Ballei Lamparten

Kommenden

→ Astian → Padua
→ Bologna → Venedig
→ Brixenei → Viterbo

I           Geschichte

Die Ballei Lamparten, auch als Lombardei bezeichnet, entstand aus den verstreuten Besitzungen des Deutschen Ordens im nördlichen Italien. Der genaue Zeitpunkt, an dem diese Besitzungen zu einer Ballei zusammengefasst wurden, ist nicht feststellbar[1]. Vor dem 4. Mai 1240 ist mit Omnebono erstmals ein Landkomtur nachweisbar; er war wahrscheinlich italienischer Herkunft[2]. Damit bestand spätestens zu diesem Zeitpunkt eine über die einzelnen Besitzungen hinausgehende Leitung. Als Sitz des Landkomturs diente zunächst die Kommende Padua, später wurde der Sitz nach Stigliano im venezianischen Gebiet und schließlich nach Brixen verlegt[3].

Die wirtschaftliche Grundlage der entstehenden Ballei bestand aus Grundbesitz, Nutzungsrechten und Einkünften, die durch Schenkungen, Übertragungen und Erwerbungen an den Orden gelangt waren. Nach dem Tod Kaiser Friedrichs II. im Jahr 1250 gerieten die für Reichsitalien gewährten Befreiungen von Abgaben und Lasten zunehmend unter Druck. In der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts sind wiederholt Auseinandersetzungen um Ländereien, Besitzrechte, Wassermühlen und unterschiedliche Einkünfte belegt. Diese Konflikte betrafen auch Vermögen, das durch Schenkungen und die Übertragung von Nutzungsrechten an den Orden gelangt war. Die Durchsetzung der beanspruchten wirtschaftlichen Rechte gegenüber den lokalen weltlichen Gewalten blieb teilweise erfolglos; selbst päpstliche Unterstützung führte nicht in jedem Fall zur Restitution entzogener Einkünfte und Besitzungen[4].

Für das ausgehende 13. und beginnende 14. Jahrhundert lässt sich zugleich eine Veränderung der personellen Zusammensetzung erkennen. Für die Jahre 1291 bis 1309 sind Angehörige zahlreicher Herkunftsgebiete nachweisbar; etwa fünf Prozent der identifizierten Brüder dieser Phase waren Italiener. Seit 1310 nahm die Bedeutung von Brüdern aus dem Mittel- und Niederrheingebiet sowie aus Franken und Hessen zu, während Italiener in der Überlieferung nahezu vollständig verschwinden[5].

Zwischen 1325 und 1335 wurde Lamparten durch den Landkomtur der Ballei an der Etsch verwaltet, der seinen Sitz in Bozen behielt[6]. Diese zeitweilige Verbindung mit einer benachbarten Ballei zeigt, dass die selbständige Leitungsstruktur Lampartens bereits im 14. Jahrhundert nicht durchgehend bestand. Um 1365 wurde die Ballei schließlich der Verwaltung des Deutschmeisters unterstellt. Seit dieser Zeit war der Aufenthalt in Lamparten für die dort eingesetzten Brüder in der Regel nur eine Station innerhalb ihrer Ordenslaufbahn; nur wenige Brüder wurden noch auf der italienischen Halbinsel selbst aufgenommen. Unter der Verwaltung des Deutschmeisters stammte ein erheblicher Teil des in Lamparten eingesetzten Personals aus den Gebieten des Deutschmeistertums. Neben dem Mittelrhein und süddeutschen Herkunftsräumen ist auch Tirol als Herkunftsgebiet nachweisbar[7].

Die personelle Stärke der Ballei blieb insgesamt gering. Bereits um 1400 zählte sie nur neun Mitglieder, von denen wenigstens vier Priesterbrüder waren[8]. Eine vergleichbare Größenordnung konnte auch zwischen 1435 und 1440 gehalten werden[9]. Bei der Visitation des Jahres 1451 wurden schließlich zehn Brüder festgestellt[10]. Für die Amtsstruktur der Ballei sind neben dem Landkomtur auch Balleistatthalter und Prokuratoren sowie seit dem 15. Jahrhundert Tressler nachgewiesen[11].

