Kommende Muffendorf
Erzbistum Köln
Land: Kurfürst-Erzbistum Köln
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I Geschichte
Im Jahr 1254 übertrug die Abtei Siegburg ihre Lehngüter in Birgel und Muffendorf an den Komtur des Deutschen Ordens in Ramersdorf.
1272 veräußerte die Äbtissin von Rolandswerth Besitz in Muffendorf an den Deutschen Orden. Erst am 5. Juni 1281 begegnen ausdrücklich ein Provisor und Brüder des Deutschen Hauses in Muffendorf, wo eine Ordensniederlassung zwischen 1272 und 1281 entstanden sein dürfte.
Die Entstehung des Hauses war eng mit der allmählichen Konzentration von Grundbesitz im Raum Muffendorf, Godesberg und den benachbarten Orten verbunden. 1284 erwarb die Kommende zunächst einen Zins von Hermann von Rüngsdorf und dessen Ehefrau; zwei Monate später kam Land zwischen Godesberg und Muffendorf hinzu, das vom Kloster Marienforst veräußert wurde. Weitere Erwerbungen folgten in den nächsten Jahren. 1291 gelangten 30 Morgen Land in Lannesdorf an das Haus.
Von grundlegender Bedeutung für die weitere Entwicklung war die Verbindung der Muffendorfer Niederlassung mit dem Ordenshaus Koblenz. 1296 übertrug Abt Adolf von Siegburg dem Komtur und den Brüdern des Deutschen Hauses in Koblenz zugunsten der Ordensbrüder in Muffendorf jene Güter in Birgel, die bereits 1254 an den Ramersdorfer Komtur gelangt waren. Damit war die Einbindung Muffendorfs in die Koblenzer Ballei spätestens zu diesem Zeitpunkt eindeutig vollzogen.
Die örtliche Leitung des Hauses führte in der Frühzeit nicht durchgehend den später gebräuchlichen Komturtitel. Neben Heinrich, der 1284 als Provisor begegnet, sind für die folgenden Jahrzehnte weitere Provisoren beziehungsweise Pflegmeister nachweisbar. Nikolaus von Mayen amtierte 1303 als Provisor, nachdem zuvor Bruno die Leitung innegehabt hatte[1].
Seit 1454 wurden die westlichen Kommenden des Deutschen Ordens zur finanziellen Unterstützung des Hochmeisters im Krieg gegen die mit Polen verbündeten preußischen Stände herangezogen. Im Zusammenhang mit der Beschaffung entsprechender Geldmittel wurden in den westlichen Balleien Verkäufe und Verpfändungen von Ordensbesitz erwogen. Für Muffendorf ist 1458 eine eigens angelegte Aufstellung der Besitzungen und Einkünfte überliefert, die im Hinblick auf einen Verkauf des Besitzes angefertigt wurde[2].
Für das frühe 16. Jahrhundert lässt sich neben der Bewirtschaftung des Besitzes eine erhebliche Verwendung landwirtschaftlicher Erträge für die Armenfürsorge nachweisen. Bei einer Visitation im Jahr 1515 gab der Pfleger von Muffendorf an, jährlich 70 Malter Korn für Brot aufzuwenden, das wöchentlich an 1.200 Arme verteilt werde; außerdem würden zwei Arme an seinem Tisch gespeist. Die angegebene Zahl der Empfänger mag überhöht gewesen sein, der regelmäßige Einsatz erheblicher Getreidemengen für die Armenversorgung ist jedoch als Bestandteil der Wirtschaftsführung der Kommende belegt[3].
Im 18. Jahrhundert erreichte die Grundherrschaft der Kommende einen beträchtlichen Umfang. Für 1759 ist ein von Mathias Ehmans angefertigtes Kartenwerk über die „Besitzungen der Commenthurey zu Muffendorff“ belegt. Der Grundbesitz der Kommende war damit in einem eigenen Flurkartenwerk erfasst[4].
