Kommende Siersdorf

Ballei Aldenbiesen

Erzbistum Köln

Land: (Gft./Hzt.) Jülich

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I           Geschichte

1219 gelangten die Kirche von Siersdorf und der dortige Hof des Jülicher Grafen an den Deutschen Orden. Die Übertragung stand im Zusammenhang mit dem Fünften Kreuzzug, an dem Graf Wilhelm III. von Jülich teilnahm. Wilhelm starb vor Damiette. Die in Siersdorf übertragenen Besitzungen und Rechte bildeten die Grundlage für die spätere Niederlassung des Ordens[1].

1220 erhielt der Deutsche Orden das Patronatsrecht über die Kirche St. Johannes der Täufer, und fünf Jahre später bestätigte Graf Wilhelm IV. von Jülich die Schenkung. Schenkungen, Erbschaften und Grundstückstausch erweiterten den Besitz in den kommenden Jahren. 1264 kam das Gut Ungershausen zum Siersdorfer dazu, und 1267 ist erstmals ein Komtur belegt.

Die wirtschaftlichen Voraussetzungen waren durch die Lage in der Jülicher Börde günstig. Die fruchtbaren Lössböden ermöglichten eine ertragreiche Landwirtschaft. Zugleich lag Siersdorf in einem Verkehrsraum, der das Rheinland mit den Niederlanden verband[2].

Am 10. Juni 1308 übergab der Komtur das Haus auf Weisung des Hochmeisters Siegfried von Feuchtwangen an seinen Nachfolger, wobei die wirtschaftliche Ausstattung der Kommende erfasst wurde. Der neue Komtur brachte zusätzliche Pferde aus Venedig mit, wo er zuvor zum Umfeld des Hochmeisters gewirkt hatte[3].

Um 1500 profitierte die Kommende von den wirtschaftlichen Bedingungen der Jülicher Börde. Die landwirtschaftliche Produktion ermöglichte Überschüsse, für die insbesondere in den niederländischen Städten Absatzmöglichkeiten bestanden. Ein Teil der wirtschaftlichen Erträge floss in die bauliche und künstlerische Ausstattung der Kirche.

In den ersten Jahren des 16. Jahrhunderts wurde die Kirche St. Johannes der Täufer weitgehend neu errichtet. Der ältere Westturm blieb bestehen, während das zweischiffige Langhaus erneuert wurde. Das für den Dachstuhl verwendete Eichenholz wurde 1509/1510 gefällt[4].

Zur Ausstattung der erneuerten Kirche gehörte ein Antwerpener Retabel aus der Zeit um 1520. Hinzu kamen Chorgestühl, großformatige Holzskulpturen, Kanzelteile und ein aufwendig geschnitzter Lettnerbogen. Am Chorgestühl befand sich das Wappen eines Angehörigen der Familie von Reuschenberg. Der Lettnerbogen zeigte unter anderem Kaiser Augustus und die Tiburtinische Sibylle sowie eine kniende Stifterfigur mit Johannes als Patron[5].

1542/1543 wurde das Haus im Geldrischen Erbfolgekrieg schwer beschädigt. Der wirtschaftliche Bestand der Kommende blieb jedoch erhalten[6]. Um die Mitte des 16. Jahrhunderts waren für die Kommende drei Ritterbrüder vorgesehen[7]. 1410/11 lebten hier zwei Ritterbrüder und ein Priesterbruder[8].

Siersdorf gehörte im 16. Jahrhundert zu den wirtschaftlich gesicherten Kommenden der Ballei[9]. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts wurde Siersdorf zeitweise unmittelbar durch den Landkomtur oder durch einen eingesetzten Statthalter verwaltet, und zwischen 1574 und 1585 fanden die Balleikapitel ausschließlich in Siersdorf statt.

