Kommende Vught

Ballei Aldenbiesen

Bistum Lüttich

Land: Brabant

.

I           Geschichte

Die Kommende des Deutschen Ordens in Vught befand sich im heutigen Noord-Brabant und gehörte zur Deutschordensballei Aldenbiesen. Ihre Geschichte lässt sich vom frühen 14. Jahrhundert bis ins frühe 19. Jahrhundert verfolgen. Im Mittelpunkt standen die Pfarrkirche St. Lambertus, die mit ihr verbundenen Zehntrechte und die Verwaltung umfangreicher Besitzungen. Die erhaltenen Quellen zeigen, dass die Niederlassung über weite Teile ihrer Geschichte weniger als eine klassische Kommende mit einer größeren Gemeinschaft von Ordensbrüdern fungierte, sondern vor allem als Verwaltung einer dem Deutschen Orden inkorporierten Pfarrkirche. Dieses Merkmal prägte die Entwicklung der Kommende von ihren Anfängen bis zu ihrem Ende.

Wann der Deutsche Orden erstmals Besitz in Vught erwarb, ist nicht sicher bekannt. Die Quellen belegen jedoch, dass die Pfarrkirche St. Lambertus und die mit ihr verbundenen Rechte zwischen 1270 und 1334 an den Orden gelangten. Im Jahr 1334 erscheint erstmals ein Komtur des Deutschen Ordens in Vught in den Quellen. Aus diesem Jahr stammt zugleich der älteste erhaltene Nachweis über die Einziehung von Abgaben durch die Niederlassung. Damit ist die Existenz einer organisatorisch etablierten Kommende zu diesem Zeitpunkt gesichert. Die Umstände des Erwerbs bleiben unbekannt. In den Nekrologien der Ballei Aldenbiesen wird ein Dirk Berkhout genannt, der dem Deutschen Orden Güter in Vught geschenkt haben soll. Die Familie Berkhout gehörte zum Umfeld der Herzöge von Brabant. Ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen dieser Schenkung und der Entstehung der Kommende lässt sich jedoch nicht nachweisen. Die Quellen erlauben lediglich die Feststellung, dass eine Schenkung von Besitzungen in Vught überliefert ist.

Mit dem Erwerb der Lambertuskirche erhielt der Deutsche Orden das Patronatsrecht über die Pfarrei und die Einkünfte aus den zugehörigen Zehnten. Das mittelalterliche Pfarrgebiet war deutlich größer als das heutige Gemeindegebiet von Vught. Zur Pfarrei gehörten auch Cromvoirt, Deuteren, ’t Reut, Frankenhofstad sowie das Gebiet um das Schloss Oud-Herlaar auf der gegenüberliegenden Seite der Dommel. Die wirtschaftlichen Rechte des Deutschen Ordens erstreckten sich somit über ein ausgedehntes Gebiet. Innerhalb dieses Pfarrgebietes bestanden weitere kirchliche Einrichtungen. Für Cromvoirt ist 1459 erstmals eine Kapelle belegt. Auch Deuteren besaß später eine eigene Kapelle. Beide Einrichtungen blieben jedoch Teil der Lambertuspfarrei und unterstanden damit weiterhin dem Patronatsrecht des Deutschen Ordens. Die heute bestehende Lambertuskirche entspricht nicht mehr vollständig dem mittelalterlichen Bauwerk. Nach den Quellen wurde die Kirche während der Kriegsereignisse von 1603 schwer beschädigt oder zerstört und anschließend nur teilweise wieder aufgebaut. Der heutige Bau stellt daher lediglich einen Rest der mittelalterlichen Pfarrkirche dar.

