Bistum Bamberg
Land: Deutscher Orden
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I. Geschichte
Die Vorgeschichte der Kommende beginnt bereits vor ihrer eigentlichen Gründung. Am 24. August 1260 übertrug Burggraf Konrad I. von Nürnberg mit Zustimmung seiner Söhne Friedrich III. und Konrad II. dem Deutschen Orden das Patronatsrecht über die Pfarrei Obernzenn mit Zubehör sowie Besitzungen in Rappenau. Zwei Jahre später wurde diese Schenkung durch den Würzburger Bischof bestätigt. Damit verfügte der Orden bereits Jahrzehnte vor der Stiftung von Virnsberg über Rechte und Besitzungen in dem Gebiet, das später den Kern der Kommendenherrschaft bilden sollte.
Am 12. Juni 1294 stifteten Burggraf Konrad II. von Nürnberg und seine Gemahlin Agnes die Burg Virnsberg mit den dazugehörigen Gütern. Anlass der Stiftung war unter anderem der Eintritt ihrer Söhne Friedrich, Konrad und Gottfried in den Deutschen Orden. Die Schenkung umfasste nicht nur die Burganlage selbst, sondern einen umfangreichen Komplex von Herrschaftsrechten, Einkünften und Besitzungen. Zum Stiftungsgut gehörten Rechte und Einkünfte in insgesamt 26 Orten, darunter die Gerichte von Ickelheim, Sondernohe und Neustetten. Hinzu kamen Zehntrechte, Waldungen, landwirtschaftliche Nutzflächen und weitere Einkünfte. Die Ausstattung war so umfangreich, dass sie über Jahrhunderte die wirtschaftliche und territoriale Grundlage der Kommende bildete. Untersuchungen zur Besitzgeschichte haben ergeben, dass selbst gegen Ende des 16. Jahrhunderts noch rund 81 Prozent der Bauernstellen der Kommende auf die burggräflichen Stiftungen von 1260 und 1294 zurückgingen. Die spätere Entwicklung der Herrschaft beruhte daher überwiegend auf der ursprünglichen Stiftungsausstattung, während spätere Erwerbungen vor allem der Abrundung und Verdichtung des Territoriums dienten.
Bereits wenige Jahre nach der Stiftung zeigt sich die enge Verbindung zwischen der Kommende und ihrer Stifterfamilie auch in der personellen Besetzung ihrer Leitung. Im Jahr 1297 ist Friedrich von Zollern, einer der Söhne Konrads II. und seiner Gemahlin Agnes, als Komtur von Virnsberg belegt. Er ist damit der erste namentlich bekannte Leiter der Kommende. Friedrich starb am 23. März 1303. Seine Tätigkeit an der Spitze der noch jungen Niederlassung verdeutlicht die enge Verbindung zwischen der Kommende und ihren Stiftern in den ersten Jahren ihres Bestehens.
Bereits kurz nach ihrer Gründung erhielt die Kommende weitere Schenkungen. Im Jahr 1297 schenkte Herdegen von Gründlach zwei Höfe in Obernzenn sowie Einkünfte aus vier Huben in Ickelheim. Burggraf Friedrich IV. überließ der Kommende 1308 und 1311 mehrere Wiesen. Auch andere Angehörige des zollerischen Herrschaftsverbandes trugen durch Schenkungen und Übertragungen zur weiteren Ausstattung der Niederlassung bei.
Von besonderer Bedeutung waren die kirchlichen Rechte der Kommende. Bereits die Schenkung von 1260 hatte ihr das Patronatsrecht über die Pfarrei Obernzenn eingebracht. Dieses Recht umfasste die Mitwirkung bei der Besetzung der Pfarrstelle sowie weitere mit der Pfarrei verbundene Rechte und Einkünfte. Im Jahr 1317 erhielt die Kommende zusätzlich das Patronatsrecht über die Pfarrkirche St. Kilian in Windsheim. Der Würzburger Bischof verzichtete später auf eigene Ansprüche auf dieses Patronat. Im Jahr 1326 gelangte auch die Pfarrei Windsheim selbst in den Besitz der Kommende. Mit Zustimmung des Würzburger Bischofs wurde 1408 darüber hinaus die Pfarrei Sondernohe errichtet und der Kommende unterstellt. Diese Patronatsrechte bildeten über Jahrhunderte einen wichtigen Bestandteil der Herrschaft. Die Pfarrei Windsheim blieb bis 1525 mit der Kommende verbunden und wurde anschließend an die Reichsstadt Windsheim abgegeben.
