Landkommende Koblenz

Ballei Koblenz

Erzbistum Trier

Land: Kurfürst-Erzbistum Trier

.

I           Geschichte

Im Jahre 1216. In diesem Jahr übertrug der Trierer Erzbischof Theoderich von Wied dem Deutschen Orden die Besitzungen des St-Nikolaus-Hospitals, das zuvor vom Koblenzer Florinstift verwaltet worden war. Zum übertragenen Hospitalvermögen gehörten Geld- und Naturalrenten, wie auch Grundstücke in Koblenz und den Ortschaften der näheren Umgebung. Das bisherige Hospitalgebäude verblieb beim Florinstift. So errichtete der Deutsche Orden in der Nähe des Kastorstiftes ein neues Hospitalgebäude, welches jedoch außerhalb der damaligen Stadtbefestigung lag[1]. Abgerundet wurde dieser Komplex durch eine kleine Kapelle und ein Kommendengebäude[2].

Schon bald kam es zu ersten Auseinandersetzungen und 1219 wurde ein Streit um Güter bei Mallendar zwischen einem Ritter von Vallendar und einem Ludwig ‚vom Deutschen Haus‘ geschlichtet[3]. Bis zum Ende des 13. Jahrhunderts ließen Schenkungen und Käufe den Kommendenbesitz auf etwa 20 Höfe im Rhein-Mosel-Gebiet anwachsen, wobei die Weingüter in Rhens, Oberlahnstein, Boppard, Oberwesel, Moselweiß, Güls und Lay besonders bedeutend und vom Zoll befreit waren. Weitere Einnahmen flossen aus landwirtschaftlichen Höfen, Natural- und Geldrenten, wozu noch verschiedene Grundstücke traten[4].

Eine Urkunde vom 3. Dezember 1279 berichtet über die Fertigstellung eines neuen Gebäudeteils, wobei jedoch ein öffentlicher Weg zwischen Kapelle und Hospital verlief. Der Erzbischof genehmigte zwar die Schließung des Weges, doch musste dafür ein Ersatz geschaffen werden[5].

Im ausgehenden 13. Jahrhundert entschloss man sich zu einem Neubau der Kapelle, welcher dann 1302 abgeschlossen war. Es handelte sich um eine dreischiffige Hallenkirche, die, wie die alte Kapelle auch, der Gottesmutter Maria und der heiligen Elisabeth geweiht war[6]. 1354 gestattete der Erzbischof den Bau einer weiteren Kapelle, welche an der Südwand des Chores lag und als Friedhofskapelle der Kommende diente[7].

1344 findet das Hospital seine letzte Erwähnung in einem Ablassbrief[8]. In der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts wurde das Gebäude abgebrochen und der Platz für eine Erweiterung der Wohnbauten des Konventes genutzt[9]. Kurz zuvor war der Remter umgebaut worden und damit benötigter Wohnraum verloren gegangen. 1472 wird nur noch eine Firmarie erwähnt. Dafür entstanden in dieser Zeit zahlreiche neue Gebäude, welche die Kommende nun zu einem geschlossenen Gebäudekomplex zusammenführten[10]. Dies entsprach durchaus der personellen Besetzung. Denn 1410/11[11] und 1420 lebten dreizehn Ritter- und sechs Priesterbrüder in der Kommende, und auch 1451 waren es noch sechs Ritter- und neun Priesterbrüder[12]. Rund hundert Jahre später, 1558, waren es nur noch sieben Ordensbrüder[13].

Die räumlich weit verstreuten Besitzungen verursachten einiges an Schwierigkeiten. So ließ Johann von Hochstaden der Kommende am 23. September 1453 einen Fehdebrief überbringen, der jedoch erst am Abend des 24. Septembers eintraf. Der Streit betraf Besitz und Gerichtsrechte in der zur Kommende gehörenden Herrschaft Elsen. Aufgrund der Entfernung aber konnte man weder eine Einigung herbeiführen, noch die dortigen Untertanen warnen, als Johann von Hochstaden am Morgen des 27. September den Ort angriff. Wie die Fehde endete, ist unbekannt[14].

Im 15. Jahrhundert geriet die Kommende zunehmend in wirtschaftliche Schwierigkeiten. Galt die Finanzlage 1456 noch als schlecht, so war die Kommende 1471 schwer verschuldet und das Haus kaum noch zu unterhalten. Gründe dafür waren unter anderem sinkende Bodenrenten, aber auch Misswirtschaft[15].

Seit der Mitte des 17. Jahrhunderts residierte der Landkomtur nicht mehr in Koblenz, sondern hatte seinen Sitz nach Köln verlegt. Lediglich der Hauskomtur bewohnte noch den Rheinflügel, wo auch Räume für die gelegentlichen Aufenthalte des Landkomturs reserviert waren. Die Gottesdienste in der Kommendenkirche wurden durch einen auswärtigen Priester versehen.

