Kommende Blumenthal

Ballei Franken

Bistum Augsburg

Land: Bayern

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I. Geschichte

Die Deutschordenskommende Blumenthal entstand aus der Kommende Aichach, deren Anfänge auf eine Schenkung Herzog Ludwigs I. von Bayern an den Deutschen Orden im Jahr 1210 zurückgehen. Zu den damals übertragenen Rechten gehörte das Patronat der Pfarrkirche von Aichach. Die Niederlassung in Aichach bildete den Ausgangspunkt der späteren Kommende Blumenthal.

Wie der Deutsche Orden zu seinen ersten Besitzungen im Raum Blumenthal gelangte, ist nicht vollständig überliefert. Nach der Ordensüberlieferung spielte Berthold von Schiltberg, Hausmarschall der Wittelsbacher, dabei eine wichtige Rolle. Ihm werden umfangreiche Schenkungen an den Orden zugeschrieben. Vermutlich um 1254 gelangte die Hofmark Blumenthal an den Deutschen Orden. In dieser Zeit begann sich der Schwerpunkt des Ordensbesitzes allmählich vom ursprünglichen Sitz in Aichach in das Ecknachtal südlich der Stadt zu verlagern. Um 1250 ist erstmals ein Komtur in Aichach nachweisbar.

Die erste urkundliche Erwähnung des Ordenshauses in Blumenthal stammt aus dem Jahr 1296. Im selben Jahr verlieh Herzog Rudolf I. dem Deutschen Orden die niedere Gerichtsbarkeit über seine Besitzungen in Aichach und Blumenthal. Dadurch erhielt die Niederlassung eine wichtige Grundlage für den Ausbau ihrer Herrschaftsrechte.

Im 14. Jahrhundert erscheinen die Häuser Aichach und Blumenthal häufig gemeinsam als Kommende Aichach-Blumenthal. Diese Bezeichnung spiegelt die Entwicklung wider, in deren Verlauf sich der Schwerpunkt der Niederlassung zunehmend nach Blumenthal verlagerte. 1384 wurde das Ordenshaus in Aichach verkauft. Seitdem befand sich der Sitz der Kommende dauerhaft in Blumenthal. Die Rechte an der Pfarrkirche von Aichach verblieben jedoch weiterhin beim Deutschen Orden.

1405 erhielt Blumenthal von Herzog Stephan III. von Bayern-Ingolstadt das Schankrecht. Dieses Recht bildete eine wichtige Grundlage für die spätere wirtschaftliche Entwicklung der Kommende. In den folgenden Jahrhunderten vergrößerte sie ihren Besitz durch Schenkungen, Käufe und Tauschgeschäfte. Nach den Quellen verfügte die Kommende schließlich über Güter, Rechte und Patronate an insgesamt siebzehn Orten.

Zu den kirchlichen Rechten der Kommende gehörten zahlreiche Patronate über Pfarreien, Kaplaneien und Benefizien. Bis 1700 wurden die Inhaber dieser Stellen durch den Komtur von Blumenthal präsentiert, anschließend durch den Landkomtur der Ballei Franken und seit 1789 durch den Hochmeister.

Zum Patronatsbereich der Kommende gehörte die Pfarrkirche St. Maria Himmelfahrt in Aichach mit ihren Filialkirchen Ober- und Unterschneitbach, Walchshofen und Algertshausen. In Aichach besaß der Deutsche Orden das Nominationsrecht, während das Präsentationsrecht beim Bürgermeister der Stadt lag. Darüber hinaus verfügte die Kommende über die Benefizien St. Georg, St. Laurentius, Allerseelen und St. Margareten.