Im Jahr 1333 erhielt die Kommende den Schutz und Schirm der Nürnberger Burggrafen. In den folgenden Jahrzehnten wurde der Besitz durch zahlreiche Erwerbungen erweitert. 1342 erwarb die Kommende die Lehnschaft über den Hof Borsbach. Bereits 1346 folgten die Lehnschaften über die Güter Daubersbach, Fladengreuth und Steinberg. Hinzu kamen weitere Höfe, Zehntrechte, Nutzungsrechte und kleinere Besitzkomplexe. Durch diese Erwerbungen entstand aus den ursprünglich verstreuten Besitzungen allmählich ein zusammenhängender Herrschaftsbezirk. Die Herrschaft der Kommende beruhte dabei auf einem Zusammenspiel von Grundherrschaft, Gerichtsrechten, Patronatsrechten und wirtschaftlichen Einkünften.
Im frühen 15. Jahrhundert setzte sich diese Entwicklung fort. Mit Zustimmung des Würzburger Bischofs wurde 1408 die Pfarrei Sondernohe errichtet. Für die Jahre 1410 und 1411 ist ein Konvent von sieben Ritterbrüdern und zwei Priesterbrüdern belegt. Im Jahr 1415 erwarb die Kommende ein Drittel des kleinen und großen Zehnten in den Dörfern Mitteldachstetten, Berglein und Dörflein. Weitere Erwerbungen stärkten die Stellung der Kommende innerhalb ihres Herrschaftsgebietes.
Während des Bayerischen Krieges gegen Markgraf Albrecht Achilles wurde der Ort Virnsberg im September 1461 von Truppen Herzog Ludwigs IX. von Bayern geplündert und gebrandschatzt. Die Quellen berichten über die Verwüstungen des Ortes, lassen jedoch offen, ob die Burg selbst Schäden erlitt.
Die Burg Virnsberg blieb während der gesamten Geschichte der Kommende deren Mittelpunkt. Von der ursprünglichen Anlage des frühen 13. Jahrhunderts haben sich Teile der Ringmauer mit Buckelquadern erhalten. Der Bergfried entstand vermutlich im Verlauf des 14. Jahrhunderts. Im späten Mittelalter wurde die Burg erheblich erweitert und befestigt. In den Jahren 1487 und 1535 entstanden insgesamt drei zusätzliche Zwingeranlagen mit Streichwehren und Zwischentoren. Eines dieser Tore trägt bis heute die Jahreszahl 1535. Die Anlage wurde dadurch zu einer der stärksten Befestigungen ihres unmittelbaren Umlandes.
Neben den Befestigungen entwickelte sich auch die wirtschaftliche Infrastruktur der Kommende. Bereits 1507 ist eine große Schafscheune nachweisbar. Sie gehörte zu einem umfangreichen Wirtschaftshof und verweist auf die Bedeutung der Schafhaltung innerhalb der Herrschaft. Zur wirtschaftlichen Ausstattung gehörten außerdem landwirtschaftliche Nutzflächen, Zehnteinnahmen, Höfe und weitere Wirtschaftsgebäude. Im Jahr 1532 entstand in Virnsberg ein Hospital. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts werden außerdem eine Schäferei, umfangreiche Ökonomiegebäude sowie ein Taubenhaus erwähnt.
Die Pfarrei Windsheim blieb bis 1525 mit der Kommende verbunden. Nach ihrer Übergabe an die Reichsstadt Windsheim verlor Virnsberg zwar eines seiner bedeutendsten Patronatsrechte, konnte jedoch auch weiterhin Besitz und Einkünfte erwerben. Im Verlauf des 16. Jahrhunderts kamen weitere Güter und Zehntrechte hinzu.
Die Burg wurde im 16. Jahrhundert erneut umgestaltet. Größere Umbauten erfolgten 1559 und 1588 im Stil der Renaissance. Vermutlich erhielt der Bergfried damals seine heutige Haube. Die Anlage entwickelte sich damit zunehmend von einer rein militärischen Befestigung zu einem repräsentativen Herrschaftssitz.
