Kommende Speyer
Ballei Franken, Deutschmeister
Bistum Speyer
Land: Reichsstadt Speyer
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I Geschichte
Am 10. Mai 1220 übertrug Bischof Konrad von Scharfenberg dem Deutschen Orden das bei der Speyerer Stephanskirche gelegene Hospital. Die Übertragung erfolgte in Gegenwart Friedrichs II. Seit 1231 befand sich auch die Stephanskirche im Besitz des Ordens. Der erste Komtur der Speyerer Niederlassung ist für das Jahr 1258 nachgewiesen[1].
Die Kommende lag an der südlichen Stadtmauer Speyers, wurde als „Teutsches Haus“ bezeichnet[2] und gehörte zur Ballei Elsass-Burgund. Gegen Ende des 13. Jahrhunderts gehörte Speyer zu den Kommenden, über die der Deutschmeister verfügte. Das Haus gehörte außerdem zu den Niederlassungen, die als Aufenthaltsorte des noch nicht dauerhaft an einem Ort residierenden Deutschmeisters in Betracht kamen[3].
Am 29. Mai 1395 erließ der Deutschmeister Johann von Ketze eine Verfügung für das „Ordenshaus und Spital zu Spire“. Dieses war zu diesem Zeitpunkt mit Schulden belastet und wurde zugleich durch die Aufnahme von Gästen beansprucht. Jeder Ordensbruder, der als Gast nach Speyer kam, sollte zwölf Pfennige entrichten. Für einen mitgeführten Knecht waren weitere sechs Pfennige zu zahlen. Für die Pferde der Gäste bestand kein Anspruch auf Heu oder Futter[4]. Daneben sind Auseinandersetzungen mit der Stadt wegen vom Orden selbständig vorgenommener Verhaftungen überliefert[5].
Im Oktober 1415 wurde das Speyerer Ordenshaus zusammen mit den Ordenshäusern zu Mergentheim, Mainz, Frankfurt und Brotfelden zur Sicherung eines vom Deutschmeister aufgenommenen Darlehens von 8.000 Gulden verpfändet. Die Rückzahlung einschließlich fünf Prozent Zinsen sollte am 22. Februar 1416 in Brügge erfolgen. Anfang 1416 war die fristgerechte Deckung der Verpflichtung unsicher. Die Zahlung gelang schließlich, nachdem neue Verbindlichkeiten in Höhe von 4.000 Gulden aufgenommen worden waren. Diese waren im August 1416 noch nicht beglichen[6].
1410/11 mit einem Kommendenkonvent von vier Priesterbrüdern ausgestattet[7], wurde die Kommende auch im Jahr 1510 unter die Kammerkommenden des Deutschmeisters gerechnet[8].
Am 24. Juli 1542 bestand an der Pfarrkirche St. Stephan in Speyer eine Vikarie, über deren Besetzung dem Deutschmeister das Patronatsrecht zustand. Nach dem Tod des Deutschordenspriesters Nicolaus Vogel präsentierte Deutschmeister Walther von Cronberg den aus der Diözese Lausanne stammenden Priester Peter Berald für die Vikarie. Der Speyerer Dompropst Johann von Erenberg erteilte Berald die kanonische Investitur und beauftragte den Speyerer Archipresbyter mit der Einweisung in die Pfründe[9].
Am Ende des Alten Reiches wurde Speyer zusammen mit Weißenburg, Heidelberg und Weinheim unter den „Auswärtigen Verwaltereien“ geführt, die der Mergentheimer Verwaltungszentrale unter dem Hochmeister zugeordnet waren[10].
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[1] Dieter Wojtecki, Der Deutsche Orden unter Friedrich II., in: Josef Fleckenstein, Probleme um Friedrich II., Sigmaringen 1974, S. 202
[2] Wilhelm Meyer-Schwartau, Der Dom zu Speier und verwandte Bauten, Berlin 1893, S. 77
[3] Ulrich Wagner, Deutscher Orden, Kurpfalz und das Heidelberger Ordenshaus im Mittelalter, in: Heidelberg. Jahrbuch zur Geschichte der Stadt 24, Heidelberg 2020, S. 22
[4] Franz Xaver Glasschröder, Neue Urkunden zur pfälzischen Kirchengeschichte im Mittelalter, Speyer 1930, S. 41
[5] Ulrich Wagner, Deutscher Orden, Kurpfalz und das Heidelberger Ordenshaus im Mittelalter, in: Heidelberg. Jahrbuch zur Geschichte der Stadt 24, Heidelberg 2020, S. 24
[6] Robert Krumbholtz, Die Finanzen des Deutschen Ordens unter dem Einfluss der Polnischen Politik des Hochmeisters Michael Küchmeister (1414–1422), in: Deutsche Zeitschrift für Geschichtswissenschaft 8, Freiburg i. Br. 1892, S. 244
[7] Marian Biskup, Visitationen im Deutschen Orden im Mittelalter. Teil I, Marburg 2002, S. 63
[8] Ulrich Wagner, Deutscher Orden, Kurpfalz und das Heidelberger Ordenshaus im Mittelalter, in: Heidelberg. Jahrbuch zur Geschichte der Stadt 24, Heidelberg 2020, S. 24
[9] Franz Xaver Glasschröder, Neue Urkunden zur pfälzischen Kirchengeschichte im Mittelalter, Speyer 1930, S. 149
[10] Ulrich Wagner, Deutscher Orden, Kurpfalz und das Heidelberger Ordenshaus im Mittelalter, in: Heidelberg. Jahrbuch zur Geschichte der Stadt 24, Heidelberg 2020, S. 26