Weiter unterstanden der Kommende die Pfarrei St. Maria Geburt in Klingen, deren Pfarrer zugleich als Kommendenkaplan tätig war, die Pfarrei St. Stephan in Gallenbach, die seit 1414 in Personalunion mit der Pfarrei Neul verbunden war, die Pfarreien Neul und Schiltberg, die Kaplanei Oberwittelsbach, die Pfarrei St. Mariä Heimsuchung in Echsheim, die bis 1466 Filiale von Holzheim gewesen war, die Pfarrei Kreuzauffindung in Gundelsdorf, die Kirche St. Margareta in Unterbaar als Kaplanei von Holzheim, die Pfarrei Oberbernbach sowie die Pfarrei St. Vitus in Oberwittelsbach, die bis 1472 Kaplanei der Pfarrei Aichach gewesen war. Hinzu kam die Wallfahrtskirche Maria Birnbaum. Dort wirkten ein Kaplan und ein Benefiziat. Da kein eigenes Benefizium gestiftet worden war, bestritten beide ihren Unterhalt aus den Einkünften der Wallfahrt sowie einem Deputat der Kommende Blumenthal.

Zum Herrschaftsgebiet gehörten mehrere Hofmarken. Bereits 1464 sind Oberbernbach und Klingen nachweisbar. 1611 wurde die Hofmark Sielenbach erworben. 1720 kamen die Hofmarken Unterschneitbach und Haunswies hinzu. Die einzelnen Besitzungen wurden 1752 zur Ordenshofmark Blumenthal zusammengefasst. Außerdem gehörte die Hofmark Weil bei Landsberg am Lech zur Kommende. Für sie bestand seit dem 17. Jahrhundert ein eigenes Kastenamt.

Im 16. und 17. Jahrhundert erhielt die Kommende weitgehend ihre heutige bauliche Gestalt. Zwischen 1568 und 1622 entstand an Stelle älterer Gebäude eine große vierflügelige Renaissance-Schlossanlage mit Wassergraben, Innenhof und vorgelagertem Wirtschaftshof. Der Neubau ersetzte die ältere Anlage und machte Blumenthal zum dauerhaften Verwaltungs- und Herrschaftszentrum des Deutschen Ordens in diesem Gebiet.

Um 1582 wurde die Schlossbrauerei errichtet. Sie stand in Zusammenhang mit dem bereits 1405 verliehenen Schankrecht. Die Brauerei gehörte ebenso zur Wirtschaftsstruktur der Kommende wie die Landwirtschaft, die Wirtschaftsgebäude und die Gastwirtschaft.

Unter Komtur Caspar von Flachslanden entstand 1608 die Kapelle St. Georg und St. Elisabeth auf dem Kellerberg nordöstlich des Schlosses. Die Kapelle gehört zu den erhaltenen Bauwerken, die unmittelbar auf die Bautätigkeit der Kommende zurückgehen.

1620 erwarb die Kommende das Gelände des späteren Wallfahrtsortes Maria Birnbaum bei Sielenbach. Nachdem sich dort um ein Marienbild eine Wallfahrt entwickelt hatte, ließ Komtur Philipp Jakob von Kaltenthal ab 1661 eine Wallfahrtskirche errichten. Der Bau wurde zu einem erheblichen Teil aus seinem Privatvermögen finanziert. Die Kirche wurde 1668 geweiht. Maria Birnbaum blieb bis zur Säkularisation eng mit der Kommende verbunden und wurde von Geistlichen des Deutschen Ordens betreut. Philipp Jakob von Kaltenthal starb 1669 in Blumenthal und wurde in der von ihm gestifteten Wallfahrtskirche beigesetzt.

Um die Mitte des 17. Jahrhunderts entstanden die beiden Schlosstürme der Kommende, die das Erscheinungsbild der Anlage bis heute prägen. Der Ostturm diente zeitweise auch als Gefängnis.

Eine weitere bedeutende Bauphase erfolgte unter Komtur Johann Franz Ernst von Weichs. Zwischen 1719 und 1721 wurde die Schlosskirche St. Maria barock umgestaltet. Über dem Portal und am Chorbogen befindet sich bis heute das Wappen des Komturs. Die Stuckausstattung entstand um 1720. Die Deckenfresken schuf der Münchner Maler Melchior Steidl. Zu den Darstellungen gehören musizierende Engel, die heilige Cäcilia, alttestamentliche Szenen sowie der Kampf des Erzengels Michael gegen Luzifer.

