Kommende Goldingen

Meistertum Livland

Bistum Kurland

Land: Deutscher Orden

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I           Geschichte

Im Jahr 1242 begann an der Venta der Bau der Burg Goldingen. Wilhelm von Modena hatte dort einen Platz für die Errichtung einer Burg angewiesen; der Bau erfolgte unter Dietrich von Groningen gemeinsam mit dem damaligen Bischof von Kurland[1]. Die Bautätigkeit erstreckte sich bis 1244. Im Februar 1245 wird die Anlage als vollendet bezeichnet; in der Überlieferung erscheint sie als Guldinge modo Jesusborg. Der Name Jesusborg setzte sich nicht dauerhaft durch und wurde durch den örtlichen Namen verdrängt. Die Burg wurde von Anfang an als Mauerbau errichtet und nicht zunächst als Holzburg angelegt[2].

Goldingen diente nach seiner Errichtung als Stützpunkt des Deutschen Ordens in Kurland und als Ausgangspunkt für die weitere Unterwerfung des Landes[3]. Von Goldingen aus wurden außerdem gemeinsam mit anderen Ordensstützpunkten Unternehmungen gegen Samogitien organisiert. Aus der Burg entwickelte sich die Kommende Goldingen, die einen der wichtigsten Stützpunkte des Ordens in Kurland bildete.

Die Aufteilung Kurlands zwischen dem Deutschen Orden und dem Bischof von Kurland sah zwei Drittel des Landes für den Orden und ein Drittel für den Bischof vor; die nähere territoriale Teilung wurde 1253 vereinbart[4]. Auch in Goldingen bestanden zunächst Rechte beider Seiten. Nach einem von Bischof Heinrich von Ösel vermittelten Vergleich verzichtete der Bischof von Kurland gegen eine Geldentschädigung auf seinen Anteil an Goldingen. Gleichzeitig gab er das ihm zuvor eingeräumte Recht auf, bei einer künftig bei der Burg entstehenden Stadt eine eigene Residenz und einen Bauplatz zu erhalten[5].

Im Jahr 1252 erhielt die bei der Burg entstehende Siedlung vom Bischof Land in einem Radius von zwei Meilen um die Burg sowie Rechte für einen Markt- und Hafenplatz. Im Jahr 1263 wird Goldingen in den schriftlichen Quellen als oppidum bezeichnet[6].

Für das Jahr 1341 ist ein umfangreiches Inventar der Kommende Goldingen überliefert. Es verzeichnet die Viehbestände, Getreidevorräte, Geldmittel, Außenstände und Transportmittel des Hauses[7].

An verschiedenen Orten der Komturei werden 18 Pflugpferde, 38 beziehungsweise 39 Ochsen sowie weitere 37 für den Ackerbau bestimmte Ochsen, fünf Kühe, 119 Stück weiteres Großvieh, 308 weitere Kühe, 37 Stuten, 21 beziehungsweise 31 Fohlen und 30 Reitpferde genannt. Bei den Schafen weichen die Angaben mit 100 beziehungsweise 300 Tieren voneinander ab. Die unterschiedlichen Zahlen ergeben sich aus den voneinander abweichenden Wiedergaben bei Prutz und Engelhardt.

In den Speichern des Hauses lagen 18 Last Getreide; weitere Mengen befanden sich außerhalb Goldingens oder waren für den Transport bestimmt. Daneben wurde Getreide an Bauern ausgegeben, und es wurden eingegangene sowie ausstehende Zahlungen verzeichnet[8].

Für die Versorgung werden außerdem 100 Schweine, 36 Rinder, größere Mengen gedörrten Fischs, Hopfen, Honig und verschiedene Getränke genannt. Dem Kämmerer standen 100 Mark rigisch für Einkäufe zur Verfügung; zugleich bestanden Forderungen gegenüber Kaufleuten auf Gotland.

Zum wirtschaftlichen Bestand der Kommende gehörten ferner ein größeres und sechs kleinere Schiffe sowie Bernstein, der zum Verkauf bestimmt war[9].

Zum Herrschaftsbereich der Komturei gehörten sieben Dörfer der sogenannten Kurischen Könige. Ihre Bewohner unterstanden dem Komtur von Goldingen. Aus dem 14. Jahrhundert sind Landverleihungen an einzelne Bewohner dieser Dörfer überliefert[10].

Die Kernanlage der Burg bestand aus vier Flügeln, die einen Innenhof umschlossen. Hinzu kamen Ecktürme, eine äußere Befestigungsmauer sowie weitere Gebäude zwischen der Kernburg und der äußeren Mauer.

Die äußere Befestigungsmauer war jünger als die Kernburg und entstand frühestens im 15. Jahrhundert. Auch die runden Türme der Vorburg gehören frühestens in diese Zeit. Im nordöstlichen Teil der Anlage befand sich ein Tor, das durch eine Brücke mit dem gegenüberliegenden Ufer der Alekšupīte verbunden war.

Für das Jahr 1438 ist vor der Burg eine Brücke über die Venta bezeugt. Die Überlieferung lässt sowohl eine Deutung als Steinbrücke als auch als Zugbrücke zu.

Im Jahr 1446 wurde Goldingen von litauischen und samogitischen Truppen angegriffen und geplündert. Dabei wurde auch die Stadtmauer zerstört und anschließend nicht wieder aufgebaut[11].

Im Jahr 1495 vergab Landmeister Wolter von Plettenberg Lehen im Gebiet von Goldingen und Windau[12].