1579 wurde die Kommende in Maastricht im Zuge der dortigen militärischen Auseinandersetzungen des Achtzigjährigen Krieges zerstört. Dadurch verlor die Ballei Aldenbiesen einen wichtigen Verwaltungsstandort, und in den folgenden Jahren verlagerte sich ein Teil ihrer zentralen Verwaltung nach Siersdorf: Zwischen 1581 und 1585 wurden Schreiben des Landkomturs und der Kapitulare dort ausgefertigt, und 1581 wurde der Haushalt des Landkomturs neben den Erträgen der Ramersdorfer Güter vor allem aus den Einkünften der Kommende Siersdorf finanziert.

1587 wurden in Siersdorf zudem Urkunden, Siegel, Rechnungen und Register aus dem Maastrichter Haus Biesen und aus weiteren Kommenden aufbewahrt. Siersdorf übernahm damit neben seiner wirtschaftlichen Funktion zeitweise Aufgaben als Verwaltungs- und Verwahrungsort der Ballei[10].

In die zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts fällt auch der Neubau des Herrenhauses als repräsentativer Renaissancebau[11]. Seine Gestaltung gehört in den Zusammenhang der niederrheinischen Renaissancearchitektur. Die hoch aufragenden Giebel, die regelmäßige Fassadengliederung und weitere Bauformen stehen innerhalb einer Architekturentwicklung, in der niederländisch-niederrheinische Bautraditionen mit Einflüssen des französischen Schlossbaus[12].

Für die Frühe Neuzeit sind Güter der Kommende unter anderem in Aachen, Aldenhoven, Dürboslar, Eschweiler, Jülich, Merz, Welz und Zülpich nachweisbar[13]. In Siersdorf selbst wurden noch bis 1618 Grundstücke und Höfe erworben.

Die Wirtschaftsführung beruhte nicht ausschließlich auf der unmittelbaren landwirtschaftlichen Nutzung des Grundbesitzes. Grund und Boden wurden verpachtet oder in Erbpacht vergeben, daneben wurden Rentenrechte erworben und Kapitalien ausgeliehen. Damit bestand die Vermögensstruktur der Kommende aus Grundbesitz, langfristigen Nutzungsrechten und Geldforderungen[14].

1646 trat der Deutsche Orden im Zusammenhang mit dem Siersdorfer Vermögen als Kreditgeber der Stadt Jülich auf. Damit gehörte neben dem Ertrag aus Grund und Boden auch die Vergabe von Kapital zu den wirtschaftlichen Tätigkeiten.20

1809 wurde die Kommende Siersdorf aufgehoben[15].

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II         Komture

Volcwinus (1267-1268)

Godfried van Stockem (1270-1274)

Gyso von Hergenroth (1305-1308)

Gerard von Runkel (1308-1322)

Godfried von Lerreghe und Burke (1327)

Godfried van Kerkom (1331)

Otto von Zalem (1333)

Johann von Scherve (1341)

Reinhard von Welhoven (1344)

Geldorf von Likburgh (1348)

Baldewin von Ferkeshoven (1350)

Jan von Montzen (1373-1392)

Godart von Bloedorp (1407)

Diederik van Havert (1424-1441)

Goswin von Cortenbach (1454-1462)

Hugo von Sevenberch (1462-1491)

Conrad von Reuschenberg (1491-1522)

Franz von Reuschenberg (1524-1547)

Johan van Goer (1547-1554)

Adam von Holtrop (1566-1569)

Edmond von Reuschenberg (151591-1623)

Johann von Eynatten zu Opsinnich (1624-1649)

Wilhelm von Neuhoff (1649-1676)

Kaspar Schenck von Nideggen zu Hellenraedt (1677-1688)

Bertram Wessel von Loe zu Wissen (1688-1691)

Wilhelm Dietrich von Kolf (161691-1717)

Heinrich Schenck von Nideggen (1728-1732)

Philipp Emmerich von Eltz (1734)

Franz Gerhard von Cortenbach (1736-1742)

Johann Kaspar von Hillesheim zu Ahrental (1744-1761)

Franz Theodor vom Rump zu Crange (1762-1770)

Raimund Kasimir von Lamberg (1771-1775)

Lothar Franz von Horneck (1775-1776)

Clemens August von Plettenberg (1776-1778)

Lothar Franz von Horneck (1778-1805)

