt. Am selben Tag verkauften Geyns de Pignolles und seine Frau Perenete dem Komtur und den Brüdern einen Weinberg in Champsenaut für 26 Sous forts[5].

Am 29. September 1298 verkauften die Witwe des Arnoul le Maréchal aus Pont-Saint-Didier und ihre Söhne Jean und Guillemin dem Komtur Guillaume de Tongres und den Brüdern des Hauses Orbec sechs Sous jährlichen Zins auf einem Grundstück in Pignolles. Am 20. Dezember 1298 kaufte Guillaume de Tongres, nun als maistre d’Orbé bezeichnet, zusammen mit den Brüdern die Hälfte einer Wiese im Gebiet von Thiot[6].

Am 9. November 1326 tauschte Regnauz, genannt Meenez, aus Pignolles einen Zins im Gebiet von Pignolles, am Champ Baudoyn, mit dem Meister und den Brüdern des Hospitals von Orbec. Am 19. November 1331 übertrugen Thevenin, genannt Legier Huroz, aus Pignolles und seine Frau Jeanne dem Meister und den Brüdern von Orbec eine jährliche Grundrente von zwei Sous auf ihrem Weinberg in Champsenaut[7]. Bis 1331 ist die Residenz von Deutschordensbrüdern in Orbec belegt[8].

Eine Vollmacht vom 24. Oktober 1366 nennt Jacques de Mayence als Komtur des Hauses Orbec. Gemeinsam mit ihm wird Bruder Heinrich als sein consocius genannt. Beide gehörten zu den Bevollmächtigten für die Häuser Beauvoir und Orbec und deren zugehörige Besitzungen. Am 22. April 1369 wird Jacques de Mayence als Prokurator und Komtur der Häuser Orbec und Bot de Villiers bezeichnet[9]. Am 28. Oktober 1378 vergab er an Thevenin Rosseau aus Orbec ein Haus in Orbec mit seinen Zugehörungen. Dafür waren jährlich zehn Deniers tournois und ein Huhn zu leisten[10]. Jacques de Mayence ist seit dem 24. Mai 1376 zugleich als Komtur von Beauvoir belegt und führte Orbec und Beauvoir gleichzeitig[11].

Für die Zeit um 1400 ist in Orbec ein Ritterbruder und kein Priesterbruder verzeichnet. Für die Zeit um 1451 ist kein Ritterbruder, aber ein Priesterbruder verzeichnet. In beiden Aufstellungen ist für Orbec jeweils nur ein Ordensbruder angegeben[12].

Am 30. Oktober 1407 bezeichnete sich Arnoul de Saille als Hospitalier, Meister und Komtur der Häuser Beauvoir, Orbec und Pignolles. Er überließ Robert Griffart, dessen Frau Agnès sowie Jean und Guiot Griffart im dauerhaften Bourdelage mehrere ehemalige Häuser in Pignolles, wofür jährlich fünf Sous tournois und eine Quarte Hafer zu zahlen waren[13].

Am 8. April 1442 verpachtete Komtur Jean de Francfort, in der Urkunde als Hospitalier und Meister von Orbec bezeichnet, an Jean Clerc und Jean Bruet sein hostel et maison in Orbec für zehn Livres jährlich. Die dem Haus zustehenden Renten und Bourdelage-Abgaben waren ausdrücklich von der Verpachtung ausgenommen und blieben dem Meister vorbehalten.

Am 1. Juni 1451 erklärte Jean de Gemont, Konventuale der Kommende Trier, dass ihm der Landkomtur von Lothringen die Leitung der Häuser Beauvoir und Orbec und ihrer Zugehörungen als Komtur und Rektor übertragen habe. Er verpflichtete sich, die Häuser, ihre Güter, Renten, Zinsen und sonstigen Rechte weder zu verpfänden noch zu verkaufen oder anderweitig zu belasten[14]. In einer Urkunde vom 4. Dezember 1452 bezeichnete er sich als Komtur von Beauvoir, Orbec und Pont-Saint-Didier und führte dabei eine jährliche Rente von acht Livres aus Tannay an, die bereits von Jean de Francfort und einem früheren Komtur Arnoul bezogen worden war. Am 23. Dezember 1452 erschien er in einem Verfahren über das Temporalvermögen der Kommende.

