Kommende Rheinberg
Erzbistum Köln
Land: Kurfürst-Erzbistum Köln
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I Geschichte
Der Besitz des Deutschen Ordens am Niederrhein reicht in das 13. Jahrhundert zurück. Haus Are, das spätere Traar, gelangte 1274 an den Deutschen Orden[1]. Für das ausgehende 13. Jahrhundert ist Traar im Zusammenhang mit der Deutschordenskommende Koblenz belegt[2].
Für Rheinberg selbst ist die Errichtung eines Deutschordenshauses erst für das frühe 14. Jahrhundert sicher nachweisbar. Am 4. November 1317 gestattete der Kölner Erzbischof Heinrich II. von Virneburg dem Meister, dem Komtur und den Brüdern des Deutschen Ordens, in Rheinberg an einer geeigneten Stelle ein Ordenshaus mit Kapelle und Kirchhof anzulegen. Das in der Kapelle eingehende Opfergeld sollte ohne Abzug an den Pfarrer der Rheinberger Pfarrkirche fallen. Zugleich durfte der Bau durch Geldzuwendungen unterstützt werden[3]. Eine bereits 1301 bestehende Rheinberger Kommende lässt sich dagegen nicht sicher nachweisen; die für dieses Jahr überlieferte Schenkung einer halben Mark aus einem Haus an der Kasselstraße kann ebenso gut mit der Kommende Koblenz zusammenhängen, zu der die frühen Deutschordensbesitzungen in Traar und Rheinberg gehörten[4].
Eine entscheidende Rolle beim Ausbau des Rheinberger Besitzes spielte Georg von Eyk. 1320 verpflichtete sich der Komtur des Deutschen Hauses zu Rheinberg, jährliche Einkünfte von 25 Mark, die Georg von Eyk für fromme Zwecke gestiftet hatte, nicht zu veräußern. Am 18. Januar 1321 beurkundeten Schultheiß und Schöffen von Moers, dass Gempke von Eyk und seine Ehefrau dem in den Deutschen Orden aufgenommenen Georg von Eyk gegen zehn Mark Brabanter Pferde, Vieh sowie ihre bewegliche und unbewegliche Habe übertragen hatten.
Am 26. April 1322 wurde vor dem Gericht zu Moers festgehalten, dass Johann Kule sein innerhalb und außerhalb von Repelen gelegenes Gut Terwingen an Georg von Eyk für das Deutsche Ordenshaus zu Rheinberg verkauft hatte. Komtur des Hauses war damals Eberhard von Virneburg. Am 19. August 1322 übergab Georg von Eyk dem Deutschen Haus Güter in Eyk, Repelen und Terwingen. Mit diesen Besitzungen wurde zugleich die Ordenskapelle in Rheinberg ausgestattet[5]. Ordenshaus und Kapelle bestanden damit spätestens 1322[6].
Am 17. September 1325 wurde der zuvor von der Kölner Domdechanei lehnsabhängige Hof Terwingen in der Pfarrei Repelen als Allod und Eigentum Georgs von Eyk und des Deutschordenshauses zu Rheinberg anerkannt. Im selben Jahr kamen weitere Güter durch Georgius de Extre sowie Heinrich und Johann Kontier an den Orden.
Für 1327 ist die personelle Zusammensetzung des Rheinberger Hauses näher überliefert. Eberhard von Virneburg war Komtur der Deutschordenshäuser Ramersdorf und Rheinberg. Neben ihm gehörten der Ritterbruder Engelhard von Wischeling sowie die Ordenspriester Gerhard und Arnold zum Haus. Die Niederlassung erscheint dabei als Haus Eyk beziehungsweise Eych[7]. Diese Bezeichnung blieb neben Rheinberg über längere Zeit gebräuchlich. Später begegnen die Formen Eick und Rheinberg, Eick, Rheinberg sowie Traar und Rheinberg. Der Name Eick stand mit Georg von Eyk und der frühen Ausstattung des Hauses in Verbindung[8].
