Kommende Gangkofen
Bistum Passau
Land: Bayern
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I. Geschichte
Die Deutschordenskommende Gangkofen entstand in den Jahren 1278 und 1279 durch die Stiftung des Grafen Wernhard von Leonberg. Er übertrug dem Deutschen Orden das Patronatsrecht über die Pfarrkirche von Gangkofen sowie über die sogenannte Neue Kapelle in Heiligenstadt. Die Stiftung führte zu einem Rechtsstreit mit Bischof Heinrich II. von Regensburg und dem Regensburger Domkapitel. Umstritten war die Frage, ob die übertragenen Rechte und Güter freies Eigentum der Stifterfamilie oder Lehen des Hochstifts Regensburg waren. Der Streit wurde schließlich beigelegt. Im Zusammenhang mit dieser Einigung wurden unter anderem Güter in Tunding und Vorst in Südtirol als Entschädigung übertragen. Damit war die rechtliche Grundlage für die Niederlassung des Deutschen Ordens in Gangkofen geschaffen.
Bereits im Jahr 1316 erfolgte eine bedeutende Erweiterung der Rechte und Besitzungen der Kommende. Graf Heinrich von Leonberg schenkte dem Deutschen Orden die Pfarrei Zimmern mit ihrer Filialkirche in Tann. Das Patronat über Zimmern blieb bis zum Ende der Ordensherrschaft in den Händen der Kommende. Neben dem Patronat über die Pfarrkirche von Gangkofen verfügte die Kommende damit auch über die Patronatsrechte in Zimmern und Tann. Besitzungen und Rechte der Kommende sind darüber hinaus im Rottal und im Gäuboden nachweisbar.
Die urkundliche Überlieferung belegt für die folgenden Jahrhunderte zahlreiche Besitz- und Rechtsbeziehungen im Umfeld der Kommende. In den Quellen erscheinen unter anderem Nutzbach, Scheuering, Wiedersbach, Mitterschmiddorf, Langenkatzbach, Taubendorf, Niedertrennbach, Thalkofen, Oberschmiddorf, Racksdorf und Dirnaich. Darüber hinaus werden Zehntrechte, Gülten und weitere grundherrschaftliche Ansprüche der Kommende genannt. Die erhaltenen Nachrichten zeigen, dass die Niederlassung nicht nur kirchliche Aufgaben wahrnahm, sondern auch als Grundherrin in einem weitgespannten lokalen Wirtschafts- und Rechtsgefüge eingebunden war.
Am Abend des 19. Oktober 1599 wurde Gangkofen von einem schweren Brand heimgesucht. Das Feuer zerstörte 47 Häuser des Marktes. Vernichtet wurden außerdem das Priesterhaus, das Schulhaus, das Mesnerhaus sowie Wirtschaftsgebäude der Kommende. Die Schäden waren so erheblich, dass die Wiederaufbauarbeiten Jahrzehnte in Anspruch nahmen. Noch im Jahr 1629 waren sie nicht vollständig abgeschlossen.
Seit dem Jahr 1641 ist kein eigener Komtur der Kommende mehr sicher nachweisbar. Am 12. Mai 1655 wurde beschlossen, die Stelle des Komturs unbesetzt zu lassen, da die wirtschaftlichen Verhältnisse der Kommende die Unterhaltung eines eigenen Vorstehers nicht mehr zuließen.
Im Jahr 1666 wurde Gangkofen erneut von einem großen Brand betroffen. Dabei wurden auch die Gräber der Stifterfamilie zerstört. Die Folgen dieses Brandes führten zu umfangreichen Neubauten. Zwei Flügel der Kommende wurden im Jahr 1692 von Grund auf neu errichtet.
Am 14. August 1685 erhob Kurfürst Max Emanuel die Kommende zu einem adeligen Ansitz und verlieh ihr die Vogtei- und Niedergerichtsbarkeit. Mit diesen Rechten war die Kommende zur Ausübung lokaler Herrschafts- und Gerichtsaufgaben befugt. Sie hatte die Steuern ihrer Untertanen einzuziehen und an die zuständigen Behörden weiterzuleiten. Zu dieser Zeit standen etwa 200 Untertanen unter ihrer Herrschaft. Die Kommende war damit nicht nur kirchliches Zentrum, sondern auch Trägerin konkreter obrigkeitlicher Funktionen. Eine volle Bestätigung der Niedergerichtsbarkeit erfolgte im Jahr 1745.
