Ballei Franken

Kommenden

→ Aichach → Münnerstadt
→ Archshofen → Neubrunn
→ Blumenthal → Nürnberg
→ Donauwörth → Oettingen
→ Ellingen → Prozelten
→ Eschenbach → Regensburg
→ Gangkofen → Rothenburg
→ Giengen → Sachsenhausen
→ Heilbronn → Schweinfurt
→ Horneck → Speyer
→ Hüttenheim → Stocksberg
→ Kapfenburg → Ulm
→ Kloppenheim → Weinheim
→ Lauterbach → Weißenburg
→ Mainz → Winnenden
→ Mergentheim → Würzburg
→ Messingen

→ Virnsberg
 

I           Geschichte

Die Ballei Franken bildete sich im 13. Jahrhundert im Zuge der territorialen Gliederung der im Reich gelegenen Besitzungen des Deutschen Ordens heraus. Für die Mitte des 13. Jahrhunderts ist ihre Provinzialgliederung belegt. Der spätere Sitz der Ballei befand sich in Ellingen[1].

Im ausgehenden 13. und frühen 14. Jahrhundert veränderte sich der Besitzbestand durch die Zusammenlegung von Ordenshäusern, Gütertausch, Abtausch mit anderen Grundherren und weitere Erwerbungen. Damit ging eine Konzentration der Verwaltung und der Grundherrschaftskomplexe einher. Zu den Herrschaftsrechten gehörten in einzelnen Besitzungen Markt- und Stadtrechte sowie Gerichtsrechte.

Seit etwa 1300 setzte eine Agrardepression ein, die sich mit den seit 1343 auftretenden Pestwellen verschärfte. Für die Grundherrschaften sind Einkommenseinbußen und verminderte Abgaben überliefert. Der Bevölkerungsrückgang betraf zugleich die Zahl der Ordensmitglieder und die personelle Besetzung einzelner Niederlassungen[2].

Die Ballei Franken umfasste einen weiträumigen und nicht geschlossenen Besitzverband. Zu ihr gehörten Ellingen, Aichach, Donauwörth, Gangkofen, Giengen, Heilbronn, Kapfenburg, Münnerstadt, Nürnberg, Obermässing, Oettingen, Regensburg, Rothenburg, Schweinfurt, Ulm, Virnsberg, Winnenden und Würzburg[3]. Die einzelnen Besitzkomplexe lagen zwischen den Territorien anderer geistlicher und weltlicher Herrschaften.

Ellingen entwickelte sich im 13. Jahrhundert zu einem Hauptort der Ballei. Für 1268 ist dort mit Gerhard von Hirschberg ein Komtur bezeugt; in der Folge entwickelte sich Ellingen zur Landkomturei der Ballei Franken. Der zur Landkommende gehörende Besitz bestand sowohl aus zusammenhängenden Herrschaftsgebieten als auch aus Streubesitz[4]. Um 1525 umfasste die Landesherrschaft etwa 10 Quadratmeilen, in welchen etwa 32.000 Menschen lebten[5]. Am Ende des 18. Jahrhunderts umfasste allein die Kommende Ellingen knapp 60 Quadratkilometer mit 25 Gemeinden. In weiter entfernt liegenden Besitzungen wurden Vögte, Richter oder Kastner eingesetzt[6].

Die Besitzentwicklung verlief innerhalb der Ballei regional unterschiedlich. Güter konnten durch Schenkung, Stiftung, Kauf und Tausch hinzukommen, zusammengelegt oder anderen Kommenden zugeordnet werden. Neben unmittelbar bewirtschaftetem Land bestand ein erheblicher Teil des Besitzes aus verliehenen Gütern, für die Abgaben und Dienstleistungen zu leisten waren. Zum wirtschaftlichen Bestand gehörten Äcker, Wiesen, Weinberge, Waldungen, Höfe, Mühlen und weitere Nutzungsrechte.

Die Einkünfte bestanden aus Pacht- und Zinseinnahmen, Naturalabgaben, Zehnten sowie Erträgen aus Lehens- und Nutzungsrechten. Für die westlichen Besitzungen der Ballei sind Naturalabgaben, Zinsen und Zehnten ausdrücklich als wesentliche Einkünfte belegt. Die wirtschaftlichen Rechte waren häufig mit grundherrlichen und gerichtlichen Befugnissen verbunden. Gegenüber benachbarten Landesherren kam es wiederholt zu Auseinandersetzungen über Abgaben, Steuer- und Lastenfreiheit, Dienste und Jurisdiktionsrechte[7].

