Kommende Pitzemburg (Mechelen)
Bistum Cambrai, Erzbistum Mechelen (ab 1570)
Land: Herzogtum Brabant
I. Geschichte
Die Kommende Pitzemburg in Mechelen war eine Niederlassung des Deutschen Ordens auf einem ausgedehnten Gelände am Bruul nahe der Fonteinbrug im südwestlichen Bereich der Stadt. Das Areal lag zwischen der Dijle und mehreren Wasserläufen und umfasste im Laufe seiner Geschichte Wohngebäude, Wirtschaftsgebäude, Höfe, Gärten, Wege, Stallungen und eine eigene Kapelle. Der Name Pitsenburg beziehungsweise Pitzemburg ist seit dem 13. Jahrhundert belegt und blieb auch nach dem Ende der Kommende als Bezeichnung des Geländes erhalten.
Die Anfänge der Kommende stehen in Zusammenhang mit Schenkungen der Familie Berthout, der Herren von Mechelen. Im Jahr 1220 erhielt der Deutsche Orden ein Grundstück in der Nähe der Fonteinbrug. Eine Urkunde von 1221 nennt Wouter Berthout, Herrn von Mechelen, der dem Haus der Deutschen in Jerusalem Wälder bei Rama, Grootloo und im Waverwald sowie Rodungsrechte übertrug. Diese Schenkungen bildeten einen frühen Besitzkern des Ordens in der Region Mechelen. Bereits im frühen 13. Jahrhundert bestanden außerdem Beziehungen zu Besitzungen außerhalb Mechelens. Über Gillis Berthout und Katharina von Belle gelangten Rechte an der Kapelle von Oudenburg in den Besitz des Ordens; daraus entwickelte sich später ein Teil jenes Besitzkomplexes, der von Pitzemburg aus verwaltet wurde.
Seit der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts lässt sich die Niederlassung durch zahlreiche Urkunden nachweisen. Im Jahr 1269 werden der Komtur Jacob und die Brüder des Deutschen Hauses in Mechelen urkundlich erwähnt. Damit ist die Kommende als bestehende Institution eindeutig belegt. Im Jahr 1270 erwarb die Kommende den Zehnten von Hove. Aus demselben Jahr stammt eine Vereinbarung mit dem Dekan und Kapitel von Mechelen sowie dem Pleban von Sint-Rombouts über kirchliche Rechte und Einkünfte. Um 1272 erscheint die Bezeichnung Pitsenburg in den Quellen. Für die Jahre zwischen 1272 und 1293 sind mehrere Urkunden über Grundstückserwerbungen, Renten, Nutzungsrechte, Besitzbestätigungen und Einkünfte überliefert. Sie dokumentieren den fortlaufenden Ausbau des Besitzes der Kommende. Die Anwesenheit von Ordensangehörigen in Mechelen ist spätestens für das Jahr 1296 ausdrücklich belegt.
Im Laufe des Mittelalters entstand ein umfangreicher Besitzkomplex. Die Kommende verfügte über Häuser, Äcker, Wiesen, Gärten, Renten, Zinsen, Zehntrechte und weitere Einkünfte. Die Besitzungen lagen nicht nur in Mechelen selbst, sondern auch in anderen Teilen Brabants und Flanderns sowie bis nach Zeeuws-Vlaanderen. Von Pitzemburg aus wurden weitere Güter des Ordens in Flandern und Brabant verwaltet. Die schriftliche Überlieferung dokumentiert diese Tätigkeit detailliert. Erhalten sind unter anderem sieben Pergamentrollen des 14. Jahrhunderts mit Rentenverzeichnissen aus dem Raum Oudenburg und Diksmuide. Eine dieser Rollen ist bereits für das Jahr 1301 nachweisbar. Die Verwaltung solcher Einkünfte und Besitzrechte gehörte zu den zentralen Aufgaben der Kommende.
Verwaltungsmäßig gehörte Pitzemburg zunächst zur Ballei Alden Biesen und später zur Landkommende Koblenz. Die erhaltenen Quellen zeigen die Kommende als dauerhaft bestehenden Verwaltungs- und Wirtschaftssitz mit umfangreicher schriftlicher Dokumentation.
Für die personelle Zusammensetzung der Niederlassung liegen aus dem 15. Jahrhundert mehrere Angaben vor. In den Jahren 1410 und 1411 lebten in der Kommende fünf Ritterbrüder und zwei Priesterbrüder. Für das Jahr 1420 ist dieselbe Zusammensetzung belegt. Im Jahr 1451 gehörten der Kommende zwei Ritterbrüder und vier Priesterbrüder an. Die Quellen erlauben damit einen Einblick in die Größe des Konvents während des Spätmittelalters.
Die Baugeschichte der ältesten Anlage ist nur teilweise überliefert. Über die ersten Gebäude des 13. Jahrhunderts liegen keine näheren Nachrichten vor. Im Jahr 1451 wurde die gotische Kapelle der Kommende geweiht. Sie blieb bis 1822 erhalten und wurde erst nach dem Ende der Kommende abgebrochen. Die Kapelle erscheint auf mehreren historischen Darstellungen des Geländes.
Eine Stadtansicht von Georg Braun und Frans Hogenberg aus dem Jahr 1580 zeigt Pitzemburg als größeren Gebäudekomplex mit Innenhof und Kapelle auf einem weitläufigen Gelände nahe Bruul und Fonteinbrug. Die späteren Darstellungen des 17. Jahrhunderts zeigen eine rechteckige Hofanlage, die von mehreren Gebäudeflügeln umgeben war. Zu diesem Zeitpunkt bestand die Kommende aus Wohngebäuden, Verwaltungsräumen, Wirtschaftsgebäuden und der Kapelle innerhalb eines geschlossenen Komplexes.