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[1] Udo Arnold: Von Münstereifel nach Preußen. Graf Gottfried von Jülich-Bergheim auf Litauerreise, in: Jürgen Sarnowsky (Hg.), Studies on the Military Orders, Prussia, and Urban History. Essays in Honour of Roman Czaja on the Occasion of His Sixtieth Birthday / Beiträge zur Ritterordens-, Preußen- und Städteforschung. Festschrift für Roman Czaja zum 60. Geburtstag, Debrecen 2020, S. 118

[2] Guido von Büren: Zur Architektur- und Kunstgeschichte der Niederlassung des Deutschen Ordens in (Aldenhoven-)Siersdorf, in: Helmut Flachenecker, Aktionen, Reaktionen und Wandlungsfähigkeiten von Balleien in Mittelalter und Neuzeit, Ilmtal-Weinstraße 2025, S. 19-20

[3] Kurt Forstreuter: Eine Reiserechnung des Deutschen Ordens aus dem Jahre 1303, in: Hansische Geschichtsblätter 76, Köln/Graz 1958, S. 130

[4] Guido von Büren: Zur Architektur- und Kunstgeschichte der Niederlassung des Deutschen Ordens in (Aldenhoven-)Siersdorf, in: Helmut Flachenecker, Aktionen, Reaktionen und Wandlungsfähigkeiten von Balleien in Mittelalter und Neuzeit, Ilmtal-Weinstraße 2025, S. 20

[5] „Bericht über die Tätigkeit der Provinzialkommission für die Denkmalpflege in der Rheinprovinz vom 1. April 1901 bis 31. März 1902“, Bonn 1903, S. 65

[6] Rolf-Günther Selinger: Biesen 1526–1618: Aspekte einer Deutschordensballei im Rhein-Maas-Gebiet in der frühen Neuzeit, in: Rheinische Vierteljahrsblätter 57, Bonn 1993, S. 91

[7] Rolf-Günther Selinger: Biesen 1526–1618: Aspekte einer Deutschordensballei im Rhein-Maas-Gebiet in der frühen Neuzeit, in: Rheinische Vierteljahrsblätter 57, Bonn 1993, S. 100

[8] Marian Biskup, Visitationen im Deutschen Orden im Mittelalter. Teil I, Marburg 2002, S. 66

[9] Rolf-Günther Selinger: Biesen 1526–1618: Aspekte einer Deutschordensballei im Rhein-Maas-Gebiet in der frühen Neuzeit, in: Rheinische Vierteljahrsblätter 57, Bonn 1993, S. 100

[10] Rolf-Günther Selinger: Biesen 1526–1618: Aspekte einer Deutschordensballei im Rhein-Maas-Gebiet in der frühen Neuzeit, in: Rheinische Vierteljahrsblätter 57, Bonn 1993, S. 91

[11] Guido von Büren: Zur Architektur- und Kunstgeschichte der Niederlassung des Deutschen Ordens in (Aldenhoven-)Siersdorf, in: Helmut Flachenecker, Aktionen, Reaktionen und Wandlungsfähigkeiten von Balleien in Mittelalter und Neuzeit, Ilmtal-Weinstraße 2025, S. 18

[12] Richard Klapheck: Die Baukunst am Nieder-Rhein. Erster Band: Von der Baukunst des Mittelalters bis zum Ausgange des siebzehnten Jahrhunderts, Düsseldorf 1916, S. 162–164

[13] Michel Van der Eycken: Inventaris van het archief van de Balije Biesen van de Duitse Orde, Brüssel 1995, S. 249–251

[14] Michel Van der Eycken: Inventaris van het archief van de Balije Biesen van de Duitse Orde, Brüssel 1995, S. 249-251

[15] Guido von Büren: Zur Architektur- und Kunstgeschichte der Niederlassung des Deutschen Ordens in (Aldenhoven-)Siersdorf, in: Helmut Flachenecker, Aktionen, Reaktionen und Wandlungsfähigkeiten von Balleien in Mittelalter und Neuzeit, Ilmtal-Weinstraße 2025, S. 18