Seit dem 15. Jahrhundert veränderte sich die personelle Zusammensetzung der Ballei. Um 1400 waren fast 40% der Balleimitglieder Priesterbrüder[8]. Dies bestätigt auch die Visitation von 1410/11, welche für die Ballei Franken von 200 Ordensmitgliedern spricht, von denen 79 Priesterbrüder und zwei Laienbrüder waren[9]. 1513 lebten in ihr 140 Ordenspriester, von denen sich 99 in 26 Kommenden und 41 in Pfarreien aufhielten[10].

Die Verwaltung der Besitzungen blieb zugleich auf die Erfassung der grundherrlichen Rechte und Einkünfte angewiesen. Für den Bereich der Landkommende Ellingen ist ein Salbuch von 1536 überliefert, in dem Häuser, Äcker, Wiesen, Wälder und die dafür zu entrichtenden Lehensabgaben verzeichnet wurden. Das Salbuch wurde mit Nachträgen bis gegen Ende des 18. Jahrhunderts fortgeführt[11].

Während des Dreißigjährigen Krieges wurden auch Besitzungen der Ballei schwer getroffen. In Ellingen wurde die Residenz eingenommen und gebrandschatzt. 1635 wurde die Herrschaft des Deutschen Ordens dort wiederhergestellt. 1651 erwarb die Landkommende die Herrschaft Absberg[12].

Im 17. und 18. Jahrhundert bestanden innerhalb der Herrschaftsgebiete weiterhin Grundbesitz, Lehens- und Pachtverhältnisse, Zins- und Naturalabgaben sowie Wald- und Nutzungsrechte. Gerade die Waldwirtschaft war Gegenstand länger dauernder Auseinandersetzungen. Im Gebiet der Landkommende Ellingen sind seit 1710 Streitigkeiten über die Holznutzung in Ordenswaldungen belegt; die Landkommende regelte die Holzzuteilungen und betrieb eine verstärkte Bewirtschaftung ihrer Wälder[13].

Gleichzeitig wurde die laufende Verwaltung einzelner Besitzungen zunehmend besoldeten weltlichen Amtsträgern übertragen. In Münnerstadt wurde die Kommende seit der Mitte des 18. Jahrhunderts von Amtsverwesern verwaltet; die nachfolgenden Komture bezogen weiterhin Einkünfte aus der Kommende, waren aber nicht mehr mit ihrer laufenden Verwaltung befasst[14].

1789 wurde Münnerstadt im Zuge einer ordensinternen Verwaltungsänderung aus der Ballei Franken herausgenommen und dem unmittelbar verwalteten Meistertum zugeordnet[15]. Im selben Jahr endete auch Ellingens Funktion als Sitz des Landkomturs[16].

1796 besetzte Brandenburg-Ansbach Ellingen militärisch. Die ansbachische Seite beanspruchte dort die Landesherrschaft und erkannte dem Deutschen Orden nur noch die Stellung eines Großgrundbesitzers und die niedere Gerichtsbarkeit zu. Außerhalb des besetzten Ellinger Gebietes bestanden einzelne Herrschaftsrechte zunächst weiter[17].

Der Reichsdeputationshauptschluss von 1803 führte noch nicht zur allgemeinen Aufhebung des Deutschen Ordens. Nach dem Krieg von 1805 begannen Baden, Bayern und Württemberg jedoch mit der Besetzung von Ordensbesitzungen; die bereits besetzten Gebiete verblieben bei diesen Staaten[18]. Damit gingen einzelne zur bisherigen Ballei gehörende Besitz- und Herrschaftskomplexe schrittweise in staatliche Verwaltung über.

Weitere Besitzungen folgten in den nächsten Jahren. 1808 ließ Bayern auch Röttenbach und damit weitere zur Ellinger Herrschaft gehörende Gebiete besetzen[19]. Die bisherigen grundherrlichen und hoheitlichen Rechte des Ordens wurden dort von den neuen staatlichen Behörden übernommen.

1809 wurde der Deutsche Orden in den Staaten des Rheinbundes durch napoleonisches Dekret aufgehoben. Seine dort noch bestehenden Besitzungen und Herrschaftsrechte fielen an die jeweiligen Territorialstaaten[20].