Der Besitz und die Einkünfte der Kommende wurden im weiteren Verlauf des 14. Jahrhunderts vermehrt. 1332 erhielt das Deutsche Haus eine Rente von zwei Solidi aus einem der Ordenskapelle gegenüberliegenden Gebäude. 1342 kamen acht Solidi Rente aus einem Haus an der Weverstraße hinzu. 1345 wurde das elf Morgen große Ackergut Ter Planchen in Winterswick erworben.
Zwischen dem Deutschordenshaus und dem Rheinberger Pfarrer bestanden im 14. Jahrhundert Streitigkeiten über kirchliche Rechte. Am 29. November 1364 wurden diese durch einen Vergleich beigelegt und die Gottesdienstordnung geregelt. Für 1365 ist Gartenbesitz des Ordens vor dem Kasseler Tor belegt. 1366 erscheint Jacob de Wanckenvordia als Komtur des Deutschordenshauses zu Rheinberg. 1369 schuldete Gerhard Reismann dem Komtur aus einem Grundstück eine jährliche Rente von zwei Solidi.
Auch die Kapelle blieb in das religiöse Leben Rheinbergs eingebunden. 1412 wurde eine Stiftung für ein Anniversarium bei der Rheinberger Pfarrkirche in der Deutschordenskapelle aufgenommen; die Urkunde bezeichnet diese als „Cappela Eykensi“.
Im 15. Jahrhundert sind weitere Einkünfte und Besitzrechte nachweisbar. 1422 schuldete Henneken ten Hafe gemeinsam mit seiner Ehefrau der Kommende Rheinberg aus einem Gut jährlich 18 Schillinge, zwei Gänse und vier Hühner. 1460 hatten die Rheinberger Karmeliter jährlich ein Malter Roggen und ein Malter Hafer an die Kommende zu entrichten. 1485 wurde ein Vergleich über die Mauer zwischen dem Deutschordenshaus und dem benachbarten Kloster St. Barbara-Garten geschlossen. 1486 erwarb der Orden einen weiteren Garten vor dem Kasseler Tor. 1496 wurde der Hof Dript wegen einer Kornschuld gegenüber dem Rheinberger Komtur als Sicherheit eingesetzt.
1560 erwarb der Deutsche Orden den bei Winterswick gelegenen Nymagischen Kamp[9].
Einen schweren Einschnitt brachte der Stadtbrand des Jahres 1593. Dabei wurden die Kommende und ihre Kirche zerstört. Die anschließenden Kriegsjahre und die wiederholten Belagerungen Rheinbergs verhinderten zunächst den Wiederaufbau. Noch 1643 war das Ordenshaus nicht wiederhergestellt und scheint überhaupt nicht wieder aufgebaut worden zu sein. Bei einer Vermessung der städtischen Grundstücke im Jahr 1660 wurden „die Commenderey“ und das Kloster St. Barbara weiterhin nebeneinander aufgeführt. Für die Kommende wurden 91 Ruten Fläche verzeichnet; zu diesem Zeitpunkt handelte es sich offenbar um den Bereich der Ruinen des früheren Ordenshauses[10].
Die Kommende selbst bestand ungeachtet der Zerstörung des Rheinberger Hauses weiter. Die Verbindung mit Traar gewann dadurch für die spätere Geschichte der Kommende zusätzliches Gewicht.
Haus Traar erhielt im 17. Jahrhundert eine weitgehend neue bauliche Gestalt. Das im Truchsessischen Krieg zerstörte ältere Schloss wurde 1664 vollständig neu errichtet. Das Herrenhaus war ein zweigeschossiger Bau von sieben Achsen, dessen Baujahr durch die aus Eisenankern gebildete Jahreszahl 1664 ausgewiesen wurde. Ein barock gestaltetes Portal führte in den Innenhof; seine Pfeiler wurden von Löwen als Schildhaltern mit dem Wappen des Deutschen Ordens bekrönt.