Die wirtschaftliche Grundlage der Kommende bestand aus Zehnten, Grundbesitz, Pachtverhältnissen, Renten und Erbzinsen. Von besonderer Bedeutung waren die Zehntrechte. Um 1423 besaß der Deutsche Orden den sogenannten Alten Zehnt („Oude Tiend“) sowie die Zehntrechte von Molenakker, Cromvoirt, Deuteren, ’t Reut und Oud-Herlaar. Daneben verfügte die Kommende über Häuser, Höfe, landwirtschaftliche Flächen und weitere Besitzungen. Eine Quelle aus dem Jahr 1432 erwähnt ausdrücklich einen großen landwirtschaftlichen Betrieb, der zur Kommende gehörte. Dieser Hinweis zeigt, dass die Niederlassung nicht lediglich aus Kirche und Verwaltungsgebäude bestand, sondern zugleich Mittelpunkt eines umfangreichen Wirtschaftsbetriebes war. Die erhaltenen Verwaltungsakten lassen erkennen, dass die Einkünfte aus zahlreichen unterschiedlichen Quellen stammten. Neben den Zehnten bezog der Orden Erträge aus Pachtverhältnissen, Renten, Erbzinsen, Grundstücksrechten und weiteren Besitzungen, die teilweise über das eigentliche Ortsgebiet von Vught hinaus verstreut lagen.

Die Kommende Vught war eine Priesterkommende. Die Quellen nennen mehrfach Ordenspriester, die zugleich Pfarrer von St. Lambertus waren. Im Nekrolog der Ballei Alden Biesen erscheint Gerard van Tienen als Priesterbruder des Deutschen Ordens und zugleich als Pfarrer von Vught. Seine Erwähnung zeigt, dass die Lambertuspfarrei bereits früh eng in die Organisationsstruktur des Ordens eingebunden war. Für das Jahr 1373 ist erstmals ein Komtur der Niederlassung urkundlich nachweisbar. Zu den frühesten namentlich bekannten Amtsträgern gehört Bruder Willem van Roosmeer, der 1405 zugleich als Komtur von Vught und als Pfarrer von St. Lambertus erscheint. Im selben Jahr erwarb er ein Stück Moorland bei Loon op Zand. Sein Beispiel verdeutlicht die enge Verbindung zwischen geistlicher und wirtschaftlicher Verwaltung.

Auffällig ist, dass in den Quellen über lange Zeit häufiger Pfarrer als Komture erscheinen. Nach der ersten Nennung eines Komturs im Jahr 1334 treten die Pfarrer von St. Lambertus oft als die eigentlichen Repräsentanten der Niederlassung hervor. Dies deutet darauf hin, dass beide Funktionen vielfach in einer Person vereinigt waren. Dieser Befund ist für das Verständnis der Kommende von zentraler Bedeutung. Die Quellen sprechen dafür, dass Vught über weite Teile seiner Geschichte keine klassische Kommende mit einer größeren Ordensgemeinschaft war, sondern in erster Linie die Verwaltung einer inkorporierten Pfarrkirche mit ihren Zehntrechten und Besitzungen.

Zu den bekannten Amtsträgern gehörte Jacobus van Zittaert, der zugleich Komtur und Pfarrer war. Sein Grabstein ist erhalten geblieben. Nach den überlieferten Angaben starb er 1555 in Maastricht in hohem Alter. Auf ihn folgte Floris van Masschereel, der zwischen 1555 und 1608 als Komtur nachweisbar ist. Während seiner Amtszeit tritt der Komturtitel wieder deutlicher hervor. Erst nach seinem Tod erscheinen Komtur und Pfarrer regelmäßig als getrennte Funktionen.

Das Ordenshaus befand sich östlich der Lambertuskirche auf dem Gelände der späteren Buitenplaats Zionsburg. Dort lag der Sitz der örtlichen Verwaltung. Über die Architektur des Gebäudes ist wenig bekannt. Die Quellen belegen seine Existenz und seine Funktion, erlauben jedoch keine sichere Rekonstruktion seines Aussehens. Auch die Größe einer dort lebenden Ordensgemeinschaft bleibt unbekannt. Archäologisch gesicherte Reste der mittelalterlichen Kommende sind bislang nicht nachgewiesen. Die heutige Zionsburg steht nicht in unmittelbarer baulicher Kontinuität zum mittelalterlichen Ordenshaus.