Seit dem 15. Jahrhundert lässt sich zugleich die Funktion Lampartens innerhalb des ordensinternen Personalverkehrs deutlicher erkennen. Brüder, die aus dem deutschsprachigen Raum nach Italien geschickt wurden, gelangten häufig zunächst nach Lamparten und wurden von dort aus weiter nach Süden versetzt. Die Ballei versorgte auf diese Weise weitere Niederlassungen auf der italienischen Halbinsel mit Personal. Für das in diesem Zusammenhang nachweisbare Personal lassen sich drei soziale Herkunftsgruppen unterscheiden: Angehörige kleinerer ritterlicher Familien sowie Angehörige des adeligen und des bürgerlichen Stadtpatriziats[12].

Die Verwaltung Lampartens wurde im 15. Jahrhundert regelmäßig kontrolliert. 1462 wurde die Ballei von Andreas von Grumbach als deutschmeisterlichem Visitator besucht. Solche Visitationen gehörten zu den Instrumenten der vom Deutschmeister ausgeübten Verwaltung Lampartens. Gleichzeitig verschärften sich die personellen Schwierigkeiten. Um 1460 setzte ein Versorgungsproblem ein, das auch Lamparten betraf: Für die Besetzung der Ordenshäuser standen nicht genügend Brüder zur Verfügung.

Die personellen Verbindungen Lampartens zum Deutschmeistertum konzentrierten sich im 15. und frühen 16. Jahrhundert besonders auf Mergentheim, Frankfurt-Sachsenhausen, Würzburg, Ulm, Nürnberg und Marburg[13]. Direkte Beziehungen nach Mergentheim sind bereits seit dem frühen 15. Jahrhundert nachweisbar. So war Götz von Berlichingen, der 1408/09 als Balleistatthalter und anschließend als Landkomtur von Lamparten amtierte, bereits 1374 in Mergentheim in den Deutschen Orden eingetreten. Auch für weitere Brüder und Amtsträger Lampartens sind Verbindungen nach Mergentheim belegt[14].

Zu Beginn des 16. Jahrhunderts hatte die Ballei bereits Teile ihrer Besitzgrundlage verloren. Zugleich griff die päpstliche Pfründenvergabe zunehmend in ihre Besitz- und Verwaltungsstruktur ein. Im Oktober 1512 verlieh Papst Julius II. die Kommende Venedig als Pfründe[15]. 1526 folgte auch die Landkommende Padua[16]. Obwohl der Deutsche Orden sich gegen die Entfremdung seiner Kommenden zur Wehr setzte, konnte er sich nicht dauerhaft durchsetzen. Die geringe personelle Stärke der Ballei dürfte ihre Stellung zusätzlich erschwert haben.

Eine Ausnahme bildete die Kommende Brixen. Sie konnte 1521 wieder dem Deutschen Orden zugeführt werden und wurde anschließend der Ballei Österreich angeschlossen[17]. Damit löste sich zugleich ein bedeutender Teil der bisherigen Besitzstruktur Lampartens aus dem Zusammenhang der Ballei.

Vor diesem Hintergrund sind die Bemühungen Dietrichs von Hasslach um die Rückgewinnung verlorener italienischer Besitzungen zu sehen. Im März 1524 wurde Hasslach Balleistatthalter von Lamparten. Von Mai bis August 1525 übte er zugleich das Amt des Prokurators des Deutschmeisters in Rom aus; anschließend amtierte er als Landkomtur von Lamparten bis zu seinem Tod auf einer Reise nach Rom im November 1529[18]. Mit seiner Amtszeit setzten verstärkte Bemühungen um die Rückgewinnung verlorener Besitzungen ein. Hasslach ist der letzte für diesen Zeitraum nachgewiesene Landkomtur Lampartens.

Nach seinem Tod bestand das Leitungsamt zunächst weiter. Nikasius von Rosenau ist als Balleistatthalter von Lamparten belegt und starb 1534[19]. In der Mitte des 16. Jahrhunderts war die Ballei jedoch faktisch erloschen. Zwar trat der venezianische Pfründeninhaber 1546 dem Deutschen Orden bei[20], doch führte dies nicht zu einer dauerhaften Rückgewinnung der entfremdeten Kommenden. Diese blieben dem unmittelbaren Zugriff des Ordens entzogen und wurden schließlich veräußert.