Am 12. Dezember 1454 wird Jean de Gemont als Meister und Komtur von Orbec und Saint-Didier bezeichnet. Jacques Benoist, genannt Le Lorrain, war sein métayer und wohnte in Pignolles in der mectoirie de la dicte commanderie. Für das Recht, für den Haushalt dieses Meierhofs den Bannofen von Lys zu benutzen, waren drei Boisseaux Weizen zu zahlen. Zwei Tage später, am 14. Dezember 1454, vergab Jean de Gemont als Komtur von Beauvoir sowie der Häuser Orbec und Pont-Saint-Didier ein Haus mit Zugehörungen in Pignolles in der Pfarrei Tannay im Bourdelage[15].

Am 6. November 1476 vergab Jean de Gemont als Komtur und als Bevollmächtigter der Ballei Lothringen Teile der Anlage von Orbec im Bourdelage. Genannt werden drei Hauskomplexe und eine Scheune innerhalb der circuité de la commanderie d’Orbey sowie ein Teich und eine daran angrenzende Mühle in unmittelbarer Nähe dieser Gebäude[16].

Am 15. Oktober 1493 vergab Komtur Nicolas de Sommevoire drei Hauskomplexe und eine Scheune innerhalb der Kommende Orbec sowie einen Teich und eine daran angrenzende Mühle im Bourdelage. Die Gebäude werden ausdrücklich als Häuser und Scheune der Kommende Orbec bezeichnet. Der Vertrag bestimmte außerdem, dass der Pächter dem Komtur bei dessen Aufenthalt in Orbec zur Einziehung seiner Abgaben eine angemessen ausgestattete Kammer bereitstellen und auch dessen Diener und Pferd unterbringen musste. Die erforderliche Verpflegung war auf Kosten des Komturs bereitzustellen[17].

Am 23. April 1501 wurde der französische Besitz des Deutschen Ordens an die Zisterzienserabtei Clairvaux verkauft. Orbec wird dabei als ungefähr fünfzig Lieues von Beauvoir entfernt bezeichnet; die Besitzungen von Pont-Saint-Didier lagen ungefähr dreißig Lieues von Beauvoir entfernt. Als Grund für die Veräußerung werden die großen Entfernungen zwischen den Besitzungen, die daraus entstehenden hohen Verwaltungskosten und die geringen Einkünfte genannt[18].

Der Verkauf umfasste Beauvoir und dessen Zugehörungen und damit die französischen Besitzungen des Deutschen Ordens einschließlich Orbec. Der Kaufpreis betrug 1.100 Rheinische Gulden[19].

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II         Komture

Guillaume de Tongres (1298 erwähnt) [20]

Jacques de Mayence (1366–1378 erwähnt) [21]

Arnoul de Saille (1407 erwähnt)

Gérard de Beccange (1413 erwähnt) [22]

Jean de Francfort (1438–1442 belegt)

Jean de Gemont (1451 sowie 1452–1454 und 1476 erwähnt)

Nicolas de Soye (1451 erwähnt) [23]

Henri de Eltfelt (1488 zum Komtur bestellt) [24]

Nicolas de Sommevoire, auch Sampfer, Somphère, Somphere (1491–1493 belegt) [25]

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[1] Charles Lalore, Collection des principaux cartulaires du diocèse de Troyes, Tome III: Cartulaire de l’abbaye de Basse-Fontaine. Chartes de Beauvoir, Paris 1878, S. 40–41

[2] Charles Lalore, Collection des principaux cartulaires du diocèse de Troyes, Tome III: Cartulaire de l’abbaye de Basse-Fontaine. Chartes de Beauvoir, Paris 1878, S. 217–218

[3] Charles Lalore, Collection des principaux cartulaires du diocèse de Troyes, Tome III: Cartulaire de l’abbaye de Basse-Fontaine. Chartes de Beauvoir, Paris 1878, S. 221–222

[4] Charles Lalore, Collection des principaux cartulaires du diocèse de Troyes, Tome III: Cartulaire de l’abbaye de Basse-Fontaine. Chartes de Beauvoir, Paris 1878, S. 234–235

[5] Charles Lalore, Collection des principaux cartulaires du diocèse de Troyes, Tome III: Cartulaire de l’abbaye de Basse-Fontaine. Chartes de Beauvoir, Paris 1878, S. 239