Während des Zweiten Markgrafenkrieges fiel Virnsberg im Jahr 1552 kampflos an Markgraf Albrecht von Brandenburg-Kulmbach. Die Burg blieb dabei unbeschädigt. Nach dem Ende der Kampfhandlungen konnte die Kommende ihre Herrschaft unverändert fortführen.
Weitaus schwerer traf die Kommende der Dreißigjährige Krieg. Da das Herrschaftsgebiet an einer wichtigen Heer- und Verkehrsstraße lag, wurde es wiederholt von Truppen verschiedener Kriegsparteien durchzogen. Die Bevölkerung hatte Einquartierungen zu dulden, Lieferungen zu leisten und hohe Kontributionsforderungen zu erfüllen. Wiederholt kam es zu Plünderungen und Verwüstungen. Im Jahr 1632 befanden sich schwedische Truppen auf der Burg, während das Dorf von Truppen der Katholischen Liga belagert wurde. Die Belastungen des Krieges führten zu erheblichen wirtschaftlichen Schäden. Nach dem Ausbruch der Pest im Jahr 1634 verschärfte sich die Lage zusätzlich. Als die schwedischen Truppen um 1650 endgültig abgezogen waren, hatte sich die Bevölkerung des Herrschaftsgebietes gegenüber der Zeit vor dem Krieg etwa halbiert.
Die konfessionellen Verhältnisse hatten sich inzwischen grundlegend verändert. Das Territorium der Kommende war nahezu vollständig von protestantischen Gebieten umgeben. Eine umfassende Rekatholisierung konnte deshalb nicht durchgesetzt werden. Im Patronatsbereich der Kommende verblieben lediglich zwei katholische Pfarreien. Die kirchliche Stellung der Kommende war damit deutlich eingeschränkter als noch im Spätmittelalter.
Trotz der schweren Kriegsfolgen setzte im Verlauf des 17. Jahrhunderts eine wirtschaftliche Erholung ein. Gleichzeitig kam es zu einer verstärkten Zuwanderung aus Österreich, die zur Wiederbesiedlung der Herrschaft beitrug. Daneben bestanden fortdauernde Streitigkeiten mit den benachbarten Markgrafschaften Brandenburg-Ansbach und Brandenburg-Bayreuth. Dabei ging es vor allem um Fragen der Hochgerichtsbarkeit und um den Verlauf territorialer Grenzen. Erst in der Mitte des 17. Jahrhunderts wurden diese Konflikte durch entsprechende Vereinbarungen beigelegt. Gegenüber Brandenburg-Ansbach erfolgte eine Regelung der Hochgerichtsbarkeit, gegenüber Brandenburg-Bayreuth eine Festlegung des Grenzverlaufs.
Zwischen 1687 und 1699 entstanden umfangreiche neue Wirtschaftsgebäude in der Vorburg. Diese Bautätigkeit verweist auf die wirtschaftliche Konsolidierung der Kommende nach den Zerstörungen des Dreißigjährigen Krieges. Die Hauptburg wurde anschließend 1715 und erneut 1740 barock umgestaltet. Im Jahr 1740 wurde zudem die Schlosskapelle neu errichtet. Die Anlage erhielt dadurch weitgehend jene Gestalt, die sie bis heute bewahrt hat.
Im 18. Jahrhundert bestand die Kommende weiterhin als eigenständige Herrschaft. Die Verwaltung erfolgte durch das Obervogteiamt Virnsberg und das Vogteiamt Ickelheim. Zum Herrschaftsgefüge gehörten Grundherrschaft, Niedergerichtsbarkeit, Hochgerichtsbarkeit und Patronatsrechte. Für Ickelheim ist ausdrücklich überliefert, dass die Kommende dort die Dorf- und Gemeindeherrschaft ausübte und zugleich als Grundherr auftrat. Die Ansbacher Markgrafen erkannten den Hochgerichtsbezirk Virnsberg noch in den Jahren 1731 und 1754 ausdrücklich an. Das Territorium blieb damit bis zum Ende des Alten Reiches als geschlossener Herrschaftsbezirk bestehen.
Ein Bild der Kommende kurz vor ihrem Ende vermittelt die Beschreibung des Ortes gegen Ende des 18. Jahrhunderts. In Virnsberg bestanden damals 38 Anwesen. Hierzu gehörten das Schloss, das Amtshaus, die Kirche, das Pfarrhaus, das Hospital, die Schäferei, zahlreiche Wirtschaftsgebäude, Bauernhöfe und mehrere Gnadenhäuser. Der Ort war damit Verwaltungszentrum, Wirtschaftsmittelpunkt und kirchlicher Mittelpunkt der Herrschaft zugleich.