Auch nach dem faktischen Erlöschen der Ballei bestanden jedoch Besitz- und Rechtsinteressen des Deutschen Ordens im norditalienischen Raum fort. Besonders deutlich lässt sich dies an der venezianischen Niederlassung verfolgen. Am 30. August 1595 wurde ein Vertrag über die Übertragung des Priorats SS. Trinità in Venedig mit seinen Rechten und Zugehörungen an das Seminar des Patriarchen von Venedig geschlossen. Als Gegenleistung waren dem Hochmeister 14.000 venezianische Dukaten zu zahlen; der Vertrag wurde anschließend päpstlich bestätigt[21].

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II         Landkomture

Omnebono (vor dem 4. Mai 1240 belegt)

Gervasio (1269/1270 und 1276 belegt) [22]

Heinrich Reck von Hegi (1355–1357) [23]

Arnold von Uissigheim (1390–1391)

Gottschalk von Eyb (1396–1398) [24]

Götz von Berlichingen (1408–1418; 1408/09 als Balleistatthalter) [25]

Ortolf von Zogenreuth (nach 1425) [26]

Wilhelm Behaim (1438–1439)

Peter Haidenaab (1442–1447) [27]

Vinzenz Leubint (1467–1478; seit 1464 Balleistatthalter) [28]

Philipp von Hohenstein (1498–1504) [29]

Dietrich von Hasslach (nach August 1525–November 1529; seit März 1524 Balleistatthalter) [30]

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[1] Marie-Luise Favreau-Lilie, Der Deutsche Orden in Norditalien (13. Jh.). Über die Grenzen der ‚Netzwerkforschung‘, in: Ordines Militares. Colloquia Torunensia Historica. Yearbook for the Study of the Military Orders, Bd. XX, Toruń 2015, S. 39

[2] Marie-Luise Favreau-Lilie, Der Deutsche Orden in Norditalien (13. Jh.). Über die Grenzen der ‚Netzwerkforschung‘, in: Ordines Militares. Colloquia Torunensia Historica. Yearbook for the Study of the Military Orders, Bd. XX, Toruń 2015, S. 54

[3] Klaus Militzer, Die Geschichte des Deutschen Ordens, Stuttgart 2005, S. 40

[4] Marie-Luise Favreau-Lilie, Der Deutsche Orden in Norditalien (13. Jh.). Über die Grenzen der ‚Netzwerkforschung‘, in: Ordines Militares. Colloquia Torunensia Historica. Yearbook for the Study of the Military Orders, Bd. XX, Toruń 2015, S. 56-58

[5] Kristjan Toomaspoeg, Die Brüder des Deutschen Ordens in Italien, in: Ordines Militares. Colloquia Torunensia Historica. Yearbook for the Study of the Military Orders, Bd. XIX, Toruń 2014, S. 94

[6] Klaus Militzer, Die Geschichte des Deutschen Ordens, Stuttgart 2005, S. 40

[7] Kristjan Toomaspoeg, Die Brüder des Deutschen Ordens in Italien, in: Ordines Militares. Colloquia Torunensia Historica. Yearbook for the Study of the Military Orders, Bd. XIX, Toruń 2014, S. 94-95

[8] Klaus Militzer, Die Geschichte des Deutschen Ordens, Stuttgart 2005, S. 138-139

[9] Kurt Forstreuter, Der Deutsche Orden am Mittelmeer, Bad Godesberg 1967, S. 213

[10] Kurt Forstreuter, Der Deutsche Orden am Mittelmeer, Bad Godesberg 1967, S. 154

[11] Kristjan Toomaspoeg, Die Brüder des Deutschen Ordens in Italien, in: Ordines Militares. Colloquia Torunensia Historica. Yearbook for the Study of the Military Orders, Bd. XIX, Toruń 2014, S. 90

[12] Kristjan Toomaspoeg, Die Brüder des Deutschen Ordens in Italien, in: Ordines Militares. Colloquia Torunensia Historica. Yearbook for the Study of the Military Orders, Bd. XIX, Toruń 2014, S. 97

[13] Kristjan Toomaspoeg, Die Brüder des Deutschen Ordens in Italien, in: Ordines Militares. Colloquia Torunensia Historica. Yearbook for the Study of the Military Orders, Bd. XIX, Toruń 2014, S. 101-102

