Ballei Waldbreitbach
Deutschmeister / Ballei Koblenz (seit 1602)
Erzbistum Trier
Land: Kurfürst-Erzbistum Köln
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I Geschichte
Graf Heinrich III. von Sayn und seine Gemahlin Mechthild förderten den Deutschen Orden und ließen neben Ramersdorf auch das Haus in Waldbreitbach entstehen[1]. Bereits 1219 hatten Heinrich und Mechthild dem Kloster Sayn den ersten und den neunten Almosenzehnten im Dorf Breitbach übertragen.
Dieser Zehnt von Breitbach war zwischenzeitlich an die sogenannten grauen Schwestern in Köln gelangt und wurde von diesen 1239 an den Deutschen Orden abgetreten. Für diesen Zeitpunkt ist zugleich eine Kommende des Ordens in Breitbach vorausgesetzt. Damit besaß die Kommende ein wirtschaftlich verwertbares Recht, das regelmäßige Einkünfte aus der agrarischen Produktion des Kirchspiels versprach.
Hier besaß sie geistliche Rechte, Zehnteinkünfte, Besitz und die damit verbundenen Herrschafts- und Nutzungsrechte innerhalb eines von anderer Seite beherrschten Territoriums.
Eine erhebliche Erweiterung dieser Stellung erfolgte 1260. Mechthild von Sayn übertrug dem Deutschen Orden das Patronatsrecht über die Pfarrkirche von Waldbreitbach. Papst Urban IV. bestätigte am 9. November 1262 sowohl dieses Patronatsrecht als auch den Zehnten. Mit diesem Vorgang verbanden sich wirtschaftliche und personelle Folgen unmittelbar miteinander: Seitdem wurde die Pfarrei durch Priester des Deutschen Ordens verwaltet. Die Kommende war damit nicht nur Empfängerin von Einkünften, sondern dauerhaft in die kirchliche Organisation des Ortes eingebunden. Patronat, Zehnt und Pfarrverwaltung bildeten für Jahrhunderte einen wesentlichen Teil ihrer örtlichen Stellung.
Der Chor der späteren alten Pfarrkirche galt als ehemaliges Oratorium der Kommende und wurde dem 13. Jahrhundert zugerechnet; das Kirchenschiff war erst später an diesen älteren Bauteil angefügt worden[2]. Ein weiterer Rest dieser mittelalterlichen Bauphase war der spätromanische Kirchturm, der noch im 19. Jahrhundert erhalten war und ein Wappen des Deutschen Ordens trug[3].
Aus der Zeit um 1300 ist erstmals ein Komtur mit Namen sicher greifbar. Am 26. April 1300 amtierte Gerhard von Westerburg als Komtur in Breitbach; möglicherweise ist er mit dem in einer Reiserechnung von 1303 genannten Gerlach von Westerburg identisch[4].
Im Verlauf des 14. Jahrhunderts wurde Waldbreitbach in die unmittelbar dem Deutschmeister unterstellte Gruppe von Ordenshäusern einbezogen. Wahrscheinlich während der Amtszeit Wolframs von Nellenburg zwischen 1331 und 1361 entwickelte sich aus dieser Gruppe das Deutschmeistertum, womit sich für Waldbreitbach eine besondere administrative Stellung verfestigte[5]. Diese Zugehörigkeit bestand noch zu Beginn des 16. Jahrhunderts: Als 1510 der Besitz- und Verwaltungsverband des Deutschmeistertums beschrieben wurde, wurde Waldbreitbach ausdrücklich unter dessen Kommenden aufgeführt[6].
Ein Weistum von 1665 bezeichnete den Komtur innerhalb der Mark als den höchsten Märker und verpflichtete ihn zugleich, drei Priester zu unterhalten. Zwei dieser Geistlichen hatten den Gottesdienst in Niederbreitbach zu versehen, ein weiterer war für die Neuerburg bestimmt. Die Unterhaltung von drei Priestern bedeutete eine dauerhafte finanzielle Belastung des Hauses und zeigt, dass ein Teil seiner Einkünfte unmittelbar für die kirchliche Versorgung des näheren Umlandes eingesetzt werden musste[7].
Im Jahr 1703 erfolgte der Neubau der Kommendenanlage[8].
Für die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts wird die Stellung der Kommende innerhalb Waldbreitbachs besonders deutlich. Bei einer Visitation von 1767 war der Kurfürst von Köln Territorialherr, der Erzbischof von Trier geistlicher Oberer, während das Kollationsrecht beim Deutschen Orden lag. Die Pfarrei umfasste damals sechzehn Dörfer und sechsunddreißig Höfe und zählte etwa 1.800 Kommunikanten.