Mit den politischen Umwälzungen der napoleonischen Zeit endete die Geschichte der Kommende Virnsberg. Im Jahr 1806 gingen die Besitzungen an das Königreich Bayern über. Damit hörte die Kommende nach mehr als fünf Jahrhunderten auf, als eigenständige Herrschaft zu bestehen. Die Burg Virnsberg blieb jedoch erhalten und stellt bis heute das bedeutendste bauliche Zeugnis der ehemaligen Kommende dar. Sie bewahrt in ihrer Bausubstanz noch immer Spuren nahezu aller Entwicklungsphasen der Kommende vom Mittelalter bis in die Zeit ihres Übergangs an Bayern.
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II. Komture
Friedrich von Zollern (1296-1303)
Konrad von Zollern (1304)
Johann von Kirchberg (1306)
Arnold von Seckendorff (1308-1318)
Konrad von Sickershausen (1319)
Wolfram von Heideck (1321-1325)
Gerung Truchses (1335-1337)
Berthold Burggraf von Nürnberg (1342-1350)
Gottfried Fuchs (1361-1363)
Friedrich von Egloffstein (1371-1394)
Burkard von Seckendorff-Aberdar (1392, 1400)
Johann von Venningen (1409-1411)
Johann von Egloffstein (1415-1419)
Martin von Gebsattel (1420-1423)
Eberhard von Stetten (1423-1428)
Wilhelm von Werdenau (1429-1443)
Martin von Eyb (1444-1471)
Georg von Diemar (1473-1480)
Dietrich vom Stein zum Reichenstein (1480-1494)
Hans Adelmann von Adelmannsfelden (1496)
Burkard von Seckendorff-Aberdar (1497-1515)
Heinrich von Egloffstein (1510-1514)
Wolfgang von Bibra (1516-1524)
Georg von Knoringen (1524-1540)
Wolfgang von Rosenberg (1539-1543)
Alexius von Diemar zu Wiesenfeld (1543-1545)
Johann von Leonrod (1545-1553)
Philipp von Altdorf (1563-1565)
Philipp von Mauchenheim gen. Bechtholsheim (1569-1574)
Wilhelm von Bubenhofen (1612-1619)
Ulrich von Wolkenstein (1626-1628)
Johann Theobald Hundbiss von Waltrams (1628-1631)
Johann Konrad von Lichtenstein (1637-1639)
Johann Wolfgang von Partenheim (erw. 1643)
Johann Franz von Sandizell (1671-1681)
Georg Eitel Rau von Holzhausen (1682-1685)
Franz Claudius von Reinach (1691-1697)
Maximilian Rudolf von Westernach (1697-1702)
Johann Heinrich von Kageneck (1702-1703)
Philipp Karl Waldecker von Kempt (1710-1720)
Reinhard Adrian von Hochstetten (1735-1741)
Friedrich Philipp von Wildenstein (1741-1770)
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– Quellen und Literatur –
Scherzer, Georg: Virnsberg. Geschichte einer Deutschordenskommende, Ansbach 1980.
Lampe, Karl: Der Deutsche Orden und seine Kommenden in Franken, Neustadt an der Aisch 1961
Biskup, Marian: Visitationen im Deutschen Orden im Mittelalter. Teil I, Marburg 2002
Hopfenzitz, Josef: Kommende Oettingen Deutschen Ordens, Bonn 1975
Seiler, Jörg: Der Deutsche Orden in Frankfurt, Marburg 2003
Stützel, Ada: Auf den Spuren des Deutschen Ordens in Franken, Erfurt 2006
Töpner, Kurt: 700 Jahre Deutschordens-Komturei Virnsberg 1294–1994. Flachslanden 1994.
Weiss, Dieter J.: Die Geschichte der Deutschordens-Ballei Franken im Mittelalter, Neustadt 1991
Burg/Schloss Virnsberg. Haus der Bayerischen Geschichte, Bayerische Burgen-Datenbank. URL: https://hdbg.eu/burgen/detail/burgschloss-virnsberg/38 (23.06.2026)
Virnsberg – Geschichte. Markt Flachslanden. URL: https://www.flachslanden.de (Bereich Geschichte/Virnsberg; 23.06.2026)