Im 17. Jahrhundert wurden wesentliche Teile der Anlage erneuert. Im Jahr 1664 entstand ein monumentales Torgebäude aus Blaustein. Auftraggeber war der Komtur de Merode. Der Entwurf wird Lucas Faydherbe zugeschrieben. Das Tor besaß zwei Geschosse, eine Attika und ursprünglich einen kleinen Turmaufsatz. Es bildete den repräsentativen Zugang zur Kommende. Im Jahr 1836 wurde das Torgebäude abgebrochen. Teile des Baumaterials wurden anschließend für die heute noch bestehenden Eingangspavillons wiederverwendet.
Im Jahr 1677 wurde ein neuer nordöstlicher Dienst- und Wirtschaftsflügel errichtet. Das Erdgeschoss diente teilweise als Stallung. Die Fassade war durch Sandsteinelemente gegliedert und besaß Pilaster, Korbbogenöffnungen und rechteckige Fenster. In der Mittelachse befand sich das Wappen de Merodes. Am Dachaufbau war eine Kartusche mit der Inschrift „Deo Duce“ angebracht.
Zwischen 1724 und 1736 entstand unter Komtur von Kyau ein neuer Wohnflügel. Dieser barocke Bau bildet den Kern des noch heute erhaltenen Hauptgebäudes. Die ehemalige Wohnung des Komturs ist darin weiterhin erkennbar. Das heutige Direktionsgebäude des Atheneums geht auf diesen Gebäudeteil zurück.
Zum Komplex gehörten ausgedehnte Gartenanlagen mit einer Fläche von etwa acht Hektar. Nach dem Ende der Kommende wurden diese Flächen von der Société Royale d’Horticulture genutzt. Es entstand ein englischer Landschaftsgarten mit Wegen, Wasserflächen und Seen. Hinzu kamen ein Kräutergarten und eine Orangerie. Die Orangerie blieb bis 1960 bestehen und wurde anschließend abgebrochen.
Auch in der frühen Neuzeit blieb die Kommende ein Zentrum der Besitzverwaltung. Die erhaltenen Quellen dokumentieren Einnahmen aus Renten, Zinsen, Grundstücken, Zehnten und weiteren Rechten. Aus dem 18. Jahrhundert sind außerdem Rechtsstreitigkeiten über Besitz- und Zehntrechte überliefert. Rechnungen, Rentenbücher, Kartenwerke, Urkunden und Verwaltungsakten geben Einblick in die wirtschaftliche Tätigkeit der Kommende bis zu ihrem Ende. In Kriegszeiten war die Niederlassung außerdem mit finanziellen Belastungen und der Unterbringung von Truppen konfrontiert.
Mit der französischen Besetzung der Österreichischen Niederlande endete die Geschichte der Kommende als Ordensniederlassung. Im Jahr 1794 wurde der Besitz beschlagnahmt. 1797 erfolgte der Verkauf als Nationaleigentum. Damit hörte Pitzemburg auf, als Kommende des Deutschen Ordens zu bestehen.
Nach der Aufhebung erhielt der Gebäudekomplex verschiedene neue Funktionen. Von 1802 bis 1804 diente er als Residenz des Erzbischofs de Roquelaure. Im Jahr 1827 ging das Gelände in den Besitz der Stadt Mechelen über. Ab 1832 wurde es als städtisches Kolleg genutzt. Seit 1881 befindet sich dort ein staatliches Atheneum. Im Verlauf des 19. und 20. Jahrhunderts entstanden zusätzliche Schulgebäude, während Teile der historischen Bausubstanz erhalten blieben.
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II. Komture
Jakob (1269-1271)
Heinrich von Aachen (1272-1285)
Wilhelm (1287-1291)
Ludwig (1303-1311)
Gerhard (1321-1327)
Johannes von Langerak (1328-1340)
Eberhard von Monheim (1341-1346)
Edmund (1347-1348)
Johannes de Weerde (1363-1376)
Peter van den Passe (1385-1391)
Winrich von Rheindorf (1392-1396)
Wilhelm de Rode (1398-1400)
Werner de Hoesteden (1402-1403)
Gerhard de Rode (1404-1415)
Konrad von den Zomer (1415-1418)
Reinhard von Beppenhoven (1425)
Johannes von Mile (1430)
Johannes von Lysenich (1441-1445)
Johannes von Mile (1454)
Ludolf von Nassau (1499) [6]
Karl Gottfried von Loe (1685-?)
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– Quellen und Literatur –
Biskup, Marian: Visitationen im Deutschen Orden im Mittelalter. Teil I, Marburg 2002
Demel, Bernhard: Papst Honorius III. bestätigt dem Deutschen Orden die Hospitalübertragung zu Koblenz., in: Ritter und Priester. Acht Jahrhunderte Deutscher Orden in Nordwesteuropa, Aldenbiesen 1992
Heckmann, Dieter: Amtsträger des Deutschen Ordens in Preußen und in den Kammerballeien des Reiches, o.O. 2014
Jamees, A. (Hrsg.): De oorkonden van Pitsenburg. Commanderij van de Duitse ridderorde te Mechelen (1190–1794). 5 Bände. Mechelen 1991–2000
Limburg, Hans: Die Hochmeister des Deutschen Ordens und die Ballei Koblenz, Bad Godesberg 1969
www.archiefbank.be/2315indekijker.html (21. November 2010)
www.archieven.nl/ (23.06.2026)
https://archiefpunt.be/ (23.06.2026)
https://inventaris.onroerenderfgoed.be/ (23.06.2026)