Auch die wirtschaftliche Verflechtung von Kommende und Pfarrverwaltung tritt für diese Zeit deutlich hervor. Der Pfarrer wohnte in der Kommende und bezog 100 Taler Gehalt, etwa 50 Taler aus Anniversarien und rund 40 Taler Stolgebühren; hinzu kamen eine geringe Heulieferung und die Nutzung eines kleinen Gartens. Dies zeigt, wie eng die Kommende mit der materiellen Ausstattung der Pfarrei verbunden war.
Zur wirtschaftlichen Belastung des Hauses gehörten daneben erhebliche Baupflichten. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts hatte der Komtur für den Chor der Pfarrkirche aufzukommen, während die kurkölnische Hofkammer für das Kirchenschiff zuständig war. Der Chor befand sich zu diesem Zeitpunkt noch in gutem baulichem Zustand, während das von anderer Seite zu unterhaltende Schiff stark baufällig war.
Bis in die letzten Jahrzehnte des 18. Jahrhunderts nahm zugleich der Umfang der von Waldbreitbach aus betreuten Pfarrei weiter zu. Für 1787 wurden bereits 56 zur Pfarrei gehörige Ortschaften angegeben[9].
Mit dem Jahr 1809 endete die mehr als fünfeinhalb Jahrhunderte währende Geschichte der Kommende Waldbreitbach als Haus des Deutschen Ordens.
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II Komture
Hermann (erw. 1282) [10]
Hans von Karsbach (1513?-1533)[11]
Ludwig von Buches (1536-1541)[12]
Jobst Mauritz Droste zu Senden (1699-1705)
Clemens August von Kreuth (?-1800)
Ferdinand Caspar von Kleist (1800-?) [13]
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[1] Heinrich Neu, Die Templer von Niederbreisig, in: Rheinische Vierteljahrsblätter 32, Bonn 1968, S. 279
[2] Philipp de Lorenzi, Beiträge zur Geschichte sämtlicher Pfarreien der Diöcese Trier. Zweiter Band: Regierungsbezirk Coblenz, Trier 1887, S. 539-541
[3] Paul Lehfeldt, Die Bau- und Kunstdenkmäler der Rheinprovinz. Bd. 1: Die Bau- und Kunstdenkmäler des Regierungsbezirks Coblenz, Düsseldorf 1886, S. 546–547
[4] Kurt Forstreuter, Eine Reiserechnung des deutschen Ordens aus dem Jahre 1303, in: Hansische Geschichtsblätter 76, Köln 1958, S. 129
[5] Jürgen Sarnowsky, Der Deutsche Orden, München 2007, S. 59
[6] Ulrich Wagner, Deutscher Orden, Kurpfalz und das Heidelberger Ordenshaus im Mittelalter, in: Heidelberg. Jahrbuch zur Geschichte der Stadt 24, Heidelberg 2020, S. 24
[7] Philipp de Lorenzi, Beiträge zur Geschichte sämtlicher Pfarreien der Diöcese Trier. Zweiter Band: Regierungsbezirk Coblenz, Trier 1887, S. 540
[8] Paul Lehfeldt, Die Bau- und Kunstdenkmäler der Rheinprovinz. Bd. 1: Die Bau- und Kunstdenkmäler des Regierungsbezirks Coblenz, Düsseldorf 1886, S. 547
[9] Philipp de Lorenzi, Beiträge zur Geschichte sämtlicher Pfarreien der Diöcese Trier. Zweiter Band: Regierungsbezirk Coblenz, Trier 1887, S. 540
[10] Johann Heinrich Hennes, Commende des Deutschen Ordens in den Balleien Coblenz, Altenbiesen, Westphalen, Lothringen, Österreich und Hessen., Mainz 1878, S. 86
[11] Bernhard Klebs, Der Deutsche Ordenin der Region Mergentheim im Mittelalter, Marburg 2002, S. 721
[12] Bernhard Klebs, Der Deutsche Ordenin der Region Mergentheim im Mittelalter, Marburg 2002, S. 716
[13] Johann Heinrich Hennes, Commende des Deutschen Ordens in den Balleien Coblenz, Altenbiesen, Westphalen, Lothringen, Österreich und Hessen., Mainz 1878, S. 92-93
