Ballei Franken, Deutschmeister
Erzbistum Mainz
Land: Kurfürst-Erzbistum Mainz
.
I. Geschichte
Die Geschichte der Kommende des Deutschen Ordens in Mainz begann im Jahr 1218, als Kaiser Friedrich II. dem Orden die am Flachsmarkt gelegene Kirche Sancta Maria inter Iudaeos übertrug. Mit dieser Schenkung erhielt der Orden erstmals eine feste Niederlassung in Mainz. Die Kirche lag in unmittelbarer Nähe des Mainzer Judenviertels und bildete den ersten nachweisbaren Besitz des Ordens in der Stadt.
Bereits zuvor hatte der Orden kirchliche Rechte im weiteren Umfeld erworben. Seit 1212 befand sich die Pfarrkirche von Wiesbaden in seinem Besitz, seit 1231 zudem die Pfarrkirchen von Blessberg und Niederzeuzheim. Eine erhebliche Ausweitung des Besitzes setzte ab der Mitte des 13. Jahrhunderts ein. Im Jahr 1256 schenkten Werner von Bolanden und Philipp von Hohenfels dem Deutschen Orden die Pfarrkirche von Udenheim. Die Übertragung wurde durch Kaiser Friedrich II. bestätigt. Im selben Jahr erhielt der Orden weitere Schenkungen, darunter ein Haus in Kastel. Bereits 1257 ist dort ein Praezeptor nachweisbar.
Auch in den folgenden Jahren mehrte sich der Besitz der Niederlassung. Im Jahr 1258 übertrug der Mainzer Bürger Konrad genannt Wiesbaden dem Deutschen Orden sein Vermögen. Ritter Werner genannt Krieg von Saulheim schenkte dem Orden seine Güter in Kettenheim und Mainz, behielt jedoch die lebenslange Nutzung. Nach seinem Tod sollte seine Witwe durch den Orden versorgt werden. Im Jahr 1285 übertrugen die Mainzer Bürger Jakob von Worms und Adelheid dem Orden zwei Verkaufsstände in der Nähe des erzbischöflichen Palastes sowie weiteren Besitz für den Todesfall. Ihr Sohn gehörte bereits dem Deutschen Orden an. Diese Übertragungen zeigen, dass die Mainzer Niederlassung nicht allein durch herrschaftliche Schenkungen, sondern auch durch Stiftungen von Bürgern und Rittern anwuchs.
In den folgenden Jahrzehnten vergrößerte der Orden seinen Besitzbestand erheblich. Bis 1287 wurden die Zehntrechte in Frickhofen, Auenrode, Mühlbach, Heuchelheim, Niederzeuzheim, Thalheim, Hadamar und Hörbach erworben. Im Gegenzug verzichtete der Orden auf die Patronatsrechte der Filialkirchen von Driedorf, Emmerichenhain, Neukirch und Marienberg. Die Erwerbungen zeigen eine gezielte Konzentration auf wirtschaftlich nutzbare Einkünfte.
Neben den ländlichen Besitzungen gewann Mainz selbst zunehmend an Bedeutung. Im 13. Jahrhundert gelangte das Patronatsrecht über das Udenmünster beziehungsweise St. Maria unterm Münster an den Orden. In dessen Nachbarschaft wurde weiterer Grundbesitz erworben. Diese Besitzkonzentration führte dazu, dass die Niederlassung um das Jahr 1270 von Kastel nach Mainz verlegt wurde. Zu diesem Zeitpunkt unterstand das Mainzer Haus noch dem Komtur von Sachsenhausen. Die Niederlassung besaß zunächst keine volle Eigenständigkeit und war organisatorisch von Sachsenhausen abhängig. Zugleich begann der Orden, weitere Häuser und Grundstücke innerhalb der Stadt Mainz zu erwerben.
Ein wichtiger Beleg für die Entstehung der Mainzer Kommende findet sich in den Urkunden der Jahre 1268 und 1271. Im Jahr 1268 erscheint ein Komtur von Kastel namens Diederich in einem Streit um Güter bei Gau-Algesheim. Am 6. März 1271 wird derselbe Diederich erstmals ausdrücklich als Komtur in Mainz genannt. Daraus wird deutlich, dass sich die Mainzer Kommende unmittelbar aus der Kasteler Niederlassung entwickelte.
Die Loslösung von Sachsenhausen erfolgte offenbar erst im Verlauf des 14. Jahrhunderts. In dieser Zeit gewann die Mainzer Niederlassung ihre Eigenständigkeit. Gleichzeitig nahm sie innerhalb des Deutschen Ordens eine besondere Stellung ein. Sie diente als ständige Vertretung des Ordens am Sitz des Mainzer Erzbischofs und Reichserzkanzlers und war damit der wichtigste Anlaufpunkt des Ordens in Mainz.
Einen wichtigen Einschnitt stellte das Jahr 1313 dar. In diesem Jahr tauschte der Deutsche Orden mit dem Petersstift das Patronatsrecht der Kirche von Udenheim gegen die Marienkapelle in Mainz. Die Kapelle wurde anschließend abgebrochen und durch eine neue Elisabethkapelle ersetzt. Diese wird erstmals im Jahr 1324 urkundlich erwähnt. Die Elisabethkapelle bildete fortan den religiösen Mittelpunkt der Mainzer Niederlassung.