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II         Landkomture[21]

Gerhard von Hirschberg (1268–1268)
Volmar von Bernhausen (1268–1272)
Heinrich von Mässing (1273–1280)
Ulrich von Schauenstein (1281–1281)
Konrad von Feuchtwangen (1282–1283)
Konrad von Babenberg (1288–1289)
Gottfried von Hohenlohe (1290–1294)
Marquard von Mässing (1296–1297)
Hermann Lesch (1298–1300)
Eberhard von Sulzberg (1301–1302)
Ulrich (1302–1302)
Konrad von Gundelfingen (1306–1306)
Degenhart (1311–1311)
Konrad von Gundelfingen (1311–1324)
Heinrich von Zipplingen (1329–1332)
Seifried von Mindenberg (1335–1336)
Herbrand von Schmähing(en) (1336–1339)
Friedrich von Urbach (1339–1340)
Otto von Heideck (1340–1344)
Berthold Burggraf von Nürnberg (1345–1349)
Poppo Graf von Henneberg (1349–1350)
Albrecht von Paulsdorf (1351–1351)
Heinrich von Gundelsheim (1352–1352), Pfleger
Mangold von Brandis (1354–1355)
Gottfried Graf von Hanau (1356–1357)
Philipp von Bickenbach (1358–1361)
Marquard Zöllner von Rotenstein (1360–1364), Pfleger
Konrad von Aschhausen (1369–1371), Pfleger
Friedrich von Egloffstein (1371–1376), Pfleger
Konrad Rüdt von Collenberg (1377–1378)
Wiprecht Rüdt von Collenberg (1379–1382), Pfleger
Friedrich von Egloffstein (1383–1384), Pfleger
Friedrich von Egloffstein (1385–1392)
Dietrich von Venningen (1392–1394)
Konrad von Egloffstein (1394–1396)
Wolfram von Egloffstein (1397–1406)
Ludwig Graf von Wertheim (1407–1419)
Franz von Wildenstein (1419–1421), Statthalter
Johann von Gumppenberg (1423–1424), Statthalter
Arnold von Hirschberg (1426–1428), Pfleger
Arnold von Hirschberg (1431–1446)
Simon von Leonrod (1446–1447), Pfleger
Ulrich von Lentersheim (1448–1455)
Hartung von Egloffstein (1455–1456), Statthalter
Hartung von Egloffstein (1462–1462)
Melchior von Neuneck (1463–1463), Statthalter
Melchior von Neuneck (1464–1491)
Wolfgang von Eisenhofen (1492–1492), Statthalter
Wolfgang von Eisenhofen (1500–1527)
Wilhelm von Neuhausen (1527–1538), Statthalter
Eberhard von Ehingen (1538–1543), Statthalter
Eberhard von Ehingen (1543–1555)
Wilhelm Lochinger (1548–1555), Statthalter
Wilhelm Lochinger (1555–1557)
Heinrich von Bobenhausen (1557–1558), Statthalter
Heinrich von Bobenhausen (1558–1565)
Georg Hundt von Wenkheim (1565–1566), Statthalter
Volprecht von Schwalbach (1566–1569), Statthalter
Volprecht von Schwalbach (1569–1601)
Johann Konrad Schutzbar gen. Milchling (1603–1606), Statthalter
Johann Konrad Schutzbar gen. Milchling (1606–1617)
Johann Eustach von Westernach (1618–1624)
Karl Frhr. von Wolkenstein (1625–1626), Statthalter
Gebhard von Nenningen (1626–1627), Statthalter
Gebhard von Nenningen (1627–1633)
Georg Wilhelm von Elckershausen (1634–1638), Statthalter
Georg Wilhelm von Elckershausen (1638–1655)
Johann Konrad Lichtenstein (1655–1655), Statthalter
Johann Konrad Lichtenstein (1655–1657)
Johann Adolf Lösch zu Hilckershausen (1657–1658), Statthalter
Johann Adolf Lösch zu Hilckershausen (1658–1663)
Philipp Frhr. von Gravenegg (1663–1664), Statthalter
Philipp Frhr. von Gravenegg (1664–1668)
Johann Ludwig von Roggenbach (1668–1669), Statthalter
Johann Ludwig von Roggenbach (1669–1682)
Wilhelm von Zocha (1682–1682), Statthalter
Wilhelm von Zocha (1682–1690)
Adam Max Frhr. von Au (1690–1691), Statthalter
Adam Max Frhr. von Au (1691–1702)
Philipp Benedikt Forstmeister von Gelnhausen (1702–1716), Statthalter
Karl Heinrich von Hornstein (1718–1718), Statthalter
Karl Heinrich von Hornstein (1718–1743)
Franz Siegmund Friedrich Graf von Satzenhofen (1743–1744), Statthalter
Franz Siegmund Friedrich Graf von Satzenhofen (1744–1744)
Friedrich Karl von Eyb (1748–1749), Statthalter
Friedrich Karl von Eyb (1749–1764)
Franz Sigmund von Lehrbach (1765–1787)

