Kommende Pitzemburg (Mechelen)
Bistum Cambrai, Erzbistum Mechelen (ab 1570)
Land: Herzogtum Brabant
.
I Geschichte
Die Geschichte der Kommende Pitzemburg in Mechelen beginnt im frühen 13. Jahrhundert mit dem Aufbau eines zunächst räumlich weit verstreuten Besitzes des Deutschen Ordens in Flandern und Brabant. 1219 übertrugen Egidius Berthout und seine Frau Katharina dem Orden ihre Kapelle in Oudenburg mit Zubehör und Ackerland; hinzu kam ein außerhalb der Stadt gelegenes Hospital. Walter IV. Berthout, Herr von Mechelen, überließ dem Deutschen Orden während des Fünften Kreuzzugs 24 Bonniers Wiesen in Rama, sechs Bonniers Land in Grootlo, das Recht zur Anlage eines Hofes sowie Holz- und Weiderechte im Waverwald. Die darüber ausgestellte Urkunde datiert vom 27. Januar 1221.
In denselben Jahren kamen weitere Besitzungen hinzu. In Massemen erhielt der Orden im März 1220 16 Bonniers Allodialland und Wiesen, zwei Drittel verschiedener Zehnten, weitere Ländereien und eine Windmühle; im Mai folgte dort ein Hospital. Der spätere Besitzkomplex Pitzemburgs entstand damit nicht aus einem einzelnen Grundstück, sondern aus Grundbesitz, Zehntrechten, Nutzungsrechten und Einrichtungen, die zunächst an verschiedenen Orten lagen[1].
Spätestens 1253 bestand eine Deutschordenskapelle in Mechelen. In diesem Jahr wurden ihre kirchlichen Rechte gegenüber dem Kapitel von St. Rombout geregelt. Opfergaben der Pfarrangehörigen von St. Rombout durften an bestimmten Hauptfesten nicht von der Ordenskapelle einbehalten werden. Der Deutsche Orden durfte auf seinem Friedhof Ordensbrüder und Personen bestatten, die ihr Begräbnis bei ihm gewählt hatten.
1269 wird erstmals ein Präzeptor erwähnt und Egidius von Heysa verzichtet zugunsten der Kommende auf seine Rechte am Zehnten zu Tildonk[2]. Die Einziehung solcher Abgaben erfolgte nicht überall durch eigenes Personal. In Tildonk wurden kleinere Zehntrechte verpachtet und der Pächter zog den betreffenden Zehnten vor Ort ein[3].
In den kommenden Jahrzehnten wurde die Zuordnung zur Ballei Koblenz gefestigt[4] und die Kommende konnte ihren Besitz im späten 13. und im 14. Jahrhundert erheblich erweitern. Zu ihrem Besitz gehörten Land, Wiesen, Häuser, Hausanteile, Renten und Zehntrechte, insgesammt in fast 70 Orten nachweisbar. Auch in der Stadt besaß die Kommende Grundstücke und Einkünfte[5].
Im Jahr 1287 war vorgesehen, 2.000 Mark Silber aus Lübeck nach Mechelen zu transportieren. Das Geld stand im Zusammenhang mit der geplanten Freilassung Heinrichs von Mecklenburg aus mamlukischer Gefangenschaft und Mechelen war als Übergabeort bestimmt. Hier sollte die Summe im Umfeld der Kommende Pitzemburg übernommen und für die weitere Abwicklung des Freikaufs bereitgestellt werden[6].
Im 15. Jahrhundert wurde die Kommende zeitweise der unmittelbaren Verfügung der Ballei Koblenz entzogen. Am 13. April 1445 verpfändete Hochmeister Konrad von Erlichshausen mit Zustimmung der Gebietiger sämtliche Güter der Kommende für 12.458 Gulden. 1469 wurde eine Wiedervereinigung Pitzemburgs mit der Ballei Koblenz eingeleitet und zwei Jahre später setzte der Landkomtur von Koblenz einen Komtur ein. 1472 wandte sich Herzog Philipp von Burgund gegen die Zuordnung zu Koblenz, weil die Verwalter der Ballei die Kommende finanziell so stark belasteten, dass sogar der Gottesdienst eingeschränkt wurde. In den folgenden Jahren entzog sich Pitzemburg der Botmäßigkeit der Ballei und stand unter burgundischem Einfluss. Am 20. April 1480 übergab Hochmeister Martin Truchsess von Wetzhausen die Kommende Pitzemburg mit ihren Gütern wieder ausdrücklich an die Ballei Koblenz[7].