Am 26. Juli 1543 wurde Vught während des Feldzuges Maarten van Rossums verwüstet. Zeitgenössische Berichte sprechen von 215 abgebrannten Häusern. Auch das Komturhaus des Deutschen Ordens wurde zerstört. Lange Zeit wurde dieses Ereignis als Ende der Kommende betrachtet. Die Quellen zeichnen jedoch ein differenzierteres Bild. Zwar wurde das Gebäude zerstört, doch die Institution bestand fort. Möglicherweise blieben sogar einzelne Teile der Anlage zunächst erhalten. Hinzu kamen weitere Kriegsereignisse zu Beginn des 17. Jahrhunderts. Die Zerstörungen von 1603 betrafen auch die Lambertuskirche und erschwerten die Wiederherstellung der früheren Verhältnisse zusätzlich. 1615 beschloss die Ordensleitung schließlich, die Kommende nicht mehr aufzubauen. Damit endete die Geschichte des mittelalterlichen Kommendengebäudes endgültig. Die Rechte, Einkünfte und Verwaltungsstrukturen bestanden jedoch weiterhin.

Nach dem Beschluss von 1615 wurde ein Haus in der Sint-Jorisstraat in ’s-Hertogenbosch zur offiziellen Residenz der Vughter Komture bestimmt. Von dort aus wurden die verbliebenen Besitzungen verwaltet. Die wirtschaftliche Verwaltung wurde fortgeführt und entwickelte sich zu einer eigenen Verwaltungseinheit innerhalb der Finanzorganisation der Ballei Alden Biesen. Bereits 1607 wird Hendrik van Zoerendonck als Rentmeister der Kommenden Vught und Gemert genannt. In der Folgezeit wurden die Einkünfte durch Rentmeister, Ordensbeamte und teilweise durch die Pfarrer von St. Lambertus eingezogen. Nach dem faktischen Ende der Kommende bestand Vught als sogenannte „Rezeptur Vücht“ weiter. Die Verwaltung wurde nun von Maastricht aus geführt. Die Einnahmen und Ausgaben wurden innerhalb der Generalkasse der Ballei Alden Biesen gesondert verbucht. Vught blieb dadurch noch lange als eigener Verwaltungsbezirk des Deutschen Ordens bestehen, obwohl vor Ort kein Ordenshaus mehr existierte.

Nach der Einnahme von ’s-Hertogenbosch durch Friedrich Heinrich von Oranien im Jahr 1629 und nach dem Westfälischen Frieden von 1648 blieb das Präsentationsrecht des Deutschen Ordens für die Pfarrer von St. Lambertus bestehen. Die Lambertuskirche wurde protestantisch genutzt, während die katholische Gemeinde ihre Gottesdienste in einer Schuilkerk feierte. Die politischen Veränderungen im Staatsbrabant erschwerten jedoch die Verwaltung der Besitzungen zunehmend. Daher beschloss die Ballei Aldenbiesen 1662 die Auflösung der Kommende und die Veräußerung eines Teils ihrer Güter. Verkauft wurden das ehemalige Kommendegelände in Vught sowie später das Stadthaus in ’s-Hertogenbosch. Die wirtschaftlich bedeutendsten Rechte, insbesondere die Zehnten, blieben jedoch zunächst im Besitz des Deutschen Ordens. Ein geplanter Verkauf an den Chirurgen Arnold Fey kam offenbar nicht zustande. Gerade dieser Umstand zeigt, dass die Geschichte der Kommende nicht mit dem Verkauf von 1662 beendet war. Die Zehntrechte und kirchlichen Rechte bestanden fort und wurden weiterhin verwaltet. Trotz des Verkaufs großer Teile des Besitzes behielt der Deutsche Orden das Patronatsrecht über die Lambertuspfarrei. Mehrere Geistliche des 17. und 18. Jahrhunderts gehörten selbst dem Orden an. Die Verbindung zwischen Orden und Pfarrei blieb daher weiterhin bestehen.

