Kommende Orbec
Ballei Frankreich / Ballei Lothringen
Bistum Lisieux
Land: Grafschaft Nevers
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I Geschichte
Die Kommende Orbec entstand im Nivernais in der Pfarrei Nolay. Die ältesten Nachrichten über ihren Besitz reichen in das Jahr 1238 zurück. In diesem Jahr setzte Eudes II. de Châtillon-en-Bazois dem Deutschen Orden eine jährliche Rente von zwanzig Pfund Nivernais aus seinen Einkünften in Pignol sowie weitere acht Pfund aus Tannay aus. Diese Einkünfte gehörten zu den frühesten nachweisbaren Besitzungen der späteren Kommende.
Erstmals urkundlich fassbar ist die Kommende am 9. März 1252. Zu diesem Zeitpunkt werden ein Komtur und Ordensbrüder genannt. Die Niederlassung beherbergte bis in das 15. Jahrhundert einen kleinen Konvent.
In den folgenden Jahren vergrößerte die Kommende ihren Besitz im Nivernais. Er umfasste Äcker, Wiesen, Weinberge, Wälder, Zehnten, Renten, grundherrliche Rechte sowie abhängige Leute in Orbec, Nolay, Pignol, Tannay, Champsenaut, Pont-Saint-Didier und weiteren Orten der Umgebung. Am 12. Dezember 1258 beauftragte Papst Alexander IV. den Prior von Saint-Martin in Nevers, gegen nachteilige Veräußerungen und Verpachtungen von Ordensgütern im Nivernais vorzugehen. Zu diesen Gütern gehörten auch die Besitzungen der Kommende Orbec.
Am 20. Februar 1260 stellte sich Jean von Prémery gegen die Zahlung eines jährlichen Zinses von fünf Sous Nivernais unter den Schutz der Brüder von Orbec. 1290 bekannte Étienne Dedard aus Orbec, wie bereits seine Vorfahren den Brüdern der Kommende abgaben- und dienstpflichtig zu sein. Die Urkunden belegen damit die Ausübung grundherrlicher Rechte durch die Kommende.
Während des ausgehenden 13. und beginnenden 14. Jahrhunderts wurde der Besitz weiter ausgebaut. 1296 erwarb die Kommende eine Weinbergsparzelle in Champsenaut. Zwei Jahre später kaufte sie einen jährlichen Zins auf ein Grundstück in Pignol. 1331 kam eine weitere Weinbergsparzelle in Champsenaut hinzu. Zahlreiche weitere Urkunden belegen Schenkungen, Käufe, Verkäufe, Tauschgeschäfte, Renten und Pachtverhältnisse, durch welche die Besitzungen fortlaufend erweitert und verwaltet wurden.
Bereits im 13. Jahrhundert wurde die Kommende häufig durch den Komtur von Beauvoir verwaltet. Zu ihr gehörte ein abhängiges Haus in Pignol; später wird auch ein Haus in Pont-Saint-Didier genannt. Im 14. Jahrhundert wurde Orbec mit Beauvoir vereinigt. Die Besitzungen der Kommende wurden jedoch weiterhin gesondert verwaltet und erscheinen regelmäßig in den erhaltenen Urkunden.
Im 15. Jahrhundert verlagerte sich der Aufenthalt der Komture zunehmend nach Pont-Saint-Didier. Seit 1442 wohnten sie nicht mehr in Orbec. Im selben Jahr wurden das Haus und das Hôtel der Kommende an zwei Einwohner der Pfarrei Nolay verpachtet; Renten und Bordelagen blieben der Kommende vorbehalten. 1452 wurde eine königliche Beschlagnahme der Kommende aufgehoben. In den Jahren 1452 und 1454 erwarb die Kommende noch zwei Häuser in der Stadt. 1454 erscheint Pignol als Meiereigut der Kommende; zugleich wurde die Nutzung des Bannofens von Lys geregelt.
1476 bestand der Wirtschaftshof der Kommende aus drei Häusern, einer Scheune, einem Teich und einer Mühle. Die Gebäude und Wirtschaftsgüter wurden ebenso wie die Einkünfte der Kommende verpachtet. Der Besitz umfasste weiterhin Häuser, Meierhöfe, Weinberge, Äcker, Wiesen, Renten und grundherrliche Rechte.
1482 wurde die Kommende Orbec aufgehoben. Der zugehörige Besitz wurde 1493 veräußert.
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II Komture
Guillaume de Tongres (1298–1299 erwähnt)
Jacques de Mayence (1369–1387 erwähnt)
Jean de Brandebourg (vor 1407 erwähnt; Vorgänger Arnouls)
Arnoul de Seille / de Selle / de Saille (1407 erwähnt)
Gérard de Beccange (1413 erwähnt)
Jean de Francfort (1438–1442 erwähnt)
Nicolas de Soye (1451 erwähnt; Komtur von Beauvoir, Orbec und Pont-Saint-Didier)
Jean de Cologne / Jean de Gemont (1451/1452–1481 erwähnt)
Henri de Eltflet / Eltfelt (1488 erwähnt; Komtur von Beauvoir und Orbec)
Nicolas de Sampfer / Nicolas de Sommevoire (1491 erwähnt; letzter Komtur im Zusammenhang mit der Liquidation des französischen Ordensbesitzes)
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– Quellen und Literatur –
Forstreuter, Kurt: Der Deutsche Orden am Mittelmeer, Bonn 1967.
d’Arbois de Jubainville, Henry: L’Ordre Teutonique en France, in: Bibliothèque de l’École des chartes, Bd. 32, Paris 1871
Krämer, Thomas: L’ordre teutonique dans le Midi. Malchance ou aucune chance ?, in: Les ordres religieux militaires dans le Midi (XIIe–XIVe siècle), Cahiers de Fanjeaux, Bd. 41, Toulouse 2006.
Militzer, Klaus: Die Geschichte des Deutschen Ordens, Stuttgart 2005.
Tumler, Marian: Der Deutsche Orden im Werden, Wachsen und Wirken bis 1400, Wien 1955.
