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Ballei Böhmen

 

Kommenden

Geschichte

Landkomture

 

Siegel des Landkomturs

 

 

K O M M E N D E N

- Aussig

- Austerlitz

- Bilin

- Görlitz

- Deblin

- Deutschbrod

- Drobowitz

- Hosterlitz

- Hostraditz

- Hrottowitz (Rutwitz)

- Jägerndorf

- Komotau

- Königgrätz

- Krenowitz

- Kromau

- Miletin

- Neuhaus

- Pilsen

- Pitschkowitz

- Polona

- Prag

- Rippin

- Troppau

 

 

I. Geschichte

Die Ballei wurde 1233 begründet und erhielt ihren Sitz in Prag, dessen Komtur damit zum Landkomtur aufstieg. Ob die Ballei jemals dem Deutschmeister unterstand ist zweifelhaft, doch wurde sie dem Landmeister von Preußen, Hermann Balk, unterstellt, dem sie im Preußenprojekt als wirtschaftlicher Rückhalt dienen sollte. Böhmen war eine der reichsten Balleien des Ordens. Und obwohl sie hohe wirtschaftliche Unterstützungen im Preußenkampf erbringen musste, konnte sie in frühen Zeiten immer auch eigene Überschüsse erzielen1. Mit der Übernahme des Landmeisteramtes von Preußen durch den Hochmeister wurde Böhmen zur Kammerballei des Hochmeisters2. Im Jahre 1382 zählte die Ballei 113 Ordensbrüder in 20 Kommenden, welche von sieben Kaplänen unterstützt wurden. Die mit zahlreichen Pfarreien versehene Ballei, hatte nur wenige Eintritte unter den Ritterbrüdern und verfügte über entsprechend viele Pfar-Kommenden, deren Komtur der jeweilige Pfarrer war3. Bereits im 14. Jahrhundert setzte eine Abschottung ein, welche die Versetzung eines Bruders in eine Ballei des Deutschmeisters oder des Landmeisters von Livland immer seltener werden ließ, bis diese im 15. Jahrhundert ganz zum Erliegen kamen4. Auch setzte bereits im 14. Jahrhundert der Niedergang der Ballei ein. Hierbei wurde ihr wirtschaftlicher Niedergang von einem Niedergang in der Ordensdisziplin begleitet. Offener Ungehorsam ließ den Hochmeister an den König appellieren, dass er den Landkomtur in seiner Amtsführung unterstütze. Gleichzeitig drohte er den entsprechenden Ordensbrüdern eine Versetzung nach Preußen an. Die königliche Unterstützung führte schon bald zu königlichen Eingriffen, welche eine Aufrechterhaltung der Exemtion unmöglich machten. Nachdem der Hochmeister 1410 bei König Wenzel IV. Geldanleihen auf die Ballei aufgenommen hatte, beschlagnahmte dieser Kommenden, Güter und Grundherrschaften, womit er die wirtschaftliche Grundlage der Ballei vernichtete und einen Territorialisierungsprozeß einleitete. Da der König die eingezogenen Güter weiter vergab, war eine Umkehrung des Geschehenen ausgeschlossen. Schließlich blieben der Ballei nur ihre Pfarreien und deren oftmals spärliche Einkommen. Als 1418 auch der Herzog von Troppau Forderungen erhoben hatte und die Ordenspfarrer von Pilsen, Polna, Hosterlitz, Neuhaus und Drobowitz aus ihren Pfarreien vertrieben worden waren, brachen die Hussitenkriege (1419 bis 1434/39) der Ballei endgültig das Genick. Was nicht bereits durch den König entfremdet worden war, dass war nun in die Hände der Hussiten geraten. Der Ballei waren 14595 nur noch zehn Kommenden geblieben6, welche teilweise verschuldet waren. 1487 war die Ballei dann ohne eigene Leitung, da ihre Geschäfte durch den Deutschmeister und den Landkomtur von Franken wahrgenommen wurden. Lediglich die Pfarrkirche in Pilsen wurde noch durch einen Ordenspriester betreut, dem der päpstliche Legat 1534 sogar das Recht der Pontifikalien verlieh7. Seit 1544 starb die Ballei faktisch personell aus8.

 

II. Landkomture9

Rüdiger (1233)

Theoderich (1234/36)

Andreas (1241)

Ludwig (1240-1263)

Mutinus (1265)

Helivic (1269)

Ludwig (1270-1272)

Heinrich (1272?)

Arnold Kropp (1279)

Diethold (1286-1288)

Hermann von Schauenburg (1290)

Heinrich von Byr (1293)

Diethold (1294)

Johann von Böhmen (1304)

Heinrich von Byr (1305)

Petrus (1306)

Johann von Waldeser (1306-1308)

Berthold von Henneberg (1313)

Leo von Tysow (1315-1326)

Jeschek (1328-1329)

Berengar von Meldingen (1330)

Johann von Schauenforst (1332-1334)

Friedrich von Salza (1335)

Herbert von Machwitz (1337)

Otto von Volkermarkt (1337)

Leo (1340)

Stibor Pflug von Rabenstein (1340-1346)

Rudolf von Homburg (1354-1368)

Jakob (1361)

Ludko von Essen (1368-1371)

Albrecht von der Duba (1372-1378)

Heinrich gen Knapp (1379)

Wolf von Zülnhart (1379-1382)

Johann von Mülheim (1382-1383)

Johann von Mühlheim (1385-1393)

Albrecht von Duba (1394-1402)

 

1 Klaus Militzer Die Geschichte des Deutschen Ordens, Stuttgart 2005, S. 51-52
2 Klaus Militzer Die Geschichte des Deutschen Ordens, Stuttgart 2005, S. 132
3 Josef Hemmerle, Die Deutschordens-Ballei Böhmen in ihren Rechnungsbüchern 1385-1411, Bad Godesberg 1967, S. 25
4 Klaus Militzer Die Geschichte des Deutschen Ordens, Stuttgart 2005, S. 141-142
5 Josef Hemmerle, Die Deutschordens-Ballei Böhmen in ihren Rechnungsbüchern 1385-1411, Bad Godesberg 1967, S. 29-33
6 Klaus Militzer Die Geschichte des Deutschen Ordens, Stuttgart 2005, S. 176-177
7 Josef Hemmerle, Die Deutschordens-Ballei Böhmen in ihren Rechnungsbüchern 1385-1411, Bad Godesberg 1967, S. 33
8 Bernhard Demel, 1190-2010. 820 Jahre Deutscher Orden. Fünf Referate über eine lange Geschichte in Europa., Riedeldruck 2011, S. 119
9 Marian Tumler, Der Deutsche Orden im Werden, Wachsen und Wirken bis 1400 mit einem Abriß derGeschichte des Ordens von 1400 bis zur neuesten Zeit, Wien 1955, S. 620