Mit der Größe des Besitzes war eine entsprechend ausgebildete örtliche Wirtschaftsverwaltung verbunden. Im 18. Jahrhundert wurde die Verwaltung durch das Rentmeisteramt wahrgenommen. Damit ist eine kontinuierliche weltliche Verwaltungsebene der Kommende nachweisbar[5].
Die Kommende war zu dieser Zeit nicht allein ein landwirtschaftlich und grundherrschaftlich geprägter Wirtschaftsbetrieb. Ihre Anlage wurde zugleich in die höfische Lebenswelt der kurkölnischen Residenz Bonn einbezogen. In Muffendorf fanden unter Kurfürst und Hochmeister Maximilian Franz von Österreich wiederholt größere höfische Festveranstaltungen statt. Die Kommende besaß damit im 18. Jahrhundert auch eine repräsentative Bedeutung im unmittelbaren Umfeld des kurkölnischen Hofes[6].
Das institutionelle Ende Muffendorfs war Bestandteil des Zusammenbruchs der linksrheinischen Organisation des Deutschen Ordens infolge der französischen Herrschaft. Die linksrheinische Ballei Koblenz wurde nach dem Frieden von Lunéville im Jahr 1801 aufgehoben. Mit der Aufhebung der linksrheinischen Ballei endete die institutionelle Einbindung Muffendorfs in diese Ordensorganisation[7].
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II Komture
Emelricus von Mophendorphe (1261)
Bernhard von Zudendorf (erw. 1404, 1407)
Peter von Frankfurt (erw. 1418)
Gotschalk Kemp (erw. 1486, 1524)
Otto Schenk von Nideggen (1574-1577)
Reinhard Scheiffart von Merode (erw. 1596)
Wolfgang Philipp von Velbrück (1684-1700)
Josuin Werner Sebastian Scheiffart von Merode (1700 -1703)
Damian Casimir von Clodt zu Ehrenberg (1713- vor 1717)
Bertram Walram von Harff zu Dreiborn (1717-1738)
Otto Ferdinand von Hohenfeld (? -1757)
Ignaz Franz von Roll zu Bernau (1757-1763)
Karl Franz Friedrich Forstmeister von Gelnhausen (1763-1793)
Karl Adolf von Greiffenklau (1793-?)
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[1] Hans Limburg, Die Anfänge der Deutschordenskommende Muffendorf, in: Rheinische Vierteljahrsblätter 31, Bonn 1966/67, S. 66-70
[2] Michel Pauly, Das Zinsregister der Luxemburger Deutschordenskommende von 1457–1458. Edition und Kommentar, in: Hémecht. Zeitschrift für Luxemburger Geschichte 72/2, Luxemburg 2020, S. 177
[3] Klaus Militzer, Die Rolle der Spitäler bei den Ritterorden, in: Michael Matheus, Funktions- und Strukturwandel spätmittelalterlicher Hospitäler im europäischen Vergleich (= Geschichtliche Landeskunde 56), Stuttgart 2005, S. 236
[4] Pia Heckes, Beethoven und Graf Waldstein – Der Rittersitz Disteling zu Godesberg und die Musik zu einem Ritterballett, in: Norbert Schloßmacher, Beethoven. Die Bonner Jahre (= Bonner Geschichtsblätter 69/70), Wien 2020, S. 376
[5] Alexander Wolfshohl, ‚Elementarbuch zur psichologie – Ordnung der geschäfte‘. Lesestoff und Leserschaft in Bonn zu Beethovens Jugendzeit, in: Norbert Schloßmacher, Beethoven. Die Bonner Jahre (= Bonner Geschichtsblätter 69/70), Wien 2020, S. 102
[6] Pia Heckes, Beethoven und Graf Waldstein – Der Rittersitz Disteling zu Godesberg und die Musik zu einem Ritterballett, in: Norbert Schloßmacher, Beethoven. Die Bonner Jahre (= Bonner Geschichtsblätter 69/70), Wien 2020, S. 376
[7] Jürgen Ackermann, Reichsdebitverwaltung für die Freiherren Forstmeister von Gelnhausen, in: Zeitschrift des Vereins für Hessische Geschichte und Landeskunde 109, Kassel 2004, S. 100