1669 wurde auch die Kapelle neu errichtet. Sie war als einschiffiger Backsteinbau mit dreiseitigem Chorschluss und einem sechsseitigen Dachreiter mit geschweifter Haube ausgeführt. Im Inneren befand sich eine ältere Verglasung mit gemalten Wappen. Eine Inschrift von 1670 nannte Johann Caspar als Administrator des Hochmeistertums in Preußen und Meister des Deutschen Ordens in deutschen und welschen Landen. Zur Ausstattung gehörte außerdem ein geschnitzter Altarschrein des 17. Jahrhunderts.
Auch für das 18. Jahrhundert ist Haus Traar als Bestandteil der Rheinberger Kommende unmittelbar dokumentiert. Aus dem Jahr 1760 waren sechs Karten mit Ansichten des Hauses aus der Vogelperspektive erhalten. Sie trugen die Bezeichnung „Delineation des zur Commenthurey Rheinbergh gehörigen Hauses Trahr“ und stammten von Mathias Ehmans. Damit ist die institutionelle Zuordnung Haus Traars zur Kommende Rheinberg noch für die Mitte des 18. Jahrhunderts ausdrücklich belegt[11].
Daneben bestanden im 18. Jahrhundert weiterhin grundherrliche Rechte an abhängigen Besitzungen. 1769 wurde für eine zur Rheinberger Kommende gehörende Besitzung in Winterswick ein lehnsherrlicher Konsens erteilt. In einer Urkunde von 1783 wird ein zur Kommende Rheinberg leibgewinniges Haus mit Garten an der Kranzweide genannt, aus dem jährlich sechs Hühner und drei Gänse zu entrichten waren[12].
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[1] Matthias Böck, Zur Genealogie der ersten Herren von Vondern (12. bis 14. Jahrhundert), in: Jens Lieven u.a., Beiträge zur Erforschung des Kulturraums an Rhein und Maas. Dieter Geuenich zum 75. Geburtstag, Hamburg 2018, S. 48
[2] Matthias Böck, Zur Genealogie der ersten Herren von Vondern (12. bis 14. Jahrhundert), in: Jens Lieven u.a., Beiträge zur Erforschung des Kulturraums an Rhein und Maas. Dieter Geuenich zum 75. Geburtstag, Hamburg 2018, S. 52
[3] Moritz Schmitz, Zur Geschichte des ‚Deutsch-Ordenshauses‘ zu Rheinberg, in: Niederrheinischer Geschichtsfreund 5 (1883), S. 59
[4] Richard Pick, Die Deutschordens-Kommende zu Rheinberg, in: Annalen des Historischen Vereins für den Niederrhein 39 (1883), S. 175
[5] Moritz Schmitz, Zur Geschichte des ‚Deutsch-Ordenshauses‘ zu Rheinberg, in: Niederrheinischer Geschichtsfreund 5 (1883), S. 59
[6] Richard Pick, Die Deutschordens-Kommende zu Rheinberg, in: Annalen des Historischen Vereins für den Niederrhein 39 (1883), S. 175
[7] Moritz Schmitz, Zur Geschichte des ‚Deutsch-Ordenshauses‘ zu Rheinberg, in: Niederrheinischer Geschichtsfreund 5 (1883), S. 59-60
[8] Richard Pick, Die Deutschordens-Kommende zu Rheinberg, in: Annalen des Historischen Vereins für den Niederrhein 39 (1883), S. 176–178
[9] Moritz Schmitz, Zur Geschichte des ‚Deutsch-Ordenshauses‘ zu Rheinberg, in: Niederrheinischer Geschichtsfreund 5 (1883), S. 60
[10] Richard Pick, Die Deutschordens-Kommende zu Rheinberg, in: Annalen des Historischen Vereins für den Niederrhein 39 (1883), S. 175–176
[11] Paul Clemen, Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz, Bd. 3, Abt. 4: Die Kunstdenkmäler der Städte und Kreise Gladbach und Krefeld, Düsseldorf 1896, S. 147-148
[12] Moritz Schmitz, Zur Geschichte des ‚Deutsch-Ordenshauses‘ zu Rheinberg, in: Niederrheinischer Geschichtsfreund 5 (1883), S. 60