1578 gestattete der Magistrat von Mechelen den Calvinisten die Nutzung der Pitzemburger Kapelle. Nach der Wiederherstellung der katholischen Herrschaft wurde sie 1585 erneut für den katholischen Gottesdienst geweiht. Am 29. Mai 1596 wurden zwei Altäre konsekriert, die 1629 erneuert wurden[8].
Die Kriegsereignisse des späten 16. und frühen 17. Jahrhundert belastetem die wirtschaft der Kommende. Pächter konnten ihren Zahlungen nicht nachkommen und die Einnahmen aus Renten gingen zurück. Doch konnten sich die Finanzen im Verlauf des 17. Jahrhunderts wieder stabilisieren[9].
Das Inventar von 1656 zeigt die Kommende als großen adeligen und administrativen Haushalt mit Verwaltungsräumen, Wohnräumen des Komturs, Räume des Kaplans, Unterkünfte für Dienstpersonal, Küchen- und Wirtschaftsräume, eine Waschküche, Bereiche für die Getränkeversorgung, Gartenanlagen und ein Pavillon. Auch ein Baumeister gehörte um Haushalt. Dazu kam eine Bibliothek mit theologischer, antiker und humanistischer Literatur. Die Inventare des 17. Jahrhunderts zeigen einen enormen Wohlstand. Es gab Silbergeschirr, vergoldete Ledertapeten, Teppiche, Gemälde, Porträts, hochwertige Möbel, Silberleuchter sowie eine umfangreiche liturgische Ausstattung mit Monstranzen, Kelchen, Patenen, Messgewändern, Reliquiaren, Skulpturen und einer Orgel.
Die Kommende erfüllte im 17. Jahrhundert die Funktion als Unterkunft für hochrangige politische Gäste in Mechelen. 1646 hielten sich Herzog Karl IV. von Lothringen und Béatrice de Cusance dort auf. 1668 wurde die Kommende als Unterkunft für den Konnetabel von Kastilien und León ausgewählt. In den Jahren 1671 bis 1673 wurde sie wiederholt für Aufenthalte des Generalgouverneurs der Niederlande vorgesehen. 1677 sollte der Graf von Waldeck dort untergebracht werden. Bei dieser Unterbringung wurde ausdrücklich festgelegt, dass die Rechte und Privilegien des Komturs dadurch nicht beeinträchtigt werden sollten[10].
In diese Zeit fiel eine grundlegende bauliche Umgestaltung des Komplexes und große Teile der älteren Bebauung wurden ersetzt. Lucas Fayd’herbe errichtete 1664 eine monumentale Eingangsanlage und 1677 entstand ein neuer Dienst- und Wirtschaftsflügel. Lediglich die mittelalterliche Kapelle blieb bestehen[11].
Im 18. Jahrhundert blieb Pitzemburg eine umfangreiche Grund-, Renten- und Zehntherrschaft. Die Verwaltung der Einkünfte war mit zahlreichen rechtlichen Auseinandersetzungen verbunden. Zehntrechte brachten nicht nur Einnahmen, sondern wurden zunehmend mit Verpflichtungen zum Unterhalt kirchlicher Einrichtungen verbunden. 1737 und 1738 wurde die Kommende im Zusammenhang mit Reparaturen am Pfarrhaus von Elewijt vor dem Rat von Brabant belangt. Am 17. Oktober 1738 wurden die Zehntherren zur Übernahme der betreffenden Kosten verpflichtet[12].
Auch baulich wurde die Kommende im 18. Jahrhundert weiterentwickelt. So entstand ein neuer repräsentativer Wohnflügel des Komturs, der eine repräsentative Eingangspartie mit Treppe, Podest und Gitter erhielt. Die Gartenanlagen gehörten ebenfalls zum repräsentativen Charakter des Hauses. Hinter den Gebäuden befand sich eine große Terrasse mit Treppenanlage. Teile des Gartens waren geometrisch gegliedert und durch Wege, Wasserflächen, Mauern und Sichtachsen strukturiert.