Schon 1619 hatte der Landkomtur Haus Morsbroich mit seinen Ländereien erworben. Zuerst als Landsitz genutzt und zwischen 1634 und 1657 umgebaut, wurde es ab 1761 in einen Residenzbau verwandelt. Als die französischen Truppen das linke Rheinufer eingenommen hatten, wurde es zum alleinigen Sitz des Landkomturs[16].

Die Visitation von 1652 zeigte, wie sehr die Kommende durch den Dreißigjährigen Krieg in Mitleidenschaft gezogen worden war. Der ganze Bau war in einem katastrophalen Zustand[17]. Gleichzeitig stellte die Visitation endgültig fest, dass es kein Hospital mehr gebe, an jedem Samstag aber ein halbes Malter Getreide in Form von Broten an Arme verteilt werde[18].

Seit 1663 wurden Kirche, Wirtschafts- und Wohnbereiche der Kommende saniert und renoviert. Hierbei wurde jedoch nur die wirtschaftliche Nutzbarkeit aufrechterhalten, mehr nicht[19]. Auch im 18. Jahrhundert wurde an dem Gebäude nur das Notwendige vorgenommen. Der Westflügel war so baufällig, dass er erst 1720 wieder bewohnbar war.

Nachdem 1759 die Kommendenkirche für 1.196 Reichstaler und 32 Albi renoviert worden und die angrenzende Kapelle mit einer Freskenmalerei versehen worden war, wurden 1792/93 alliierte Truppen in der Kommende untergebracht und 1795 endgültig eine Kaserne mit Waffendepot aus dem Gebäude. Anschließend verpachtete die französische Domänenverwaltung die Gebäude an verschiedene Nutzer[20]. Die Enteignung beendete den tragischen Abstieg der Kommende endgültig.

.

[1] Richard Knipping: Die Baugeschichte des Deutschordenshauses zu Coblenz, Leipzig 1907, S. 1

[2] Richard Knipping: Die Baugeschichte des Deutschordenshauses zu Coblenz, Leipzig 1907, S. 13-14

[3] Karl Heinrich Lampe: Zur Geschichte der Deutschordenskommende Pitzenburg und Mecheln, in: Preußenland und Deutscher Orden. Festschrift für Kurt Forstreuter, Würzburg 1958, S. 234

[4] Richard Knipping: Die Baugeschichte des Deutschordenshauses zu Coblenz, Leipzig 1907, S. 1-3

[5] Richard Knipping: Die Baugeschichte des Deutschordenshauses zu Coblenz, Leipzig 1907, S. 11-12

[6] Richard Knipping: Die Baugeschichte des Deutschordenshauses zu Coblenz, Leipzig 1907, S. 13-16

[7] Richard Knipping: Die Baugeschichte des Deutschordenshauses zu Coblenz, Leipzig 1907, S. 17

[8] Klaus van Eickels: Knightly Hospitallers or Crusading Knights? Decisive Factors for the Spread of the Teutonic Knights in the Rhineland and the Low Countries, 1216–1300, in: Helen Nicholson, The Military Orders, Bd. 2: Welfare and Warfare, Aldershot 1998, S. 79-80

[9] Klaus van Eickels: Knightly Hospitallers or Crusading Knights? Decisive Factors for the Spread of the Teutonic Knights in the Rhineland and the Low Countries, 1216–1300, in: Helen Nicholson, The Military Orders, Bd. 2: Welfare and Warfare, Aldershot 1998, S. 80

[10] Richard Knipping: Die Baugeschichte des Deutschordenshauses zu Coblenz, Leipzig 1907, S. 19-20

[11] Marian Biskup: Visitationen im Deutschen Orden im Mittelalter. Teil I, Marburg 2002, S. 65

[12] Hans Limburg: Die Hochmeister des Deutschen Ordens und die Ballei Koblenz, Bad Godesberg 1969, S. 108

[13] Richard Knipping: Die Baugeschichte des Deutschordenshauses zu Coblenz, Leipzig 1907, S. 22

[14] Klaus Militzer: Fehde und Deutscher Orden, in: Ordines Militares. Colloquia Torunensia Historica 18, Torun 2013, S. 184-185

[15] Richard Knipping: Die Baugeschichte des Deutschordenshauses zu Coblenz, Leipzig 1907, S. 21

[16] Udo Arnold, Schloß Morsbroich, in: Ritter und Priester. Acht Jahrhunderte Deutscher Orden in Nordwesteuropa., Aldenbiesen 1992, S. 174

[17] Richard Knipping: Die Baugeschichte des Deutschordenshauses zu Coblenz, Leipzig 1907, S. 22-23

[18] Richard Knipping: Die Baugeschichte des Deutschordenshauses zu Coblenz, Leipzig 1907, S. 20

[19] Richard Knipping: Die Baugeschichte des Deutschordenshauses zu Coblenz, Leipzig 1907, S. 23

[20] Richard Knipping: Die Baugeschichte des Deutschordenshauses zu Coblenz, Leipzig 1907, S. 25