Mit der Besetzung der Österreichischen Niederlande durch französische Truppen in den Jahren 1794 und 1795 wurden die Besitzungen der Ballei Aldenbiesen beschlagnahmt. Dadurch verlor der Deutsche Orden seine verbliebenen wirtschaftlichen Rechte in der Region. Für die Geschichte Vughts bedeutete dies das Ende der wirtschaftlichen Grundlage, auf der die Kommende beziehungsweise ihre Nachfolgeverwaltung jahrhundertelang beruht hatte. Die Einkünfte aus Besitzungen und Zehnten gingen verloren. Die kirchliche Verbindung zur Lambertuspfarrei bestand jedoch weiterhin fort. Da mehrere Pfarrer selbst Mitglieder des Deutschen Ordens waren, blieb die institutionelle Beziehung zwischen Orden und Pfarrei zunächst erhalten. Erst mit dem Tod des letzten Ordenspfarrers Andries Nobelen im Jahr 1829 endete die mehr als fünfhundertjährige Verbindung zwischen dem Deutschen Orden und Vught. Anschließend wurde die Lambertuspfarrei mit der Pfarrei St. Pieter vereinigt.

Die wichtigste Grundlage für die Erforschung der Kommende bilden die erhaltenen Archivbestände des Deutschen Ordens in Vught. Das Archiv umfasst die Zeit von 1334 bis 1795 und enthält mehr als hundert archivalische Einheiten. Zu den überlieferten Dokumenten gehören Urkunden, Zehntregister, Pachtbücher, Rentenverzeichnisse, Rechnungen, Besitzakten, Erbzinsregister und Verwaltungsunterlagen. Die Quellen erlauben die Rekonstruktion von Besitzverhältnissen, Einnahmen, Verwaltungsabläufen und personellen Strukturen über mehrere Jahrhunderte hinweg. Sie zeigen die Entwicklung der Kommende von einer mittelalterlichen Pfarrkommende mit umfangreichen Zehntrechten zu einer späteren Rezeptur innerhalb der Finanzverwaltung der Ballei Aldenbiesen. Zugleich dokumentieren sie die außergewöhnlich lange Verbindung zwischen dem Deutschen Orden und der Lambertuspfarrei.

Die Geschichte der Kommende Vught ist damit vor allem die Geschichte einer vom Deutschen Orden verwalteten Pfarrkirche und ihrer Besitzungen. Von der ersten sicheren Erwähnung im Jahr 1334 bis zum Tod des letzten Ordenspfarrers im Jahr 1829 bestand diese Verbindung über nahezu fünf Jahrhunderte hinweg.

.

II           Komture

Aert van Mompellier (1373)

Johann von Cortenbach (1539-1543)

Floris van Maschereel (1555-1608)

Johan Raitz von Frentz (1610-1624)

Dietrich Stefan von Reuschenberg (1624-1631)

Heinrich Schenck von Nideggen (1638)

Johann Franz von Lutzenrode (1642-1647)

Heinrich Schenk von Nideggen (1649)

Willem Quadt de Beeck (1659)

Johann Adrian von Bilandt (1659-1665)

Hendrick van Wassenaer tot Warmont (1677-1683)

Bertram Wessel von Loe (1683-1688)

.

– Quellen und Literatur –

Kappelhof, A.C.M.: Geschiedenis van de commanderij Vught van de Duitse Orde 1300–1829, Den Haag 2018

Kappelhof, A.C.M.: Inventaris van de archieven van de Duitse Orde te Vught 1334–1795. ’s-Hertogenbosch 1978

Leden van de Duitse Orde in de Balije Biesen, Bilzen 1994

Mol, J. A.: De Friese Huizen van de Duitse Orde, Ljouwert 1991

Ridderlijke Duitsche Orde, Balije van Utrecht: Cultuurhistorische inventarisatie van het gebouwd erfgoed van de Ridderlijke Duitsche Orde in Nederland. Utrecht 2023.

Vughts Museum: Vught in de Middeleeuwen. Vught o. J.

Brabants Historisch Informatie Centrum (BHIC): „Vechtmonniken en islambestrijders: de Duitse Orde in Vught“. Online-Beitrag zur Geschichte der Kommende Vught. (24.06.2026)