Am 14. Mai 1794 war durch Vordringen der französischen Revolutionsarmeen das Ende der Kommende gekommen und Gebäude, Inventar und Park gingen in die französische Nationalgüterverwaltung über. 1797 wurde die ehemalige Kommende verkauft [13].
.
II Komture
Jakob (1269)
Wilhelm von Koblenz (1270)
Heinrich (1271)
Heinrich von Aachen (1277)
Heinrich (1282, 1284 erwähnt; möglicherweise identisch mit Heinrich von Aachen)
Wilhelm (1287, 1290)
Hermann (1293)
Dietrich (1296)
Thomas (1297)
Johannes van Hoede (1300)
Ludwig (1303, 1307, 1309, 1311)
Giselbert Vleminck (1309)
Aymericus (1313, 1318)
Gerard (1321)
Johannes Dormale (1328–1337)
Eberhard von Monheim (1343)
Konrad von Köln (1347)
Christian (1353)
Johannes van der Moeren (1359)
Rutger van Vrymersheim (1366, 1368)
Bertholdus, wahrscheinlich Berthold Kirskorb (1382)
Peter van der Passche/de Paschula (1384, 1389, 1391)
Johannes van Weerde (1387)
Winrich van Ryndorf/von Rheindorf (1392)
Hermann (1394)
Wilhelm von Rode (1399)
Werner van Hoegesteden (1402–1403
Gerhard von Rode (1404, 1407, 1410, 1415)
Konrad van den Zonen (1416)
Heinrich van Riele (1421)
Johannes van Muylen (1429–1432)
Nikolaus van Gylstorp (1454) [14]
Reynhart/Reinhard von Beppenhoven (1457, 1458, 1460, 1463, 1466, 1469, 1476) [15]
Johann von Weerde (1463)
Arnold van Nuerssen/Nursen (1464, 1475 und 1478–1487) [16]
Hugo von Sibenbergen/Zevenbergen (29.06.1471 und 1473) [17]
Heinrich von Ursele (1471, 1474)
Adolf von Halle (1489)
Werner Spiess von Büllesheim (1492–1502)
Landulf/Ludolf Graf von Nassau (1506–1512)
Wilhelm von Voss (1521 sowie 1531–1537)
Erich Herzog von Braunschweig (1527–1532)
Friedrich Koeven van Seghelbergh (1543)
Peter Weyer von Nickenich (1544–1559)
Otto von Schenk (1560)
Gottschalg von Hatzfeld (1562)
Cuno Cratz von Scharfenstein (1565–1603)
Hans/Johann Friedrich von Siberg/Syberg (1609, 1639)
Hermann von Niewhof (bis 1629)
Werner Spiess von Büllesheim (1630, 1632 sowie 1639–1641)
Hans Georg von Spiess (1638)
Heinrich von Reuschenberg zu Clarenbeek (1640, 1643, 1645)
Christoph von Lützenrod/Lutzenrode (1649–1657)
Heinrich von Reuschenberg (1657)
Goswin Scheiffart von Merode zu Alner (1664, 1675, 1684)
Franz Reinhard von Henssler (1679–1684)
Karl Gottfried von Loe (1685-1715)
Christophorus Heinrich von Kyau (1716 bis ?)
Franz Wolrath von Haxthausen zur Apenburg (bis 1732)
Friedrich Christian von Mengersen zu Rede (1753–1770)
Wenzeslaus von Colloredo (1772–1794) [18]
.