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[1] Oskar Geidner, Die Deutschordens-Kommende Eschenbach, in: Frankenland. Zeitschrift für fränkische Landeskunde und Kulturpflege 42 (1990), Heft 9, S. 334

[2] Oskar Geidner, Die Deutschordens-Kommende Eschenbach, in: Frankenland. Zeitschrift für fränkische Landeskunde und Kulturpflege 42 (1990), Heft 9, S. 337-338

[3] Johann Schrenk, Röttenbach in der Deutschordenszeit 1335–1809. Dokumentation, Röttenbach 2021, S. 8

[4] Johann Schrenk, Röttenbach in der Deutschordenszeit 1335–1809. Dokumentation, Röttenbach 2021, S. 9

[5] Gerhard Köbler, Historisches Lexikon der deutschen Länder, München 1990, S. 108

[6] Johann Schrenk, Röttenbach in der Deutschordenszeit 1335–1809. Dokumentation, Röttenbach 2021, S. 9-10

[7] Ulrich Wagner, Deutscher Orden, Kurpfalz und das Heidelberger Ordenshaus im Mittelalter, in: Heidelberg. Jahrbuch zur Geschichte der Stadt 24 (2020), S. 24

[8] Klaus Militzer Die Geschichte des Deutschen Ordens, Stuttgart 2005, S. 136

[9] Marian Biskup, Visitationen im Deutschen Orden im Mittelalter. Teil I, Marburg 2002, S. 63

[10] Josef Hopfenzitz, Kommende Oettingen Deutschen Ordens (1242-1805). Recht und Wirtschaft im territorialen Spannungsfeld., Bad Godesberg 1975, S. 228

[11] Johann Schrenk, Röttenbach in der Deutschordenszeit 1335–1809. Dokumentation, Röttenbach 2021, S. 19

[12] Johann Schrenk, Röttenbach in der Deutschordenszeit 1335–1809. Dokumentation, Röttenbach 2021, S. 10

[13] Johann Schrenk, Röttenbach in der Deutschordenszeit 1335–1809. Dokumentation, Röttenbach 2021, S. 23

[14] Christoph Bittel, Der Deutsche Orden und seine Kommende Münnerstadt, in: Frankenland. Zeitschrift für fränkische Landeskunde und Kulturpflege 67 (2015), Heft 4, S. 238

[15] Christoph Bittel, Der Deutsche Orden und seine Kommende Münnerstadt, in: Frankenland. Zeitschrift für fränkische Landeskunde und Kulturpflege 67 (2015), Heft 4, S. 240

[16] Johann Schrenk, Röttenbach in der Deutschordenszeit 1335–1809. Dokumentation, Röttenbach 2021, S. 11

[17] Johann Schrenk, Röttenbach in der Deutschordenszeit 1335–1809. Dokumentation, Röttenbach 2021, S. 23

[18] Christoph Bittel, Der Deutsche Orden und seine Kommende Münnerstadt, in: Frankenland. Zeitschrift für fränkische Landeskunde und Kulturpflege 67 (2015), Heft 4, S. 239

[19] Johann Schrenk, Röttenbach in der Deutschordenszeit 1335–1809. Dokumentation, Röttenbach 2021, S. 24

[20] Stephan Ladnar/Klaus Bühn, Mergentheim und der Deutsche Orden, in: Frankenland. Zeitschrift für fränkische Landeskunde und Kulturpflege 42 (1990), Heft 3, S. 83

[21] Kreuz und Schwert. Der Deutsche Orden in Südwestdeutschland, in der Schweiz und im Elsaß, Mainau 1991, S. 266