Während des Livländischen Krieges kam es zu Veränderungen in der Leitung der Kommende. Am 17. September 1559 ist Hinrich Steding bei einer Versammlung in Wenden als amtierender Komtur von Goldingen belegt; Werner Schall von Bell wird zu diesem Zeitpunkt noch als Vogt von Rositten genannt.

Werner Schall von Bell erhielt anschließend das Komturamt von Goldingen. Heinrich Steding musste Goldingen abgeben und erhielt Schrunden als Alterssitz[13].

Im Sommer 1560 wurde innerhalb der livländischen Ordensführung über eine Verpfändung Goldingens beraten. Am 16. Juli warnte Landmarschall Philipp Schall von Bell Ordensmeister Gotthard Kettler vor der dadurch hervorgerufenen Unruhe unter den Ordensherren und empfahl ihm, unter anderem den Goldinger Hauskomtur und die Goldinger Kompane anzuschreiben.

Am 2. August 1560 geriet der Komtur von Goldingen bei der Schlacht von Ermes zusammen mit dem Komtur von Rujen in Gefangenschaft[14]. In der Folge gehörte Goldingen zu den vakant gewordenen kurländischen Ordenshäusern[15].

Mit der Auflösung des Deutschen Ordens in Livland durch Gotthard Kettler im Jahr 1562 endete auch die Deutschordenskommende Goldingen[16].

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II         Komture[17]

1252 Bruno un Gosvins

1253-1258 Heinrich

1272 Dītrihs

1279-1281 Johan von Ochtenhûsen

1282 R.

1291 Helmihs

1301 Detmars

1305 Rudolfs

1310 Reimar Hahn

1327-1328 Eberhard von Monheim

1337-1341 Hermann Gutacker

1347-1348 Arnold von Vietinghoff

1363 Johann von Save

1365-1367 Siegfried Hunswin von Lahnstein

1383-1395 Dietrich Hövelmann

1397-1399 Meinhard von Everstein

nach 1405 Jakobs

1413-1414 Heinrich von der Recke

1416 Helwig von Gilsa

1420 Walrabe von Hunsbach

1420 Albert Torck

1422 Dietrich Kra

1422-1427 Frank von Steinen

1428-1430 Swender von Reve

1430-1431 Heinrich von Notleben

1432-1434 Heidenreich Vincke von Overberg

1434-1436 Simon Langschenkel

1441 Bertold von Bredenol

1442-1446 Heinrich Schleier

1450-1451 Johann von Stemmen

1453-1462 Johann von Krieckenbeck

1462-1470 Lubbert von Varssem

1470-1471 Konrad von Herzenrode

1472-1482 Gerhard von Mallinckrodt

1484-1490 Dietrich von Oldenbockum

1490-1494 Heinrich von der Brüggen

1495-1501 Heinrich von Galen

1502-1519 Otto Goes

1519-1529 Gerhard von der Brüggen

1529-1535 Heinrich von Galen

1535-1544 Ernst von Münchhausen

1545-1556 Christoph von Neuhof

1556-1560 Heinrich Steding

1560 Werner Schall von Bell

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[1] Hans Prutz, Kurlands deutsche Vergangenheit, München 1918, S. 13

[2] Andris Šnē, Viduslaiku un jauno laiku Kuldīga: arheoloģija un vēsture, Kuldīga 2017, PDF-S. 7

[3] Hans Prutz, Kurlands deutsche Vergangenheit, München 1918, S. 13

[4] Andris Šnē, Viduslaiku un jauno laiku Kuldīga: arheoloģija un vēsture, Kuldīga 2017, PDF-S. 7

[5] Hans Prutz, Kurlands deutsche Vergangenheit, München 1918, S. 15-16

[6] Andris Šnē, Viduslaiku un jauno laiku Kuldīga: arheoloģija un vēsture, Kuldīga 2017, PDF-S. 7-8

[7] Hans Prutz, Kurlands deutsche Vergangenheit, München 1918, S. 30-32

[8] Hans Prutz, Kurlands deutsche Vergangenheit, München 1918, S. 31 und Hermann Freiherr von Engelhardt, Beitrag zur Entstehung der Gutsherrschaft in Livland während der Ordenszeit, Leipzig-Reudnitz 1897, S. 23

[9] Hans Prutz, Kurlands deutsche Vergangenheit, München 1918, S. 31-32

[10] Hans Prutz, Kurlands deutsche Vergangenheit, München 1918, S. 50

[11] Andris Šnē, Viduslaiku un jauno laiku Kuldīga: arheoloģija un vēsture, Kuldīga 2017, PDF-S. 7-8

[12] Hans Prutz, Kurlands deutsche Vergangenheit, München 1918, S. 43

[13] Juhan Kreem, Die inneren Voraussetzungen der Säkularisation des Deutschen Ordens in Livland, in: Ordines Militares. Colloquia Torunensia Historica 22, Toruń 2017, S. 97-98

[14] Juhan Kreem, Die inneren Voraussetzungen der Säkularisation des Deutschen Ordens in Livland, in: Ordines Militares. Colloquia Torunensia Historica 22, Toruń 2017, S. 102

[15] Juhan Kreem, Die inneren Voraussetzungen der Säkularisation des Deutschen Ordens in Livland, in: Ordines Militares. Colloquia Torunensia Historica 22, Toruń 2017, S. 104

[16] Juhan Kreem, Die inneren Voraussetzungen der Säkularisation des Deutschen Ordens in Livland, in: Ordines Militares. Colloquia Torunensia Historica 22, Toruń 2017, S. 108

[17] https://lv.wikipedia.org/wiki/Kuldigas_komturi (07.09.2015)