Zu Beginn des 18. Jahrhunderts wurde die Pfarrkirche grundlegend erneuert. Im Jahr 1718 wurde der Weiterbau der Kirche beschlossen. Mit der Planung wurde der Deutschordensbaumeister Franz Keller beauftragt. Die Marmorierungsarbeiten führte Benedict Zöpf aus. An der Finanzierung beteiligten sich die Leib-Christi-Bruderschaft sowie die Armen-Seelen-Bruderschaft. Im Jahr 1722 war der Neubau vollendet. Die heutige Gestalt der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt geht auf diese Bauphase zurück.
Für das Jahr 1735 sind Jesuitenmissionen in Gangkofen belegt. Daneben bestanden Bruderschaften und weitere Formen barocker Frömmigkeit, die das religiöse Leben der Pfarrei prägten.
Seit dem Jahr 1759 unterlagen die Einkünfte der Kommende der sogenannten bayerischen Dezimation. Dabei handelte es sich um eine zehnprozentige Besteuerung kirchlicher Vermögen. Auch die Besitzungen und Einkünfte der Kommende Gangkofen wurden von dieser Maßnahme erfasst.
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts führten die politischen Veränderungen der napoleonischen Zeit zum Ende der Niederlassung. Im Herbst 1805 wurde bekannt, dass die Aufhebung der Deutschordenskommenden in Bayern vorgesehen war. Kurz darauf wurde die Kommende unter staatliche Verwaltung gestellt. Damit war ihre selbständige Existenz faktisch beendet. Die Aufhebung erfolgte noch im selben Jahr. Mit ihr endete die mehr als fünfhundertjährige Geschichte der Deutschordenskommende Gangkofen.
Nach der Aufhebung wurden die Gebäude anderweitig genutzt. Teile der Anlage dienten später als Schule und Kindergarten. Zeitweise waren dort die Armen Schulschwestern untergebracht. Heute werden die historischen Gebäude weiterhin genutzt; zu den heutigen Einrichtungen gehört unter anderem die Ambulante Pflegestation Gangkofen.
Die urkundliche Überlieferung der Kommende wird heute im Bayerischen Hauptstaatsarchiv verwahrt. Dort befindet sich ein eigener Urkundenbestand der Deutschordenskommende Gangkofen. Die erhaltenen Urkunden und Akten dokumentieren die Entwicklung der Kommende von ihrer Gründung im späten 13. Jahrhundert über die Erweiterung ihrer Patronatsrechte und Besitzungen, ihre Stellung als Grundherrschaft und Gerichtsherrschaft, die Brandkatastrophen des 16. und 17. Jahrhunderts, die barocken Neubauten sowie ihre Aufhebung zu Beginn des 19. Jahrhunderts.
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II. Komture
Philipp Forstmeister von Gelnhausen (1497-1498)
Hans Georg von Dachenhausen (ca. 1572)
Christoph von Dacheroden (1593)
Wolf Erhard von Muggenthal (1599)
Wilhelm von und zu Hees (1608/09)
Hans Martin Edelweck von und zu Schonau (1609-1612)
Wolf Erhard von Muggenthal (1625-1630)
Karl Schweikard von Sickingen (1685-1687)
Philipp Heinrich von Andlau (1692-1694)
Maximilian Rudolf von Westernach (1695-1697)
Philipp Heinrich von Andlau (1697-1701)
Johann Philipp von Weittershausen (1785)
Johann Philipp von Weittershausen (1783-1788)
Franz Heinrich von Hettersdorf (1789)
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– Quellen und Literatur –
Seiler, Jörg: Der Deutsche Orden in Frankfurt, Marburg 2003
Festausschuss „700 Jahre Gründung der Deutschordenskommende Gangkofen“ (Hg.): Gangkofen und die Deutschordenskommende 1279–1979. Gangkofen 1979
Staatsarchiv Ludwigsburg, JL 425 Bd. 26