Der Hochaltar stammt aus dem frühen 18. Jahrhundert. Die heutige Kanzel wurde um 1770/80 geschaffen. In der Kirche befinden sich außerdem zahlreiche Grabsteine von Komturen der Kommende aus dem 15. bis 18. Jahrhundert. Die Schlosskirche gehört damit zu den wichtigsten erhaltenen Zeugnissen der Geschichte der Kommende.

Zeitgleich mit der Umgestaltung der Kirche wurden das Verwalterhaus, die Brauerei und die Gastwirtschaft neu errichtet. Um 1750 entstanden außerdem das Fischerhäusl mit Schmiede sowie das Jägerhaus. Die Anlage umfasste damit nicht nur den eigentlichen Ordenssitz, sondern auch die wichtigsten Einrichtungen einer grundherrlichen Verwaltung und Wirtschaft.

Seit dem 16. Jahrhundert vertrat der Komtur von Blumenthal gegenüber der bayerischen Landesherrschaft auch die Interessen der Kommenden Regensburg und Gangkofen.

Der Dreißigjährige Krieg führte in den Besitzungen der Kommende zu Bevölkerungsverlusten und wirtschaftlichen Schäden. Im späteren 17. Jahrhundert erholten sich die Hofmarken und Besitzungen wieder. Aus dieser Zeit stammt die bekannte Darstellung Michael Wenings, die Schloss und Deutschordenshaus Blumenthal um 1700 zeigt.

Im Zuge der Reformen des Deutschen Ordens in den Jahren 1782 sowie 1788/89 wurde die bisherige Verwaltungsorganisation neu geordnet. Blumenthal wurde nun als Amt geführt. Die Hofmark Weil wurde organisatorisch von Blumenthal getrennt.

Mit den politischen Veränderungen der napoleonischen Zeit endete die Geschichte der Kommende. Nach dem Frieden von Pressburg 1805 wurden die Besitzungen des Deutschen Ordens in Bayern vom bayerischen Staat übernommen. Die Güter der Kommende Blumenthal wurden sequestriert. Bereits 1806 gelangte Blumenthal im Tausch an die Grafen von Fugger zu Dietenheim.

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II. Komture

Heinrich Willbrand von Parkenstein (erw. 1339)

Wilhelm von Seckendorff (erw. 1397)

Beringer von Aichelsheim (erw. 1423)

Hartung von Egloffstein (erw. 1449)

Alexius von Diemar zu Wiesenfeld (1539-1540)

Johann von Ehingen (erw. 1544)

Philipp von Mauchenheim gen. Bechtolsheim (1580-1593)

Gebhard von Nenningen (1622)

Ulrich von Wolkenstein (1631-1635)

Jakob von Kaltenthal (erw. 1669)

Philipp Heinrich von Andlau (1685-1687)

Friedrich von der Asseburg (erw. 1686)

Franz Claudius von Reinach (1697-1707)

Johann Franz Ernst von Weichs (erw. 1722)

Franz Johann von Bibra (1736-1737)

Karl Friedrich von Eltz-Rodenstein (1739-1743)

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– Literatur und Quellen –

Marian Biskup, Visitationen im Deutschen Orden im Mittelalter. Teil I, Marburg 2002

Jörg Seiler, Der Deutsche Orden in Frankfurt, Marburg 2003

Franz J. Seiler: Die Deutschordenshofmark Weil in der Kommende Blumenthal, Landsberg am Lech 1989

Helmut Rischert, Der Deutsche Orden im Wittelsbacher Land. Die Kommende Blumenthal., Aichach 2010

Rudolf Wagner: Pfarrei und Deutschordenhaus Aichach, Aichach 1985

Alois Schmid: „Deutscher Orden: Territorium und Verwaltung“, in: Historisches Lexikon Bayerns, München 2010

Staatsarchiv Ludwigsburg, JL 425 Bd. 25

Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege: Denkmalliste bzw. Denkmalbeschreibung zur Schlosskirche St. Maria in Blumenthal.