[6] Charles Lalore, Collection des principaux cartulaires du diocèse de Troyes, Tome III: Cartulaire de l’abbaye de Basse-Fontaine. Chartes de Beauvoir, Paris 1878, S. 243

[7] Charles Lalore, Collection des principaux cartulaires du diocèse de Troyes, Tome III: Cartulaire de l’abbaye de Basse-Fontaine. Chartes de Beauvoir, Paris 1878, S. 269-270

[8] Charles Lalore, Collection des principaux cartulaires du diocèse de Troyes, Tome III: Cartulaire de l’abbaye de Basse-Fontaine. Chartes de Beauvoir, Paris 1878, S. 41

[9] Charles Lalore, Collection des principaux cartulaires du diocèse de Troyes, Tome III: Cartulaire de l’abbaye de Basse-Fontaine. Chartes de Beauvoir, Paris 1878, S. 287

[10] Charles Lalore, Collection des principaux cartulaires du diocèse de Troyes, Tome III: Cartulaire de l’abbaye de Basse-Fontaine. Chartes de Beauvoir, Paris 1878, S. 290

[11] Charles Lalore, Collection des principaux cartulaires du diocèse de Troyes, Tome III: Cartulaire de l’abbaye de Basse-Fontaine. Chartes de Beauvoir, Paris 1878, S. 44

[12] Friedrich Benninghoven, Zur Zahl und Standortverteilung der Brüder des Deutschen Ordens in den Balleien um 1400, in: Preußenland 26 (1988), S. 15

[13] Charles Lalore, Collection des principaux cartulaires du diocèse de Troyes, Tome III: Cartulaire de l’abbaye de Basse-Fontaine. Chartes de Beauvoir, Paris 1878, S. 294

[14] Charles Lalore, Collection des principaux cartulaires du diocèse de Troyes, Tome III: Cartulaire de l’abbaye de Basse-Fontaine. Chartes de Beauvoir, Paris 1878, S. 297-298

[15] Charles Lalore, Collection des principaux cartulaires du diocèse de Troyes, Tome III: Cartulaire de l’abbaye de Basse-Fontaine. Chartes de Beauvoir, Paris 1878, S. 300-303

[16] Charles Lalore, Collection des principaux cartulaires du diocèse de Troyes, Tome III: Cartulaire de l’abbaye de Basse-Fontaine. Chartes de Beauvoir, Paris 1878, S. 308

[17] Charles Lalore, Collection des principaux cartulaires du diocèse de Troyes, Tome III: Cartulaire de l’abbaye de Basse-Fontaine. Chartes de Beauvoir, Paris 1878, S. 319

[18] Charles Lalore, Collection des principaux cartulaires du diocèse de Troyes, Tome III: Cartulaire de l’abbaye de Basse-Fontaine. Chartes de Beauvoir, Paris 1878, S. 50

[19] Charles Lalore, Collection des principaux cartulaires du diocèse de Troyes, Tome III: Cartulaire de l’abbaye de Basse-Fontaine. Chartes de Beauvoir, Paris 1878, S. 320-322

[20] Charles Lalore, Collection des principaux cartulaires du diocèse de Troyes, Tome III: Cartulaire de l’abbaye de Basse-Fontaine. Chartes de Beauvoir, Paris 1878, S. 243

[21] Charles Lalore, Collection des principaux cartulaires du diocèse de Troyes, Tome III: Cartulaire de l’abbaye de Basse-Fontaine. Chartes de Beauvoir, Paris 1878, S. 287

[22] Charles Lalore, Collection des principaux cartulaires du diocèse de Troyes, Tome III: Cartulaire de l’abbaye de Basse-Fontaine. Chartes de Beauvoir, Paris 1878, S. 294-295

[23] Charles Lalore, Collection des principaux cartulaires du diocèse de Troyes, Tome III: Cartulaire de l’abbaye de Basse-Fontaine. Chartes de Beauvoir, Paris 1878, S. 297-298

[24] Charles Lalore, Collection des principaux cartulaires du diocèse de Troyes, Tome III: Cartulaire de l’abbaye de Basse-Fontaine. Chartes de Beauvoir, Paris 1878, S. XLIV

[25] Charles Lalore, Collection des principaux cartulaires du diocèse de Troyes, Tome III: Cartulaire de l’abbaye de Basse-Fontaine. Chartes de Beauvoir, Paris 1878, S. 319