Trotz ihrer Eigenständigkeit blieb die Kommende personell klein. Für das Jahr 1410 sind lediglich zwei Priesterbrüder und ein Ritterbruder nachgewiesen. Die Quellen erlauben damit einen seltenen Einblick in die Größe des Konvents zu Beginn des 15. Jahrhunderts.
Im Verlauf der Ordensgeschichte änderte sich auch die übergeordnete Verwaltungszugehörigkeit der Mainzer Kommende. Ursprünglich gehörte sie zum Bereich der Ballei Hessen. Nachdem die Ballei Hessen in der Mitte des 16. Jahrhunderts grundlegend umgestaltet worden war, wurde die Mainzer Kommende der Ballei Franken zugeordnet und blieb dort bis zu ihrem Ende.
Die mittelalterliche Kommende befand sich ursprünglich am nordöstlichen Rand der Stadt Mainz. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts wurde beschlossen, die Niederlassung an einen neuen Standort zu verlegen. Der Neubau entstand in unmittelbarer Rheinnähe und wurde gegenüber dem bisherigen Standort weiter zum Fluss hin verschoben. Maßgeblich an der Standortwahl beteiligt war der Mainzer Komtur Franz Siegmund Freiherr von Satzenhofen.
Die Bauarbeiten begannen noch vor Abschluss sämtlicher Planungen. Am 13. April 1730 wurde der Grundstein gelegt. Bereits am 16. Januar 1732 konnte Richtfest gefeiert werden. Das Mainzer Domkapitel unterstützte das Bauvorhaben durch die Lieferung von Baumaterial im Wert von 10.826 Gulden. Die Planung lag in den Händen des Architekten Anselm Franz Freiherr von Ritter zu Groenesteyn. An der künstlerischen Ausgestaltung wirkten unter anderem der Bildhauer Burkard Zamels, der Freskomaler Christoph Thomas Scheffler sowie Mitglieder der Stuckatorenfamilie Castelli mit. Im Jahr 1737 wurde auch die ältere Elisabethkapelle durch einen Neubau ersetzt. Auf diese Weise entstand das Deutschhaus in seiner heutigen Gestalt.
Das Ende der Kommende erfolgte im Zusammenhang mit den politischen Umwälzungen der Französischen Revolution. Mainz wurde 1792 von französischen Truppen besetzt. Nach wechselnden Herrschaftsverhältnissen wurde das linksrheinische Gebiet dauerhaft in den französischen Staat eingegliedert. In diesem Zusammenhang wurden die geistlichen Einrichtungen aufgehoben. Am 4. Juli 1802 wurde die Aufhebung der geistlichen Institutionen in Mainz verkündet; die Durchführung erfolgte noch im selben Monat. Damit endete die Existenz der Kommende des Deutschen Ordens in Mainz. Die Besitzungen gingen verloren und die Niederlassung wurde aufgelöst.
Das Deutschhaus blieb jedoch erhalten. Während die mittelalterlichen Gebäude der Kommende verschwanden, überdauerte der barocke Neubau die politischen Umwälzungen des frühen 19. Jahrhunderts. Heute dient das ehemalige Ordenshaus als Sitz des Landtages von Rheinland-Pfalz und stellt das wichtigste erhaltene Zeugnis der Geschichte der Mainzer Deutschordenskommende dar.
.
II. Komture
Dietrich (1268, 1271)
Arnold (1277)
Hermann von Hohenlohe (1281)
Gottfried (1282)
Magister Petrus (1293)
Marquard von Preungsheim (1303)
Bruno (1306,1312)
Alexander von Schonenburg (1313)
Peter (1326)
Culman (1328)
Elgast von Bierstadt (1345)
Konrad von Frankfurt (1354)
Dietrich von Wittershausen (1420, 1428)
Wilhelm (1429)
Johann Friedberg (1433)
Dr. Johann von Montabaur (1437)
Eberhard von Nackenheim (1444)
Peter von Offenheim (1447)
Eberhard von Nackenheim (1449)
Nikolaus von Mühlhausen (1432, 1472, 1484)
Eberhard Cronberger (1500)
Kaspar Geiseler (1506, 1510, 1514, 1516)
Philipp von Hohenstein (1526)
Georg von Eltz (1528)
Wilhelm von Isenburg (1534, 1535)
Franz Wilhelm Adolf von Reifenberg (1662)
Johann Adam Rau von Holtzhausen (1697)
Philipp Erwein Anton Groschlag von Dieburg (1718)
Franz Sigmund Friedrich von Satzenhofen (1729, 1748)
Franz Sigmund Albert von Lehrbach (1769, 1782)
Karl Philipp Ferdinand von Franckenstein zu Ockstadt (1789)
Simon Johann Baptist von Andlau (1796)
Maximilian Friedrich von Merveld (1799)
.
– Quellen und Literatur –
www.klosterlexikon-rlp.de (16.03.2021)
Michael Matheus u. a. (Hrsg.): Regionalgeschichte.net, Aufsatz „Ritterorden in Mainz“. Online unter: Ritterorden in Mainz
Deutscher Orden (Hrsg.): Der Deutsche Orden in Mainz und das Deutschhaus. Online unter: Deutscher Orden in Mainz und das Deutschhaus (23.06.2026)
Staatsarchiv Ludwigsburg, JL 425 Bd. 27