[1] Karl Heinrich Lampe: Zur Geschichte der Deutschordenskommende Pitzenburg und Mecheln, in: Preussenland und Deutscher Orden. Festschrift für Kurt Forstreuter, Würzburg 1958, S. 226–230
[2] Karl Heinrich Lampe: Zur Geschichte der Deutschordenskommende Pitzenburg und Mecheln, in: Preussenland und Deutscher Orden. Festschrift für Kurt Forstreuter, Würzburg 1958, S. 235-236
[3] Bart Minnen: Getuigenissen uit 1390 over de verdeling der tienden te Tildonk, in: HOGT. Haachts Oudheid- en Geschiedkundig Tijdschrift 2, Haacht 1987, S. 228–229
[4] Karl Heinrich Lampe: Zur Geschichte der Deutschordenskommende Pitzenburg und Mecheln, in: Preussenland und Deutscher Orden. Festschrift für Kurt Forstreuter, Würzburg 1958, S. 237
[5] Karl Heinrich Lampe: Zur Geschichte der Deutschordenskommende Pitzenburg und Mecheln, in: Preussenland und Deutscher Orden. Festschrift für Kurt Forstreuter, Würzburg 1958, S. 238-239
[6] Hans Eberhard Mayer: Two Crusaders out of Luck, in: Crusades 11, Farnham 2012, S. 166–168
[7] Karl Heinrich Lampe: Zur Geschichte der Deutschordenskommende Pitzenburg und Mecheln, in: Preussenland und Deutscher Orden. Festschrift für Kurt Forstreuter, Würzburg 1958, S. 240-241
[8] Robert D’Awans: L’Ameublement de l’Hôtel de Pitsembourg au milieu du XVIIe siècle, in: Bulletin du Cercle Archéologique, Littéraire & Artistique de Malines XI, Malines 1901, S. 151–165
[9] Tom Bervoets: De Pitzemburgcommanderij in Mechelen en haar juridische conflicten in de achttiende eeuw. Enkele dossiers uit het archief van de Raad van Brabant, processen van de clerus, in: Harald Deceulaer, Lokaal en internationaal. De archivaris tussen geschiedenis en maatschappij / Du local à l’international. Le rôle des archivistes pour l’histoire et la société. Liber Amicorum Michel Van der Eycken, Brussel 2015, S. 221–228
[10] Robert D’Awans: L’Ameublement de l’Hôtel de Pitsembourg au milieu du XVIIe siècle, in: Bulletin du Cercle Archéologique, Littéraire & Artistique de Malines XI, Malines 1901, S. 151–165
[11] Tom Bervoets: De Pitzemburgcommanderij in Mechelen en haar juridische conflicten in de achttiende eeuw. Enkele dossiers uit het archief van de Raad van Brabant, processen van de clerus, in: Harald Deceulaer, Lokaal en internationaal. De archivaris tussen geschiedenis en maatschappij / Du local à l’international. Le rôle des archivistes pour l’histoire et la société. Liber Amicorum Michel Van der Eycken, Brussel 2015, S. 221–228
[12] Tom Bervoets: De Pitzemburgcommanderij in Mechelen en haar juridische conflicten in de achttiende eeuw. Enkele dossiers uit het archief van de Raad van Brabant, processen van de clerus, in: Harald Deceulaer, Lokaal en internationaal. De archivaris tussen geschiedenis en maatschappij / Du local à l’international. Le rôle des archivistes pour l’histoire et la société. Liber Amicorum Michel Van der Eycken, Brussel 2015, S. 221–228
[13] Lucia Albers: Tuinhistorisch vooronderzoek. Stedelijke Kruidtuin Mechelen. Tuinhistorisch onderzoek van de „Botaniek“, de Stedelijke Kruidtuin van Mechelen, Haaften 2007, S. 12–16
[14] Karl Heinrich Lampe: Zur Geschichte der Deutschordenskommende Pitzenburg und Mecheln, in: Preussenland und Deutscher Orden. Festschrift für Kurt Forstreuter, Würzburg 1958, S. 242-244
[15] Erich Joachim/Walther Hubatsch, Regesta Historico-Diplomatica Ordinis S. Mariae Theutonicorum 1198–1525, Virtuelles Preußisches Urkundenbuch (31.08.2026)
[16] Karl Heinrich Lampe: Zur Geschichte der Deutschordenskommende Pitzenburg und Mecheln, in: Preussenland und Deutscher Orden. Festschrift für Kurt Forstreuter, Würzburg 1958, S. 242-244
[17] Erich Joachim/Walther Hubatsch, Regesta Historico-Diplomatica Ordinis S. Mariae Theutonicorum 1198–1525, Virtuelles Preußisches Urkundenbuch (31.08.2026)
[18] Karl Heinrich Lampe: Zur Geschichte der Deutschordenskommende Pitzenburg und Mecheln, in: Preussenland und Deutscher Orden. Festschrift für Kurt Forstreuter, Würzburg 1958, S. 242-244