[14] Kristjan Toomaspoeg, Die Brüder des Deutschen Ordens in Italien, in: Ordines Militares. Colloquia Torunensia Historica. Yearbook for the Study of the Military Orders, Bd. XIX, Toruń 2014, S. 112-113

[15] Johann Rainer, Zur Geschichte des Deutschordenspriorates Ss. Trinita in Venedig vornehmlich im 16. Jahrhundert, in: Acht Jahrhunderte Deutscher Orden in Einzeldarstellungen, Bad Godesberg 1967, S. 360

[16] Johann Rainer, Zur Geschichte des Deutschordenspriorates Ss. Trinita in Venedig vornehmlich im 16. Jahrhundert, in: Acht Jahrhunderte Deutscher Orden in Einzeldarstellungen, Bad Godesberg 1967, S. 362

[17] Klaus Militzer, Die Geschichte des Deutschen Ordens, Stuttgart 2005, S. 179

[18] Kristjan Toomaspoeg, Die Brüder des Deutschen Ordens in Italien, in: Ordines Militares. Colloquia Torunensia Historica. Yearbook for the Study of the Military Orders, Bd. XIX, Toruń 2014, S. 101

[19] Kristjan Toomaspoeg, Die Brüder des Deutschen Ordens in Italien, in: Ordines Militares. Colloquia Torunensia Historica. Yearbook for the Study of the Military Orders, Bd. XIX, Toruń 2014, S. 89

[20] Johann Rainer, Zur Geschichte des Deutschordenspriorates Ss. Trinita in Venedig vornehmlich im 16. Jahrhundert, in: Acht Jahrhunderte Deutscher Orden in Einzeldarstellungen, Bad Godesberg 1967, S. 368

[21] Riccardo Predelli, Le reliquie dell’Archivio dell’Ordine Teutonico in Venezia, in: Atti del Reale Istituto Veneto di Scienze, Lettere ed Arti, Bd. 64, Teil II, 1904/05, S. 1401-1402

[22] Marie-Luise Favreau-Lilie, Der Deutsche Orden in Norditalien (13. Jh.). Über die Grenzen der ‚Netzwerkforschung‘, in: Ordines Militares. Colloquia Torunensia Historica. Yearbook for the Study of the Military Orders, Bd. XX, Toruń 2015, S. 54-55

[23] Kristjan Toomaspoeg, „Die Brüder des Deutschen Ordens in Italien“, in: Ordines Militares. Colloquia Torunensia Historica. Yearbook for the Study of the Military Orders, Bd. XIX, Toruń 2014, S. 96

[24] Kristjan Toomaspoeg, „Die Brüder des Deutschen Ordens in Italien“, in: Ordines Militares. Colloquia Torunensia Historica. Yearbook for the Study of the Military Orders, Bd. XIX, Toruń 2014, S. 99

[25] Kristjan Toomaspoeg, „Die Brüder des Deutschen Ordens in Italien“, in: Ordines Militares. Colloquia Torunensia Historica. Yearbook for the Study of the Military Orders, Bd. XIX, Toruń 2014, S. 112

[26] Kristjan Toomaspoeg, „Die Brüder des Deutschen Ordens in Italien“, in: Ordines Militares. Colloquia Torunensia Historica. Yearbook for the Study of the Military Orders, Bd. XIX, Toruń 2014, S. 97

[27] Kristjan Toomaspoeg, „Die Brüder des Deutschen Ordens in Italien“, in: Ordines Militares. Colloquia Torunensia Historica. Yearbook for the Study of the Military Orders, Bd. XIX, Toruń 2014, S. 110-111

[28] Kristjan Toomaspoeg, „Die Brüder des Deutschen Ordens in Italien“, in: Ordines Militares. Colloquia Torunensia Historica. Yearbook for the Study of the Military Orders, Bd. XIX, Toruń 2014, S. 97

[29] Kristjan Toomaspoeg, „Die Brüder des Deutschen Ordens in Italien“, in: Ordines Militares. Colloquia Torunensia Historica. Yearbook for the Study of the Military Orders, Bd. XIX, Toruń 2014, S. 113

[30] Kristjan Toomaspoeg, „Die Brüder des Deutschen Ordens in Italien“, in: Ordines Militares. Colloquia Torunensia Historica. Yearbook for the Study of the Military Orders, Bd. XIX, Toruń 2014, S. 101